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Inhalt
1. EINLEITUNG 3
2. DER HOF DER FRANZÖSISCHEN KÖNIGE IN DER ZEIT VOR LUDWIG XIV. 6
3. DIE REGENTSCHAFT LUDWIGS XIV. 8
3.1 Die Regentschaft Annas von Österreich 10
3.2 Die Regierung des ersten Ministers Mazarin 12
3.3 Die Alleinregierung 14
3.4 Die Fronde 17
4. LUDWIGS VERSTÄNDNIS DES KÖNIGTUMS 20
5. DIE HOFGESELLSCHAFT 22
5.1 Der Adel 26
5.2 Minister und Beamte 31
5.3 Künstler 33
5.4 Mätressen/etc. 37
6. SELBSTINSZENIERUNG LUDWIGS 43
6.1 Das Hofzeremoniell 45
7. DAS SCHLOSS VERSAILLES ALS SYNONYM DES HOFES 49
7.1 Die Planungen Ludwigs 51
7.2 Das Schloss 54
7.3 Die Gärten 56
8. ZUSAMMENFASSUNG/SCHLUSS 58
9. LITERATURVERZEICHNIS 60
1. EINLEITUNG
Ludwig XIV. und Versailles, ein Name und ein Ort, die im heutigen Bewusstsein untrennbar zusammengehören: Der französische König, der als „Sonnenkönig“ betitelt wurde, und sein Schloss, benannt nach der Stadt, in der es erbaut wurde. Jedem ist heute Ludwig XIV. als Sinnbild des absoluten Herrschers ein Begriff, in keinem Geschichtsunterricht fehlt er, genauso wenig wie sein berühmtes Zitat „Der Staat bin ich“, das jeder mit Ludwig XIV. assoziiert. Beim Thema Absolutismus wird dann in der Regel auch das Schloss Versailles genannt, als Musterbeispiel der Residenz eines absoluten Monarchen und im Zusammenhang mit Versailles findet unweigerlich auch die Hofgesellschaft Erwähnung, meist in Verbindung mit Anekdoten über das „Lever“ und „Coucher“. Aber wer bildete eigentlich die Hofgesellschaft? Was führte dazu, dass Ludwig das riesige Versailles (zur Verwendung des Namens „Versailles“ siehe Kapitel 7. „Das Schloss Versailles als Synonym des Hofes“) in Auftrag gab und dieses dann mit Höflingen „überbevölkerte“.
Bei diesen Fragen hatte ich nur noch vage Vorstellungen der Antworten. Umso interessanter fand ich die Auseinandersetzung mit der Regierungszeit Ludwigs XIV. in der Kurseinheit 2 „Regierungszeit Ludwigs XIV.“ im Kurs „Geschichte Frankreichs im 16. und 17. Jahrhundert“ und es stellten sich mir immer mehr Fragen: Wurde die Hofgesellschaft gezielt von Ludwig gebildet oder war es ein schleichender Prozess, der in Kauf genommen wurde? Falls sie „geplant“ war, welche Intention hatte Ludwig dabei? Die nächste Frage war, welcher Personenkreis eigentlich die Hofgesellschaft bildete und welche Normen für diese Gruppe eine Rolle spielten. Kann bei der Hofgesellschaft in Versailles von einem Prototyp der höfischen Gesellschaft gesprochen werden?
Diesen Fragen wollte ich nachgehen. Um sie zu beantworten, scheint es mir sinnvoll, zunächst einmal ganz kurz aufzuzeigen, wie sich Hof und Hofgesellschaft vor der Zeit Ludwigs entwickelt hatten. Darauf folgen ein Überblick über die Herrschaftszeit Ludwigs XIV. sowie über sein Selbstverständnis als Herrscher. Die grobe Kenntnis von Ludwigs Regierungszeit sowie von seinem Selbstverständnis ist hilfreich beim Verständnis des Aufbaus und der Funktion der Hofgesellschaft.
Der nächste Schritt ist dann eine genaue Beschreibung der Zusammensetzung der Hofgesellschaft nach deren Hauptgruppen, dem Adel, den Ministern und Beamten, den Künstlern und den Mätressen.
