eine Annäherung
1) EINLEITUNG Seite 3 2) KITSCH
a) Die Geschichte des Kitschbegriffes Seite 4 b) Merkmale des Kitsches Seite 10 c) Kitsch im Film Seite 13 3) POESIE a) Poesie und Poetizität Seite 18 b) Poesie im Film Seite 21
4) FALLSTUDIE: „Der Himmel über Berlin“ vs. „Stadt der Engel“ a) Inhalt Seite 26 b) Formale Umsetzung Seite 31 5) KONKLUSION Seite 37 6) BIBLIOGRAFIE Seite 39
„Beim Film besteht die Gefahr, dass er seinen Zuschauern keine Freiheit mehr gibt, etwas zu sehen, sondern nur noch ihnen sagt, was sie zu sehen haben...Ich will andere Filme machen, die im Kopf des Zuschauers entstehen..die keinen Zwang ausüben, sondern ihm einen freien Blick gewähren, die die Dinge selbst ausbreiten, so dass man, wie im Leben auch, etwas sehen kann oder nicht.“ 1
1 Wim Wenders in: The Act of Seeeing, S.42
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eine Annäherung 1) EINLEITUNG
Seit ich Filme mache, beschäftige ich mich mit der Frage wie Poesie im Film entsteht, welche Arten es gibt und warum eine ähnliche Szene in dem einen Film kitschig und in einem Anderen poetisch erscheinen kann. Gibt es tatsächlich übereinstimmende feststellbare Merkmale, die Filme mit den Prädikaten „poetisch“ oder „kitschig“ aufweisen, oder sind die Konnotationen dieser Begriffe rein rezeptionell bedingte, subjektive Kategorien, die je nach Betrachter und Umstand differieren? „Poesie ist so schwer zu verstehen, ich mag Kitsch, weil er mich von mir entführt.“ „Was ich mit Poesie verbinde ist etwas, was meine Seele, mein Herz berührt, nicht mein logisches Denken oder meinen Verstand.“
„Für mich ist Kitsch etwas Überflüssiges, Überzeichnetes. Man will etwas mit überflüssigen Mitteln zu etwas werden lassen, was man mit anderen Mitteln nicht konnte.“ Dies sind nur ein paar Aussagen, die ich zum Thema Kitsch und Poesie im Film in eigenen Umfragen gesammelt habe, aber sie spiegeln die Vielfalt der Meinungen zu dem Thema gut wider. Wie so vieles ist Poesie und Kitsch nicht absolut, sondern entsteht erst im Auge des Betrachters. Das Empfinden für Kitsch und Poesie ist in hohem Maße individuell geprägt und durch soziale, kulturelle und zeitliche Rahmenbedingungen beeinflusst, es sind subjektive Begrifflichkeiten, die darüber hinaus je nach kulturellem Referenzrahmen stark in ihrer Ausprägung und Wirkung variieren können. Zudem werden Kitsch und Poesie häufig im Diskurs über Qualitätsunterschiede in der Rezeption von Kunstprodukten verwendet: ob ein Film als kitschig oder poetisch angesehen wird, kann also nicht in der Herstellungsphase definitiv festgelegt werden, sondern erfordert das Einbeziehen von Werturteilen eines breiten Publikums.
In der folgenden Arbeit werde ich zuerst einen groben Überblick über den gesellschaftlichen Diskurs und die begriffsgeschichtlichen Entwicklungen von Kitsch und Poesie geben, um dann einige ästhetische und inhaltliche Merkmale herauszuarbeiten, die ich im Besonderen auf das Medium Film beziehen werde. Trotzdem der Diskurs über Kitsch und Poesie in der Kunst stark von der Rezeptionsseite geprägt ist, will ich hier versuchen, anhand von Beispielen filmische Merkmale und Mittel der Inszenierung herauszustellen, die mehr als andere prädestiniert sind „kitschig“ oder „poetisch“ zu wirken. Anhand der Fallstudie in Form einer analytischen Gegenüberstellung der stilistischen Mittel bei „Der Himmel über Berlin“ (Wim Wenders, Deutschland/ Frankreich 1987) und „Stadt der Engel“ (Brad Silberling, Deutschland/ USA 1998) werde ich die so erarbeiteten Thesen überprüfen.
