von Körper und Geist kanonisierte, da er mit seinem formuliertem Dualismus („res cogitans et res extensa“) einen der Welt entgegengesetzten, naturalistischen Psychologismus entwarf, der trotz seiner Rationalität eine im Gegensatz inbegriffene Dingwelt antizipierte. In der, aus dieser Opposition der Wissenschaften resultierenden, Stagnation sieht Husserl den Kern der Krisis der europäischen Wissenschaften, die sich aus zwei Seiten zusammensetzt - wie jede Opposition.
2. Die zwei Seiten des „Kerns“
a) Die eine Seite - die idealisierte Körperwelt durch Galilei
Husserl erläutert, wie Galilei einem ganz besonderem Zeitgeist unterworfen war: Galilei unterlag den Idealen der Mathematik. Es hatte sich ergeben, dass sich durch die jahrtausende alte Arithmetik irgendwann eine Form der Geometrie ergeben hatte, welche Anwendung in der Realwelt fand. Als Beispiel nennt Husserl die Messkunst (S. 27), die sich an den Formen der Geometrie orientierte und später die Gestalt der angewandten Mathematik annahm. Galilei bediente sich dieser angewandten Mathematik und leitete nun „Verhängnisvolle Missverständnisse als Folgen der Unklarheit über den Sinn der Mathematisierung“ [Titel § 9 i) S. 58] ein. Das Missverständnis sieht Husserl darin, dass aus erzielten Ergebnissen der angewandten Mathematik nun rückwirkend auf die Seinsform der Welt geschlossen wurde: namentlich mithilfe der Physik. Allerdings sei es uns nur möglich, die in der empirischen Welt gemessenen Gegenstände approximativ an die idealisierte geometrische Vorstellung zu richten (so wir in der Natur nie einen reinen Kreis vorfinden werden). Die Selbstverständlichkeit dieses approximativen Ausrichtens der sinnlichen Qualitäten an Idealwerte [der „Füllen“ (S. 36) an die „Form“-gebenden Mathematik] ist für Husserl naiv:
„Auch diese [sinnlichen]Qualitäten treten in Gradualitäten auf, und auch in gewisser Weise gehört auch zu ihnen, gehört zu allen Gradualitäten Messung - ‚Schätzung’ der ‚Größe’ der Kälte und Wärme, der Rauhigkeit und Glätte, der Helligkeit und Dunkelheit usw. Aber es gibt keine exakte Messung, keine Steigerung der Exaktheit und der Messmethoden. Wo wir Heutigen von Messung, von Maßgrößen, Maßmethoden, von Größen schlechthin sprechen, meinen wir in der Regel immer schon auf Idealitäten bezogene ‚exakte.’“ (S.35)
2
Arbeit zitieren:
Mirko Wulf, 2008, Der Kern der "Krisis der europäischen Wissenschaften" nach Husserl, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Der Sinn und Nutzen der Wissenschaften in der Lebenswelt
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Seminararbeit, 20 Seiten
Husserls Lebenswelt-Konzept: Intentionen, Probleme, mögliche Anwendung...
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Hausarbeit (Hauptseminar), 23 Seiten
Husserls Kritik an Descartes im Hinblick auf die Grundlegung der natur...
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart
Examensarbeit, 73 Seiten
Unterrichtsstunde: Friedenssicherung am Beispiel Afghanistan
Politik - Didaktik, politische Bildung
Unterrichtsentwurf, 12 Seiten
Unterrichtsentwurf: Argumentation und das Verfassen einer Einleitung f...
Deutsch - Erörterungen und Aufsätze
Unterrichtsentwurf, 24 Seiten
Fertigkeit Lesen - Aufgabenkonzept zum Text "Rauchen - Griff nach...
Seminararbeit, 19 Seiten
Schriftliches Erzählen in der Zweitsprache
Mehrsprachigkeit in der Grunds...
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Hausarbeit, 15 Seiten
Immanuel Kant: "Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?"
Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Hausarbeit, 14 Seiten
Der Schriftspracherwerb im mehrsprachigen Kontext: Texterschließung, ...
Referat (Ausarbeitung), 14 Seiten
Deutsch als Zweit- und Fremdsprache - Kommentierte Arbeitsblätter &quo...
Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache
Unterrichtsentwurf, 12 Seiten
Basiskonzepte der politischen Bildung und ihre theoretische Fundierung
Eine kritische Zwischenbilanz ...
Gemeinschaftskunde / Sozialkunde
Hausarbeit, 24 Seiten
Migration, Akkulturation und Gesundheit
Von den Akkulturationstheorien...
Wissenschaftlicher Aufsatz, 29 Seiten
Die Vereinten Nationen - Ausarbeitung einer Unterrichtsstunde für eine...
Unterrichtsentwurf, 23 Seiten
Die Vereinten Nationen im Menschenrechtsdilemma
Der Konflikt in Darfur im Spie...
Politik - Internationale Politik - Thema: Völkerrecht und Menschenrechte
Hausarbeit (Hauptseminar), 54 Seiten
oswald poplas-B. hat den Text Der Kern der "Krisis der europäischen Wissenschaften" nach Husserl kommentiert
oswald poplas-B. hat den Text Der Kern der "Krisis der europäischen Wissenschaften" nach Husserl kommentiert
oswald poplas-B. gefällt Der Kern der "Krisis der europäischen Wissenschaften" nach Husserl
Die Krisis der europäischen Wissenschaften und die transzendentale Phä...