Schließlich muss das Augenmerk auch auf Ludwig selbst gerichtet werden, wie er sich für
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die, und innerhalb der Hofgesellschaft in Szene setzte. Die Überlegungen zur Intention Ludwigs bei der Ansiedelung des Adels am Hofe in Versailles stehen im Zusammenhang mit den Betrachtungen zur Selbstinszenierung Ludwigs, denn ohne Publikum keine Selbstinszenierung. Ein Teil der Inszenierung, der die Höflinge aber stark betraf und vor allem die Höflinge als Teilnehmer brauchte, war das höfische Zeremoniell, das in einem gesonderten Kapitel dargestellt wird. Und auch ohne die Schlossanlage in Versailles wäre das „höfische Schauspiel“ wenig wirkungsvoll gewesen, weswegen auch die Betrachtung der Planungen für Versailles und der Anlagen selber nicht fehlen darf. Die relativ weite Darstellung der historischen Vorgänge sowie der Anlage von Versailles, was beides über eine Darstellung der Hofgesellschaft hinausgeht, zeigt, dass eine alleinige Beschreibung der Hofgesellschaft unvollständig wäre. Die Hofgesellschaft war nicht losgelöst vom „System Versailles“, in dem alles in Verbindung stand und Menschen, Architektur, Kultur und Natur das System bildeten. Gleiches gilt für die historischen Abläufe: Vorkommnisse, wie beispielsweise die Fronde, hatten ihren Anteil daran, dass die Hofgesellschaft so entstand, wie sie hier dargestellt wird.
2. DER HOF DER FRANZÖSISCHEN KÖNIGE IN DER ZEIT VOR LUDWIG XIV.
Ludwig XIV. war nicht der erste Monarch, der „Hof“ hielt und eine Hofgesellschaft um sich scharte, aber keiner seiner Vorgänger tat dies mit derselben Perfektion wie er. Aus welchen Vorbildern sich die Hofhaltung Ludwigs entwickelte, soll in diesem Kapitel dargestellt werden.
Die Bezeichnung „Hof“ wird seit dem Hochmittelalter im heutigen Sinn verwendet. „Hof“ bezeichnet einerseits die personelle Ebene, (Hofstaat/Hofgesellschaft), die in direkter Umgebung des Monarchen zu dessen Schutz und Versorgung diente, andererseits auch die administrative Ebene die zentrale Verwaltung des Landes (Hofgericht/Hofkapelle) in der direkten Umgebung des Herrschers. Ab dem Spätmittelalter kristallisierten sich die Grundlagen der materiellen Versorgung des Herrschers und die sich ganz langsam professionalisierende und örtlich gebundene Landesverwaltung sowie die kulturelle Gestaltung des Lebens des Monarchen heraus, wobei der burgundische Hof eine Vorreiterrolle innehatte. 1 Die Hofämter und somit die Personen am Hof wurden immer zahlreicher, gleichzeitig bildeten sich feste Residenzen heraus, die Umzüge des Herrschers wurden immer seltener und obwohl sie weiterhin stattfanden, entwickelte sich der Hof zum Machtzentrum des Reiches.
Seit dem 15. Jahrhundert hielt sich der französische Hof die längste Zeit im Louvre auf und umfasste um 1550 etwa bereits 550 Personen, obwohl er von Zeit zu Zeit immer noch wanderte und die Residenz wechselte. 2 Die Gründe für die vielen Residenzwechsel waren jahreszeitliche, politische, hygienische und nicht zuletzt persönliche. Diese Praxis wurde erst durch Ludwig nach der Fertigstellung von Versailles eingestellt, wobei die Unlust Ludwigs zu wandern und ständig die Residenz zu wechseln der geringste Grund für den Bau von Versailles war. 3 Hatte der ständige Wechsel der Residenzen die „Hoflogistiker“ vor oft unlösbare Aufgaben gestellt, so erleichterte der örtlich gebundene Hof deren Aufgaben etwas. Dennoch war auch die Logistik in Versailles alles andere als einfach. 4
Mit seiner Hofhaltung stand Ludwig gewissermaßen in der Tradition der Könige aus dem Hause Valois, an deren Höfen auch Kunst und Literatur gefördert wurden und die dies auch