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eine Annäherung 2) KITSCH
„Man hat mir die Worte Schnee und Einsamkeit zu oft in den Mund genommen und in einer verlogenen Gemachtheit die anscheinend unerschöpfliche Fülle von Poesie und Wahrheit, die in ihnen lag zerstört.“ 2
Das Wort Kitsch, das zu den zehn am schwersten zu übersetzenden Wörtern der Welt gehört und deswegen in vielen Sprachen aus dem Deutschen übernommen wurde, kam 1881 erstmals in der Berliner Künstlerszene auf. Es wurde im Laufe der Zeit mit einer Menge an unterschiedlichen Konnotationen überladen und ist eng mit der in der jeweiligen Epoche vorherrschenden Auffassung vom Wesen der „Kunst“ und deren Funktion verknüpft. Allerdings war die Rezeption von Kunst -Kitsch im Laufe der Geschichte vielen gesellschaftspolitischen Veränderungen und wandelnden Wertvorstellungen unterworfen, so dass zuweilen aus Kitsch Kunst wurde und aus Kunst Kitsch. Eine Klassifizierung und Bewertung von Kunst und Kitsch ist somit immer nur innerhalb einer bestimmten Zeitperiode möglich.
Kitsch, wie Kunst, ist also ein sehr subjektiver Begriff, der sich einer eindeutigen, allgemeingültigen Definition entzieht. Die vorwiegend negativen Assoziationen haben sich im Laufe der Jahrzehnte mehr oder weniger überlagert, weswegen ich zuerst einen Abriss über die Geschichte des Kitschdiskurses ab dem 18. Jahrhunderts gebe - die Kitschdebatte begann also lange vor der Prägung des eigentlichen Begriffes, in den Umwälzungsprozessen zwischen Klassik und Aufklärung. Anschliessend füge ich eine kurze Merkmalsbeschreibung an, in der ich aus rezeptionssästhetischer Sicht beschreibe, was sich heutzutage allgemeinsprachlich hinter dem Begriff Kitsch verbirgt. Schlussendlich beziehe ich die herausgearbeiteten Kennzeichen und Attribute, die dem Begriff Kitsch zugeschrieben werden, auf das Medium Film und die ihm eigenen Qualitäten und Eigenschaften.
a) Die Geschichte des Kitschbegriffes
Kitsch wird im Laufe der Geschichte immer wieder in Verbindung gebracht mit den Gegensätzen von ernsthafter Kunst gegenüber Unterhaltungskunst/Kommerz, Authentizität/Originalität entgegen dem Massenprodukt oder der Reproduktion und der Bedeutung von Emotionalität oder Rationalität in der Rezeption von Kunst. Hierbei gilt es allerdings auch zu beachten, dass die auch heute noch
2 Gustav Sack, Kitsch, in: Kitsch-Texte und Theorien, S.40
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eine Annäherung
(ab-)wertend gebrauchte Unterscheidung zwischen "E" und "U" in der Kunst eine Erfindung der deutschen Romantik ist, die es z.B. im angelsächsischen Sprachraum nie gegeben hat - was auch die Unübersetzbarkeit des Begriffs und seine Übernahme in andere Sprachen veranschaulicht wird. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem passiven bzw. aktiven Rezipienten. Im folgenden Abschnitt werde ich die wesentlichen Positionen in der Geschichte der Kitschdiskussion anhand dieser dichotomischen Begriffspaarungen nachvollziehen.
