Inhalt
1. Einleitung 1
2. Die augusteische Zeit 2
2.1. Caesars Apotheose 2
2.2. Augustus’ Dichter 3
3. Caesars Apotheose in der augusteischen Dichtung. 4
3.1. Vergils Eklogen und Aeneis. 4
3.2. Ovids Metamorphosen und Festtagskalender 7
4. Zusammenfassung. 9
5. Quellen und Literatur 11
5.1. Quellen 11
5.2. Literatur. 11
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1. Einleitung
Caesar erhielt nach seinem Tod als erster Römer eine Apotheose 1 , aber über seine Leistungen wurde nicht mehr gesprochen. Die Quellen schweigen meist über ihn und auch in der Forschung wird nur selten das Caesarbild der augusteischen 2 Zeit analysiert. Meist wird Caesar bei einer Arbeit über das Augustusbild der Dichter mitbehandelt. Diese Arbeit behandelt Caesars Tod und Apotheose in der Darstellung der augusteischen Dichter Vergil und Ovid. Sie versucht herausfinden, wie Caesar kurz nach seinem Tod betrachtet wurde. Unter Vergil entstand eine neue Dichtung mit „staatlich-gesellschaftlichem“ Bezug. 3 Die Dichter ließen zeitgenössische Themen und Sichtweisen der Gesellschaft in ihre Werke einfließen. Diese spiegeln daher gut wider, wie sich die Menschen sich an Caesar erinnerten. Vergil zeigt das Caesarbild kurz nach dessen Tod. Ovid gehörte zu der ersten Generation, die das Ende der Republik nicht mehr (bewusst) miterlebte. An seinen Werken kann man feststellen, wie sich das Caesarbild im augusteischen Principat weiterentwickelte. Die Dichter schreiben mehrdeutig und bis heute wird über die Aussage ihrer Texte diskutiert. Ihr Caesarbild hängt von der jeweiligen Interpretation des Lesers ab. Diese Arbeit will daher keine vollkommen richtige Interpretation aufzeigen, sondern Interpretationsmöglichkeiten. Ferner benutzen die Dichter Caesar meist nur, um (kritisch) etwas über Augustus auszusagen. Oktavian nannte sich erst in seinem Principat 4 nach 31 v. Chr. Augustus. Diese Arbeit versucht diesem Unterschied zu folgen.
Im ersten Kapitel soll kurz erläutert werden, wie es zu Caesars Apotheose kam und wie die Stellung der Dichter in der augusteischen Zeit war. Danach werden Vergils und Ovids Werke analysiert, um ein Caesarbild zu erstellen. Bei Vergil sollen die Eklogen als sein frühestes und die Aeneis als sein letztes Werk betrachtet werden. Ovid bezieht sich nur in den Metamorphosen und dem Festtagskalender auf die Apotheose. Dabei soll betrachtet werden, inwieweit sich das Caesarbild in der Dichtung und somit auch in der Gesellschaft ändert.
1 Apotheose: Vergöttlichung, zum Gott werden
2 „Augusteisch“ bezeichnet die Zeit von Caesars Tod bis Augustus’ Tod. Der Begriff beinhaltet also auch die
Zeit vor dem Principat, als Augustus noch Oktavian war.
3 BURCK, ERICH: Die Rolle des Dichters und der Gesellschaft in der augusteischen Dichtung, in: Antike und
Abendland 21, hrsg.: Bruno Snell [u.a.], Berlin 1975, S.12-35, S.24.
4 Der Titel Princeps war zuerst im Senat üblich (princeps senatus) und bezeichnete denjenigen, der an erster
Stelle auf der Liste der Senatoren stand. Unter Oktavian beschrieb der Titel die neue Staatsordnung, die
theoretisch keine Monarchie, sondern die Herrschaft einer (oligarchischen) Gesellschaft sein sollte. Trotzdem
war der Princeps eigentlich ein Herrscher, der die Verfassung lediglich duldete. BLEICKEN, JOCHEN:
Augustus. Eine Biographie, Berlin 3 1999, S.321, S.373 und S.394/5.
