Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort 3
2. Geschichtliche des Begriffs und seiner Anerkennung 3
3. Einordnung der Psychotraumatologie 5
4. Trauma- Ereignis oder Erlebnis? 5
5. Posttraumatische Belastungsstörung 7
5.1 Definition und Verlauf der Krankheit 7
5.2 Beschreibung der Symptome 8
6. Spezielle Psychotraumatologien 10
6.1 Abgrenzung zu Allgemeiner Traumatologie 10
6.2 Beispiel Holocaust 10
7. Klinisches Beispiel einer PTBS nach einem Verkehrsunfall 12
7.1 Traumatische Situation 12
7.2 Symptome 13
7.3 Diagnose 13
8. Phänomenologie der PTBS 14
8.1 Störungsmodell nach Ehlers und Clark 1999 14
8.2 Dysfunktionale Verhaltensweisen und kognitive Verarbeitungsstile 16
9. Therapie 17
9.1 Integrative Traumatherapie 17
9.2 Begleitetes Wiedererleben als Therapie 18
9.3 Therapieansatz nach Anke Ehlers 19
10. Bedeutung für die Soziale Arbeit 21
Literaturverzeichnis 22
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1. Vorwort
In der folgenden Hausarbeit möchte ich die Posttraumatische Belastungsstörung als komplexe Reaktion auf Erlebnisse außerordentlichen Schreckens darstellen. Dabei gehe ich auf ihre frühe geschichtliche Entwicklung ein, da sie zwar schon lange erforscht, in den letzten 30 Jahren jedoch erstmalig anerkannt wurde. Noch immer ist der Begriff der Posttraumatischen Belastungsstörung umstritten, ebenso die genaue Definition eines Traumas. In meiner Arbeit möchte ich diese Diskussion näher beleuchten und eventuelle Empfehlungen geben. Additional zur Beschreibung des Krankheitsbildes gehe ich auf spezielle Formen der Posttraumatischen Belastungsstörung ein. Das gewählte Beispiel der ehemaligen KZ-Häftlinge soll die Abgrenzung zu der herkömmlichen PTBS verdeutlichen, die ebenfalls anhand eines klinischen Beispiels erläutert wird. Ich möchte anhand des Störungsmodells von Ehlers und Clark mögliche Ursachen für die Ausprägung eines PTBS erklären und letztlich drei Therapieansätze vergleichen und analysieren.
2. Geschichtliche des Begriffs und seiner Anerkennung
Obwohl Menschen seit jeher mit traumatischen Erlebnissen und deren Verarbeitung konfrontiert sind, stammen die ersten systematischen Beschreibungen traumabedingter Symptome aus der Zeit des Endes des 19. und des Anfangs des 20. Jahrhunderts. Joseph Breuer und Sigmund Freud beschrieben erstmals 1895 die möglichen Langzeitfolgen von Traumata in ihren „Studien über Hysterie“ als eine Unterklasse der hysterischen Erkrankung. Durch die beiden Weltkriege häuften sich die psychopathologischen Auffälligkeiten und Kriegsneurosen bei den überlebenden Soldaten, wodurch eine intensivierte wissenschaftliche Beschäftigung mit den Folgen psychischer Traumatisierung angeregt wurde. Für die Symptome wurde jedoch zunächst eine Vielzahl an diagnostischen Bezeichnungen gefunden, wie z.B. die „Kampf- oder Kriegsneurose“, der „Granatenschock“ oder die „Schreckenneurose“. Dabei wurde bezweifelt, dass das traumatische Ereignis die wesentliche Ursache der psychischen Auffälligkeiten darstellt. Viele Experten hielten organische Faktoren für entscheidend, wie z.B. ins Gehirn gelangte Granatsplitter als Ursache des „Granatenschocks“. Andere wiederum bezweifelten die Validität der berichteten Symptome und unterstellten den Patienten das so genannte
Kompensationssyndrom, also die Intention eines finanziellen Ausgleichs für die erlittenen Ereignisse. Die psychischen Auffälligkeiten bei Menschen, die
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traumatische Ereignisse erlebten, wurden auf deren psychische Labilität, neurotische Konflikte oder auch Geisteskrankheiten zurückgeführt. 1 Insbesondere jedoch der Umgang mit den Überlebenden des Holocausts forcierte Bemühungen zur weiteren Forschung. Doch vor allem deutsche Psychiater vertraten auch hier die These, dass eine erbliche Veranlagung der ehemaligen KZ-Häftlinge eine bedeutende Rolle bei der Ausprägung der posttraumatischen Störungsmodelle spiele. 2 Kurt Eissler, ein renommierter US-amerikanischer Psychoanalytiker deutscher Herkunft, verfasste im Jahre 1963 einen Artikel mit der Überschrift „ Die Ermordung von wie vielen seiner Kinder muss ein Mensch symptomfrei ertragen können, um eine normale Konstitution zu haben?“ 3 und machte somit auf die damals gängige deutsche Gutachterpraxis in Rentenprozessen aufmerksam, die die labile psychische Konstitution der Betroffenen als Grund der Ablehnung der posttraumatischen Reaktionen als eigenständiges Krankheitsbild angaben. Daher spricht man bei der deutschen Nachkriegspsychiatrie auch von der Verfolgung der Verfolgten. Ein weiteres bedeutendes Ereignis, welches die genauere Erforschung von posttraumatischen Krankheitsbildern voranbrachte, war der Vietnamkrieg. Die außergewöhnlich schrecklichen Ereignisse der Vietnamveteranen mussten in so genannten „veteran centres“ mit den Betroffenen aufgearbeitet werden. Es kam zu ersten Formulierungen einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), die 1980 erstmals Eingang in das international bedeutsame amerikanische Diagnostische-Statistische Manual DSM IV fand unter dem Namen „posttraumatic stress disorder“ . Generell beschäftigte sich die Wissenschaft in den USA schon sehr viel länger mit der Erforschung von schweren und schwersten Stressphänomenen. Nach eineinhalbjähriger Vorbereitung gründete sich 1991 in Freiburg das „Institut für Psychotraumatologie“, um einen Rahmen für die verschiedensten Forschungsinteressen zu bieten. Im Jahre 1994 wurde die Posttraumatische Belastungsstörung in die Klassifikation des ICD-10 als eigenständige Krankheit aufgenommen. 4
1 Anke Ehlers, Posttraumatische Belastungsstörung, Hogrefe, Verlag für Psychologie, Göttingen, Bern,
Toronto, Seattle, S. 2
2 Gottfried Fischer, Peter Riedesser, Lehrbuch der Psychotraumatologie, 3. Auflage, Ernst Reinhardt
Verlag München Basel, S. 31
3 http://www.bundeswehr.de/portal/a/bwde/kcxml
4 http://www.dachau-institut.de/psychologie/seelische_auswirkungen/seelische_auswirkungen_1.html,
4
3. Einordnung der Psychotraumatologie
Das im Jahre 1991 gegründete „Institut für Psychotraumatologie“ führte als Novum in der Geschichte der Medizin eine explizit psychologische und psychosomatische Traumatologie ein. Dabei stehen sich die bis dahin bekannte chirurgische Traumatologie, die die Aufmerksamkeit auf die menschliche Erlebnissphäre richtet und die psychologische Traumatologie, die sich mit der Untersuchung und Behandlung seelischer Verletzungen und ihrer Folgen beschäftigt, gegenüber. Die Wissenschaft der Traumatologie hat sich also die Beschäftigung mit Traumata und deren Folgen zur Aufgabe gemacht. Was genau ist aber ein Trauma? Ist es objektiv zu kategorisieren oder muss es subjektiv interpretiert werden? Ist es ein Erlebnis oder ein Ereignis?
