Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Sozialpsychologische Dimension: Terminologie der Einstellungsforschung 3
2.1 Definition Image/ Bild 4
2.2 Nationenimage bzw. Nationenbild 5
2.3 Definition Stereotyp 7
2.4 Definition Vorurteil 8
2.5 Definition Feindbild 8
3. Kommunikationswissenschaftliche Dimension: Auslandsberichterstattung 9
3.1 Begriffliche Abgrenzungen: Auslands- Reise- Geo-Journalismus 9
3.2 Einflussfaktoren der Auslandsberichterstattung 9
3.2.1 Medieninstitutionen: Nachrichtenagenturen 10
3.2.2 Medienakteure: Korrespondenten 11
3.2.3 Zusammenarbeit von Korrespondenten und Gastland-Kollegen 13
3.3 Nachrichtenwerte in den Medien 13
4. Empirische Inhaltsanalyse 16
5. Fazit und Ausblick 17
Literaturverzeichnis 19
Anhang 21
2
1. Einleitung
"Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien" behauptet Luhmann (1996). Nicht nur viel von dem, was wir über unsere eigene Gesellschaft wissen, erfahren wir durch Medienberichte, sondern vor allem das, was wir über andere Länder und Kulturen wahrnehmen. Weil uns aufgrund der Distanz fast immer die Primärerfahrung über andere Völker, Länder und Kulturen fehlt, sind Stereotype in der Auslandsberichterstattung häufig. Wir nehmen verschiedene Länder auf eine ganz eigene, charakteristische Weise wahr. Es gibt zwar auf der einen Seite zahlreiche Erkenntnisse zum Thema `Medienimages´ 1 , auf der anderen Seite ist laut Hafez (2002, 178) bisher noch "keine homogene Theorie internationaler und interkultureller Darstellungsprozesse formuliert worden", obwohl wiederholt auf Mängel im Nachrichtenfluss zwischen Entwicklungsländern hingewiesen wurde.
Im Folgenden sollen Strukturen und Einflussfaktoren der Auslandsberichterstattung aufgezeigt werden, die zur Entstehung von Bildern über Länder beitragen. Die Arbeit steht unter der Fragestellung, wie Auslandsberichterstattung funktioniert und unter welchen Faktoren ein Bild vom `Anderen´ entstehen kann.
Zunächst werden die Begriffe der Einstellungsforschung definiert; danach wird die Meso- und die Mikroebene der Auslandsberichterstattung eingegangen, der Frage also, wer für die Stereotypisierung verantwortlich sein kann. Die Makroebene, also die gesellschaftlichen Normen, Werte und die Gesellschaft allgemein wird aufgrund der Themenspezialisierung nicht referiert. Abschließend wird auf das Problem der Verzerrung in der Berichterstattung eingegangen. Die Arbeit soll über die Art und Weise und die allgemeinen Faktoren der Stereotypisierung Aufschluss geben.
2. Sozialpsychologische Dimension: Terminologie der Einstellungsfor-
schung
Das `Eigene´ und das `Fremde´ werden oft als absolute Gegensatzpaare dargestellt. Die Sozialisation des Menschen determiniert, welche Informationen in das menschliche kognitives System adaptiert werden. Je nach Lebensraum und sozialem Umfeld werden die ersten aufgenommenen Informationen als Normalität (als das Eigene) konstituiert. Eine unilineare Sichtweise auf das Eigene (Gesellschaft, Nation, Kultur etc.) und das Fremde, mit der sich die so
1 Wenn im Folgenden von dem Begriff `Medienimage´ gesprochen wird, ist damit das von Medien
veröffentlichte Image (Kommunikatorforschung) gemeint und nicht das Image der Rezipienten über die
Medien (Medienwirkungsforschung).
3
genannte Xenologie beschäftigt, betont vor allem die Differenzen - vor allem sichtbar in der Historie der Kolonialvölker, die sich als etwas Besseres, Entwickelteres sahen. Heute lösen sich diese Strukturen in manchen Bereichen weitgehend auf. Das Fremde wird einerseits als gefährlich und bedrohend charakterisiert, anderseits hat es eine gewisse Anziehungskraft (Exotik). Die andere Seite hält dem Eigenen einen Spiegel vor - die eigenen Schwächen werden sichtbar, Hass entsteht.