1 Kunisch, Johannes 1986: 63
2 Müller, Rainer A. 1995: 15
3 Kossok, Manfred 1989: 33ff
4 Müller, Rainer A. 1995: 37
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zur eigenen Propaganda nutzten, allerdings weitaus geringer, als Ludwig das später tun sollte. Einer der Valoiskönige, Heinrich III. (König von 1574-1589), wurde sogar auch als Sonnenkönig tituliert, und er gestaltete für seine Zeit das Hofzeremoniell sehr aufwändig, was sich unter seinen Nachfolgern jedoch nicht durchsetzte. 5 Mit der Zunahme der Macht der Könige gewann der Hof an Bedeutung, auch für die Adligen, die im gleichen Maße ihre Macht verloren, wie der König sie gewann, 6 aber der Hof war noch weit davon entfernt, das Machtzentrum zu sein, dass er unter Ludwig wurde. 7 Als weiterer Wegbereiter für den Hof Ludwigs XIV. kann in Ansätzen der Hof seines Vaters Ludwigs XIII. gesehen werden, bereits er gab große Feste, die auf die Gäste ähnlichen Eindruck machten wie die, die Ludwig später in Versailles gab, ebenso erlangten Ballett und Theater dort eine Hochblüte. Aber beides, sowie das im Vergleich mit Versailles längst nicht so formelle höfische Leben seines Vaters, lernte Ludwig nicht mehr kennen, da sein Vater zu früh starb. 8 Wohl aber erlebte er während der Regentschaft seiner Mutter die kultivierte Atmosphäre an ihrem Hofe und sah, wie sie das höfische Leben genoss. 9
Zu dieser Zeit setzte ganz langsam die Entwicklung des Hofs zu einer staatlichen Institution ein, was weit über dessen ursprünglichen Zweck als Herberge für den Monarch, die Mitarbeiter und die wenigen Höflinge hinausging. 10
Aus diesen Ursprüngen entwickelte sich die Hofhaltung Ludwigs XIV., der die Tradition der französischen Könige, deren Hofhaltung im Umfang jedoch nicht annähernd an die Ludwigs herankam, fortführte.
5 Burke, Peter 1993: 224
6 Müller, Rainer A. 1995: 17
7 Duchhardt, Heinz 1998: 51
8 Burke, Peter 1993: 220ff
9 Bernier, Oliver 1989: 27
10 Duchhardt, Heinz 1998: 51
3. DIE REGENTSCHAFT LUDWIGS XIV.
Die Regierungszeit Ludwigs XIV. ist bis heute legendär und wird vielfach bewundert, allein wegen ihrer ungewöhnlich langen Dauer von 1643 bis 1715. Sie teilt sich allerdings in mehrere Einzelabschnitte, in denen es unterschiedliche Machtkonstellationen gab: Die Regentschaft seiner Mutter, Anna von Österreich, von 1643 bis 1651, unter der Mazarin als erster Minister die Regierung führte, die Zeit von 1651 bis 1661, als Ludwig bereits Regent, aber Mazarin weiter erster Minister war und schließlich die Zeit von 1661 bis 1715 als Ludwig selber die Regierung führte.
Die lange Regierungszeit von 72 Jahren bestätigte Ludwig und seine Bewunderer in ihrer Überzeugung, dass er von der göttlichen Vorsehung geschickt war, die seit den glücklichen Umständen seiner Geburt bestand. 11 Aus diesem Grunde gab man ihm unter anderen den Vornamen „Dieudonné („Der von Gottgegebene“) 12 , da nach 23 Jahren kinderloser Ehe niemand mehr, am wenigsten seine Eltern, mit der Geburt eines Thronfolgers gerechnet hatte, so dass der Umstand seiner Geburt als glückliches Omen für seine bevorstehende Regentschaft angesehen wurde. 13 Ludwig wurde nach dem Tod des Vaters, vierjährig, am 14. Mai 1643 inthronisiert und trug fortan den Titel “Ludwig, von Gottes Gnaden König von Frankreich und Navarra”, aber die persönliche Regentschaft übernahm er erst mit der erklärten Volljährigkeit. Der Titel war deswegen so kurz, weil die vielen Titel, die seine Vorgänger angenommen hatten, nicht dem Königstitel zugefügt wurden, sondern in diesem aufgingen. 14
Obwohl er noch nicht seinen Namen schreiben konnte stand er bereits an der Spitze des Staates, wurde mit ungeheurem Respekt behandelt und sogar angebetet. Wegen der hohen Kindersterblichkeit rechnete man aber nicht damit, dass Ludwig das Mannesalter erreichte. 15