4. Trauma- Ereignis oder Erlebnis?
Das Wort Trauma kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Wunde“ oder „Verletzung“. Im ICD-10 wird es als „belastendes Ereignis oder eine Situation kürzerer oder längerer Dauer, mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmaßes (…)“ beschrieben, „die bei fast jedem eine tiefe Verstörung hervorrufen würde.“ 5 Einer notwendigen Kausalität zwischen tiefer Verstörung und psychischer Konstitution wird hier demnach deutlich entgegengetreten, trotzdem angeführt wird, dass prädisponierende Faktoren wie z.B. zwanghafte oder asthenische Persönlichkeitszüge die Schwelle zur Krankheit senken können.
Nach dem Diagnostischen und Statistischen Manuals DSM-IV muss das Ereignis außerhalb der normalen menschlichen Erfahrung liegen. Diese Angabe erweist sich jedoch als zu streng, da nach epidemiologischen Studien einige Stressoren weit verbreitet sind, wie z.B. Verkehrsunfälle. Außerdem muss nach dem DSM-IV der Betroffene in eine Situation involviert worden sein, wo sein eigenes oder fremdes Leben durch Tod, Lebensgefahr oder starke Körperverletzung bedroht wurde. Anke Ehlers 6 fügt in ihrer Darstellung über Posttraumatische Belastungsstörung jedoch hinzu, dass nicht nur die Bedrohung körperlicher Integrität, sondern auch die Bedrohung der Wahrnehmung, ein autonom denkender und handelnder Mensch zu
5 http://www.dimdi.de/dynamic/de/klassi/diagnosen/icd10/htmlamtl2006/fr-icd.htm
6 Anke Ehlers, Posttraumatische Belastungsstörung, Hogrefe, Verlag für Psychologie, Göttingen, Bern,
Toronto, Seattle, S.4
5
sein. Durch sexuelle Misshandlungen, Vergewaltigungen oder auch Demütigungen von politisch Inhaftierten können demnach ebenso traumatisierend wirken. Dabei müssen Stress und Trauma unterschieden werden, denn ein Trauma ist eine seelische Verletzung, eine Konnotation von Leiden und Kranksein. Gottfried Fischer und Peter Riedesser weisen in ihrem „Lehrbuch der Psychotraumatologie“ darauf hin, dass die Verletzungen nicht primär im körperlichen, auch nicht „vage in einem irgendwie konzipierten sozialen Bereich liegen, sondern das verletzbare, sichempfindende und sich- verhaltende menschliche Individuum, wenn es in seinen elementare Lebensbedürfnissen bedroht und verletzt ist, in seiner menschlichen Würde und Freiheit missachtet wurde“ 7 . Nach Freud ist das Körper-Ich der Kern des psychischen Ichs, somit führt die gestörte körperliche Integrität auch zu einer psychischen Disharmonie. Riedesser und Fischer schlagen eine subjektivere Definition eines Traumas vor als „unerträgliches Erlebnis, welches die individuellen Belastungsmöglichkeiten überschreitet“ 8 . Hier besteht jedoch die Gefahr einer subjektiven Willkür und Beliebigkeit, wenn der Bezug auf das Ereignis vollkommen wegfällt. Aus einem ökosozialen Gesichtspunkt ist die Relation vom Ereignis zum erlebenden Subjekt entscheidend, also die subjektive Reaktion, wie Hilflosigkeit, Angst, Panik des Betroffenen auf die traumatische Reaktion. Trotzdem ist ein traumatischer Prozess nicht nur ein individueller, sondern auch ein sozialer Prozess. Für die Betroffenen ist es sehr wichtig, wie sich die Allgemeinheit zum Elend des Betroffenen verhält. In der Nachkriegszeit war die traumatische Situation vieler ehemaliger KZ-Häftlinge weiterhin andauernd, da eine gesellschaftliche Verdrängung, Ausgrenzung und Missachtung fortwährend stattfand. Die bedingungslose Anerkennung der Holocausts und die Beschäftigung mit den Opfern dämmte die traumatische Situation vieler ehemaliger KZ-Häftlinge ein, obwohl sie sich dennoch inmitten von ehemaligen Tätern in Deutschland befanden. Entscheidend ist, dass die Allgemeinheit die Betroffenen in ihrer Besonderung, Zerstörung und Entstellung zwar bedauern, sie als statistisch aber durchaus „erwartbaren“ Einzelfall sehen.
Nach einem Trauma entwickelt jeder Organismus eine eigene, übergreifende Selbstheilungsstrategie, um das erlebte Ereignis des Schreckens zu verarbeiten. Die
7 Gottfried Fischer, Peter Riedesser, Lehrbuch der Psychotraumatologie, 3. Auflage, Ernst Reinhardt
Verlag München Basel, S.61
8 Gottfried Fischer, Peter Riedesser, Lehrbuch der Psychotraumatologie, 3. Auflage, Ernst Reinhardt
Verlag München Basel, S. 61
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Folgen eines Psychotraumas werden in zwei verschiedene Diagnosen gefasst: die akute Belastungsreaktion (nach ICD-10 F43.0), die unmittelbar auf das belastende Ereignis folgen und die Dauer begrenzt ist und die Posttraumatische Belastungsstörung (nach ICD-10 F34.1), bei der Symptome meist erst einen Monat nach dem belastenden Ereignis auftreten und chronifizieren können. 9 Die bisher vorliegenden epidemiologischen Daten stammen hauptsächlich aus den USA und den dort verwendetet DSM-IV Kriterien.
