Albert-Ludwig-Universität Freiburg
Seminar für Wissenschaftliche Politik
Grundkurs II : Israelisch-arabischer Konflikt
Wintersemester 2001-2002
DIE ARABISCHEN BÜRGER ISRAELS
Patrick Nitsch
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG 2
I. DIE ARABISCHEN BÜRGER ISRAELS UND DIE PALÄSTINENSER DER DIASPORA UND DER BESETZTEN GEBIETE: UNTERSCHIEDE 4
II. DER POLITISIERUNGSVORGANG 5
III. DIE VERSCHIEDENEN POLITISCHEN STRÖMUNGEN 9
SCHLUSS 12
ANHANG 13
LITERATURVERZEICHNIS 14
EINLEITUNG
Kurz vor dem Krieg von 1948 und der Gründung des Staates Israels wohnten fast zwei Millionen Personen innerhalb der Grenzen des Palästinensischen Mandats (zwei Drittel davon waren palästinensische Araber und ein Drittel Juden). Die große Mehrheit der Palästinenser (fast 940 000) und fast alle der Juden wohnten in den Gebieten, die den Staat Israel bildeten. Am Ende des Krieges sind nur ungefähr 10 bis 12 Prozent1 der Araber in den Gebieten geblieben, die unter israelischer Kontrolle waren. Das war die Konsequenz von Vertreibungen und starken Flüchtlingsströmen. Nach dem Krieg wurden sie israelische Bürger, und deshalb sind sie im Vergleich zu den anderen Palästinensern auseinander zu halten.
Am Ende des Krieges waren sie in drei geographische Zonen konzentriert und wohnen heute noch vorwiegend in diesen Gebieten. Diese stellen das Galiläa (ungefähr 60 Prozent), die Region des Dreiecks (etwa 20 Prozent), und die südliche Region von Al-Naquab (10 Prozent) dar. Die zehn übrige Prozent wohnen in den Mischstädten des Küstenflachlands2. Seit fünfzig Jahren haben sie vor allem in den Gebieten der Demographie, der Wirtschaft, der Politik, der Gesellschaft und der Kultur eine Entwicklung erlebt. Es gab eine bedeutungsvolle demographische Entwicklung. Im Jahr 2000 hatte der Staat Israels zusammen mit den Juden der Siedlungen 6,1 Millionen Einwohner. 1948 blieben 156 000 Araber in Israel, und bilden jetzt fast 1 Million (948 000, d.h. 16 Prozent der israelischen Bevölkerung), obwohl es fast keine Einwanderung gab (d.h. dies geschah nur mit einem naturellen Wachstum von 3,5 Prozent pro Jahr)3.
Heute stellen diese arabischen Bürger Israels die sogenannte "Sechste Million" dar. Deshalb kann die Frage gestellt werden inwiefern sie einen Einfluss auf die Politik Israels im israelisch-arabischen Konflikt ausüben können. Aber die Zukunft dieser Minderheit gehört nicht zu den Fragen, um die es in der Tagesordnung der israelisch-palästinensischen Verhandlungen geht. Sie ist auch kein Gegenstand der Debatte, weil im allgemeinen anerkannt ist, dass sie innerhalb des Staates als israelische Bürger bleiben werden und ihr Schicksal als Frage der Innenpolitik Israels zu betrachten ist. Israel will die Wirkung der Verhandlungen mit den Palästinenser der besetzten Gebieten vor seinen palästinensischen Bürger verharmlosen. Auch für die arabischen Länder und die Palästinenser stellt diese Minderheit eine kleine Gruppe dar, die auf ihrem Land bleiben konnten, weswegen sie eine wertvolle Bindung mit dem Innen-Leben des Staates erzeugen konnte. Die Mehrheit der israelischen Palästinenser haben es selbst immer vermieden die Macht zu bedrohen und sind sich bewusst, dass eine Lösung des Konflikts auf keinen Fall eine Änderung ihrer Lage bedeuten würde.
Die Geschichte dieses Volks zeigt weder Taten von Größe noch Heroismus. Sie haben eine Sicherheit gesucht, indem sie einen marginalen Platz akzeptiert haben in einem Staat der nicht der ihre ist. Sie haben an der im Exil aufgebauten nationalen Bewegung nicht teilgenommen und sind auch keine treibenden Akteure, wenn es um das Vorhaben einer Bildung eines palästinensischen Staates geht.
I. DIE ARABISCHEN BÜRGER ISRAELS UND DIE PALÄSTINENSER DER DIASPORA UND DER BESETZTEN GEBIETE: UNTERSCHIEDE
Die Araber Israels stehen im Gegensatz zu einer Diaspora, da sie auf ihrem Land geblieben sind. Aber sie haben eine andere Art des Aufgebens ihres Vaterlandes erlebt und zwar auf den Gebieten der Soziologie, der Identität und der Politik.
Aber ihre Erfahrungen waren sehr unterschiedlich zu denen der anderen Palästinenser, was zu Missverständnisse zwischen ihnen geführt hat. Die Palästinenser, die auf ihrem Land geblieben waren, entwickelten ein eigenes Existenzrecht. Es war ein Kompromiss aus dem was ihnen die Besetzer aufzwangen und den Identitätsgrundlagen, die sie anerkannt haben. Im Gegenteil dazu haben die Palästinenser der besetzten Gebiete eine Personalität gebildet, die stark vom Exil, dem Widerstand und den Reibungen mit den arabischen Ländern geprägt ist. Sie waren von ideologischen Strömungen beeinflusst, die sich außerhalb der Grenzen ihres Vaterlands entwickelten. Erst nach der Enttäuschung des Jahres 1967 haben sie angefangen eine palästinensische Eigenart zu fördern und eigene Bewegungen zu gründen. Die Enttäuschung der Palästinenser Israels geschah schon 1948, da sie von den anderen Palästinensern getrennt wurden und ab diesem Zeitpunkt den israelischen Behörden unterlagen.
[....]
1 Die Quellen widersprechen sich hier: Ghanem spricht von 10 Prozent, Kodmani-Darwish von 12 Prozent.
2 Ghanem, S. 2.
3 Daten gefunden in INED, "Population et Sociétés".
Arbeit zitieren:
Patrick Nitsch, 2002, Die arabischen Bürger Israels, München, GRIN Verlag GmbH
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