Mit dem Beginn des 14. Lebensjahres wurde Ludwig entsprechend dem französischen Staatsrecht vor dem Pariser Parlament für volljährig erklärt. Gekrönt und gesalbt wurde er am 07. Juni 1654 in Reims und seitdem galt er wie seine Vorgänger als mit wundertätigen Kräften ausgestattet. Diese sollten bei Krankenheilungen, bei denen Ludwig die Kranken berührte und die Formel „Der König berührt Dich, Gott
11 Bernier, Oliver 1989: 11
12 Kossok, Manfred 1989: 7
13 Bernier, Oliver 1989: 9
14 Lossky, Andrew 1994: 1
15 Bernier, Oliver 1989: 19
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heilt Dich“ sprach, Wirkung zeigen. Solche Heilungen führte Ludwig während seiner Regentschaft mehrfach durch. 16
Neben dem offiziellen Titel ist und war Ludwig auch unter anderen Titeln bekannt: Seit er 1653 im „Ballett de la Nuit“ die Rolle der Sonne getanzt hatte, wurde ihm häufig der Beiname „Sonnenkönig“ gegeben. Für die meisten Zeitgenossen galt er aber als „Ludwig der Große“, also je nach Sprache „Louis le Grand“ oder „Ludovicus Magnus“ 17 , wobei das Adjektiv „groß“ 1671 erstmals Verwendung fand. 18 Ludwig selbst bezeichnete die Sonne wegen der ihr innewohnenden unermüdlichen Bewegung und gleichzeitiger Ruhe und Unerschütterlichkeit als das „schönste Abbild eines Monarchen“ und bis heute ist er eher als „Sonnenkönig“ bekannt als als Ludwig XIV. 19
16 Malettke, Klaus 1994: 53ff
17 Bernier, Oliver 1989: 110
18 Burke, Peter 1993: 50
19 Kunisch, Johannes 1986: 65
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3.1 Die Regentschaft Annas von Österreich
Bevor Ludwig XIV. für volljährig erklärt wurde, hatte seine Mutter Anna für ihn die Regentschaft inne. Sie, Anna von Österreich, und ihr Sohn, der Dauphin, hatten ein sehr inniges Verhältnis. Ludwig verbrachte seine ganze Kindheit in der direkten Umgebung Annas, auch wenn es dagegen Widerspruch gab, da diese Nähe zum Dauphin ihre Machtposition stärkte. Ihr Weg zur Regentschaft begann, als mit zunehmender Krankheit Ludwigs XIII. deutlich wurde, dass bald ein Regent für den jungen Thronfolger benötigt wurde. Ludwig XIII. fiel aber eine Entscheidung schwer, da er sowohl seiner Frau als auch seinem Bruder Gaston, dem Herzog von Orléans, misstraute. Auf Drängen des ersten Ministers Mazarins traf der König schließlich eine Entscheidung bezüglich der
Regentschaft, indem Anna offiziell zur Regentin erklärt wurde und sein Bruder zum Generalleutnant. Zusätzlich sollten die Regierungsgeschäfte von einem Regentschaftsrat unter Mazarin geführt werden. Anna war also Regentin aber de facto ohne Macht, abgesehen von ihrer Position, die sie als Mutter des Dauphins besaß. 24 Stunden nach dem Tod Ludwigs XIII., der von niemandem ernsthaft betrauert wurde, ließ Anna in Gegenwart des kleinen Ludwig XIV., der nun König war, das Testament vom Parlament registrieren, nur um es sofort wieder für ungültig erklären zu lassen und sich selbst die alleinige Regierung zu übertragen. Selbst ihr Schwager erhob keinen Widerspruch, glaubte er doch, dass Anna ihn zum Regieren brauche. Aber Anna regierte nicht alleine, sie machte zum Entsetzen aller Mazarin, den Italiener ohne Herkunft und Kontakte zu ihrem ersten Minister. Bereits zu diesem Zeitpunkt war der Adel von der direkten Macht ausgeschlossen, und die Macht konzentrierte sich auf die Regentin und Mazarin. Doch Anna wurden die zahllosen Aufgaben, die sie als Regentin hatte, zu viel und sie übertrug alle Aufgaben Mazarin. Sie selber setzte alles daran, aus Ludwig „le plus grand roi du monde“ zu machen, den „größten König der Welt“. 20 Im Gegenteil dazu wurde Ludwigs jüngerer Bruder, der Herzog von Orleans, genannt „Monsieur“, in seinem ausgeprägten femininen Verhalten unterstützt und jegliches maskuline Verhalten unterdrückt. Zu groß war die Angst, dass er später ein Rivale Ludwigs werden könnte. 21 Wie später Ludwig, war sie sehr standesbewusst und achtete darauf, dass ihr jeder die Ehre erwies, die ihr zustand. Im Gegenteil zu Ludwig verstellte sie sich aber nur selten. Nichtsdestotrotz fehlte ihr aber die Autorität, um die Regentschaft im Stil des toten Königs