Eine Stichprobe von Kesslers Posttraumatic stress disorder in the National Comorbidity Survey. Archives of the General Psychiatry 1995 fand heraus, dass 61% der Männer und 51% der Frauen mindestens ein traumatisches Erlebnis in ihrem Leben hatten. Jedoch bildet sich bei lediglich 0,4 % der Menschen mit traumatischen Ereignissen eine Posttraumatische Belastungsstörung aus 10 . Was versteht man jedoch explizit unter dem Begriff Posttraumatische Belastungsstörung?
5. Posttraumatische Belastungsstörung
5.1 Definition und Verlauf der Krankheit
Im ICD-10 wurde erstmals 1991 die Rubrik „Reaktion auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen“(F43) als gesonderte Kategorie gebildet. Nach der neusten Version des ICD-10 2008 ist die PTBS eine neurotische, Belastungs- und somatoforme 11 Störung, als eine der Psychischen und Verhaltensstörungen 12 . Der Begriff des Posttraumatischen wird von Fischer und Riedesser kritisiert, da er suggeriert, dass ein Trauma temporär einzugrenzen wäre und die Prozesshaftigkeit eines Traumas nicht beachtet. Daher schlagen sie den Begriff Basales psychotraumatisches Belastungssyndrom vor. In meiner Arbeit werde ich mich jedoch weiterhin auf den Begriff des ICD-10 stützen.
9 http://www.dachau-institut.de/psychologie/seelische_auswirkungen/seelische_auswirkungen_1.html
10 Anke Ehlers, Posttraumatische Belastungsstörung, Hogrefe, Verlag für Psychologie, Göttingen,
Bern, Toronto, Seattle, S. 6
11 Als Somatoforme Störungen werden körperliche Beschwerden bezeichnet, die sich nicht oder nicht
hinreichend auf eine organische Erkrankung zurückführen lassen. Dabei stehen neben
Allgemeinsymptomen wie Müdigkeit und Erschöpfung Schmerzsymptome an vorderster Stelle, gefolgt
von Herz-Kreislauf-Beschwerden, Magen-Darm-Beschwerden, sexuellen und pseudoneurologischen
Symptomen.
12 http://www.dimdi.de/dynamic/de/klassi/diagnosen/icd10/htmlamtl2006/fr-icd.htm
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5.2 Beschreibung der Symptome
Die Symptome einer PTBS treten nach anfänglicher Latenz wenige Wochen bis Monate nach dem traumatischen Erlebnis auf, meist jedoch innerhalb von sechs Monaten, sonst wird von einem verzögerten Beginn ausgegangen. In den meisten Fällen treten die Symptome jedoch unmittelbar nach dem traumatischen Erlebnis ein und 11% haben einen verzögerten Beginn. Bei einer akuten PTBS reduzieren sich die Symptome nach drei Monaten, bei chronischen PTBS dauern die Symptome mehr als drei Monate an. Nach Kessels Studien remittieren ca. 50 % im ersten Jahr und bei einem Drittel nimmt die PTBS einen chronischen Verlauf 13 . Dabei geht man jedoch davon aus, dass eine solche PTBS bei traumatisierten Erwachsenen zu finden ist, bei denen bestimmte stabile psychische Strukturen bereits herausgebildet sind. Traumata in der Kindheit führen eher dazu, dass die Ausbildung einer solchen psychischen Struktur schon in ihren Anfängen beeinträchtigt wird. So kann es bei jungen Traumatisierten nach jahrelangen symptomfreien Phasen zu einer erstmaligen traumabezogenen Symptomatik kommen, der so genannten Trauma-Reaktivierung.
Wenn Menschen ein traumatisches Erlebnis haben, so haben sie ein bestimmtes Traumaschema, also eine psychische Struktur mit Erinnerungsfragmenten auf unterschiedlichen Repräsentationsebenen und der charakteristischen Spaltung von Wahrnehmungs-und Handlungsteilen. Dabei gibt es verschiedene
Repräsentationsebenen: die enaktive (verhaltensgesteuerte), die ikonische (bildhafte) und die symbolisch-linguistische Ebene.
Als Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung sind folgende zu nennen: das ungewollte Wiedererleben von Aspekten des Traumas, Anzeichen einer erhöhten Erregung, Vermeidungsverhalten und Symptome emotionaler Taubheit. Im Folgenden möchte ich die Symptome genauer beleuchten.
Durch ungewolltes Wiedererleben von Aspekten des Traumas ist es den Betroffenen unmöglich, das traumatische Erlebnis zu verarbeiten. Dabei haben sie bei den flash backs oder Albträumen die gleichen sensorischen Eindrücke (z.B. Bilder, Geräusche oder Geschmack) wie während des Traumas. Das schließt auch körperliche Modalitäten ein, wie Kälteempfinden, Schmerzen oder Berührungen. Bei diesem intrusiven Erleben fehlen die zeitliche Perspektive und die Gewissheit, dass das
13 Anke Ehlers, Posttraumatische Belastungsstörung, Hogrefe, Verlag für Psychologie, Göttingen,
Bern, Toronto, Seattle,S.10
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Wiedererlebte in der Vergangenheit liegt. Der Betroffene fühlt sich, als wären die Erinnerungen im Hier und Jetzt, d.h. seine Erinnerungen sind nicht gedanklich, sondern sensorisch. Bei den Albträumen Erwachsener kommen stets dieselben Inhalte vor, im Gegensatz zu Kindern, bei denen Inhalte variieren. Es kommt zu einer intensiven psychischen Belastung durch die internalen und externalen Hinweisreize (Trigger).
