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Inhaltsverzeichnis:
Inhaltsverzeichnis: 1
1. Einleitung 2
1.1 Hinführung zum Thema 2
1.2 Literaturlage 2
1.3 Vorgehensweise 3
2. Der Umgang Siegfrieds und Adolfs mit der Vergangenheit. 4
2.1 Siegfried Pfaffrath 4
2.1.1 Charakteristik Siegfrieds 4
2.1.2 Siegfrieds Verhältnis zu den anderen Figuren 7
2.1.3 Siegfrieds Umgang mit der Vergangenheit und seine Perspektive 11
2.2 Adolf Judejahn 14
2.2.1 Charakteristik Adolfs 14
2.2.2 Adolfs Verhältnis zu den anderen Personen 16
2.2.3 Adolfs Umgang mit der Vergangenheit und seine Perspektive 17
3. Zusammenfassung und Ergebnis. 19
4. Literaturverzeichnis. 21
4.1 Textausgabe: 21
4.2 Forschungsliteratur: 21
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1. Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema
„Der Tod in Rom“ ist der dritte Roman von Koeppens Nachkriegstrilogie. Er handelt vom „unverhofften und verhängnisvollen“ 1 Aufeinandertreffen verschiedener Angehöriger einer durch den Nationalsozialismus entzweiten Familiensippe in Rom. Der Roman zeigt auf, welchen Weg die einzelnen Familienmitgliedern nach dem Zweiten Weltkrieg gegangen sind; im Mittelpunkt steht dabei ihre Rolle im Dritten Reich und die Frage, wie sie sich mit dieser Rolle heute, rund ein Jahrzehnt später, auseinandersetzen. 2 Die Figuren des Romans stehen fast alle in einem gegensätzlichem Verhältnis zueinander: Es gibt die aktiven Nazis und die Mitläufer, militärisch und ideologisch geprägte Figuren, die Eltern- und die Kindergeneration, autonome und abhängige Personen, Sieger und Verlierer; in der Forschung findet man deshalb auch den Begriff der „Choreographie des Kontrasts“. 3 Eine Sonderrolle in dieser Figurenkonstellation spielt das Ehepaar Kürenberg, welches zwar keinen verwandtschaftlichen Bezug zur Sippe hat, deren Leben aber zahlreiche Berührpunke mit ihr aufweist. Auch die Kürenbergs sind in die wechselseitige Figurenkonstellation eingepasst. Alfred Andersch sieht im „Tod in Rom“ einen „Roman des Generations-Bruchs“ 4 . Auch wenn er selber unter Verweis auf einige Nebenfiguren wie Dietrich Pfaffrath diese Deutung abschwächt, so macht sie doch einen wesentlichen Aspekt des Romans deutlich, nämlich die Frage, welche Rolle die persönliche, die familiäre und die nationale Nazivergangenheit für die junge Generation spielt. Dabei gibt es zwei Personen im Roman, die an dieser Vergangenheit schwer zu tragen haben, nämlich die Hauptfigur Siegfried Pfaffrath und Adolf Judejahn. Diese beiden Figuren sollen in dieser Arbeit untersucht werden; dabei steht die Frage im Vordergrund, wie ihre Auseinandersetzung mit der Vergangenheit erfolgt und welche Auswirkungen diese Auseinandersetzung auf ihr gegenwärtiges Leben hat.
1.2 Literaturlage
Die Untersuchung kann nur im geringen Umfang auf Forschungsliteratur zurückgreifen. Dieser Umstand hat mehrere Gründe: Zunächst bleibt festzuhalten, dass die Nachkriegsromane Koeppens eine geringe Publikumswirkung erzielt haben; Ulrich Greiner
