Gliederung
Einleitung 3
1. Die Formen der Anrede in den Johannesbriefen 4
1.1. Das Verbaladjektiv „ ("B0JÒH“ 4
1.1.1. Das Verbaladjektiv „ ("B0JÒH“ in dem 1. Johannesbrief. 4
1.1.2. Das Verbaladjektiv „ ("B0JÒH“ in dem 3. Johannesbrief. 8
1.1.3. Ergebnis der Untersuchung des Verbaladjektives „ ("B0JÒH“
in den Johannesbriefen 10
1.2. Das Nomen „ ("B0“ in den Johannesbriefen 11
1.2.1. Das Nomen „ ("B0“ im 1. Johannesbrief. 11
1.2.2. Das Nomen „ ("B0“ im 2. Johannesbrief. 19
1.2.3. Das Nomen „ ("B0“ im 3. Johannesbrief. 23
1.3. Das Verb „ ("B"w“ 26
1.3.1. Das Verb „ ("B"w“ im 1. Johannesbrief 26
1.3.2. Das Verb „ ("B"w“ im 2. Johannesbrief 28
1.3.3. Das Verb „ ("B"w“ im 3. Johannesbrief 30
1.4. Nächstenliebe als vorgegebenes Gebot, oder Nächstenliebe
als Konsequenz der Liebe Gottes 32
1.5. Ergebnis. 34
Literaturverzeichnis. 36
2
Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Liebe in den Johannesbriefen. Der Plural „Johannesbriefe“ weist schon darauf hin, dass es sich hierbei um mehrere Johannesbriefe handeln muss. Die in der Arbeit zugrunde gelegten Briefe sind die drei Johannesbriefe, die in den Kanon der Bibel aufgenommen wurden. Seit Euseb werden die Johannesbriefe, der Jakobusbrief, der Judasbrief und die beiden Petrusbriefe mit dem Terminus „katholische Briefe“ bezeichnet. 1 Katholisch werden diese Briefe genannt, da sie sich nicht wie die anderen Briefe an bestimmte Gemeinden wenden, sondern „ an die gesamte Christenheit“ 2 ; beispielhaft für bestimmte Gemeinden nenne ich hier nur den Römerbrief und der Galaterbrief.
Für mich stellt sich an dieser Stelle die Frage, ob damit das Thema der Liebe automatisch auf die katholischen Briefe ausgeweitet ist, oder hierbei die anderen katholischen Briefe ausser Acht gelassen werden können? Nach meiner Einschätzung ist eine Betrachtung der Liebe in Hinblick auf die anderen Katholischen Briefe nicht angebracht, da die Forschung in der jüngeren Zeit davon abgekommen ist, die Johannesbriefe im Kontext der katholischen Briefe zu behandeln. Die jüngere Forschung geht mehr und mehr in die Richtung, dass die Johannesbriefe in Verbindung mit der johanneischen Schule behandelt werden, zu der das Johannesevangelium und die Johannesbriefe gehören. Dass diese Schriften einer Schule zuzuschreiben sind, ist relativer Konsens. Im Gegensatz dazu steht die Apokalypse. Aus diesen Erwägungen heraus habe ich mich dazu entschlossen, dass ich in meiner Arbeit zum Thema der Liebe in den Johannesbriefen die johanneische Schule, also das Johannesevangelium, eher in Betracht ziehen werde, als die katholischen Briefe. Der Tenor dieser Arbeit ist das Thema Liebe, wobei ich mich dabei nicht nur auf die Sicht der Liebe beschränken werde, da Liebe zugleich auch den Gegenpol des Hasses in sich birgt. Einige Fragen werden mich dabei begleiten: ♦ Was macht Liebe in den Johannesbriefen aus?
♦ Wie sieht der Kontrast, sofern es einen Kontrast gibt, zu der Liebe aus? ♦ Handelt es sich um gegenseitige Liebe? ♦ Was bewirkt die Liebe und wie ist diese Liebe erreichbar? ♦ Gibt es qualitativ unterschiedliche Liebe?
1 Schnelle, Einleitung, S. 438, Z. 1-9. Genaue Titelangaben stehen durch den angegebenen Kurztitel erkennbar
im Literaturverzeichnis.