Des Weiteren kommt es zu Anzeichen einer erhöhten Erregung und Vigilanz. Betroffene haben Konzentrations- und Schlafstörungen, sind übermäßig wachsam, zeigen starke Schrecksituationen und eine erhöhte Reizbarkeit und neigen zu Wutausbrüchen. Die lang anhaltenden Phasen des Erregungszustands gehen einher mit einer Reihe körperlicher Krankheiten, wie Bluthochdruck, koronare Herzerkrankungen, Spannungskopfschmerzen oder Magengeschwüre. Diese Komorbiditäten traten häufig bei ehemaligen KZ-Häftlingen auf. Das Vermeiden von Situationen, Gesprächen und anderen Reizen, die an das Trauma erinnern könnten, ist ein weiteres Symptom der Posttraumatischen Belastungsstörung. Erinnerungen an das traumatische Ereignis rufen starke gefühlsmäßige und körperliche Reaktionen hervor und werden deshalb vermieden. Wichtige Aktivitäten und Kontakte zu Menschen werden aufgegeben, um einer Beschäftigung mit dem Trauma aus dem Weg zu gehen. Manchmal können sie sich an einen bestimmten Aspekt des traumatischen Erlebnisses nicht erinnern. Sie können sich Anderen gegenüber entfremdet fühlen und eine eingeschränkte Bandbreite des Affekts, also die Fähigkeit ihre Zuneigung zu zeigen, haben. Das ist das vierte Symptom der PTBS, die Symptome emotionaler Taubheit. Betroffene fühlen eine tiefe Schuld an den Vorkommnissen, verspüren Angst, Trauer und Scham. Der wahrgenommene Verlust jeglicher Autonomie unabhängig von Schwere der Lebensbedrohung und Hilflosigkeit führt zu einem Gefühl der Resignation und Gleichgültigkeit.
Während der ICD-10 den Schwerpunkt auf das ungewollte Wiedererleben legt, wird nach der Klassifizierung des DSM-IV stärker auf das Vermeidungsverhalten fokussiert. Bestimmte Risikofaktoren, wie z.B. ungünstige postexpositorische Erfahrungen, starke peritraumatische Dissoziationstendenzen oder traumatische Vorbelastung in der Vorgeschichte. 14
14 Anke Ehlers, Posttraumatische Belastungsstörung, Hogrefe, Verlag für Psychologie, Göttingen,
Bern, Toronto, Seattle,S.15-18
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6. Spezielle Psychotraumatologien
6.1 Abgrenzung zu Allgemeiner Traumatologie
Abgrenzend von der Psychotraumatologie im Allgemeinen, befasst sich die spezielle Psychotraumatologie mit bestimmten Situationstypen, die wiederum
situationsspezifische traumatische Reaktionen und Prozesse hervorrufen. Dabei wird auf spontane diagnostische Klassifikationspraktiken zurückgegriffen, wie z.B. die Kriegsneurose oder das Überlebendensyndrom. Fischer und Riedesser unterscheiden in ihrem „Lehrbuch der Psychotraumatologie“ verschiedene spezielle Traumata, wie Holocaust, Folter und Exil, Kindheitstrauma, Vergewaltigung und Gewaltkriminalität. Die Traumatologien sind ebenfalls Posttraumatische Belastungsstörungen, deren Symptome werden jedoch durch einige
Situationsbedingte Faktoren ergänzt, die allen Betroffenen gemein ist. Dadurch werden klinische Hypothesen verfeinert und durch diagnostische Forschungsdesigns präzisiert. 15 Im Folgenden möchte ich als eine der ersten untersuchten Traumatologien die der ehemaligen KZ-Häftlinge darstellen.
6.2 Beispiel Holocaust
Das Trauma des Holocausts betrifft nicht ausschließlich ehemalige KZ-Häftlinge, sondern auch all diejenigen, die durch ihre Arbeit zur Vernichtung von Millionen Menschen beigetragen haben. Diese Menschen haben ihren damaligen Alltag oftmals durch doubling, also einer Identitätsverdopplung organisiert, so dass jedes Teil-Selbst autonom funktionierte. Tagsüber war der Arzt ein Glied in der Vernichtungsmaschinerie des Konzentrationslagers, um Arbeitsfähige von Arbeitsunfähigen zu unterscheiden und somit deren Tötung vorzubereiten. Abends jedoch war er der liebende, verantwortungsbewusste Familienvater. Bei den Deutschen im Allgemeinen kommt es ebenfalls zu Symptomen, die auf posttraumatische Symptome hinweisen. Es kommt zur
Gegenübertragungsmechanismen, wie Diskussionen einer Kollektivschuld und persönlicher Verantwortung. Eine Abwehr von Einfühlungsvermögen gegenüber den Opfern konnte in der Nachkriegszeit vermehrt festgestellt werden. Die Gleichgültigkeit und gefühlsmäßige Erstarrung ist dabei ein Zeichen von Vermeidung, sich mit dem Leiden der KZ-Inhaftierten zu beschäftigen. Hierbei ist es
15 Gottfried Fischer, Peter Riedesser, Lehrbuch der Psychotraumatologie, 3. Auflage, Ernst Reinhardt
Verlag München Basel, S. 252 ff.
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jedoch fraglich, ob von einer Posttraumatischen Belastungsstörung gesprochen werden kann, da eine direkte Beteiligung und ein erlebtes traumatisches Ereignis, welches wiedererlebt wird, der gesamtdeutschen Bevölkerung während des 2. Weltkrieges nicht zugesprochen werden kann.
Vom eigentlichen Überlebendensyndrom sind die ehemaligen KZ-Häftlinge betroffen, die aufgrund der Organisation von Konzentrationslagern und dem Umgang mit ihnen nach der Freilassung, eine spezifische Symptomatik haben. 1. Schwere, oft ganz plötzlich einsetzende Erregungs- und Angstzustände. 2. Ein unartikuliertes Gefühl des Andersseins als die, die nicht die Hölle von KZ, Ghetto, Arbeitslager und jahrelangem Leben im Versteck gingen. 3. Tiefe Überlebensschuld, d.h. Schuldgefühle desjenigen, der überlebte, gegenüber den Angehörigen und Kameraden.
4. Ein Zustand des seelischen Überwältigt- und Verringertseins, der nur schwer zu beschreiben ist und sich in Depressionen, apathischer Zurückgezogenheit, Kontaktmangel, Unfähigkeit zur Freude und Genuss bis hin zur völligen Starre und geistigen Abstumpfung äußert.
5. Das Bild des „lebendigen Leichnams“, ein von der ständigen Begegnung mit dem Tod geprägtes schattenhaftes, furchtsames, gedrücktes Verhalten. 6. Quälendes Wiedererleben der Schrecken des Lagers, z.B. von Misshandlungen, Ermordung von Angehörigen.
7. Ermüdung, leichte Erschöpfbarkeit, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. 8. Sexuelle Störungen.
9. Psychosomatische Beschwerden wie Herzbeschwerden, Kopfschmerzen, Schwindel, Schweißausbrüche, Magen- und Darmbeschwerden, Schlaflosigkeit. 10. Psychotische Zustände mit Wahnvorstellungen (Gefühl noch immer im Lager und verfolgt zu sein).