Im Zuge der Aufklärung wird die Instanz des „Gefühls“ als eine moralisch und ästhetisch wichtige Komponente des Lebens aufgewertet, so dass in der Alltagskultur mehr gefühlsbetonte Kommunikationsformen gefordert und herausgebildet werden. Eine breite Bevölkerungsschicht bekommt Zugang zu Bildung und Büchern; gleichzeitig bildet sich der Wunsch heraus, sich von diesen eben nicht nur bilden, sondern auch unterhalten zu lassen, der wiederum einhergeht mit dem Bedürfnis nach Identifikation und Empathie- So verändert sich die literarische Produktion tief greifend und die Romanliteratur als eigenständige Gattung wird begründet. Das führt auch zur Begründung der Literatur als Broterwerb - hatten Autoren im 16. und frühen 17. Jahrhundert noch ausschließlich in Abhängigkeit vom Mäzenatentum, d.h. finanziert von meist adligen, kunstinteressierten Gönnern gelebt, bildeten sich nun die Grundlagen der modernen Publizistik mit Verlagshäusern und Lektoren heraus. Die Literatur gerät in dieser Epoche in das Spannungsfeld, in dem sich der Film aufgrund seiner hohen Herstellungskosten und seiner Ausrichtung auf eine im Unterschied zu den Lesekundigen jener Tage ungleich viel grössere "Masse" von Anfang an befand: Kunst oder Kommerz, Anspruch oder Massentauglichkeit.
Verteidiger der „ernsten“ Kunst kritisieren, dass unterhaltsame Texte qualitativ minderwertig seien und nur aus ökonomischen Anreizen heraus geschrieben würden, um die Bedürfnisse dieses als „trivial“ empfundenen Lesermarkts zu befriedigen. Sie bemängeln darin die formelhafte, affektierte Gefühlsdarstellung, die zum puren Selbstzweck verkomme und nur dem schönen Schein diene. Forderungen nach „echtem“ Gefühl, einer authentischen Darstellung und dem Einklang von Emotion und Vernunft, von Einbildungskraft und Verstandestätigkeit, werden erhoben. Ende des 19. Jahrhunderts wird für die Unterhaltungskunst das Wort „Kitsch“ entdeckt: „Kitsch“ = „Kotkrücke“, ein Werkzeug, das im Strassenbau zum Glätten von Oberflächen verwendet wird, vor allem zum Abziehen von Schlamm. Diese etymologisch begründete Assoziation mit dem „Glatten“ und zum Oberflächlichen haftet dem Wort bis heute an.
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eine Annäherung
Allerdings muß in der heutigen Verwendung des Worts beachtet werden, dass „Kitsch“ und „Mainstream“ keinesfalls dasselbe sind: Kitsch bezieht sich auf die Affektorientiertheit - es gibt auch „massentaugliche“ Produkte im Mainstream-Kino (wie z.B. Actionfilme - „Die Hard“ sei nur als ein Beispiel genannte), die nicht gleichzeitig die Kitschkriterien erfüllen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde jedoch klar, dass man mit elitären Kunstdebatten das übergreifende „Phänomen“ des Kitsches nicht zur Seite schieben konnte; der Konsumentenhunger nach einfacher Unterhaltung und alltagsästhetischer Gestaltung wuchs quer durch alle sozialen Schichten zu einer nicht mehr zu verleugnenden Kraft an.