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2. Die augusteische Zeit
2.1. Caesars Apotheose
Nach Caesars Tod 44 v. Chr. kam Oktavian in die Politik. Er war von Caesar testamentarisch adoptiert worden und demnach dessen Erbe. 5 Im Juli 44 veranstaltete er Spiele zu Ehren des Diktators. Am Ende dieser Spiele erschien ein Komet, der als Seele Caesars gedeutet wurde. Horaz nannte ihn „sidus Iulium“. 6 Zwei Jahre später wurde Caesar zum Gott erklärt. Dies diente zunächst als Propaganda gegen die Caesarmörder, die Oktavian und Antonius kurz danach in der Schlacht bei Philippi besiegten. 7 Wenig später befand sich Rom erneut im Bürgerkrieg. Im selben Jahr begann mit Vergil die augusteische Dichtung. 8 Mit seinem Sieg bei Actium 31 v. Chr. gegen Kleopatra und Antonius beendete Oktavian den Bürgerkrieg und wurde Herrscher des römischen Reiches. Nun musste er seine Position festigen. 9 Er stellte sich als Retter und Erneuerer des Staates und Sicherer des Friedens, Wohlstandes und der Freiheit dar. 10 Ferner benutze er Caesars Apotheose, um von ihr seine göttliche Herkunft als Legitimation für seine Machtposition abzuleiten. 11 Nachdem er als Augustus seine Macht gesichert hatte, distanzierte er sich von Caesar. Seine göttliche Herkunft führte er nun hauptsächlich auf Apollo zurück. 12 Vermutlich, so FINK, wollte er nicht daran erinnert werden, dass Caesar wegen der Alleinherrschaft, die auch er anstrebte, ermordet wurde. 13 Der Komet wurde nicht mehr als Caesars Seele interpretiert. Augustus grenzte sich von dieser Version ab und stellte sie als Glaube der Leute dar. 14 Der Komet wurde nun als Vorzeichen von Augustus’ Herrschaft gedeutet. 15 Caesar wurde zu einem Thema, das besser vergessen wurde. Jede Erwähnung über ihn im augusteischen Principat ist daher eine Überraschung. 16
5 URBAN; DETLEF: Die augusteische Herrschaftsprogrammatik in Ovids Metamorphosen, Frankfurt am Main
[u.a.] 2005, S.91.
6 Nach VOIT, LUDWIG: Caesars Apotheose in der Darstellung Ovids, in: Et scholae et vitae. Festschrift für
Karl Bayer, hrsg.: Friedrich Meier/ Werner Suerbaum, München 1985, S.49-56, S.52.
7 COLEIRO, EDWARD: An introduction to Vergil’s bucolics with a critical edition of the text, Amsterdam
1979, S.148.
8 BURCK: Augusteische Dichtung, 1975, S.17.
9 URBAN: Herrschaftsprogrammatik, 2005, S.93.
10 URBAN: Herrschaftsprogrammatik, 2005, S.95/6.
11 BLEICKEN: Augustus, 1999, S.78/9.
12 URBAN: Herrschaftsprogrammatik, 2005, S.137.
13 FINK, GERHARD: Festum geniale. Ovid und die Iden des März, in: Athlon. Festschrift für Hans-Joachim
Glücklich, hrsg.: Landesverband Rheinland-Pfalz im deutschen Altphilologenverband, Speyer 2005, S.11-18,
S.12/13.
14 VOIT: Caesars Apotheose, 1985, S.52.
15 SCHMITZER, ULRICH: Zeitgeschichte in Ovids Metamorphosen, Beiträge zur Altertumskunde Band 4,
hrsg.: Ernst Heitsch [u.a.], Stuttgart 1990, S.291.
16 SYME, RONALD: History in Ovid, Oxford 1978, S.191.
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2.2. Augustus’ Dichter
Die frühen augusteischen Dichter hatten wenig Grund, den chaotischen Bürgerkriegen vor und nach Caesars Tod nachzutrauern, also lobten sie Oktavian, der die Kriege beendete und den Frieden brachte. 17 Sie schilderten die Anfänge der römischen Geschichte und sagten Ruhm für Rom voraus. 18 Vergil z.B. kündigte ein neues goldenes Zeitalter unter Oktavian an. 19
Nach den Bürgerkriegen folgte eine moralische Erneuerung, die besonders Horaz unterstützte. Dichtung fördere die Bildung und Moral und sei daher wichtig, um weitere Bürgerkriege zu verhindern. Horaz habe z.B. die Schlacht von Actium als notwendig für das Ende der Kriege dargestellt. 20 Das heißt auch, dass die Dichtung Propaganda für Augustus machte. Augustus förderte die Literatur, wollte sie aber auch kontrollieren. „Eine Verbreitung über den engsten Freundeskreis hinaus war nicht denkbar, ein Publikum außerhalb des augusteischen Einflussbereichs existierte nicht“. 21 Laut GALL schafften sich die Dichter dennoch Freiräume, indem sie sich in unpolitische Texte zurückzogen oder sich mit Aspekten beschäftigten, die sie guten Gewissens loben konnten. 22 Andererseits entdecken Forscher in fast allen Texten der augusteischen Dichter Kritik an der Politik. Häufig wird diese Kritik aus einer Einzelinterpretation der mehrdeutigen Formulierungen geschlossen. 23 Von Vergil glaubte man, dass er Augustus lobt, aber auch bei ihm entdeckten Forscher Kritik am Principat. Diese Kritik wird jedoch besonders bei Ovid vermutet. Die augusteischen Dichter hatten große geistige Freiheit. Sie konnten sich sogar erlauben, Erwartungen nicht zu erfüllen. Augustus wollte z.B. ein Epos auf seinen Namen, aber keiner der überlieferten Dichter erfüllte diesen Wunsch. BURCK deutet die Dichtung als „ungeheuer“ reich und vielseitig, 24 aber die meisten Werke sind verloren gegangen.