Viele der Störungen sind Folgen der besonderen Traumasituation, z.B. die tiefe Überlebensschuld. Viele Lager waren so organisiert, dass das Überleben des einen auf die Kosten des anderen ging. Der nur allzu verständliche Wunsch des Einzelnen zu überleben wurde so auf künstliche Weise in Gegensatz zum Überlebensrecht des anderen gebracht.
Die traditionelle psychiatrische Denkweise hatte dazu geführt, die Symptome des KZ-Syndroms von ihrem Ursprung in der Lagererfahrung abzutrennen und diesen Zusammenhang zu verleugnen. Brainin, Legethi und Teicher (1989) zufolge ist
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jedoch unter anderem die Überlebensschuld und die Regression in der traumatischen Situation selbst zu begründen und beruhen nicht auf innerseelischen Abwehrmechanismen allein. Nach der Entlassung kam für viele Ex-Häftlinge der Verlust von vielen Familienangehörigen dazu, was eine Verarbeitung des Traumas nicht möglich machte. Der Pakt des Schweigens zwischen ehemaligen KZ-Häftlingen und der restlichen Bevölkerung führte ebenfalls dazu, dass die traumatische Situation nicht beendet war. Solange das soziale Kollektiv es ablehnte, die Verantwortung zu übernehmen und ehemalige KZ-Wächter nicht zur Rechenschaft gezogen wurden, untergrub die verleugnete Schuld die psychische und moralische Substanz der Täter-Verursachergruppe. Das Überlebenden-Syndrom regte zu großen Teilen die Forschung zu posttraumatischen Störungen an und ist als eine besondere Form der posttraumatischen Belastungsstörung einzuordnen. 16
7. Klinisches Beispiel einer PTBS nach einem Verkehrsunfall
7.1 Traumatische Situation
Im Folgenden möchte ich ein klinisches Beispiel eines Patienten mit Posttraumatischer Belastungsstörung geben, um die Symptome greifbarer zu machen. Der Patient wurde auf Anordnung einer klinisch-psychologischen Begutachtung unterzogen, als die gegnerische Unfallversicherung sich weigerte, für die somatischen und psychischen Störungen, die sich im Anschluss an einen Verkehrsunfall eingestellt hatten, aufzukommen.
Den Unfallhergang beschreibt der Proband folgendermaßen: „ Hinter einem mit hoher Geschwindigkeit entgegenkommenden Lastwagen auf der Landstraße sein plötzlich ein PKW hervor gefahren, um zu einem Überholungsversuch anzusetzen. Herr R. (…) hatte keine Möglichkeit mehr auszuweichen, da die Straße zu schmal war und die Geschwindigkeit aller drei Fahrzeuge zu hoch. (…) In Bruchteilen von Sekunden seien ihm Bilder seiner wichtigsten Bekannten und Ereignisse wie ein Film vor seinem inneren Auge erschienen. Er sei dem generischen Fahrzeug ausgewichen unter äußerst riskanten Bedingungen und so sei es ihm gelungen, das Schlimmste zu vermeiden. Er riss den Wagen herum auf den Seitenstreifen, prallte gegen mehrere Bäume und kam zum Stehen an einem Baum, hinter den die Böschung in einen 8m tiefer gelegenen Fluss abstürzte. Herr R. stemmt sich am
16 Gottfried Fischer, Peter Riedesser, Lehrbuch der Psychotraumatologie, 3. Auflage, Ernst Reinhardt
Verlag München Basel, S. 254 ff.
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Boden des Fahrzeugs mit dem rechten Fuß mit aller Kraft „symbolisch“ gegen den Abgrund.
Er war dreimal heftig mit dem Kopf angestoßen und hatte sich ein Schädel-Trauma zugezogen. (…) (Der andere Fahrer habe) sich nicht einmal bei ihm bedankt, obwohl er ihm doch einiges zu verdanken habe. „
7.2 Symptome
Seit dem Verkehrsunfall hat Herr R. regelmäßig auftretende Albträume, aus denen er schweißgebadet aufwacht. Zwei Autofahrer rasen aufeinander zu, ohne dass einer von beiden ausweichen würde. Herr R. sieht in Großaufnahme den Motor des gegnerischen Fahrzeugs auf sich zu kommen. „ Ich sehe den Motor, sehe mich blutüberströmt, den anderen auch, wie wenn ich über der ganzen Sache schweben würde; dann werde ich plötzlich hellwach, habe Kopfweh bis zu Sehstörungen, zittere, stehe auf und kann mich erst beruhigen, wenn meine Frau in der Nähe ist.“ Nach dem Verkehrsunfall stellten sich bei Herr R. dauerhaft starke Kopfschmerzen und Sehstörungen in Form vom Doppeltsehen ein.
Herr R. hat starke Angst vor dem Autofahren und fühlt sich durch den Kopfschmerz und die Sehstörungen so behindert, dass er nur etwa 10 km/h fahren kann. Er klagt über Orientierungslosigkeit im Verkehrsgeschehen, es gehe im „alles zu schnell“. Dies hat zu seiner weiteren Verunsicherung und depressiven Selbstzweifeln geführt, sich in der Verkehrswelt und im übertragenen Sinne in der gefühlten Gesamtwelt zurechtzufinden. Der Umstand, dass Herr R. sich noch gegen den tödlich ausgehenden Sturz in den tiefer gelegenen Abgrund mit dem rechten Fuß stemmen konnte, führte zu einer Angst vor Leitern und höher gelegenen Positionen. Er leidet unter Einschlafschwierigkeiten, Irritierbarkeit und Wutausbrüche sowie Schreckhaftigkeit.
7.3 Diagnose
Die Herr R. ausgestellte Diagnose lautet: chronifiziertes psychotraumatisches Belastungssyndrom, was der Posttraumatischen Belastungsstörung entspricht. Es zeigt sich, dass er den Verkehrsunfall als lebensbedrohliches, außergewöhnliches Ereignis traumatisch erlebte und alle Symptome einer PTBS ausbildete. Der wiederkehrende Albtraum hat einen deutlich auf den Unfall bezogenen Inhalt, wodurch Herr R. Aspekte des Traumas ungewollt wiedererlebt. Er zeigt Anzeichen
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einer erhöhten Erregung, wie starke Schreckreaktionen, Reizbarkeit und Wutausbrüche. Seine Orientierungslosigkeit im Straßenverkehr ist ein Zeichen für seine Störung der Konzentration und des visuellen Kurzzeitgedächtnisses. Diese lang anhaltenden Erregungszustände können ebenso Grund für seine andauernden Spannungskopfschmerzen sein.
