INHALT
1 EINLEITUNG: KOMMUNIKATION UND BEDEUTUNG 3
2 DIE BEDEUTUNG DER SPRACHPHILOSOPHIE FÜR DIE KOMMUNIKATION 4
3 DAS GRICESCHE PROGRAMM 4
3.1 Die Maximen der rationalen Verständigung 5
3.2 Die Theorie der Implikatur 6
3.3 Die bedeutungstheoretische Funktion der Implikatur 9
4 PROBLEME DIE SICH AUS DER IMPLIKATUR ERGEBEN 12
5 FAZIT: FUNKTION UND BEDEUTUNG DER IMPLIKATUR 13
6 QUELLEN 15
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1 Einleitung: Kommunikation und Bedeutung
Ein Sprecher, nennen wir Ihn S, äußert einen Satz: „Ich muss heute Abend noch einen Bericht schreiben“. Was meint S mit diesem Satz? Dass er zum Zeitpunkt der Äußerung plant, einen Bericht zu schreiben. Setzen wir diesen Satz jedoch in einen bestimmten Gesprächskontext, so kommt es zu einem Bedeutungswandel der Äußerung. Ging z.B. die Frage eines Gesprächspartners, nennen wir ihn G 1 voraus, „Kommst Du heute mit, ein Bier trinken?“, so beabsichtigt S mit seiner Äußerung, das Angebot abzulehnen, und zwar mit der implizierten Begründung, dass er noch einen Bericht schreiben müsse. Setzen wir den Satz des S in einen anderen Gesprächskontext, bei dem ein anderer Gesprächspartner, nennen wir Ihn G 2 die Frage äußert: „Kannst Du für mich diesen Text übersetzen?“, so könnten wir den Satz des S interpretieren als „Ja, solange es bis Morgen Zeit hat“. Der Gesprächskontext verleiht einundderselben Aussage jeweils eine unterschiedliche Bedeutung, die im Falle des G 1 eine Ablehnung und im Falle des G 2 eine einschränkende Zustimmung bedeuten könnte.
Ein anderes Beispiel – mit höherer Praxisrelevanz: Ein Bewerber, Herr B., erhält von seinem letzten Arbeitgeber ein Arbeitszeugnis, in dem der Satz steht: „Herr B. zeichnete sich durch stete Pünktlichkeit aus“. Wie kommt es, das ein Satz, der zunächst unverfänglich wirkt, da er eine positive Aussage transportiert, im Kontext des Arbeitszeugnisses ein mulmiges Gefühl bei Herrn B. hinterlässt, und auch beim Personalchef des neuen Arbeitgebers, dem dieses Arbeitszeugnis vorliegt?
Wie kommen derartige Bedeutungswechsel zustande und ist es tatsächlich so, dass die Mehrheit der Gesprächspartner genau diese Bedeutung korrekt erfasst? Und falls ja, wie ist es möglich, dass man mit einer Aussage unterschiedliches Meinen zum Ausdruck bringen kann, so dass es der Gesprächspartner auch im Sinne des Sprechers versteht? Durch Intuition? Durch Interpretation? Paul Grice hat in seiner Sprachphilosophie diese Fragen näher untersucht.
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2 Die Bedeutung der Sprachphilosophie für die
Kommunikation
Die Sprachphilosophie ist ein Produkt der neueren und neuesten Philosophie. Erst im
19. Jahrhundert, nach dem „linguistic tuirn“ haben die Philosophen erkannt, dass,
wenn Erkenntnisse sprachlich verfasst sind, diese nicht losgelöst von Sprache untersucht werden können 1 . Sie haben erkannt, dass ein Verständnis der Funktionsweise des menschlichen Geistes nicht ohne ein Verständnis der Funktionsweise der menschlichen Sprache möglich ist. Die Bedeutung von Sprache ist auch für John Locke fundamental: „Da nun aber die Annehmlichkeiten und Vorteile der Gesellschaft ohne eine Mitteilung der Gedanken nicht zu erreichen sind, so muss der Mensch notwendig gewisse äußere, sinnlich wahrnehmbare Zeichen ausfindig machen, mit deren Hilfe jene unsichtbaren Ideen, die seine Gedankenwelt ausmachen, anderen mitgeteilt werden könnten“ 2 . Ludwig Wittgenstein stellte im Tractatus Logico-Philosophicus fest, dass die Funktion jeder Sprache die Abbildung der Wirklichkeit ist 3 . John L. Austin kam darüber hinaus zu dem Ergebnis, dass Sprache auch Handlung sein kann, z.B. im Falle einer performativen Äußerung, wie der Taufe: „Ich taufe Dich auf den Namen...“, eine Handlung, die er als Sprechakte bezeichnet 4 Auch Grice beschäftigt sich mit der Intersubjektivität der Sprache, also ihrer Funktion, wie sie Locke ihr zugeschrieben hat. Die performative Äußerung der Sprechakte kann nicht wahr oder falsch sein. Für Grice stellt sich diese Frage in erster Linie in der Relation von Sender und Empfänger, also, inwiefern ein Wahrheitswert vom Sender zum Empfänger übertragen werden kann. Ist der Wahrheitswert des Sprecher-Satzes immer noch derselbe, wie die des vom Hörer vernommenen Satzes? Bleibt es wirklich dieselbe Aussage?