1 Laemmle, S. 569.
2 Vgl. Koch, S. 115.
3 Vgl. Hielscher, S. 98.
4 Andersch, S. 76.
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spricht gar von einem „Mißerfolg“ 5 . Nur wenige Kritiker haben sich seines Werkes angenommen. Und da sein Werk auch lange Zeit nicht in Schulbücher oder germanistische Seminare gelangte, konnte es weder stilbildend wirken noch eine eigene Tradition gründen. Erregten Koeppens erste beide Romane auf Grund ihrer Thematik zumindest noch etwas Aufsehen, wurde „Der Tod in Rom“ unter dem Vorwurf der Blickverengung 6 weitestgehend ignoriert, so dass auch das Interesse der Forschung äußerst schwach blieb 7 - dem Roman fehlte ein gesellschaftlicher Entwurf. 8 Auch wenn die Bedeutung des Wirkens Koeppens mittlerweile gestiegen ist - bereits ab Ende der 60er Jahren erhielt er mehrere Preise für sein literarisches Werk -, gibt es nur wenige nennenswerte Publikationen, die ihr
Hauptaugenmerk auf den „Tod in Rom“ richten. Zudem stehen häufig andere Themen im Mittelpunkt; zu nennen wären hier beispielsweise die zahlreichen mythologischen Anspielungen des Romans, seine Verbindungen zu Thomas Manns „Tod in Venedig“ oder die Diskussion über die literaturtheoretische Einordnung des Buchs als Gesellschafts- oder Künstlerroman; im Zentrum der Personenanalyse steht meistens Gottlieb Judejahn. Für das Thema dieser Arbeit verwertbare Untersuchungen größeren Umfangs stammen lediglich von Treichel, Richner und Langer.
1.3 Vorgehensweise
Die Arbeit ist in zwei große Teile unterteilt. Der erste Teil beschäftigt sich mit der Person Siegfrieds, der zweite dann mit Adolf. Da Siegfried einer der beiden Protagonisten des Romans ist und der Leser ihm somit deutlich näher steht als Adolf, umfasst die Beschäftigung mit ihm rund zwei Drittel der Arbeit; Adolf hingegen tritt relativ spät in die Handlung ein und wird auch nur in Umrissen gezeichnet, 9 weshalb seine Untersuchung zwangsläufig ein geringerer Anteil an der Arbeit zukommt. In beiden Teilen werden die Personen zu Beginn charakterisiert: Zunächst wird kurz der Lebenslauf der jeweiligen Figur dargestellt, bevor ihre Situation zum Zeitpunkt der Handlung geschildert wird. Daran anschließend werden prägnante Charakter-eigenschaften und sonstige Besonderheiten der Personen dargelegt. In einem nächsten Unterpunkt wird das Verhältnis der Figuren zu anderen Personen der Handlung aufgezeigt, bevor der Frage nachgegangen wird, wie sie sich konkret mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen. As Leitfaden dienen dabei drei Aspekte: Zunächst die Frage, wie die Figuren bis zum Zeitpunkt der Handlung ihre Geschichte aufgearbeitet haben;
5 Greiner, S. 11.
6 Vgl. Horst, S. 85.
7 Vgl. Greiner, S. 16.
8 Vgl. Eggert, S. 60.
9 Vgl. Franzen, S. 68.
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danach wird analysiert, welche Auswirkung die bisherige Vergangenheits-bewältigung auf das gegenwärtige Handeln und Denken hat, und letztlich wird überlegt, welche Perspektiven sich den Figuren für die Zukunft ergeben.
Abschließend werden die Ergebnisse der Arbeit nochmals zusammengefasst, das Hauptergebnis herausgearbeitet und dieses letztlich mit den Ergebnissen der Sekundärliteratur in Kontrast gestellt.
2. Der Umgang Siegfrieds und Adolfs mit der Vergangenheit
2.1 Siegfried Pfaffrath
2.1.1 Charakteristik Siegfrieds
Wie bereits in den beiden vorangegangenen Erzählungen seiner Roman-Trilogie findet sich auch in Koeppens „Der Tod in Rom“ eine Figur, die als „Sprecher des Autors“ 10 bezeichnet werden kann, nämlich Siegfried Pfaffrath. Zusammen mit einem anonymen auktorialen Erzähler, der nur stellenweise in Erscheinung tritt, führt er durch die Handlung. 11 Somit entsteht eine Nähe zwischen ihm und dem Leser, der sein Handeln, Denken und Fühlen unmittelbar miterlebt; verstärkt wird diese Nähe zudem durch die Erzählstruktur Koeppens, die durch einen ständigen Wechsel der Perspektive gekennzeichnet ist: Mal erhält der Leser durch dialogische Szenen oder durch Kommentare des anonymen Erzählers eine Außensicht auf Siegfried, mal wird ihm durch inneren Monolog und erlebten Rede eine Innensicht des Protagonisten geliefert. 12
Siegfried ist der älteste Sohn der Pfaffraths, Angehörige „jenes bornierte[n] und unbelehrbare[n] deutsche[n] Spießbürgertum[s], das […] der Nazi-Ideologie nur allzu willig erlegen war“ 13 ; deutlich wird dies vor allem an ihrer Unterwerfung unter Siegfrieds Onkel, dem ranghohen SS-General Gottlieb Judejahn. Entsprechend verläuft die Erziehung Siegfrieds, die durch eine nationalsozialistische Ausbildung geprägt ist; so gehört er selbstredend der Hitlerjugend an und besucht später auf Wunsch Judejahns eine Eliteschule der Nationalsozialisten, die so genannte „Ordensburg“; aus dieser Zeit stammt auch sein Hang zur Päderastie. Allerdings wird deutlich, dass sich Siegfried auf der Junkerschule nicht wohl gefühlt hat, so dass er die erste Möglichkeit nutzt, von dort zu fliehen. Diese bietet sich ihm