Die Dissoziierung von Körper und Geist, in Form vom beschriebenen „ über der Sache schweben“ in seinem Albtraum ist ein traumakompensatorischer Mechanismus, um die lebensbedrohliche Situation zu verarbeiten. Herr R. meidet Situationen, in denen er Leitern besteigen muss oder sich in einer höher gelegenen Position ohne Halt befindet. Bis auf Gespräche mit seiner Frau, kann er über die Unfallgeschehnisse mit niemandem sprechen und hat einige Kontakte abgebrochen. Die ist ein Symptom zunehmender emotionaler Taubheit durch Schamgefühle ausgelöst.
Der Fall von Herr R. weist zudem einige Risikofaktoren für chronisches PTBS auf; in Herr R.s Fall das subjektive Erleben von Todesangst; ungünstige postexpositorische Erfahrungen, wie das undankbare Verhalten des gegnerischen Fahrers; starke peritraumatische Dissoziierungstendenzen, wie das Schweben über der Situation im Albtraum oder dem Ablaufen eines Lebensfilms. Im Alter von 4 Jahren musste Herr R. zusammen mit seiner Mutter aus einer bombardierten Stadt fliehen und ist somit lebensgeschichtlich vorausgehend traumatisiert worden und fühlte schon damals eine tief greifende Verunsicherung und Todesangst. 17
8. Phänomenologie der PTBS
8.1 Störungsmodell nach Ehlers und Clark 1999
Die andauernde Angst von Herrn R., auch wenn er nicht in einem Fahrzeug sitzt, ist typisch und wirft doch streng expositorisch Fragen auf: Warum verspürt er Angst, wenn keine Gefahr bestehen kann? Angst ist üblicherweise lediglich auf zukünftige Bedrohungen bezogen, bei den PTBS Erinnerungen bezieht sie sich auf vergangene Erlebnisse. Hier entsteht ein vermeintlicher Widerspruch, den Ehlers und Clark 1999 in dem Störungsmodell der chronischen PTBS zu erklären versuchen. Sie sehen eine Chronifizierung der Symptome nur dann, wenn das traumatische Erlebnis so verarbeitet wird, dass eine gegenwärtige Bedrohung entsteht. Die Betroffenen haben
17 Gottfried Fischer, Peter Riedesser, Lehrbuch der Psychotraumatologie, 3. Auflage, Ernst Reinhardt
Verlag München Basel, S.55 ff.
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1. individuelle Unterschiede in der Interpretation des Traumas und in der Art des Trauma-Gedächtnisses und seiner Verbindung zu anderen autobiografischen Erinnerungen. Bei der unterschiedlichen Interpretation des Traumas sind die Betroffenen nicht in der Lage das traumatische Ereignis als zeitlich begrenzt zu sehen, wobei die Bedrohung extern, also „überall lauern kann“ oder intern, also wenn die Selbstwahrnehmung als fähige, akzeptable Person bedroht scheint, sein. Nicht nur das Ereignis an sich, sondern das eigene Verhalten ist bei der Verarbeitung sehr wichtig. Viele Betroffene machen sich im Nachhinein starke Vorwürfe, nicht mutig und resolut genug gehandelt zu haben, wie z.B. bei einem Überfall. Des Weiteren hängt es davon ab, wie das Trauma enkodiert wird. Jeder Betroffene legt die Schwerpunkte und die Schwere der traumatisierenden Ereignisse anders. PTBS Patienten haben Schwierigkeiten sich an das vollständige Trauma willentlich zu erinnern, sei es die genaue Reihenfolge oder bestimmte Details. Ehlers und Clark stellen 3 Annahmen auf, um die unterschiedlichen Enkodierungen zu erklären: Die Erlebnisse werden ungenügende elaboriert und eingebettet in die Struktur des autobiografischen Gedächtnisses. Autobiografische Erinnerungen werden in geordneter und abstrahierter Weise gespeichert, so dass ein extrem lebhaftes und emotionales Wiedererleben verhindert wird. Die Ereignisse werden in eine Wissensstruktur eingeordnet, die nach persönlich relevanten Themen geordnet ist. Der Abruf dieser Erinnerungen geschieht über Suchstrategien, die sich an der Bedeutung des Ereignisses orientieren oder durch Stimuli, wie z.B. Geruch abgerufen wird. Dieser Abrufweg wird jedoch durch hierarchische Strukturen des autobiografischen Gedächtnisses gehemmt. Daraus folgt, dass eine sensorische Erinnerung immer in Kombination mit den abstrahierten Informationen über die Art des Ereignisses abgerufen wird, wie z.B. die zeitliche Komponente. Außerdem nehmen Ehlers und Clark an, dass starke assoziative Gedächtnisverbindungen bestehen. Es wir angenommen, dass besondern starke Reiz-Reiz und Reiz-Reaktion Assoziationen für die mit dem traumatischen Ereignis verbundenen Reize vorliegen. Reize, die kurz vor oder während des Traumas wahrgenommen wurden, werden mit einer schweren Bedrohung des Selbst assoziiert und haben somit einen hohen Informationsgehalt, weil sie das traumatische Ereignis voraussagten. Ein Betroffener beschreibt, dass er nach einer Entführung immer wieder das Klopfen der Entführer intrusiv nacherlebte. Erst nach einiger Zeit bemerkte er, dass dieses Wiedererleben häufig durch das Hören von