3 Das Gricesche Programm
Grice entwickelte eine Theorie von den propositionalen Einstellungen der Mitglieder einer Sprachengemeinschaft, die in „dass-Sätzen“ mit Hilfe von psychologischen Verben, wie z.B. „wünschen, glauben, hoffen, befürchten usw.“ eine propositionale Einstellung erkennen lassen 5 . Damit kann Verhalten alltagspsychologisch erklärt
1 vgl.: Gabriel, Gottfried: „Grundprobleme der Erkenntnistheorie“, Paderborn 1998, S. 130 2 Locke, John: „Versuch über den menschlichen Verstand“ Hamburg 1988, S. 5 3 vgl. Glock, Hans-Johann: „L. Wittgenstein – Sprache, Bedeutung und Gebrauch“, Stuttgart 2004, S. 601 4 vgl. Kompa, Nikola: John L. Austin – Sprechakttheorie“, Stuttgart 2004, S. 624 5 vgl.: Newen, Albert: „Analytische Philosophie zur Einführung“, Hamburg 2005, S. 214
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werden. Grice unterscheidet dabei zwischen den subjektiven Äußerungsbedeutungen der Sprecher- und der Hörerperspektive, bei denen der Hörer etwas hört und der Sprecher etwas meint 6 . Von den subjektiven zu den intersubjektiven (und damit allgemeinverbindlichen) Äußerungsbedeutungen gelangt man mittels Sprachkonventionen, in denen bestimmte Regelmäßigkeiten der Kommunikation festgehalten werden. Eine dieser Sprachkonventionen ist die Sprechakttheorie.
Für den Beispielsatz „Ich muss heute Abend noch einen Bericht schreiben“ lässt sich zunächst mittels rekursiver Semantik die Bedeutung dieses Ausdruckes erfassen, wobei die Bedeutung eines Satzes zunächst die Funktion der Bedeutungen seiner Satzteile ist. Auf der Basis eines endlichen Vokabulars lassen sich somit unendlich viele Sätze konstruieren 7 . Wie wir in dem Einleitungsbeispiel gesehen haben, reicht die rekursive Semantik allein jedoch nicht aus, die Bedeutung eines Satzes genau zu erfassen. Der Satzinhalt muss im Kontext der jeweiligen Äußerungsintention stehen. 8 Für diesen Zweck liefert Grice die Maximen der rationalen Verständigung.
3.1 Die Maximen der rationalen Verständigung
Wenn der Sprecher kommunikative Absichten hat und daran interessiert ist, dass der Hörer diese auch erkennen kann, ist es erforderlich, die Kommunikation erfolgreich verlaufen zu lassen. Die Gesprächspartner, und dies ist eine entscheidende Voraussetzung, verhalten sich kooperativ. Kooperation ist somit eine elementare Funktion einer Sprachengemeinschaft, da erst der Gebrauch von Sprache durch die Sprachengemeinschaft eine bestimmte Bedeutung konstituiert, wie Wittgenstein im Blauen Buch schrieb 9 . Daher lautet auch Grices Maxime: „Gestalte Deine Konversation so, wie sie erforderlich ist“, was er auch als „Kooperationsprinzip“ bezeichnet, dem er später eine quasi-kontraktierende Funktion zuspricht 10 . Um den kommunikativen Zweck von Sprache zu veranschaulichen, entwickelte Austin drei verschiedene Dimensionen des Gebrauchs von Sprache. Eine Aussage, die eine Bedeutung hat, wie „Ich muss heute Abend noch einen Bericht schreiben“ wird als lokutionärer Akt bezeichnet. Geschieht dies jedoch als Antwort auf die Frage, ob man
6 vgl. ders., ebda, S. 214
7 vgl. ders., ebda, S. 215
8 Vgl. Prechtl, Peter: „Sprachphilosophie“, Stuttgart 1999, S. 190
9 vgl. Glock, Hans-Joachim: „L. Wittgenstein – Sprache, Bedeutung u. Gebrauch“, Stuttgart 2004, S. 612
10 vgl. Grice, Paul: „Studies in the way of words“, Cambridge MA 1991, S. 26 und 29
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Quote paper:
Matthias Wühle, 2008, Wie funktioniert Kommunikation? - Die Theorie der Implikatur des Paul Grice, Munich, GRIN Publishing GmbH
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