Ovid repräsentiert die späte augusteische Dichtung. Er erlebte die Diktatur Caesars nicht, musste nach dessen Tod im Bürgerkrieg wohl keine Partei ergreifen und war nicht von Vermögensverlusten betroffen. Die „pro-augusteische“ Haltung seiner Generation ist gering. 25
17 URBAN: Herrschaftsprogrammatik, 2005, S.100.
18 BURCK, Augusteische Dichtung, 1975, S.13/14.
19 Vergil, Aen. I, 291ff; Aen. VI, 792; Ek. IV, 46-58. Siehe BURCK, Augusteische Dichtung, 1975, S.14 und
HOLZBERG, NIKLAS: Vergil. Der Dichter und sein Werk, München 2006, S.46.
20 Siehe THORNTON, AGATHE: The living universe. Gods and men in Virgil’s Aeneid, Leiden 1976, S.10/11.
21 GALL, DOROTHEE: Die Literatur in der Zeit des Augustus, hrsg.: Martin Hose, Darmstadt 2006, S.20.
22 GALL: Literatur, 2006, S.20.
23 WITTCHOW, FRANK: Vater und Onkel. Julius Caesar und das Finale der Aeneis, in: Gymnasium Band 112,
hrsg.: Richard Klein/ Ulrich Schmitzer, Heidelberg 2005, S.45-69, S.46.
24 BURCK, Augusteische Dichtung, 1975, S.17/18.
25 GALL: Literatur, 2006, S.21.
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3. Caesars Apotheose in der augusteischen Dichtung
3.1. Vergils Eklogen und Aeneis
Vergil verkündet zwar ein neues goldenes Zeitalter unter Augustus und stand dem Princeps nahe, 26 aber er war Republikaner, denn im achten Buch der Aeneis beschreibt Vergil, dass Catilina mit der Prometheus-Strafe belegt wurde. 27 Der Republikaner Cato, ein Gegner Caesars, hingegen ist der Gesetzgeber der Frommen (Aen. VIII, 668-670). Als Republikaner ist von Vergil ein negatives Caesarbild zu erwarten. Als Dichter beschreibt Vergil keine historischen Fakten. Trotzdem ist er interessant für die Wissenschaft, da er zeitgenössische Themen aufgreift und zeigt, wie die Menschen diese empfanden. In der vierten Ekloge schreibt er z.B. über die Sehnsucht nach Frieden während der Bürgerkriege. 28 Vergils Eklogen entstanden in den ersten Jahren nach Caesars Tod. In der fünften Ekloge singen die Hirten Mopsus und Menalcas über den Tod und die Apotheose von Daphnis. Mopsus beginnt mit dessen Tod. Die Nymphen, die Mutter, die Menschen und die Tiere trauern um Daphnis (Ek. V, 20-28). Als dieser starb, verließen sogar die Hirtengötter Pales und Apollo die Felder (Ek. V, 34/5). Daphnis wollte geehrt werden, also sollen nun die Hirten ein Grabmal errichten (Ek. V,40-44). Menalcas singt daraufhin über die Apotheose. Alle Berge, Felsen und Büsche jubeln, da Daphnis nun ein Gott ist (Ek. V, 62-64). Solange eine heile Welt existiere, solle Daphnis Ruhm und Ehre erhalten (Ek. V, 76-80). In der neuesten Forschung wird überwiegend angenommen, dass Daphnis Caesar darstellt. 29 CLAUSEN hält den Vergleich allerdings für zu simpel, denn dieser passe nicht in Vergils komplexe Gedichte. 30 Im frühen 20. Jahrhundert wurde noch darüber diskutiert, ob Daphnis wirklich Caesar ist. ROSE z.B. hält Vergils Daphnis für den mythologischen Daphnis aus Theokrits griechischen Eklogen. Theokrit war eine Quelle Vergils und beschrieb Daphnis’ Tod, aber nicht dessen Apotheose. 31 Vergil scheint also Theokrits Eklogen weiter zuschreiben. FRANK hielt Daphnis für den republikanischen Dichter Cornificus. 32 Laut NAUMANN nahmen einige antike Autoren, z.B. Sueton, an, dass Daphnis Vergils verstorbenen Bruder symbolisiert. Dessen Apotheose wäre allerdings eine „unmögliche