2 Schnelle, Einleitung, S. 439, Z. 3f.
3
1. Die Formen der Anrede in den Johannesbriefen
Untersucht man die drei Johannesbriefe lediglich auf deren Anreden, so erhält man eine Fülle von Anredeformen. Die unterschiedlichsten Formen der Anrede sind jedoch nur im 1. Johannesbrief zu finden. So finden sich im 1. Johannesbrief die Anreden:
tekni, a 3 , VAgaphtoi, , pate, rej( neani, skoi(paidi, a und av delfoi, . Ergänzt werden diese Anreden durch „ausgewählte /erwählte Herrin“, im 2. Johannesbrief. Der 3. Johannesbrief beinhaltet lediglich die Anrede „Geliebter“.
1.1. Das Verbaladjektiv „•("B0JÒH“
Bei der Form „•("B0JÒH“ handelt es sich um das Verbaladjektiv des Verbs „av gapaw/ “, im Vokativ Plural. Es gibt für die Übersetzung dieser Form zwei Möglichkeiten. Einerseits kann es mit dem erreichten Zustand, andererseits mit der „Möglichkeit“ übersetzen. Die Übersetzung hat also die Möglichkeit „Geliebte“, oder „Liebbare“ zu lauten. In den Johannesbriefen 4 , wird das Verbaladjektiv auffallend häufig benutzt. Es ist für den 1. Johannesbrief an 6 Stellen 5 belegt und wird im 3. Johannesbrief an vier Stellen 6 benutzt. Aus diesem Grund, dass die Form häufig verwandt wird, ist es meines Erachtens notwendig sich diese Form und deren Gebrauch genauer anzusehen.
1.1.1. Das Verbaladjektiv „•("B0JÒH“ in dem 1. Johannesbrief
Wie unter Punkt 1.1. Schon erwähnt wurde, ist das Verbaladjektiv im 1. Johannesbrief an sechs Stellen belegt. Zum ersten Mal steht diese Form in 1. Joh. 2,7. Auf den ersten Blick mag das sehr ungewohnt erscheinen, dass so eine persönliche Anrede erst nach Beginn des Briefes steht. 7 Vergegenwärtigt man sich jedoch den Aufbau eines antiken Briefes, dann wird man über die späte persönliche Anrede nicht unangenehm „fallen“. 8 Was bedeutet aber eine solche Anrede? Und warum wird diese Anrede vom Verfasser mehrmals verwandt? Nach Schnackenburg beginnt der Verfasser zwar „Mit einer neuen Anrede: av gaphtoi, die von jetzt an öfter begegnet“ 9 , aber er stellt sofort dar, dass die Anrede nichts aussergewöhnliches ist und nicht selten vorkommt. „Auch in den Paulinen und den
3 Tekni, a begegnet zum einen in der Reinform, zum anderen in ta. te, kna tou/ qeou/ , tekni, a mou.
4 Genauer gesagt handelt es sich hier um den 1. und den 3. Johannesbrief, denn im 2. Johannesbrief wird diese
Form nicht benutzt.
5 Vgl. dazu: 1. Joh. 2,7; 3,2.21; 4,1.7.11.
6 Vgl. dazu: 3. Joh. 1.2.5.11.
7 Wir gehen dabei meist von unseren Gewohnheiten aus, bei denen für uns selbstverständlich ist, dass ein Brief
meist mit einem „Lieber/ Liebe“ beginnt.
8 Der antike Brief ist in drei Blöcke unterteilt: Briefeingang, Briefkorpus und Briefschluss. Vgl. dazu: H.-
J., Klauck, Die antike Briefliteratur und das Neue Testament, S. 54.
