Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung 3
2. Die Entstehung der Bibel 4
3. Der Gott der Bibel 5
4. Der Begriff „Zorn“ in der Bibel 6
5. Gottes Zorn im Alten Testament 7
5.1. Die Mittel des Gotteszorns 7
5.2. Anlass und Zweck des Gotteszorns 8
5.3. Exkurs: Gottes Reue 10
6. Gottes Zorn im Neuen Testament 10
6.1. Die Mittel des Gotteszorns 10
6.2. Anlass und Zweck des Gotteszorns 11
7. Gottes Zorn aus Sicht der Kirchenväter 12
7.1. Caecilius Firmianus Lactantius 13
7.2. Augustinus von Hippo 13
7.3. Martin Luther 14
8. Resümee 15
Literatur 17
2
1. Einleitung
Betrachtet man den Begriff „Zorn“ in den klassisch gewordenen Werken der Literatur, der Musik und des Kinos, wird sich die Bibel schwerlich übergehen lassen, denn in ihren Kapiteln und Versen ist häufig von dieser Emotion die Rede. Und mehr noch als von menschlichem, zeugt sie von göttlichem Zorn. Daran nehmen besonders Christen Anstoß, denn in ihr Bild vom lieben und guten Gott Jesus passt der Jahwe nicht, der in Raserei schreckliche und grausame Strafen vom Himmel regnen und Vernichtungskriege führen lässt, die mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, sämtlichen Genfer Konventionen und den Transparentbotschaften der Ostermärsche nicht im Einklang stehen. Das geht soweit, dass selbst einige Theologen all das von Jahwe, das nicht jesuanisch genug ist, um als christlich in ihrem Sinne durchgehen zu können, als „jüdischen Atavismus“ ablehnen und aus dem Christentum ausscheiden. 1
Atheisten gibt der Gotteszorn in der Bibel ein Argument in die Hand, das sie in ihrer Ablehnung der jüdisch-christlichen Religion bestärkt. Ein Gott, der unmenschlich ist, der unfair reagiert, der unaufgeklärt agiert, der nicht den Werten der heutigen Menschen entspreche, dem fehle schlechthin die Legitimation, um Gott zu sein. Agnostiker mögen sagen, diesem Gott, sollte er denn existieren, gebühre keine Anbetung. Ich möchte mich in dieser Arbeit mit dem Phänomen des Gotteszorns in der Bibel beschäftigen, den Zorn beschreiben, die Rechtfertigung des Zorns, die die Bibel anbietet, darlegen, sowie Erklärungen und Anwendungen des Zorns vorstellen, die drei Größen der Kirchengeschichte gefunden haben. Ich vertrete dabei die Haltung, der Zorn Gottes an sich verfolge bei aller Emotion einen heilsgeschichtlichen Plan und sei nicht das Wüten einer in seiner Ehre gekränkten, leicht reizbaren Gottheit. Das Ausmaß der Zornesausbrüche jedoch, gerade im Alten Testament sowie der Offenbarung, kann ich nur darstellen. In dieser Arbeit geht es nicht darum, den Grad dieser Grausamkeiten zu erklären. Diese Arbeit im Bereich der Buchwissenschaft, nicht der Theologie, muss, weil ihr eine detaillierte sprachliche Analyse der hebräischen und griechischen biblischen Urtexte fehlt, in ihrer Erklärungskraft notwendigerweise beschränkt bleiben. Einem Überblick über den grundsätzlichen Inhalt und die Intention des literarischen Werks Bibel in Bezug auf den Zorn Gottes sollte diese Arbeit jedoch dienen.
1 Miggelbrink, S. 126
3
2. Die Entstehung der Bibel
Die evangelische Bibel besteht aus dem 39 Bücher umfassenden Alten Testament und dem Neuen Testament, zu dem 27 Bücher gehören. Der katholische Kanon zählt zum Alten Testament noch die so genannten Apokryphen, die nach dem von Luther geprägten Verständnis nicht „heilige“, sondern nur „nützliche“ Bücher darstellen. 2 Die ältesten Quellen des Pentateuchs 3 gehen auf das neunte Jahrhundert vor Christus zurück. 4 Im Neuen Testament ist das älteste Buch wahrscheinlich der von Paulus geschriebene Thessalonicherbrief. Die Evangelien entstanden nach der Zerstörung Jerusalems durch die Römer im Jahr 70 nach Christus. Zu Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus waren alle Bücher des Neuen Testaments geschrieben. 5