26 Dazu siehe z.B. BLEICKEN: Augustus, 1999, S.301 oder S.362.
27 DONIÉ, PETER: Untersuchung zum Caesarbild der römischen Kaiserzeit, Hamburg 1996, S.31.
28 BLEICKEN: Augustus, 1999, S.206.
29 So z.B. HOLZBERG: Vergil, 2006, S.75, DONIÉ, PETER: Caesarbild, 1996, S.26. Die 5. Ekloge wird jedoch
nur selten analysiert.
30 CLAUSEN, WENDELL: A commentary on Virgil, Oxford 1996, S.152, Anm.4.
31 SEGAL, CHARLES: Poetry and myth in ancient pastoral. Essays on Theokritus and Virgil, Princeton 1981, S.
25/6.
32 FRANK, TENNEY: Vergil. A Biography, New York 1922, S.116/117.
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Anmaßung“ gewesen, denn Caesar war der erste Römer, der zum Gott erklärt wurde. 33 COLEIRO hält Daphnis für Caesar und argumentiert sehr überzeugend. Als Daphnis starb, trauert seine Mutter um ihn. Vergil meint hier Venus. In Ovids Metamorphosen trauert Venus ebenfalls um Caesar (Met. XV, 761-851). Laut COLEIRO interpretiert Ovid damit diese Ekloge. Ferner erinnert der Name „Daphnis“ an das griechische Wort /3 für „Lorbeer“. Meist wird Caesar mit Lorbeer in Verbindung gebracht. 34
Die fünfte Ekloge wurde wahrscheinlich im Sommer 42 v. Chr. geschrieben. Pales soll Rom symbolisieren, denn ihr Fest wurde mit der Gründung Roms verbunden. Sie stellt wohl die Trauer der römischen Bevölkerung um Caesars Tod dar. Caesars Opferriten fielen in die Zeit der Spiele für Apollo (ludi Apollinares), 35 also verließ dieser Gott tatsächlich Rom. Allerdings, so COLEIRO, könne Daphnis eher im Sinne des sidus Iulium interpretiert werden, da er Erlösung und Frieden brachte. 36 Ferner deutet Daphnis’ Apotheose auf Caesars Kometen hin, da er wie ein Stern strahlt, als er in den Olymp kommt („candidus“ Ek. V, 56). Wenn Vergil mit Daphnis Caesar meint, hat er ein gutes Caesarbild. Nach Caesar beginnt demnach eine schlechtere Zeit, denn statt großkörniger Gerste wächst unergiebiger Hafer und statt Veilchen und Iris wachsen Disteln und Kreuzdorn (Ek. V, 36-39). Weiterhin war er der Ruhm der Seinigen, wie z.B. die Traube der Ruhm der Rebe ist (Ek. V, 32-34). Bei seinem Tod trauern Götter, Tiere und Menschen und freuen sich über seine Apotheose. DONIÈ warnt jedoch davor, Vergil als Anhänger des Diktators Caesar zu betrachten. 37 Vergil beschreibt eine Situation, die er miterlebte. Daher ist es möglich, dass er aufzeigt, wie die Bevölkerung Caesars Tod und Apotheose wahrnahm. Ferner beschreibt Vergil nicht Caesars Leistungen. Ein positives Caesarbild Vergils kann trotzdem nicht ausgeschlossen werden. In der neunten Ekloge wird Caesar direkt erwähnt. Der Kontext macht jedoch deutlich, dass Vergil nicht ihn thematisiert. Die Hirten Lycidas und Moeris beklagen sich über die Landenteignung. Nach der Schlacht von Philippi 42 v. Chr. schenkten Oktavian und Antonius ihren Veteranen Land. Dafür wurden Landbesitzer enteignet. In dieser Ekloge beschreibt Vergil die traurige Stimmung der Betroffenen, zu denen auch er selbst gehörte. 38 Lycidas singt über Caesars Stern, der Segen für Acker- und Weinbau brachte (Ek. IX, 46-50). Vergil, so COLEIRO, will damit sagen, dass ein Dichter, der die Apotheose Caesars lobte, nicht wie
33 Siehe NAUMANNS Kommentar in VERGIL: Hirtengedichte, herausgegeben, übertragen, eingeleitet und
erläutert von Heinrich Naumann, München 1968.