9 Schnackenburg, HThK, S. 110, Z. 32.
4
anderen Kathol. Briefen ist diese Anrede nicht selten.“ 10 In seinen weiteren Ausführungen macht er deutlich, dass sich der Verfasser „im übrigen an das
Vorangegangene eng anschließt.“ 11 Augenstein sieht in der Anrede eine Unterbrechung des Gedankenganges, einen Hinweis auf einen neuen Einschnitt. „Auch V.7 bildet einen Einschnitt, der den Gedankengang unterbricht. Darauf weisen die Anrede av gaphtoi. , der folgende Satz mit paränetischem Charakter und der Wechsel des Numerus ... hin.“ 12 Weiter als die Anderen geht meines Erachtens Schunack. Er sieht zwar auch so, wie die Vorherigen, dass mit der Anrede ein Einschnitt erfolgt ist 13 , aber er geht darüber inhaltlich noch hinaus. Er sieht in der Anrede gleichzeitig die Zusage des Geliebtseins. 14
De Boor erweitert dieses Geliebtsein inhaltlich in dem er davon ausgeht, dass die Geliebten von Gott geliebt sind und sie sich dem alten Gebot schon geöffnet haben. „Das ‚alte Gebot‘ wendet sich nicht als eine drückende, harte Macht an die Gemeinde, sondern spricht ‚Geliebte‘ an, von Gott geliebte, die als solche seinem ‚alten Gebot‘ geöffnet sind.“ 15 Das bedeutet in der Konsequenz natürlich, dass der Brief an einen bestimmten Personenkreis, mit einem ganz spezifischen Verständnis, gerichtet ist. Dieser Kreis kennt das alte Gebot und weiss sich schon als von Gott geliebt. Das schliesst dann wiederum aus, dass der Verfasser persönlich die Adressaten als von ihm aus Geliebte anspricht.
Fazit: In der Anrede av gaphtoi. in 1.Joh. 2,7 steckt die Zusage an die Adressaten geliebt zu sein. Ob der Liebende der Verfasser ist, oder ob der Liebende Gott ist, ist nicht hinreichend geklärt. Fest steht jedoch, dass die Anrede nicht untypisch ist und wenn nicht einen eigenständigen Abschnitt einleitend, zumindest den Gedankengang unterbrechend ist.
In 1. Joh. 3,2 kommt die Anrede zum zweiten Mal vor. Eingeleitet wird die Anrede mit 1. Joh 3,1 „i; dete“. Dieses „seht“ markiert für Strecker eindeutig einen neuen Einsatz, auf den in Vers 2 in 1. Joh. 3 ein paränetisches und parakletisches Element folgt. „Die zweite Person des Imperativs Aorist i; dete markiert einen neuen Einsatz, der zugleich die Paränese fortführt.“ 16 „Die Anrede av gaphtoi, verstärkt das paränetische und zugleich parakletische Element.“ 17 Scheinbar führt das i; dete auf einen erneuten Einschnitt hin, der
10 Schnackenburg, HThK, Fussnote 2, S. 110.
11
Schnackenburg,
HThK,
S. 110 f., Z. 33.
12
Augenstein,
Das Liebesgebot im Johannesevangelium,
S. 94, Z. 11 ff.
13 „Die Anrede ‚Geliebte‘ in V.7 markiert, daß der Verfasser neu und konkreter anhebt...“ Schunack, ZBK 17,
S.36, Z. 39.
14 „... weil in der Zusage, geliebt zu sein...“ Schunack, ZBK 17, S. 36, Z. 40.
15 De Boor, WStB, S. 52, Z. 15ff.
16 Strecker, KEK 14, 1989, S. 151, Z. 5ff.
17 Strecker, KEK 14, 1989, S. 153, Z. 5ff.
5
auch hier durch das av gaphtoi. markiert wird. De Boor sieht in dem „Geliebte“ sogar die Bestätigung des „seht“; er begründet es damit, dass der Verfasser zunächst von der Liebe Gottes gesprochen hat und nun die Adressaten als Geliebte anspricht. „Von Gottes unbegreiflicher Liebe hat Johannes gesprochen und mit einem ‚seht!‘ hat er auf sie hingewiesen. Darum redet er die Empfänger des Briefes jetzt als ‚Geliebte‘ an.“ 18 Hier wird aber auch deutlich, was bei der ersten Anrede noch unklar war; bei der Anrede handelt es sich um von Gott geliebte Menschen. Die Anrede „ist sachlich angemessen, weil die Angeredeten die eben erwähnte Liebe Gottes erfahren haben, also ‚jetzt‘ Gottes geliebte Kinder sind.“ 19
Fazit: Die Anrede av gaphtoi. steht auch hier an einem thematischen Einschnitt, wobei die Anrede nicht nur ein Stilmittel zur Gliederung, sondern auch ein Mittel ist, um theologisch etwas Besonderes auszudrücken. Der Verfasser drückt hier bereits mit der Anrede die Liebe Gottes aus.
