Inhalt
1. Einleitung 3
1.1. Fragestellung 3
1.2. Begriffsbestimmungen 3
1.3. Der Film „Memento“ als Untersuchungsobjekt 4
2. Der Film „Memento“ 5
2.1. Kurzinhalt 5
2.2. Erzählweise und Chronologie des Films 6
2.3. Filmische Mittel 7
2.4. Entstehung und Konzeption des Films 10
2.5. Die Rezeption des Filmes 11
2.5.1. Auslegungen des Films 13
3. Ergebnisse der Untersuchung 15
Literaturverzeichnis 17
2
1. Einleitung
1.1. Fragestellung
Ursprüngliche Motivation für dieses Thema war eine Diskussion im FLS „Geschichte und Theorie des Films“ über die Möglichkeiten des Filmzuschauers, interagierend in einen Film einzugreifen. Dabei hatte ich die Idee, die quantenphysikalischen Ideen Werner Heisenbergs mit dem Schauen eines Films in Verbindung zu bringen. Es stellte sich jedoch als nahezu unmöglich heraus, Quantenphysik und Filmtheorie zu vereinen. Deswegen soll nur noch eine sehr verallgemeinerte Form von Heisenbergs Thesen weiterhin als Motivation dienen. Zusammenfassend könnte man mit Heisenberg sagen, dass jedes Subjekt das betrachtete Objekt verändert. 1 Hierbei ist für Subjekt der betrachtende Mensch zu setzen, dass Objekt kann jeglicher Teil einer angenommenen äußeren Realität sein. Das würde für den zu behandelnden Fall bedeuten, dass man einen Film nicht schauen kann, ohne ihn zu verändern. Wenn wir diese Grundaussage im Hinterkopf behalten, kann gesagt werden, dass jeder Zuschauer den Film etwas anders erlebt, d.h. ihn auf der Folie individueller Gefühle, Stimmungslagen, aber auch physiologischer Gegebenheiten interpretiert. Dies hängt eng mit der Identifikation des Zuschauers mit den jeweiligen Rollen im Film zusammen. Es soll aber an dieser Stelle untersucht werden, ob es darüber hinaus möglich ist, dass ein Film nicht nur unterschiedlich interpretiert wird, sondern inhaltlich, insbesondere seine Chronologie betreffend, von einer endlichen aber zunächst nicht bestimmbaren Zahl von Betrachtern unterschiedlich sortiert, angeordnet und wahrgenommen wird. Mit anderen Worten, ob der Film zwischen Leinwand und Betrachter maßgeblich verändert wird.
1.2. Begriffsbestimmungen
Um die Untersuchung durchführen zu können, möchte ich zunächst eine Begriffsbestimmung vornehmen. Dazu werden „Identifikation“, „Interaktion“ und „Wahrnehmung“ definiert. Eine allgemeine Bestimmung ist hierbei hinreichend, da es sich nicht um eine speziell psychologische Untersuchung handelt.
„Identifikation“ meint: „emotionales Sichgleichsetzen mit einer anderen Person oder Gruppe und Übernahme ihrer Motive und Ideale in das eigene Ich“ 2 . Für unsere Betrachtung dient dieser Begriff also dazu, interpretative Prozesse und Identifikation des Betrachters mit dem
1 Vgl. Werner Heisenberg: Physik und Philosophie, Stuttgart 2000 und David C. Cassidy: Werner Heisenberg -Leben und Werk, Heidelberg 1995 und Anton Zeilinger: Einsteins Schleier- Die neue Welt der Quantenphysik, München 2005.
2 Duden, Band 5: Fremdwörterbuch, Mannheim 2001, S. 419.
3
Protagonisten herauszukristallisieren und diese im Vergleich zur Interaktion zu betrachten bzw. deren Zusammenspiel zu analysieren.
Etymologisch abzugrenzen ist hiervon die „Interaktion“, mit dem lateinischen Präfix „inter“: „zwischen, unter, inmitten, während“ 3 . „Interagieren“ definiert sich dann als „sich, agierend und aufeinander reagierend, wechselseitig in seinem Verhalten beeinflussen (von Menschen, auch z.B. von Computersystemen, Medien usw. und deren Benutzern)“ 4 . Ich beschränke als Annahme für diese Untersuchung bei „Interaktion“ auf jene Prozesse, die mit dem Sehen des Filmes - also auf einer Leinwand oder ähnlichen Objekten - beginnen und im neurologischen System des Betrachters ablaufen, um die audiovisuellen Eindrücke zu sortieren und zu verarbeiten. Interagiert der Filmbetrachter also, würde er den Film verändern. Schließlich muss noch „Wahrnehmung“ untersucht werden, um zu klären, ob im Wahrnehmungsprozess aktive Elemente enthalten sind. In der Wahrnehmungspsychologie findet sich folgendes: „Nach ROCK [...] ist Wahrnehmung insofern ein konstruktiver Prozeß, als daß die Welt, wie sie in der Wahrnehmung erschaffen wird, sich qualitativ von den Reizverhältnissen an den Sinnesorganen [...] unterscheidet.“ 5 Auf unseren Fall angewendet und weitergedacht bedeutet dass, dass der Prozess der Wahrnehmung zum einen konstruktiv, also aktiv ist; und zum anderen die Wahrnehmung die wahrgenommenen Inhalte und Formen verändert, sortiert und kategorisiert, um sie dem Intellekt verständlich zu machen.