Zwischen Kultur und Kitsch entsteht das Feld der "Populärkultur", aus den einst einander ausschließenden Kategorien entsteht ein einflussreiches und breit akzeptiertes Hybrid. Man begann in der Bewertung des Kitsches umzudenken: Kitsch befriedige zwar „nur“ die Lust an der Gefühlserregung aber sei moralisch einwandfrei, also noch lange kein „Schund“. Der „redliche“ Kitsch sei künstlerisch ehrlich gemeint, nur schlecht ausgearbeitet, was ein Problem des Dilettantismus sei, welches durch eine allgemeine Geschmackserziehung zu lösen sei. Man versuchte über eine Konsumentenerziehung die „Verbreitung des guten Geschmacks“ voranzutreiben und das Bewusstsein für die Qualitätsunterschiede von Kunst und Kitsch in der breiten Bevölkerung zu schulen. 3
Hierfür teilte man die Rezipientengruppe in die „künstlerischen und die vorkünstlerischen Betrachter“. Wenn der künstlerisch gebildete Betrachter mit einem kitschigen Werk konfrontiert werde, durchschaue er die Absicht hinter den verwendeten Mitteln sofort und fühle sich dadurch für dumm verkauft, dem Rezipienten mit einem unterentwickelten künstlerischen Sinn dagegen ist alles Kitschige ernst, was er sieht, hört und liest und er fühle sich in seinen Gefühlen bestätigt. Ergo habe Kitsch beim vorkünstlerischen Betrachter dieselbe Wirkung wie ein echtes Kunstwerk beim künstlerischen Betrachter, weswegen beide Kunsttypen sich kulturell positiv auswirken. 4 So wurde das Kitscherlebnis eine vertretbare Spielart der Kunstrezeption - und der Film als populäres Medium schien in besonderer Weise geeignet, das Bedürfnis nach emotionalem zu befriedigen. Neben dieser Aufwertung des Kitsches im kulturellen Bewusstsein fand natürlich weiterhin alles einfach verständliche und leicht als schön zu empfindende Verwendung in der alltäglichen Lebenswelt. Insbesondere die gerade erstarkende Werbeindustrie erlangte gegen Ende des 19.
3 Pazaurek, Guter und schlechter Geschmack im Kunstgewerbe in: Kitsch-Texte und Theorien, S.110
4 Ackerknecht, Der Kitsch als kultureller Übergangswert in: Kitsch- Texte und Theorien, S.137-155
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eine Annäherung
Jahrhunderts großen Aufschwung durch die Verbreitung von illustrierten Werbebildchen in Zeitungen: Erstmals wurden Produkte hier nicht mehr nur mit den ihnen eigenen 'hervorragenden' Eigenschaften angeboten, sondern in teilweise aufwändig gefertigten Anzeigen, die bildkräftig eine bessere Lebenswelt bei ihrer Verwendung versprachen, in Zeitungen und großformatig an Litfass-Säulen gepriesen. Spätestens an dieser Stelle der Geschichte wurde eine trennscharfe Abgrenzung des Kitsches von der Kunst - wenn man nicht die Thesen von Hoch- und Massenkultur beibehalten wollte - nicht mehr möglich. Die technische Reproduzierbarkeit machte so auch vor dem Kitsch nicht halt. In den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen der 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts wird Kitsch wieder kritischer bewertet und als ein weiteres Symptom des allgemeinen Kulturverfalls angesehen. Zusätzlich kommt in den 30er Jahren eine verstärkte Auseinandersetzung mit den politischen Manipulationsmöglichkeiten des Kitsches. Eine ideologiekritische Diskussion entsteht. In diesem Diskurs erscheint Kitsch als der Ausdruck des Verfalls aller Kultur zur Massenkultur in der Moderne, welche hauptsächlich von der Maschinerie der Kulturindustrie gesteuert wird, die ein System der Gleichmacherei und Verblendung propagiere. Durch den falschen, schönen Schein könne man sein Publikum betrügen und manipulieren. Gefährlich am Kitsch sei, dass er immer im Einverständnis mit dem Bestehenden agiere und jegliche gesellschaftskritischen Tendenzen ausblende, so dass eine kritische Auseinandersetzung mit der Realität im Keim erstickt werde. 5