20 Bernier, Oliver 1989: 12ff
21 Bernier, Oliver 1989: 119
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weiterzuf ühren. Nur ein erwachsener König konnte den Hochadel gemeinsam mit einem
f ähigen Minister unter Kontrolle halten. 22
22 Bernier, Oliver 1989: 24
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3.2 Die Regierung des ersten Ministers Mazarin
Bis zu Ludwigs Übernahme der Alleinregierung 1661 war Mazarin erster Minister und somit „Regierungschef“ Er wurde von Ludwig geschätzt und geachtet, und er hatte von ihm viel über das Regieren und den Staat gelernt.
Kardinal Jules Mazarin wurde 1642 als erster Minister der Nachfolger von Kardinal Richelieu, ein Jahr, bevor Ludwig XIV. König wurde. In den vier Tagen zwischen dem Tod Ludwigs XIII. und seiner Ernennung zum ersten Minister hatte er Anna davon überzeugt, dass Ihre Ziele auch die seinen seien und er sie ohne die ruppigen Methoden seines Vorgängers würde erringen können. Obwohl er Kardinal war und somit im Rang über einem Herzog stand, galt er als „ungläubig“. Er hatte keine familiären Bindungen, was Anna als vorteilhaft ansah, da er so niemandem gegenüber verpflichtet war, und als Premierminister setzte er die Entscheidungen um, die sie traf. 23 Der Vorteil eines Kardinals im höchsten Staatsamt war, dass er der Etikette nach auf einer Stufe mit den Prinzen von Geblüt stand, aber gleichzeitig wegen des Zölibats keine Dynastie gründen konnte, die dem König gefährlich werden konnte. 24 Als Premierminister war auch Mazarin von der Gunst des Monarchen, in diesem Fall von der der Regentin, abhängig. Um möglichst sicher auf seinem Posten zu sein, musste er versuchen, sich unabkömmlich zu machen, ohne jedoch den Eindruck zu erwecken, eine der Regentin gefährliche Machtfülle zu erlangen, was ihm auch recht gut gelang. 25 Im Jahr 1646 wurde Mazarin (der auch Taufpate Ludwigs war) auf Veranlassung Annas von Österreich Oberintendant für die Erziehung Ludwigs. Fortan überwachte er neben seinen Pflichten als Premierminister dessen Erziehung, erzog ihn zwar nicht persönlich, übte aber dennoch einen großen Einfluss auf ihn aus. Er sorgte dafür, dass Ludwig die Liebe zur Kunst, Kenntnisse der Wichtigkeit des Mäzenatentums und der Diplomatie beigebracht wurde. 26 Dass er Mazarin nicht eher entließ und die Regierung übernahm, begründete Ludwig so: „Trotz so vieler Parteispaltungen war ein Minister wieder in sein Amt eingesetzt worden, der zwar sehr geschickt und fähig war, mit dem mich gegenseitige Zuneigung verband und der mir große Dienste geleistet hatte, aber dessen Gedanken und Gewohnheiten natürlicherweise von den meinen sehr verschieden waren, dem ich aber trotzdem nicht widersprechen konnte und dem ich seine gesamte Macht belassen musste, wenn ich nicht aufs neue gegen ihn die Türme heraufbeschwören
23 Bernier, Oliver 1989: 13ff
24 Mager, Wolfgang 1980: 145
25 Kunisch, Johannes 1986: 79
26 Malettke, Klaus 1994: 42ff
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Marc Brüninghaus, 2006, Ludwig XIV. in Versailles, München, GRIN Verlag GmbH
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