34 COLEIRO: Vergil’s eclogues, 1976, S.148.
35 COLEIRO: Vergil’s eclogues, 1976, S.148/9.
36 COLEIRO: Vergil’s eclogues, 1976, S.148.
37 DONIÈ: Caesarbild, 1996, S.26.
38 BLEICKEN: Augustus, 1999, S.151.
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ein einfacher Bauer behandelt werden sollte. 39 Laut HOLZBERG fordert Vergil Oktavian auf, Acker- und Weinbau zu fördern. 40 Caesars Apotheose wird hier als kritische Botschaft an Oktavian genutzt.
Die Aeneis entstand im augusteischen Principat. Caesar wird kaum erwähnt. Einige Forscher versuchen jedoch, ihn in bestimmten Figuren zu finden. HOLZBERG erkennt in Aeneas und dessen Vater Anchises Oktavian und Caesar wieder. Aeneas konnte erst nach Anchises’ Tod König werden. Oktavian konnte sich ebenfalls erst nach der Schlacht von Actium von Caesar lösen und Princeps werden. 41 Der tote Anchises ist Aeneas hilfreich, denn er vermittelt göttliche Weisungen. Der tote Caesar half Oktavian seine Machtposition zu sichern. 42 Laut WITTCHOW ähnelt Anchises Caesars nicht. Anchises ist kein Auserwählter der Götter und kein Herrscher. Ferner wäre Aeneas auch ohne Anchises’ Tod König geworden. 43 In der Heldenschau des sechsten Buches zählt Anchises in der Unterwelt die Helden unter Aeneas’ Nachkommen auf. Caesar wird gleich nach Romulus, dem Stadtgründer Roms, genannt. „Caesar ist hier und des Iulus 44 gesamte Nachkommenschaft, die einst aufsteigt zum Himmelsgewölbe“ („hic Caesar et omnis Iuli progenies, magnum caeli ventura sub axem“ Aen. VI, 789/90). Aus der gesamten gens Iulia ist also nur Caesar nennenswert. Allerdings wird nur Augustus als Held („vir“ Aen. VI, 791) bezeichnet. Vergil nennt den Princeps „Caesar Augustus“ (Aen. VI, 792). Caesars Name wird hier als Titel benutzt, um Augustus’ göttliche Herkunft und Macht zu beschreiben. Vergil hält Caesar wohl für unwichtig, denn er behandelt diesen in nur zwei Versen. Dann zählt Anchises die römischen Könige auf (Aen. VI, 809-840). Caesar und Augustus gehören für Vergil also zu den Königen. Caesars Stern wird ebenfalls in der Aeneis erwähnt. Nach der Schlacht von Actium geht über Augustus (er trägt erneut den Titel „Caesar“) der Stern seines Vaters auf (Aen. VIII, 681). Er trägt außerdem eine doppelte Flamme auf dem Kopf (Aen. VIII, 680/1). Damit ist wohl ebenfalls der Stern gemeint. Caesar ist wieder nur als Gott interessant und soll Augustus’ Herrschaft legitimieren. 45
WITTCHOW vergleicht den Aeneas des zwölften Buches mit Caesar. Jemand versucht Aeneas mit einem Pfeil zu ermorden (Aen. XII, 319/20). Aeneas ist genau wie Caesar während des Attentats unbewaffnet (Aen. XII, 311). Aeneas sagte kurz zuvor „quo ritus“ (Aen. XII,
39 COLEIRO: Vergil’s eclogues, 1976, S.170.
40 HOLZBERG: Vergil, 2006, S.78.
41 HOLZBERG: Vergil, 2006, S.150.
42 HOLZBERG: Vergil, 2006, S.165.
43 WITTCHOW: Finale der Aeneis, 2005, S.50.
44 Iulus ist Aeneas Sohn. WITTCHOW analysiert, warum Iulus anstelle von Aeneas genannt wird.
WITTCHOW: Finale der Aeneis, 2005.
45 DONIÈ: Caesarbild, 1996, S.31.
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313). Sueton lässt Caesar kurz vor dessen Tod etwas Ähnliches sagen („ista quidem vis est“ Sueton Iul.82). Nach Aeneas Verwundung und nach Caesars Tod beginnen neue Kriege. Anders als Caesar überlebt Aeneas jedoch das Attentat. Das kann allerdings ein notwendiges Stilmittel sein, denn WITTCHOW geht davon aus, dass Vergil nur einzelne (politische und historische) Ereignisse neu inszeniert. 46 Vergils Figuren stellen demnach keine echten Menschen dar und Caesar kann nur in dieser Szene mit Aeneas verglichen werden.