Die Bibel haben im Gegensatz zum Koran verschiedene Autoren mit vielfältigen Gotteserfahrungen und Schreibstilen verfasst. Bereits bestehende Bücher wurden von nachgeborenen Chronisten redigiert und erweitert. An wenigen Stellen enthält die Bibel deshalb auch Widersprüche. 6 Die Heilige Schrift der Christen ist also kein Werk aus einem Guss, dem Aufbau und Inhalt nach keine Monographie, sondern eine Anthologie. Wenn es bei dieser Arbeit um den Begriff „Zorn“ gehen soll, wäre eine nach Autoren differenzierte Betrachtung der Verwendung dieses Begriffs sicher angemessener als eine bloße Unterscheidung zwischen dem Alten und dem Neuen Testament. Aufgrund des Umfangs dieser Arbeit belasse ich es jedoch bei einer Analyse, die nur zwischen den Testamenten (und damit den beiden Sprachen der Bibel) differenziert. Das mag für einen ersten Überblick über die Anwendung des Terminus „Zorn“ in der Heiligen Schrift genügen. Der Begriff „Bibel“ geht wahrscheinlich auf die phönizische Hafenstadt Byblos zurück, von der aus seit dem sechsten vorchristlichen Jahrhundert Papyrusblätter nach Griechenland exportiert wurden. Biblische Bücher wurden im Altertum auf Schriftrollen geschrieben, die aus zusammengeklebten Papyrusblättern bestanden. Mit dem griechischen Wort „biblos“ 7 für die phönizische Stadt bezeichnete man ursprünglich die Papyrusstaude, später auch das
2 http://de.wikipedia.org/wiki/Apokryphen#Apokryphen_nach_dem_Tanach_und_dem_evangelischen_Kanon, aufgerufen am 16. August 2006; Martin Luther zählte die Apokryphen im Gegensatz zur griechischen Septuaginta und zur lateinischen Vulgata nicht zu den kanonisierten Schriften, da diese teilweise auf Griechisch verfassten Bücher auch nicht zum im 1. Jahrhundert nach Christus vollständig feststehenden jüdischen Kanon gehörten. Die Tora, bestehend Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri und Deuteronomium, war bereits um 400 vor Christus kanonisiert worden. (Betz/ Ego / Grimm/ Zwickel, Bd. 1, S. 185)
3 Das sind die Bücher Genesis, Exodus, Levitikus und Deuteronomium.
4 Elwell, S. 76
5 ebd., S. 314
6 Betz/ Ego / Grimm/ Zwickel, Bd. 1, S. 184-186
7 Später entstand daraus das lateinische „biblia“.
4
Papyrusblatt und schließlich die ganze Schriftrolle. Bei der Bibel handelt es sich also um „die Schriften“ oder „die Bücher“. 8
Die christliche Unterteilung der Heiligen Schrift der Christen in Altes und Neues Testament hebt zum einen die christlichen von den jüdischen Büchern ab. Zum anderen verweist das lateinische Wort „testamentum“ (übersetzt mit „Bund“) auf den so genannten Alten sowie den Neuen Bund. Der Alte Bund wurde zwischen Jahwe und dem Volk Israel am Berg Sinai geschlossen, die Regeln in die steinernen Gesetzestafeln graviert. Der Neue Bund, nach christlichem Verständnis von Jeremia angekündigt 9 , ist das Angebot Gottes an alle Menschen, durch den Glauben an ihn zu seinem Volk, zum Gottesvolk zu werden. Der Neue Bund umfasst Kreuzigung und Auferstehung des Gottessohns sowie die Ausgießung des Heiligen Geistes. 10 Inhalt und Bedingungen des Vertrages zwischen Gott und den Menschen haben sich vom Alten zum Neuen Testament also geändert.
3. Der Gott der Bibel
Der Gott des Alten Testaments heißt „Jahwe“, wobei in den ursprünglichen hebräischen Texten üblicherweise nur die Konsonanten „JHWH“ auftauchten. Die Wiedergabe als „Jahwe“ gilt jedoch mittlerweile als gesichert, nachdem bis ins 19. Jahrhundert die falsche Übertragung „Jehova“ verbreitet war. Der Irrtum resultierte daraus, dass man die Vokale von ’adônj, des hebräischen Begriffs für „Herr“ oder „mein Herr“ in „JHWH“ einsetzte. Der Terminus ’adônj steht im Alten Testament häufig als Synonym für „JHWH“. Übersetzt wird der Name des Gottes der Bibel üblicherweise mit „Ich bin, der ich bin“, eine Deutung, die der entsprechenden Erklärung in Exodus 3, 14 entspricht. Es gibt darüber hinaus Theologen, die „JHWH“ auf das arabische (und Arabisch ist wie Hebräisch eine semitische Sprache) Verb für „wehen“ zurückführen, „JHWH“ also als „Sturmgott“ verstehen. 11 Wohl erst Mose gab den Israeliten den Namen Gottes bekannt. Wie Jahwe der Gott Israels wurde, lässt sich nicht mehr sicher rekonstruieren. Möglicherweise verehrten schon vor dem Volk Israel Menschen diesen Gott. Ägyptische Tempelinschriften in Nubien geben Hinweise darauf, dass bereits ein Stamm des Nomadenvolkes der Schasu im Gebiet östlich des Jordanflusses den später Jahwe genannten Gott anbetete. Mit diesen Schasu sind wohl die
8 Betz/ Ego / Grimm/ Zwickel, Bd. 1, S. 184-186
9 Jeremia 31, 31-33; Wo ich nicht ausdrücklich auf eine andere Übersetzung hinweise, zitiere ich in dieser Arbeit aus der Revidierten Elberfelder Übersetzung der Bibel.
10 Betz/ Ego / Grimm/ Zwickel, Bd. 1, S. 184-186
11 Betz/ Ego / Grimm/ Zwickel, Bd. 1, S. 665f
5
Arbeit zitieren:
Carsten Gäbel, 2006, Der Zorn Gottes in der Bibel, München, GRIN Verlag GmbH
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