1.3. Der Film „Memento“ als Untersuchungsobjekt
Der Film „Memento“ von Christopher Nolan eignet sich für diese Untersuchung besonders gut, da die Szenen nicht chronologisch gezeigt werden, sondern rückwärts, unterbrochen von Schwarzweißszenen, die zu einem bestimmten, später genauer zu bestimmenden, Zeitpunkt in die Farbszenen inhaltlich übergehen. Durch diese Anordnung ist der Betrachter gezwungen, die Szenen oder Kapitel neu anzuordnen, um den Filminhalt verstehen zu können. Die Frage lautet also, ob der Zuschauer den Film „Memento“ beim Betrachten verändert, bzw. mitgestaltet und ob dies jeder Betrachter in maßgeblich verschiedener Weise tut. Findet also eine Interaktion des Betrachters im Sinne der oben genannten Definition statt? Desweiteren soll genauer geprüft werden, mit welchen filmischen und erzähltechnischen Mitteln in „Memento“ die Verwirrung beim und die daraus resultierende Identifikation und Interaktion des Betrachters erzeugt wird.
3 Ebd., S. 449.
4 Ebd.
5 Günther Kebeck: Wahrnehmung, München 1994, S. 264.
4
Schließlich muss die Entstehung und Konzeption des Films betrachtet werden, damit mögliche Intentionen des Regisseurs Christopher Nolan - der zugleich Drehbuchautor war -und seines Bruders Jonathan Nolan - der die zugrundeliegende Kurzgeschichte schriebbeachtet werden können, soweit sie für die Beantwortung der Fragestellung zugänglich sind. Christopher Nolan selbst - soviel sei vorweggenommen -, setzte sich zumindest eine starke Beteiligung des Zuschauers als Ziel für diesen Film: „To me it was important to create a film that people couldn’t watch in a passive way.“ 6
Abschließend erfolgt eine Untersuchung zur Rezeption des Filmes, um einige wenige Zuschauerreaktionen dafür zu bekommen, wie andere Menschen als das Filmteam und ich den Film bewerteten bzw. darauf reagierten.
2. Der Film „Memento“
„Die Wahrnehmung ist möglicherweise verzerrt. Sie ist nur eine Interpretation, keine Aufzeichnung. Sie ist irrelevant, wenn man Fakten hat.“ 7
Dieses Zitat des Protagonisten Leonard Shelby ist zugleich Grundaussage des ganzen Films. Regisseur Christopher Nolan hat einen Film geschaffen, der nicht nur mit der Wahrnehmung der Hauptfigur spielt, sondern durch dessen Erzählperspektive und die zu erwartende starke Identifikation mit ihr auch mit der Wahrnehmung des Filmzuschauers.
2.1. Kurzinhalt
Leonard Shelby hat die Fähigkeit verloren, sich neue Informationen zu merken. Seit einem Überfall, bei dem seine Frau vergewaltigt und getötet und er schwer verletzt wurde, vergisst er alles innerhalb weniger Minuten. Auf der Suche nach dem Mörder seiner Frau, versucht er mittels Polaroidbildern, Zetteln und Tätowierungen auf seinem Körper die Informationen seiner Ermittlung zu verbinden und vor allem zu fixieren. Dabei gerät er in das Machtspiel von Natalie und Teddy, die beide vorgeben, ihm zu helfen. Parallel erzählt Leonard Shelby am Telefon einem unsichtbaren Gegenüber eine Geschichte aus seiner Zeit als Versicherungsermittler: Sammy Jankis hatte sein Kurzzeitgedächtnis verloren und seine Frau wollte die Arztrechnungen von der Versicherung zahlen lassen. Leonard Shelby wurde auf den Fall angesetzt, lehnte die Zahlung ab, was zum Tod von Sammy Jankis’ Frau führte. Sie
6 James Mottram, The Making of Memento, New York 2002, S. 173.
7 Christopher Nolan: Memento, DVD, Columbia Tristar Home Entertainment 2002, Zitat von Leonard Shelby.
5
Citation du texte:
Felix Strüning, 2005, Identifikation und Interaktion beim Filmzuschauer am Beispiel von Christopher Nolans Film „Memento“ , Munich, Editeur GRIN GmbH (SARL)
Ce texte peut être téléchargé et cité sur l'URL suivante
Incorporer
DOI
Memento - wenige Darsteller, aber viele Gesichter
Eine Figurenanalyse am Beispie...
Médias / Communication - Film et Télévision
Exposé écrit pour un séminaire / cours, 15 Pages
Videokunst - Andy Warhol - 'Ich erkannte, dass alles mit dem Tod z...
Art - Installations / L’art moderne
Dossier / Article / Fiche de lecture, 15 Pages
Andy Warhols "Disasters Serie"
Eine darstellende Zusammenfass...
Art - Graphique / Illustration / Impression
Script, 8 Pages
Narrative Strategien in Andy Warhols "Car Crash"-Bildern
Dissertation / Travail de séminaire de deuxième cycle, 23 Pages
Trauma - "Memento" (2001) - eine Analyse
Philologie Américaine - Autres
Exposé écrit pour un séminaire / cours, 7 Pages
Photographie als externes Gedächtnis - Das Bild in Christopher Nolans ...
Médias / Communication - Film et Télévision
Thèse de Bachelor, 48 Pages
Das Foto als identitätsstiftendes Medium in Christopher Nolans Film &q...
Exposé écrit pour un séminaire / cours, 29 Pages
Erinnern und Vergessen in Christopher Nolan`s "Memento"
Médias / Communication - Film et Télévision
Dissertation / Travail de séminaire de deuxième cycle, 33 Pages
Felix Strüning a publié le texte Identifikation und Interaktion beim Filmzuschauer am Beispiel von Christopher Nolans Film „Memento“
Felix Strüning a téléchargé un nouveau texte
Das Zeit-Bild im osteuropäischen Film nach 1945
Oleg Aronson, Birgit Beumers, Eva Binder, Peter Deutschmann, Sabine Hänsgen, Holt Meyer, Natascha Drubek-Meyer, Jurij Murasov
0 commentaires