Eine Einleitung in die phänome...
Edmund Husserl
Die Krisis der europäischen Wissenschaften und die transzendentale Phä...
Ergänzungsband. Texte aus dem ...
Edmund Husserl, Reinhold N. Smid
Die graduelle Konstitutionalisierung der Europäischen Union
Eine quantitative Fallstudie a...
Paul W. Thurner
Die Krisis Der Europ Ischen Wissenschaften Und Die Transzendentale PH ...
Edmund Husserl, W. Biemel
Das Unbewusste. Krisis und Kapital der Wissenschaften
Studien zum Verhältnis von Wis...
Christina von Braun, Dorothea Dornhof, Eva Johach
Unterwegs zum Dialog mit den Wissenschaften
Phänomenologische und neukanti...
Kyeong-Seop Choi
Politik und Religion in der Europäischen Union
Zwischen nationalen Traditione...
Hartmut Behr, Mathias Hildebrandt
oswald poplas-B.
Ich möchte dem Autor der Seminararbeit M.Wulf doch
noch einen Hinweis geben bzgl.
G.Galilei:
G.Galilei war auf dem Gebiet der Naturwissenschaften(Statik/Astronomie) ganz und gar nicht dem Zeitgeist untworfen.
Dazu soll m.Wulf entweder "Discorso" von.G.G. oder den "Dialog über die zwei größten Weltsystme" lesen.
Der neue Begriff der Materie
in seiner NUVOA SZIENZA" ist homogen, d.h. qualitative Merkmale spielen keine Rolle
mehr, nur noch Größe und Zahl sind von Bedeutung.
Seine Fallgestze mußte G.G.
noch rein geometrisch beweisen, und nicht mathematisch, d.h. mit Hilfe
von Integral und infinitesimalrechnung .
Er war dem naturphilosophischen Geist
seiner Zeit nicht unterworfen, weil er eine
der aristotelischen Physik,
z.B.in der Definition der Bewegung,vollkommene fremdartige und damit neue
Schlußfolgerung vertreten hat.
Z.B.glaubte man damals ,entsprechend der Lehre Aristoteles, dass ein Gegenstand sich nur so lange bewegt, wie er vorangetrieben wird, und dass er (d.h. der Gegenstand) sofort einhält, sobald dieser Antrieb aufhört.
Das Neuartige seiner Idee auf dem Gebiet der Dynamik bestand nun darin, dass G.G. aus dem Fallgesetz der schiefen Ebene die Schlußfolgerung
gezogen hat, dass die Geschwindigkeit dieser Bewegung im einfachen Verhältnis zur Zeit, zunehmen muß. Daraus kann
man schon den Sinn bzw. Unsinn der Frage erkennen, nach dem "Sinn der Mathematisierung ". Das ist für G.G. eine Frage, die seiner Meinung nach nur ein Scholastiker und Aristoteliker zu stellen vermag und somit sinnlos und wertlos ist, d.h. keinen weiteren Erkenntnisgewinn für die Naturwissenschaft erbringen kann.
G.G. hat zum ersten Mal in der Naturwissenschaft bzw.Physik die "forma" der
Scholastik aufgelöst und in den neuartigen Matriebegriff seiner "NUOVA SZIENZA "
gebracht, d.h. das prädikative Denken wurde erstmals durch ein funktionelles Denken in der Physik ersetzt. Und damit stellte sich keine Frage mehr nach dem Sinn oder dem "was von etwas ".
Für mich persönlich ist die Phänomenologie Husserls nur HOKUSPOKUS, Scholastik in neuer Verpackung. Das ist natürlich sehr polemisch formuliert, aber mit Absicht.
Oswald Poplas-B-
Warthofstr.9
81549 München
warthof@gmx.de
am Friday, July 30, 2010-
oswald poplas-B.
Das soll eine Ergänzung zu meinem ersten Beitrag über die Seminararbeit von M.Wulf " Die Krisis der europäischen Wissenschaften " werden.
Zum besseren Verständnis der Person und neuen Typus des Naturwissenschaftlers G.
Galileis ist es wichtig zu wissen, dass, bevor er seine
ersten naturwissenschaftlichen Arbeiten veröffentlichte, als Professor an Universität
Pisa sogenannte "barockscholastische Naturphilosophie lehrte.
Zu seinen Vortragsfächern gehörter auch der Nominalismus mit all seinen
Irrungen und Wirrungen sowie
Disputationen .Hier aus dem Nominalismus kamen die geistigen Anregungen, die letzlich G.G. zur der naturwissenschaftlichen Anschauung führten,von der Existenz der gemessenen "formae" abzusehen und nur die Maß selbst als real anzusehen.Dadurch gewinnt
mit einem Mal die graphische Darstellung (Kurve), abgekoppelt von der realen Welt, selbst Realität, die schließlich dann zur ausschließlichen wird in Physik und Mathematik der
damaligen Zeit.
Oswald Poplas-B.
am Friday, July 30, 2010-