Die Begriffe des `Eigenen´ und des `Fremden´ sind nach Ansicht Kleinsteubers (1997, 208ff.) keine absoluten, sondern relative Begriffe. In der Wissenschaft existieren verschiedene Termini, die aus unterschiedlichen Disziplinen heraus versuchen, die Konstitution des Fremden zu definieren. Eine Abgrenzung der Begriffe `Bild´, `Image´ und `Stereotyp´ ist gleichfalls notwendig, damit diesen Kategorien im Verlauf der Studie weitergehend gearbeitet werden soll, als auch schwierig. Die Termini werden sowohl im allgemeinen Sprachgebrauch verwendet, dort häufig synonym, als auch in der Wissenschaft.
Über die Differenzierung zwischen den Ausdrücken `Image´, `Stereotyp´ und `Vorurteil´ besteht nach Bassewitz (1990, 16) kein wissenschaftlicher Konsens. Auf der Grundlage der bisherigen Theorien sollen die Ausdrücke präzisiert werden. Dabei wird auf die Aspekte Definition, Komponenten, Merkmale, Funktionen und Entstehung eingegangen, wie sie auch von Nafroth (2002, 28) vorgenommen wurde.
2.1 Definition Image/ Bild
Die Begriffe `Image´ und `Bild´ werden am häufigsten synonym verwendet. Im Folgenden wird häufig Böhme-Dürr (2000) zitiert, die unter den Begriff `Image´ zusammenfasst, was auch für den Begriff `Bild´ gilt. In dieser Arbeit wird die Autorin, solange sie ihre eigene Meinung wiedergibt, über den Begriff `Bild´ sprechen, wenn allerdings Textstellen von Böhme-Dürr zitiert werden, wird auf ihre Sprache zurückgegriffen, d.h. von `Image´ gesprochen. Der Begriff `Image´ 2 taucht in verschiedenen Disziplinen auf: In den Wirtschaftswissenschaften werden Images für Produkte (Waren, Marken, Personen, Institutionen etc.) mit der Anknüpfung an Bekanntes kreiert (vgl. Böhme-Dürr 2000, 33). Die Politikwissenschaft nutzt den Begriff der Nationenbilder bzw. -images, um sich auf Prozesse der öffentlichen Meinung zu beziehen.
Der Begriff stammt aus dem betriebswirtschaftlichen Marketing, der Absatzwirtschaft und der Wirtschaftspsychologie, die davon ausgehen, dass Images über Produkte recht leicht zu for-
2 ImFolgenden wird hier immer wieder die Sprache von Böhme-Dürr übernommen: Sie spricht hier von
`Image´, meint aber `Bild´. Es ist, laut allgemeiner Forschermeinung, die auch Nafroth (2002, 28) vertritt, relativ
neutral und veränderbar.
4
mende oder korrigierende Entitäten in den Köpfen von Menschen sind. In den 50er Jahren wurde dieser Begriff von Kenneth E. Boulding (1956) disziplinübergreifend definiert. Seine Unterscheidung von verschiedenen Image-Typen dient der Wissenschaft heute zur Differenzierung von Publikums- und Medienimages (Wernecken 2000: 117f). Besonders wichtig ist das Bild aber für die Kommunikations-, speziell für die PR-Wissenschaft. Nach Böhme-Dürr (2000, 35) generieren Medien Images und erhalten diese. Diese medienvermittelten Images würden dadurch gestärkt, dass es allgemein akzeptierte Nachrichtenfaktoren gäbe, die eine immer gleiche Auswahl von Personen, Orten und Ereignissen wahrscheinlich machten. Etymologisch stammt die Terminologie aus dem lateinischen `Imago´ (`Bild´). In englischen Lexika des 18. Jahrhunderts bezog sich der Begriff auf ein rhetorisch bildhaften Ausdruck, einen Wandteppich, Skulpturen oder Gemälde mit abgebildeten Objekten oder Naturgegenständen (vgl. Böhme-Dürr, 2000, 27f.). Böhme-Dürr stellt fest, dass ein Image ein aktiv und subjektiv hergestellter Urteilsvergleich ist, der über verbale oder nonverbale Symbole vermittelt werden kann (2000, 28) und sich im Gegensatz zu Stereotypen auf Personen(-gruppen), Nationen, Objekte oder Institutionen sowie Organisationen beziehen kann. Images sind ihrer Überzeugung nach (28) antizipierte Wahrnehmungen, die neue In-formationen daraufhin prüfen, ob sie sich im vorhandenen Image einordnen lassen. Ein Image kann zwar Tatsachen enthalten, muss aber nicht wahr sein. Eine Imageveränderung kann nach Meinung von Böhme-Dürr (2000, 31) dann eintreten, wenn es viele neue Erfahrungen gibt, die mit dem noch nicht sehr gefestigten Image übereinstimmen. Die Funktion eines Images ist die Erhaltung des Kollektivs und die Orientierung in der Umwelt, denn das Individuum kann das eigene Verhalten bestimmen, dass sich ändert, wenn sich auch das Image modifiziert (Nafroth 2002, 28). Böhme-Dürr (2000, 37) sieht die Hauptfunktion in der eigenen Orientierung und -definition: Wer etwas über sein Image erfährt, erfährt auch etwas über sich selbst (Eigenbild).