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Schritten ausgelöst wurde. Während der Gefangenschaft im Keller waren sich nähernde Schritte mit dem Klopfen, dem Hereinkommen der Entführer und der Todesgefahr assoziiert worden. Dieses Beispiel zeigt, dass viele PTBS Patienten die auslösenden Reize für ein Wiedererleben nicht bewusst wahrnehmen. Das erschwert die Diskrimination derjenigen Reize, die während des Traumas vorhanden zugegen waren und das Erlernen der bedingten Wahrscheinlichkeit, wann Reize eine Gefahr darstellen. Die dritte Annahme der Störungstheorie ist das starke priming, d.h. eine starke Form des impliziten Gedächtnisses. Die Reizfigurationen, die schon einmal wahrgenommen wurden, haben eine niedrigere Wahrnehmungsschwelle. Deswegen werden Reize, die ein intrusives Wiedererleben auslösen können, leichter wahrgenommen als andere. Eine vage Ähnlichkeit der Reize kann dazu führen, dass ein Reiz als derjenige wahrgenommen wird, der während des Traumas zugegen war. Es kommt demnach zu einer schlechten Reizdiskrimination. 18
8.2 Dysfunktionale Verhaltensweisen und kognitive Verarbeitungsstile
Es kommt zu Verhaltensweisen und Verarbeitungsstile, die meist kontraproduktiv gegen eine Inklusion des traumatischen Ereignisses wirken. Viele Betroffene erzeugen selbst die Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung, obwohl sie denen entgegenwirken wollen. Bei dem Versuch, die Gedanken an das traumatische Ereignis zu unterdrücken, entsteht meist der paradoxe Effekt, dass die Häufigkeit der ungewollten Erinnerungen zunimmt. Verhaltensweisen, die Symptome kontrollieren sollen, wie z.B. das späte Zu-Bett-gehen, um eventuelle Albträume zu verhindern, können jedoch andere Symptome verschlimmern, wie in diesem Fall eine Konzentrationsschwäche. Durch ein erhöhtes Sicherheitsverhalten, also das Vermeiden von bestimmten Situationen, z.B. das Autofahren bei vorangegangenem Verkehrsunfall, verhindert eine Veränderung der negativen Interpretation des Traumas und seiner Folgen. Sie verhindern die Überprüfung der Annahme, dass es passieren wird, wenn sie eine bestimmte Situation zulassen. Des Weiteren wird oft eine Elaboration des Trauma-Gedächtnisses durch die kognitive Vermeidung von traumarelevanten Gedanken und Reizen. Es kann zum Missbrauch von Alkohol oder Medikamenten kommen. 19
18 Anke Ehlers, Posttraumatische Belastungsstörung, Hogrefe, Verlag für Psychologie, Göttingen,
Bern, Toronto, Seattle,S.18
19 Anke Ehlers, Posttraumatische Belastungsstörung, Hogrefe, Verlag für Psychologie, Göttingen,
Bern, Toronto, Seattle, S.19
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9. Therapie
9.1 Integrative Traumatherapie
Ziel einer Therapie der Posttraumatischen Belastungsstörung ist es stets, die traumatische Erfahrung und die damit verbundene bedrohliche Veränderung in ein Leben nach dem Trauma zu integrieren. Bei der Auswahl der Methoden zum Erreichen dieses Ziels gibt es verschiedene Ansätze und keine allgemein gültige Lösung. Ich möchte komprimiert 3 Ansätze vorstellen, die sich zwar in ihren Inhalten ähneln, jedoch unterschiedliche Prioritäten setzen.
Die integrative Traumatherapie, von Butollo, Krüsmann und Hagl beschrieben, ist in vier Ebenen unterteilt: Sicherheit, Stabilität, Konfrontation und Integration. Diese vier Ebenen sind hierarchisch aufgebaut, d.h. erst wenn dem Patienten genügend Sicherheit und Stabilität vermittelt werden konnte, kann eine Konfrontation und spätere Integration angestrebt werden. Um dem Patienten Sicherheit zu vermitteln, muss die Gewissheit gestärkt werden, dass es keine tatsächliche Bedrohung gibt. Bestehende Sicherheiten sollen wahrgenommen und verfestigt werden, wie z.B. die Anwesenheit des Lebenspartners. Vermeidungsverhalten soll erkannt werden und durch gestalttherapeutische Methoden, wie z.B. Rollenspiele, Gestaltdialoge oder Phantasiereisen reduziert werden. Die Priorität bei dieser ersten Ebene ist es, eine therapeutische Beziehung aufzubauen und durch das therapeutische Setting eine Atmosphäre zu schaffen, die es dem Patienten ermöglicht, sich ohne Scham mitzuteilen. In der zweiten Ebene wird auf die psychische Stabilität des Patienten eingegangen; auf seine Selbstwahrnehmung in der zwischenmenschlichen Beziehung und seine Selbstakzeptanz, welche Grenzen er hat und wie sie aktiviert werden können. In der Konfrontationsebene steht die Aktivierung früherer Lebensinhalte im Vordergrund, wie verlorene Kontakte oder Freizeitaktivitäten. Die emotionale und kognitive Arbeit an der Wirkung des Traumas beginnt, die Symptome der PTBS werden besprochen. In der letzten Eben der Integration wird eine Annahme der Veränderungen, die das traumatische Erlebnis mit sich gebracht hat und des Traumas selbst erzielt. Durch gestalttherapeutische Methoden wird in allen Ebenen versucht, die genannten Ziele zu erreichen, wie z.B. ein Ich-Du-Dialog 20
20 Der Religionsphilosoph Martin Bubers (8. Februar 1878 in Wien; † 13. Juni 1965 in Jerusalem) führte den Begriff der „dialogischen Haltung“ ein. Er unterscheidet zwischen dem Handeln aus einer
Ich-Es-Haltung, die sachlich und auf ein Objekt bezogen ist und dem Handeln aus einer Ich-Du-
Haltung, die auf gleicher Ebene und individuell auf das Gegenüber abgestimmt ist.