Die Anrede in 1. Joh. 3,21 stellt dagegen eine neue Dimension dar und ist eine Ausnahme, da hier keine Zäsur stattfindet. Diese Anrede ist eine betonte Zuwendung an die Leser. „Die Anrede Av gaphtoi, hat an dieser Stelle nicht die Funktion einer Zäsur, sondern einer betonten Zuwendung an die Leser.“ 20
Fazit: Bei der Anrede in 1. Joh. 3,21 handelt es sich um eine betonte Zuwendung an die Leser, nicht jedoch um eine Zäsur.
Die Anrede av gaphtoi. findet sich als nächstes in 1. Joh 4,1. An dieser Stelle dient die Anrede nach Schunack einer Zäsur, denn „im neuen Abschnitt 4,1-6 des dritten und abschließenden Teils 4,1-5,12 scheint ein neues Thema angeschlagen zu werden.“ 21 Schnackenburg geht auch davon aus, dass mit 1. Joh 4, 1 ein neuer Abschnitt beginnt; er schränkt diese Zäsur jedoch dadurch ein, dass er sagt, dass in diesem folgenden Abschnitt, den er von 1.Joh 4,1 bis 1. Joh. 5,12 sieht, die „bisher schon behandelten Gedanken“ 22 aufgenommen werden. Strecker untergliedert den Gesamtabschnitt von 1. Joh. 4,1 - 5,12, genau wie Schnackenburg in drei Abschnitte 23 , sieht den Abschnitt 1. Joh. 4,1-6 noch einmal ganz deutlich betont als Abschnitt,
18 De Boor, WStB, S. 76, Z. 19ff.
19 Strecker, KEK 14, 1989, S. 153, Z. 6ff.
20 Strecker, KEK 14, 1989, S. 197, Z. 3f.
21 Schunack, ZBK17, S. 71, Z. 14.
22 Schnackenburg, HThK, S. 216, Z. 3.
23 a) 1. Joh 4,1-6; b) 1. Joh. 4, 7 - 1. Joh. 5,4; c) 1. Joh. 5, 5-12.
6
der sich an die Gemeinde richtet. „Auch dieser Abschnitt ist als Anrede an die Gemeinde konzipiert...“ 24
Fazit: Mit der Anrede in 1. Joh. 4,1 wird ein neuer Gedankenkreis eröffnet, der jedoch nicht um neue Gedanken kreist, sondern die vorherigen Gedanken aufnimmt. Dieser Gedankenkreis ist als eine Anrede an die Gemeinde konzipiert.
In 1. Joh. 4,7 hat die Anrede „av gaphtoi“ zumindest nach Strecker eine begrenzende Funktion. „Nach unten wird der Abschnitt durch die erneute Anrede (av gaphtoi, ) und durch neue Ausführungen zum Thema der Gottes- und Bruderliebe begrenzt.“ 25 An dieser Stelle spricht Strecker von dem Abschnitt 1. Joh. 4,1-6, der mit der Anrede in Vers 7 begrenzt wird. Dass die Anrede in Vers 7 eine bewusste Zuwendung an die christlichen Leser ist und die Anrede in 1. Joh. 4,7 der Anrede in 1. Joh. 4,1 entspricht steht für Strecker ausser Frage. Es handelt sich hierbei aber nicht um einen Einschnitt, sondern um einen Gedankenfortschritt. Als eine Zäsur empfindet Augenstein die Anrede. Er verdeutlicht, dass 1. Joh. 4,7 einen Zusammenhang, den Hauptteil der Liebe eröffnet. „Der Abschnitt 4,7-5,5 erweist sich gegenüber seinem Kontext als Einheit durch sein Hauptthema, die Liebe.“ 26 Fazit: 1. Joh. 4,7 beinhaltet die Anrede „av gaphtoi“. Diese Anrede ist eine bewusste Zuwendung an christliche Leser, die zugleich den Hauptteil der Liebe im 1. Johannesbrief eröffnet.