Man beschäftigte sich auch wieder mit der Abgrenzung des Kitsches zur Kunst: Kitschiges soll demnach nur „schön“ wirken und nicht „gut“ sein, wie die Kunst. Aus diesem Grund wiederhole der Kitsch nur die längst erprobten, versteinerten Formen und Mittel aus der Vergangenheit in schematischer Art und Weise. Eine Innovation in den Formen oder eine Originalität im Inhalt seien im Falle des Kitsches somit ausgeschlossen und nur in der Kunst möglich, die sich nie selbstgefällig genüge, da sie in steter Bewegung und Hinterfragung nach dem „Guten, Wahren, Echten“ suche und im kritischen Diskurs mit der sich wandelnden Realität stehe. 6
So entstand aus der Ideologiekritik heraus ein Unterscheidungskriterium unter moralischen Aspekten: Sowohl auf Produktions- - also auch auf Wirkungsseite stehen sich die Aspekte Zweckungebundenheit - Kommerz und gut - schön gegenüber. In diesem (sehr ideologisch geprägten!) Weltbild kann etwas, das „nur“ Vorangegangenes reproduziert und dazu noch einen bestimmten Zweck verfolgt, nicht als 'gut' gelten. Dieses 'Gute' bezieht sich hierin immer auf etwas über den Gegenstand selbst hinausführendes. Wo etwas „Kitschiges“ über sich selbst hinaus auf etwas anderes verweist, erfolgt
5 Bloch, Schreibender Kitsch, in: Kitsch-Texte und Theorien, S.158
6 Broch, Die reaktionäre Technik des „Effekts“, in: Kitsch-Texte und Theorien, S.213
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eine Annäherung
dies innerhalb dieser Definition immer im Rahmen des Konkreten, schlimmstenfalls des Kommerziellen, wie es das Beispiel der Werbung zeigt. Die Kunst hingegen verweist auf abstrakte Werte, die bestenfalls mit der aktuell vorherrschenden Moral konform gehen. „Kitsch ist die Verwertung von Tagträumen durch diejenigen, die sie nicht haben.“ 7 Auch die Psychoanalyse beginnt sich mit dem Kitschphänomen zu beschäftigen, insbesondere mit der Rezeptionsfrage, und bildet ihren eigenen Erklärungsansatz heraus: Sowohl Kunst als auch Kitsch liegen Tagträume zugrunde, allerdings ist die Rezeption von Kunst mit den eigenen psychischen Konflikten verbunden, Kitsch könne man ohne inneren Prozess leicht und oberflächlich aufnehmen. Die Distanz zwischen Werk und Betrachter wird hier Unterscheidungskriterium von Kunst und Kitsch. Kunst zeichne sich durch eine ästhetische Distanz zwischen Objekt und Subjekt aus, Kitsch werde abstandslos, unmittelbar aufgenommen.
Mehrheitlich kommt man im Positiven wie im Negativen überein, dass ein Merkmal des Kitsches seine leichte und einfache Aufnahme sei:
„Der Mensch reiht die kolorierte Ansichtskarte mühelos in sein Hirnkästchen ein und benötigt dabei keinerlei Aufwand an Energie.“ 8
Die Verteidiger des Kitsches sehen gerade im Zugeben von einfachen Gefühlen und der erzeugten Nähe zum Zuschauer ein kulturell positiv wirkendes Element: Kitsch biete dem Publikum die Möglichkeit zur schnellen Identifikation mit dem Abbild dessen, was ihm der Alltag vorenthält und erfülle so eine Mission sozialer Beglückung. Die Kunst hingegen könne nie dermassen direkt ins Gemüt dringen und einen Menschen mitfühlen lassen.
Als Gegenpol zu der dualistisch geführten Kitschdebatte gab es auch künstlerische Gruppierungen, die aus den kategorischen Betrachtungsweisen des Kitsch-Kunst Sujets ausbrachen, so beispielsweise die Surrealisten in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts, die dem „guten Geschmack“ schon früh das „Abgeschmackte“ entgegensetzten, und der rational begründeten Kunst und Gesellschaft ihre Arbeitsmethoden des „Traumkitsches“ entgegensetzten.
7 Hans Sachs, Kitsch, in: Kitsch- Texte und Theorien, S.187
8 Fritz Karpfen, Der Kitsch als Faktor, in: Kitsch-Texte und Theorien. S.174
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Kerstin Polte, 2008, Kitsch und Poesie im Film - Eine Annäherung, München, GRIN Verlag GmbH
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