3.2. Ovids Metamorphosen und Festtagskalender
Im Vorwort der Metamorphosen verspricht Ovid, die Geschichte von Beginn des Universums bis zu seiner Zeit zu erzählen (Met. I, 1-4). Ovids Geschichte besteht jedoch aus Mythen. 47 Ferner werden besonders im 15. Buch die Ereignisse nicht nach historischer Wichtigkeit gewählt, sondern nach dem Kriterium ob sie als Folie für eine Darstellung Augustus’ geeignet sind. 48 Laut DONIÈ zeigt besonders der Festtagskalender die Bedeutung Caesars in der späten augusteischen Zeit. 49 Ovid kann ähnlich wie Vergil nur als Quelle im Bezug auf die Standpunkte seiner Gesellschaft, z.B. zum Thema Caesar, betrachtet werden. Ovid erwähnt Caesar wesentlich häufiger als seine Vorgänger. Er thematisiert die Apotheose im letzten Buch der Metamorphosen (Met. XV, 745-860). Augustus ist in diesen Abschnitt integriert. Anders als Augustus hat Caesar also das Recht auf ein eigenes „Kapitel“. Andererseits zeigt es, dass Ovid Caesar nur benutzt, um über Augustus zu schreiben. Bevor Ovid mit Caesar beginnt, beschreibt er, wie der griechische Gott Äskulap in seinen römischen Tempel kommt (Met. XV, 622-744). Daraufhin betont er, dass Caesar kein Fremder, sondern in seinem Rom ein Gott ist (Met. XV, 745/6). Caesar war in Krieg und Frieden erfolgreich (Met. XV, 746/7), verdiente viele Triumphe, feierte jedoch nur wenige 50 (Met. XV, 757). Er wurde aber nicht wegen dieser Triumphe zu einem Stern, sondern weil er der Vater des Augustus wurde. Das ist in der Tat eine seltsame Begründung für eine Apotheose. 51 Neben Caesars gibt es drei andere Apotheosen: die des Herkules (Met. IX, 239-272), des Aeneas (Met. XIV, 581-608) und des Romulus (Met. XIV, 772-851). Auffällig ist, dass nur Caesar nicht wegen seiner herausragenden Taten zum Gott wird. Trotzdem steht er in dieser Reihe der großen Helden. Augustus wird keine Apotheose nach seinem Tod versprochen. Ovid bittet die Götter sogar, diese möglichst lange herauszuzögern (Met. XV, 868-870).
46 WITTCHOW: Finale der Aeneis, 2005, S.62-66.
47 Die Metamorphosen seien eine „mythischer Erhöhung der Geschichte“. FINK: Festum geniale, 2005, S.17.
48 SCHMITZER: Zeitgeschichte, 1990, S.279.
49 DONIÉ: Caesarbild,1996, S. 36.
50 Ovid beschreibt an dieser Stelle Caesars Triumphe über Gallien, Ägypten, Numidien und Pontos. Für eine
Interpretation dieser Verse siehe LUNDSTRÖM, SVEN: Ovids Metamorphosen und die Politik des Kaisers,
Stockholm 1980, S.92-96, sowie URBAN: Herrschaftsprogrammatik, 2005, S.138-140.
51 FINK: Festum geniale, 2005, S.13.
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Ovid ruft Augustus’ göttliche Herkunft über Caesar in Erinnerung. Er erwähnt das sidus Iulium und unterstellt Augustus sogar, die Apotheose inszeniert zu haben. Damit dieser keinem sterblichen Geschlecht entstammte, musste Caesar ein Gott werden (Met. XV, 760/1). Gleichzeitig zweifelt Ovid damit an Caesars Apotheose. FINK fragt richtig: „Welchen Rang als Gottheit darf dann ein Komet beanspruchen?“ 52 VOIT weist darauf hin, dass ein Himmelszeichen nur die Willensäußerung einer Gottheit, aber nie ein Gott selber war. 53 Die nächste Szene spielt in der Götterwelt vor Caesars Tod. Als Venus, die Stammmutter der Iulier, die Vorbereitungen auf das Attentat bemerkt, fühlt sie sich bedroht, da Caesar ihr letzter, echter Nachfahre ist (Met. 764-778). Die Person Caesar ist für sie uninteressant. Venus kümmert sich nicht um Augustus, freut sich aber über Caesars Apotheose. 54 Ovid betont also, dass Caesar anders als Augustus von den Göttern abstammt.
Die Götter können die Ermordung Caesars nicht verhindern, schicken aber Vorzeichen (Met. XV, 779-800). SCHMITZER stellt fest, dass Ovid als einziger augusteischer Dichter diese Vorzeichen vor Caesars Tod setzt. Bei anderen Dichtern ereignen sie sich danach und kündigen die Zeit der Bürgerkriege an. 55 Für die Götter ist anscheinend Caesars Tod schrecklicher als die Bürgerkriege.