10 Richner, S. 36.
11 Vgl. Langer, S. 168.
12 Vgl. Buchholz, S. 156, S. 160 und S. 175.
13 Buchholz, S. 171.
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durch den Eintritt in die Wehrmacht, mit der er im Krieg gegen England eingesetzt wird. Der Krieg endet für Siegfried 1944 in britischer Gefangenschaft. Hier kommt es zu einem Wendepunkt in seinem Leben: Er beschließt, sein „Jugendreich“ 14 (TiR 9) zu verlassen. Dies geschieht auf der einen Seite durch Lossagung von seiner Familie, der er eine große Mitschuld am Krieg zuschreibt, zum anderen durch Hinwendung zur Musik, die er selbst als „Auflehnung gegen seine Umgebung, gegen […] den Krieg […] und das ganze vom Teufel besessene und geholte Vaterland“ (TiR 9) ansieht. Dass er sein Interesse gerade der Musik und somit der Kunst zuwendet, erscheint nicht weiter verwunderlich, da er bereits in seiner Kindheit starkes kulturelles Interesse zeigt; deutlich wird dies etwa an seinem großen Interesse an der Bibliothek des Juden Aufhäuser. Unterstützt wird er in seinem musikalischen Werdegang durch Kürenberg, der zu dieser Zeit ebenfalls auf der Insel weilt und ihn mit Beispielsmaterial versorgt.
Mittlerweile arbeitet Siegfried als halbwegs angesehener surrealistischer Komponist, als Vertreter der „neue[n] Musik“ (TiR 14); aus diesem Grund hält er sich zum Zeitpunkt der Handlung auch in Rom auf, wo gerade ein Kongress stattfindet, auf dem seine neueste Symphonie vorgestellt wird, für die er im Laufe des Romans sogar ausgezeichnet wird. Dennoch darf diese Auszeichnung nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Siegfried in einer Schaffenskrise befindet. Dies wird schon gleich zu Beginn des Romans deutlich, wenn die Handlung mit der Aussage „Falsch klang die Musik, sie bewegte ihn nicht mehr“ (TiR 7) beginnt. Und völlig zu Recht weist Anneliese Langer darauf hin, dass sich Siegfried bei seiner Selbstvorstellung gegenüber dem Leser als „Tonsetzer“ (TiR 14) bezeichnet und somit bewusst die ästhetische Seite seiner Tätigkeit außer Acht lässt, nämlich die Komposition verschiedener Töne zu einem Wohlklang. 15 Siegfried weiß um den Grund seiner Schaffenskrise: „Meine Musik ist sinnlos, aber sie brauchte nicht sinnlos zu sein, wenn ich nur etwas Glauben hätte“ (TiR 106). Doch statt von Glauben ist sein Leben von Zweifeln erfüllt, die Ausdruck seiner Identitätskrise sind. 16 Der Leser findet zahlreiche Situationen, die von diesen Zweifeln zeugen, etwa als er mit dem fremden Mann in der Schenke sitzt und sich überlegt, ob er diesem eine Flasche Wein kaufen soll. Siegfrieds Zweifel gehen so weit, dass er nur wenig Schlaf findet und ihm sein Namen lächerlich erscheint; zum Teil führen sie sogar bis hin zum Selbsthass, wie er ihn beispielsweise nach seinem Besuch auf dem Badeschiff empfindet: „Ich haßte mich“ (TiR 119). So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass sich
14 Koeppen: „Der Tod in Rom“. Frankfurt am Main 1975. (=st 241). Im weiteren Verlauf der Hausarbeit werden
Primärzitate Koeppens direkt mit dem Kürzel TiR angegeben.
15 Vgl. Langer, S. 184.
16 Vgl. Richner, S. 37.
Arbeit zitieren:
Christoph Baldes, 2005, Der Tod in Rom: Der Umgang Siegfrieds und Adolfs mit der Vergangenheit, München, GRIN Verlag GmbH
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