Die mittelalterliche Mystik hat in Europa und insbesondere im Deutschen den Sprachgebrauch nachhaltig geprägt. Vor allem die philosophische Sprache bediente sich mystischer Begrifflichkeiten und erreichte darin während des deutschen Idealismus einen Höhepunkt. Aber auch der Islam hat seit seiner Entstehung eine mystische Strömung, die die Philosophie des arabischen Raumes, aber auch des lange muslimisch besetzten Spaniens prägte. Da durch die islamische Philosophie große Teile des griechischen Gedankengutes tradiert wurden, spielen auch Mystik und Philosophie der Hellenen eine Rolle im Spektrum mystischer Strömungen.
In dieser Arbeit will ich nun untersuchen, ob sich vergleichbare Sprachbilder, bzw. allgemeiner, gemeinsame sprachliche Elemente in der islamischen und der christlichen Mystik finden, teilweise greife ich auch auf griechische Elemente zurück.
Es ist natürlich immer schwer, Aussagen über die Sprache übersetzter Werke zu machen, zumal ich des Arabischen nicht mächtig bin. Im Vertrauen auf ausreichend gute und sinngemäße Übertragungen ins Deutsche, denke ich aber, einige Sprachmuster herausarbeiten zu können.
Dazu werde ich sehr kurz in die christliche und griechische Mystik einführen und ihre sprachlichen Tendenzen aufzeigen. Es folgt eine kleine Erörterung der islamischen Mystik und des dortigen Sprachgebrauchs. Anschließend untersuche ich einzelne Sprachelemente und die verwendete Metaphorik. In diesem Bereich will ich die Themen Wille, Wissen, Sein (und Werden), Entwerden und den Gottesbegriff entschlüsseln. Dafür werde ich jeweils Textbeispiele aus griechischer und christlicher Mystik mit jenen aus der islamischen vergleichen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Betrachtete Werke islamischer Mystik
1.1 Al-Ghazali: „Die Nische der Lichter“
1.2. Ibn Tufail: „Der Philosoph als Autodidakt“
2. Christliche und griechische Mystik
2.1 Sprachliche Tendenzen christlicher und griechischer, insbesondere deutschsprachiger Mystik
3. Islamische Mystik
4. Vergleich einiger Sprachbilder und Metaphern in christlicher und islamischer Mystik
4.1 Wille
4.2 Wissen
4.3 Sein (und Werden)
4.4 Entwerden
4.5 Gottesbegriff
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht vergleichend die Gemeinsamkeiten in sprachlichen Elementen, Metaphern und Sprachbildern innerhalb der islamischen Mystik (Sufismus) sowie der christlichen und griechischen Mystik. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, ob trotz unterschiedlicher kultureller Kontexte vergleichbare mystische Ausdrucksformen und Konzepte existieren.
- Vergleich mystischer Sprachmuster und Metaphorik
- Rolle von Lichtmetaphorik und Symbolismus
- Konzepte von Wille, Wissen und Sein
- Bedeutung der Selbsterkenntnis und des „Entwerdens“
- Philosophische Ansätze bei Al-Ghazali und Ibn Tufail
Auszug aus dem Buch
4.5 Gottesbegriff
Meister Eckart versuchte Gott zu Entpersonifizieren, da die Gefahr bestand, ihn auf etwas einzuschränken, was ihn seiner All-Bedeutung beraubt hätte: „Denn ehe die Kreaturen waren, war Gott (noch) nicht ‚Gott‘: er war vielmehr was er war. Als die Kreaturen wurden und sie ihr geschaffenes Sein empfingen, da war Gott nicht in sich selber Gott, sondern in den Kreaturen war er Gott.“
Meister Eckart hat im gleichen Bemühen oft von einer abstrakten „Gottheit“ anstatt von „Gott“ gesprochen, was ihm jedoch zweierlei Kritik einbrachte. Erstens bezeichnen auch Religionen mit vielen Göttern jene als solche und zweitens wurde in der christlichen und jüdischen Tradition Gott als Person und nicht als Abstraktion aufgefasst.
Dionysios Pseudo-Areopagita beschrieb Gott in einer typischen Paradoxie als: „jenes Dunkel […], das heller ist als alles Licht“
In seiner negativen Theologie versuchte er Gott jeglichem sinnlichen Begreifen zu entziehen: „Er ist auch nicht ‚das Mögliche‘, noch auch ‚das Licht‘, lebt nicht und ist auch nicht Leben (welches immer Veränderung wäre): Er ist also auch nicht Essenz oder Existenz, nicht Sein, nicht Zeit, nicht Wirken, nicht Gelten, […] nicht die Eins oder Einheit oder Göttlichkeit […] in dem Sinne, in welchem wir Menschen es begreifen könnten“
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der mystischen Sprachbilder im interkulturellen Vergleich zwischen Islam, Christentum und griechischer Philosophie.
1. Betrachtete Werke islamischer Mystik: Vorstellung der Schriften „Die Nische der Lichter“ von Al-Ghazali und „Der Philosoph als Autodidakt“ von Ibn Tufail als Grundlage der Untersuchung.
2. Christliche und griechische Mystik: Erläuterung der Grundlagen christlicher Mystik und ihrer sprachlichen Tendenz zur Substantivierung und Reflexivität.
3. Islamische Mystik: Überblick über die Sufi-Tradition, ihre symbolische Sprache und die Relevanz des Korans für mystische Erkenntnis.
4. Vergleich einiger Sprachbilder und Metaphern in christlicher und islamischer Mystik: Detaillierte Gegenüberstellung der zentralen Themen Wille, Wissen, Sein, Entwerden und Gottesbegriff.
Schlüsselwörter
Islamische Mystik, Sufismus, Christliche Mystik, Sprachbilder, Metaphern, Lichtmetaphorik, Gotteserkenntnis, Entwerden, Al-Ghazali, Ibn Tufail, Meister Eckart, Negative Theologie, Selbsterkenntnis, Symbolismus, Vernunft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit dem Vergleich sprachlicher Elemente und mystischer Metaphorik zwischen der islamischen Mystik und der christlichen sowie griechischen Mystik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Analyse der religiösen Sprache, die Bedeutung von Symbolen und die philosophische Annäherung an Gott über Konzepte wie Wissen, Sein und Wille.
Was ist die Forschungsfrage?
Die Untersuchung zielt darauf ab, Gemeinsamkeiten in den Sprachbildern beider Traditionen aufzuzeigen und zu prüfen, inwieweit sich diese mystischen Ausdrucksweisen ähneln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen vergleichenden Textvergleich, der induktive Ansätze und die Analyse von Metaphern und Symbolen nutzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Werke von Al-Ghazali und Ibn Tufail sowie einen themenorientierten Vergleich von Begriffen wie Wille, Wissen, Entwerden und Gottesvorstellungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sufismus, Lichtmetaphorik, Transzendierung und den Vergleich islamischer und christlicher Mystik charakterisieren.
Wie unterscheidet sich Ibn Tufails Ansatz von dem Al-Ghazalis?
Während Al-Ghazali stark auf eine religiös interpretierte Lichtmetaphorik und die Offenbarung setzt, nutzt Ibn Tufail eher eine rationale, philosophische Beweisführung und die Form des Inselromans.
Welche Rolle spielt die „Lichtmetaphorik“ in der Arbeit?
Sie dient als verbindendes Element, insbesondere bei Al-Ghazali, um die Beziehung zwischen dem Göttlichen, der Vernunft und der sinnlichen Welt zu erklären.
- Arbeit zitieren
- Felix Strüning (Autor:in), 2007, Sprachliche Elemente islamischer Mystik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/112406