Ovid nennt das Attentat auf Caesar ein Verbrechen („facinus“ Met. XV, 802) und einen schrecklichen Mord („diram … caedem“ Met. XV, 802). Die Literatur sagt nichts zu dieser Stelle, also ist sie wohl nicht ironisch gemeint. Das würde Ovids positives Caesarbild zeigen. Andererseits könnte Ovid den Standpunkt der Gesellschaft zu diesem Mord aufzeigen. Venus will Caesar retten, ihr Vater Jupiter beruhigt sie jedoch (Met. XV, 803-806). Das Schicksal ihres Geschlechts ist in unzerstörbaren Stahl gegraben („incisa adamante perenni fata tui generis“ Met. XV, 813/14). Caesar hat seine Zeit auf der Erde erfüllt, aber sein Sohn Augustus wird ihn rächen (Met. XV, 816-821). Hier folgt der Teil über Augustus. Jupiter sagt einige Erfolge des Princeps in Krieg und Frieden voraus (Met XV, 822-839). Venus entreißt Caesars Seele seinem Körper und bringt diese in den Himmel. Die Seele fliegt höher als der Mond, zieht einen flammenden Schweif hinter sich her und erstrahlt als Stern (Met. XV, 843-850). Hier gibt Ovid die Interpretation des sidus Iulium wieder, von der sich Augustus allerdings längst distanziert hat.
Als die Seele Augustus’ siegreiche Taten sieht, freut sie sich, von ihm übertroffen zu werden (Met. XV, 850/1). Hier scheint Caesar hinter Augustus zurückzutreten. Trotzdem bleibt ein
52 FINK: Festum geniale, 2005, S.15.
53 VOIT: Caesars Apotheose, 1985, S.53.
54 SCHMITZER: Zeitgeschichte, 1990, S.284/5.
55 Siehe besonders Vergil: Georgica I, 466-488. SCHMITZER: Zeitgeschichte, 1990, S.286.
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zwiespältiger Eindruck, denn z.B. wagte es vor Ovid kein Dichter die Bürgerkriege als Station auf Augustus’ Siegeszug zu nennen. 56 Ferner bezeichnet Ovid den Sieg bei Philippi als ein Blutbad („caede“ Met. XV, 824) und wertet diesen so ab. Das Caesarbild ist von der Interpretation des Augustusbildes abhängig. Wenn Ovid Augustus kritisiert, erscheint Caesar als ein besserer Mensch. Caesars Apotheose wird positiv dargestellt. Dennoch benutzt Ovid Caesar nur, um Augustus zu beschreiben. Er wertet Caesar manchmal ab, aber da Augustus Caesars Sohn ist, will er damit wohl eher den Princeps abwerten. Neben den Metamorphosen wird Caesars Apotheose im Festtagskalender erwähnt. Hier macht Vesta Caesar zum Stern (Fast. III, 697-710). Indem Ovid eine zweite Version schreibt, will er vielleicht zeigen, dass die Apotheose nur fiktiv ist. 57 Damit stellt Ovid erneut Caesars Apotheose infrage. An den Iden des März schildert Ovid zunächst sehr ausführlich das fröhliche Fest der Anna Perenna, Didos Schwester (Fast. III, 523-696). Am Ende der Iden wird der Erzähler von Vesta ermahnt, da er beinahe Caesars Tod vergessen hat. Caesar reformierte 46 v. Chr. den römischen Kalender. 58 Seine Siege und sein Geburtstag wurden 44 v. Chr. aufgenommen. Im augusteischen Kalender war Caesar also präsent. 59 Ovid zeigt jedoch das Gegenteil auf. Da der Erzähler an den Iden des März beinahe Caesar übergeht, ist dieses Ereignis in der augusteischen Gesellschaft wohl unwichtig geworden.
4. Zusammenfassung
Vergil schildert in der fünften und neunten Ekloge zeitgenössische Ereignisse. Er unterstützt die augusteische Propaganda, indem er Caesars Apotheose thematisiert. Andererseits kritisiert er mithilfe des sidus Iulium die Landenteignung. Ferner behandelt Vergil nicht den historischen Caesar. Dies war wohl nicht nötig, denn Caesars Taten waren noch immer präsent und besonders, weil er die Alleinherrschaft anstrebte, hatte er ein „negatives Image“ 60 in der Bevölkerung. Vergil benutzt nur die Apotheose, die er guten Gewissens loben kann. Dies vermittelt ein eher positives Caesarbild. Nach Caesars Tod beginnt eine schlechtere Zeit. Menschen, Tiere und Götter trauern um ihn und er war der Ruhm der seinigen. Ferner tat sein Stern genau das, was auch von Oktavian gefordert wurde. In der fünften Ekloge ist Caesars Tod und Apotheose noch ein wichtiges Thema in Gesellschaft und Dichtung, wenn Daphnis wirklich Caesar sein soll. Einige Zeit später, in der neunten Ekloge, ist er als Stern zwar noch präsent, aber nur noch wichtig, um etwas (Kritisches) über Oktavian auszusagen.