2.2 Nationenimage bzw. Nationenbild
Obwohl es in den vergangenen Jahren im technischen Bereich zahlreiche Entwicklungen gab, die eine internationale Kommunikation beschleunigen, haben die Konflikte zwischen Nationen nicht abgenommen. Deshalb sind die Fragen nach dem gegenseitigen Nationenbild weiterhin wichtig. Dabei ist die Abgrenzung des Terminus `Nation´ schwierig (vgl. Böhme-Dürr 2000, 46).
Böhme-Dürr (2000, 47) weist darauf hin, dass es nicht sinnvoll ist, Nationenimages4 als geschlossene Systeme aufzufassen, da sie veränderbar sind. Zur Entstehung von Nationenimages stellt Böhme-Dürr (2000, 47f.) drei Kognitionsprozesse heraus:
5
1) Kategorisierung: Dabei wird Ähnliches in einer Gruppe addiert. Je ähnlicher eine Nation der eigenen ist, je positiver wird diese dann bewertet, wobei die kulturelle Ähnlichkeit nicht mit der regionalen übereinstimmen muss. 2) Generalisierung: Dabei wird von einigen positiven oder negativen Eindrücken auf weitere geschlossen.
3) Akzentuierung: Zwischen Kategorien werden Ähnlichkeiten oder Unterschiede gesucht und die Differenzen zwischen dem eigenen und dem fremden Staat betont. Abweichungen vom Stereotyp werden ignoriert (vgl. Böhme-Dürr 2000, 48).
Besonders Massenmedien haben eine besondere Aufgabe bei der Produktion und Vermittlung von Nationenbildern - wie eingangs betont, stellen sie bei fehlender Primärerfahrung die oft einzige und meist aktuellste Informationsquelle dar. Da sich Nationenbilder ändern können, bedingen sich Informationsaufnahme und Bilder (Gemeint ist hier `Nationenbild´, obwohl Böhme-Dürr von `Nationenimages´ spricht) wechselseitig. Wie Böhme-Dürr im gleichen Werk ausführt (2000, 54), muss sich dazu aber entweder etwas Spektakuläres ereignet haben oder es muss eine Veränderung in der Regierungspolitik stattgefunden haben, welches zu einer anderen Berichterstattung führte. Somit könnten traditionelle Symbole und Geschichte anders interpretiert werden und dadurch wechselseitig Einflüsse haben, wonach und wodurch das kollektive Gedächtnis 3 verändert wird.
Bereits Buchanan und Cantril (Buchanan/Cantril 1953) untersuchten in einer der ersten (cross-boarder) Studien das Image verschiedener Länder in zwei aufeinander folgenden Umfragen (1942 und 1948) das Russenbild in der amerikanischen Bevölkerung. Es veränderte sich innerhalb des Untersuchungszeitraumes sehr stark. Grund war der Beginn des kalten Krieges, welches das amerikanische Russenbild modifizierte - es wurde vom "grausamen Feind" gesprochen.