Der Abschnitt 1. Joh. 4,7-5,5 bildet eine Einheit. In 1. Joh. 4, 11 steht zum letzten Mal von sechs Belegen die Anrede av gaphtoi. . Bildet der Abschnitt jedoch eine Einheit, so wird sofort deutlich, dass die Anrede an dieser Stelle keine Zäsur mehr sein kann. Es wird sich daher bei der Anrede um eine bekräftigende Anrede handeln. Schnackenburg sieht jedoch in dieser Anrede noch eine Zäsur. Er geht davon aus, dass der Verfasser ab 1. Joh. 4,11 „die Folgerungen für die Leser“ 27 zieht.
Fazit: Die Anrede in 1. Joh. 4, 11 kann als eine einfache bekräftigende Anrede verstanden werden, die zugleich noch einmal einen neuen Abschnitt einleitet. Sicher ist der „neue“
24 Strecker, KEK 14, 1989, S. 207, Z. 15.
25 Strecker, KEK 14, 1989, S. 207, Z. 17.
26 Augenstein, Das Liebesgebot im Johannesevangelium, S. 130, Z. 6f.
27 Schnackenburg, HThK, S. 239, Z. 33.
7
Abschnitt thematisch so eng an die vorherigen Ausführungen gebunden, dass man die Folgerungen kaum als neuen Abschnitt bezeichnen kann.
Ergebnis:
Bei der Anrede av gaphtoi. im 1. Johannesbrief handelt es sich um eine Form der Anrede, die für die Adressaten nicht untypisch, sonder geläufig war. Dennoch lassen sich bei der Verwendung der Anrede markante Merkmale feststellen.
1. Die Anrede av gaphtoi. ist meines Erachtens fast schon ein Gliederungsmerkmal, auch wenn von der Uneindeutigkeit der Gliederungsmöglichkeit schon zuvor die Rede war. Es ist auffallend, dass der Verfasser die Anrede an den Stellen gewählt hat, an denen der Gedankengang unterbrochen wird bzw. ein neuer Gedankengang einsetzt. Die Anrede steht dabei an thematischen Einschnitten, was nicht immer mit einer absoluten Zäsur gleichzusetzen ist.
2. Mit der gewählten Anrede richtet sich der Verfasser nicht an eine unbestimmte Gruppe, die sich wahllos zusammensetzt, sondern er richtet sich an eine Adressatengruppe, die sich qualitativ von der Allgemeinheit unterscheidet. Die Anrede wird zu einer betonten Zuwendung an einen ausgewählten Personenkreis, eine „Gemeinde“. Damit ist der folgende Punkt eng verbunden.
3. In der Anrede wird bereits eine Zusage an den ausgewählten Adressatenkreis gemacht. Die Personen, die zu diesem Kreis gehören können sich als Geliebte verstehen. Zunächst war nicht klar, ob die Anrede, „nur“ vom Verfasser gewählt war und damit nur ein persönliches Gefühl ausgedrückt würde. Es wurde jedoch schnell deutlich, dass hinter der Anrede eine tiefe theologische Aussage steckt. Die Adressaten können sich als Geliebte, von Gott Geliebte, verstehen. Damit ergibt sich aber die Frage, was mit den anderen Menschen geschieht. Sind die Menschen ausserhalb des Adressatenkreises nicht von Gott geliebt? 28 Bevor ich auf diese aufgeworfene Frage komme, möchte ich jedoch erst die Verwendung der Anrede im 3. Johannesbrief berücksichtigen; im 2. Johannesbrief gibt es diese Anrede nicht.
1.1.2. Das Verbaladjektiv „•("B0JÒH“ in dem 3. Johannesbrief
Das Verbaladjektiv „•("B0JÒH“ ist an vier Stellen des 3. Johannesbriefes belegt. 29 Vergleicht man an Hand des Textes mit dem 1. Johannesbrief, so fällt eines sofort auf: Die im
28 Auf diese Frage wird im folgenden noch einzugehen sein. Wann kann man sich als Geliebter verstehen, ist die
Liebe Gottes für den Menschen an Bedingungen gebunden, oder darf der Mensch an die bedingungslose
Liebe Gottes glauben und auf sie vertrauen?
29 3. Joh. 1.2.5.11.
8
Arbeit zitieren:
Diplom Theologe Sascha Ralf-Herbert Pracher, 2003, Das Verständnis der Liebe in den Johannesbriefen, München, GRIN Verlag GmbH
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