56 SCHMITZER: Zeitgeschichte, 1990, S.287.
57 LUNDSTRÖM: Ovid und Politik, 1980, S.99.
58 HOLZBERG: Ovid, 2006, S.178.
59 DONIÈ: Caesarbild, 1996, S.36.
60 DONIÈ: Caesarbild, 1996, S.9
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In der Aeneis wird Caesar anscheinend kaum behandelt. Ob einige Figuren Caesar darstellen, ist fraglich und hängt von der jeweiligen Interpretation des Lesers ab. Den Titel „Caesar“ benutzt Vergil für Augustus. Caesar wird also nur im Bezug auf Augustus erwähnt. Es ist unklar, ob Vergil Caesar positiv oder negativ darstellt. Er zeigt vielmehr, dass über Caesar im Principat nicht mehr direkt gesprochen wurde und dieser unwichtig geworden war. Wenn mit Anchises und Aeneas im zwölften Buch Caesar gemeint ist, thematisiert Vergil ihn versteckt häufig. Das zeigt, dass Caesar im Principat ein Thema war, über das man nicht offen schreiben konnte. Somit hätte Vergil ein gutes Caesarbild, da Anchises wichtig für das Epos und Aeneas im zwölften Buch der Held ist.
Ovid benutzt Caesar ebenfalls nur, um Augustus (kritisch) darzustellen. Einerseits vermittelt er ein positives Caesarbild. Caesar ist der letzte echte Nachkomme der Venus und wird wie drei große Helden zum Gott. Ferner verurteilt Ovid das Attentat auf Caesar. Andererseits klagt er Augustus an, die Apotheose inszeniert zu haben. Damit zweifelt er gleichzeitig an deren Echtheit. Ferner steht Caesar hinter Augustus’ Taten zurück. Wenn Ovid Augustus kritisieren will, erscheint Caesar jedoch besser als dieser. Trotzdem sind die Metamorphosen kein Lobgedicht auf Caesar. Der Festtagskalender zeigt, dass Caesar in der augusteischen Gesellschaft unwichtig geworden ist. Ein fröhliches Fest an den Iden des März ist wichtiger als dessen Tod. Weiterhin zweifelt Ovid erneut an Caesars Apotheose. Kurz nach Caesars Tod spricht die Dichtung nicht mehr über seine Leistungen. Als historische Figur wird er ebenfalls nicht mehr betrachtet. Er wird nur benutzt, um Augustus zu loben oder zu kritisieren. Vor dem Principat war zumindest noch Caesars Apotheose ein Thema, obwohl er häufig nur als Stern und nicht als Person betrachtet wurde. Im Principat wird kaum über ihn gesprochen. Es scheint, als habe die Dichtung ihn vergessen und diese die Stimmung der Bevölkerung widerspiegeln will, ist anzunehmen, dass diese ebenfalls Caesar vergessen hat. Andererseits erwähnt Ovid Caesar viel häufiger als Vergil. Dies könnte zeigen, dass Caesar wieder wichtiger wird. Ovid könnte ferner eine neue Tendenz in der Dichtung aufzeigen. Kein Jahrhundert später ist Caesar z.B. eine Hauptperson bei Lucan. WITTCHOW stellt richtig fest, dass Caesar nach Augustus die meist genannte Person in der Dichtung ist. 61 Demnach scheint der historische Caesar nicht mehr relevant zu sein, aber die Menschen erinnern sich noch an ihn. Als Gott bzw. als Komet wird Caesar in der augusteischen Dichtung positiv dargestellt.
61 WITTCHOW: Finale der Aeneis, 2005, S.53.
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5. Quellen und Literatur
5.1. Quellen
OVID: Festtagskalender, auf der Grundlage der Ausgabe von Wolfgang Gerlach neu übersetzt
und herausgegeben von Niklas Holzberg, Darmstadt 1995.
OVID: Metamorphosen, herausgegeben und übersetzt von Gerhard Fink, Düsseldorf/Zürich
2004.
VERGIL: Aeneis, herausgegeben und übersetzt von Johannes Götte, München/Zürich 7 1988.
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