Es gibt in der Einstellungsforschung zahlreiche Methoden und Ansätze aus unterschiedlichen Disziplinen, wie Bilder von Nationen und Medienbilder untersucht werden. Besonders gut synthetisiert Luther (2001, 18) die Haupterkenntnisse der Image- oder Bilderforschung:
As can seen by this review of research, many of the studies that directly examine media images of nations take either a conflict or a power structure perspective in explaining the images. The conflict framework assumes that the level of conflict is what matters in
3 Das `kollektive Gedächtnis´ wie das `soziale Gedächtnis´ sind eine Voraussetzung für die Imagebildung,
indem es soziale Identität aufbaut. Das für die Gesellschaft in der jeweiligen Zeit als Wesentlich erachtete wird
in das kollektive Gedächtnis übernommen; es ändert sich mit einem veränderten Wertesystem. So wird die Ver-gangenheit zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich interpretiert.
6
the formation of images and that, if the conflict level subsides, the media-disseminated images would change to more favorable ones. In the studies adopting the structural perspective, it is similarly assumed that if the political economic power structure between two nations changes, so too will the images of those nations in the media. (Luther 2001, 18).
Luther verstärkt durch ihre Meinung die Annahme, dass Images bzw. -bilder durchaus veränderbar sind und mit der politischen Wirtschaftsordnung korrelieren: Wenn die Rolle der derzeitigen Entwicklungsländer6 im internationalen Kontext bedeutender würde, verändere sich auch das Image (vgl. Luther 2001, 19). Im Hinblick auf die fortschreitende Globalisierung werden Nationenbilder und -images immer wichtiger - sie steigen zum Wirtschafts-(Standort)Faktor auf.
2.3 Definition Stereotyp
Nach Böhme-Dürr (2000, 40) bestehen die Wurzeln des Begriffs `Stereotyp´ aus den griechischen Wörtern stereos (`fest, starr, dauerhaft´) und typos (`Figur, Muster´). Im 19. Jahrhundert wurden Stereotypen für Vervielfältigungen in der Drucktechnik verwendet. Unter Stereotypie ist die Abformung in eine Hohlform gemeint, die durch den Abdruck aus beweglichen Druckbuchstaben entsteht. Dabei verfestigen sich die beweglichen und frei kombinierbaren Strukturen der Lettern (vgl. Kleinsteuber 1997, 211).
Eingeführt hat den Begriff der amerikanische Journalist Walter Lippmann, der in seinem bekannten Werk "Public Opinion" beschrieb, dass das, was der Mensch tut, nicht auf vorher präsentem Wissen beruht, sondern auf Bildern, "die er sich selbst geschaffen oder die man ihm gegeben hat" (Lippmann 1964, 25). "Sie bieten vielleicht kein vollständiges Weltbild, aber sie sind das Bild einer möglichen Welt, auf die wir uns eingestellt haben" (Lippmann 1964, 71). Er machte deutlich, wie Stereotype entstehen, indem diese nämlich "Pictures in our Heads" sind, die Vorstellungen vom Eigenen und vom Fremden aus der "World outside" vereinfachen, "denn der Versuch, alle Dinge frisch und im Detail zu sehen, erschöpft und kommt bei eiligen Angelegenheiten praktisch überhaupt nicht in Frage" (Lippmann 1964, 67). Er wollte den Erzeugern und Multiplikatoren von Stereotypen (den Journalisten bzw. redaktionellen Institutionen) aufzeigen, wie viel Verantwortung sie tragen und erkannte, wie wichtig die individuelle Einstellung von Journalisten im Entstehungsprozess von Stereotypen ist. Nafroth nach (2002, 28) ist die antizipative Vorstellung von Menschen und Gruppen oftmals zwar nicht wahr, besitzt aber einen wahren Kern (einen "Funken Wahrheit"; vgl. Lippmann
7
Arbeit zitieren:
M.A. Sarah Lindner, 2005, Auslandsberichterstattung: "Das Eigene und das Fremde", München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Sarah Lindner hat den Text Auslandsberichterstattung: "Das Eigene und das Fremde" veröffentlicht
Sarah Lindner hat einen neuen Text hochgeladen
Das Fremde im Eigenen. S'approprier l'autre
Die Übersetzung literarischer ...
Thomas Klinkert
L' Etranger / Der Fremde. Interpretationshilfe Deutsch - Französisch
Albert Camus, Wolfhard Keiser
Auslandskorrespondenz der modernen TV-Auslandsberichterstattung
Untersuchung am Beispiel Latei...
Verena Renneberg
0 Kommentare