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mit dem Trauma, der eine Hinwendung zum traumatischen Ereignis auf gleicher Ebene bezweckt. Diese integrative Traumatherapie setzt die Priorität verstärkt auf die Reaktivierung von sozialen Ressourcen und der Stärkung des Selbstbilds und weniger auf die konkrete Arbeit an dem traumatischen Ereignis. 21
9.2 Begleitetes Wiedererleben als Therapie
Ganz im Gegensatz dazu beschreibt Siegfried Petry einen stark traumabezogenen Ansatz des Begleiteten Wiedererlebens als Therapie. Er geht davon aus, dass das traumatische Geschehen im Gedächtnis auf eine bestimmte Art aufgezeichnet bzw. kodiert wurde. Diese Kodierung nennt er das Protokoll des traumatischen Ereignisses. In seiner Therapie geht es nun darum, durch konkretes und gesteuertes Wiedererleben dieses Protokoll aufzulösen. Dabei lässt er den Patienten die Augen schließen und das traumatische Ereignis so detailliert wie möglich zu beschreiben. Wenn er merkt, dass der Patient bestimmte Fakten ungenau ausdrückt oder versucht zu umgehen, hakt er hier besonders ausführlich auch und bittet den Patienten genau diesen Aspekt des Traumas zu wiederholen. Nach einigen Durchgängen kommt es zum Wiedererleben der traumatischen Situation, der Patient hat intrusive Gedankenbilder, wie Geräusche, Bilder oder Gerüche. Nachdem dieses Wiedererleben ebenfalls mehrmals wiederholt wurde und weniger belastende Details in den Erzählungen des Patienten immer mehr verschwinden, kommt es zur Auflösung des Protokolls. Der Patient konnte den Kern seines traumatischen Ereignisses erkennen und durch das gezielte Wiedererleben das Protokoll der Angst und der Vermeidung auflösen. Oftmals rücken während dieses Wiedererlebens frühere Geschehnisse in den Vordergrund in deren Verknüpfung dass gegenwärtige Trauma steht. Siegried Petry beschreibt ein Beispiel einer 32-jährigen Frau, der eine Posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert wurde aufgrund eines Klinikschocks, den sie bei der Geburt ihres Kindes erlitt und der auch 4 Monate nach der Geburt die Beziehung zu ihrer Tochter beeinträchtigt. Sie war mit der Berücksichtigung ihrer Wünsche während der Geburt sehr unzufrieden und fühlte sich, nachdem eine Krankenschwester das Aufrichten ihres Körpers verhinderte und sie zurück ins Bett drückte, „vergewaltigt“. Nach 4 Sitzungen war das Protokoll
21 Willi Butollo, Marion Krüsmann, Maria Hagl, Leben nach dem Trauma- Über den therapeutischen
Umgang mit dem Entsetzen, Leben lernen 125, J. Pfeiffer Verlag, München
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aufgelöst und „(…) spontan wiedererlebt Wiltrud nun noch ein Geschehen aus ihrer Kindheit: sie wird von einem Bäcker (…)oral vergewaltigt. Wir bearbeiten dieses Trauma und noch geringfügigere, die aber alle mit körperlichen Übergriffen zu tun hatten, und beenden die Behandlung nach 11 Sitzungen. Wiltrud ist von ihren Beschwerden befreit, das Verhältnis zu ihrer Tochter bessert sich in kurzer Zeit entscheidend.“ 22 Bei seinem gesamten Ansatz beschränkt sich Petry meiner Meinung nach sehr auf das Trauma als Ereignis und weniger als subjektiv komplex Erlebtes. Seine Therapie setzt sich weder mit den sozialen Folgen eines traumatischen Erlebnisses auseinander noch mit dem gestörten Selbstbild eines Betroffenen. Er sieht die Auflösung des Protokolls als Ursache des gesamten Krankheitsbilds und geht auf Vermeidungsverhalten oder emotionale Taubheit nicht ein. Des Weiteren erklärt er nicht ausreichend den Zusammenhang zwischen den Triggern (Auslösern) und dem Wiedererleben, so dass ein Patient die auslösenden Faktoren seiner intrusiven Erinnerungen nicht kennt. Ich denke, Petry rückt das traumatische Erlebnis an sich zu sehr in den Mittelpunkt ohne seine Folgen hinreichend zu berücksichtigen. Das Krankheitsbild der Posttraumatischen Belastungsstörung ist meiner Meinung nach zu komplex, um es durch das alleinige begleitete Wiedererleben zu behandeln.
9.3 Therapieansatz nach Anke Ehlers
Der dritte Therapieansatz, den ich vorstellen möchte, stammt von Anke Ehlers. Ziele der Behandlung sind es, das Traumagedächtnis zu elaborieren und in seinen Kontext einzuordnen, um intrusives Wiedererleben zu reduzieren. Problematische Interpretationen des Traumas und seiner Konsequenzen, die ein Gefühl der aktuellen Bedrohung hervorrufen, müssen geändert werden. Außerdem sollen dysfunktionale Verhaltensweisen und kognitive Strategien aufgegeben werden, mit denen wahrgenommene Bedrohungen zu kontrollieren versucht werden. In einer ersten Sitzung nennt der Patient die belastenden Symptome und seine Ziele für die Behandlung. Dann folgt ein Experiment zur Gedankenunterdrückung. Der Therapeut stellt folgende Aufgabe: „ Ich würde gern ein kleines Experiment mit Ihnen machen…Sie können in den nächsten paar Minuten an alles Mögliche denken, woran Sie nur wollen. Nur an eine Sache dürfen Sie auf keinen Fall denken...Es ist
22 Siegfried Petry, Erlebnisgedächtnis und Posttraumatische Störungen, Begleitetes Wiedererleben als
Therapie, S. 144
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ganz wichtig, dass Sie an eine Sache nicht denken…Und diese Sache ist…ein leuchtend grünes Kaninchen, das an meinen Haaren knabbert…Nun: Wie ist es Ihnen gelungen?“ Die Patienten beschreiben häufig, dass sie nun genau dieses absurde Kaninchen unaufhörlich gesehen hätten. „Es ist verblüffend, vielleicht kann man nicht nicht an etwas denken.“ 23 Sagt ein Patient. Dieses Experiment bietet einen guten Einstieg, um über die verschiedenen Vermeidungsstrategien von Patienten zu sprechen. Der Therapeut gibt die Anweisung, Intrusionen kommen und gehen zu lassen und sich nicht dagegen zu wehren. Des Weiteren werden verlorene Kontakte und Aktivitäten besprochen und als Hausaufgabe die neue Kontaktierung und Ausübung gegeben. Am Ende der Sitzung wird ein individuelles Modell der Krankheit erstellt, wo Symptome, Vermeidungsstrategien und erwünschte Ziele für die Behandlung aufgelistet sind. Ab der zweiten Sitzung soll eine kognitive Umstrukturierung durch das imaginative Nacherleben der traumatischen Situation erreicht werden. Nach diesem Nacherleben wird mit Hilfe eines Fragebogens die Belastung der nacherlebenden Person und die gefühlte Lebhaftigkeit der Situation auf eine Skala von 0 bis 100 abgefragt. Eine Therapie kann dann beendet werden, wenn kein intrusives Wiedererleben vorkommt und das Vermeidungsverhalten weitestgehend eingestellt wurde. Wenn der Patient ein imaginäres Wiedererleben ohne starke Belastung (also nach Selbsteinschätzung unter 20 Punkten der Skala) durchführen kann, ist eine Therapie erfolgreich beendet. Die Erfolgsquote liegt bei 80-90 % und eine Abbruchquote bei 5%.
Dieser Therapieansatz von Anke Ehlers bezieht sowohl die anfängliche Stabilisierung und Sicherheit des Patienten als auch die direkte Arbeit mit dem traumatischen Erlebnis ein. Sie beachtet die Komplexität und Auswirkungen des Traumas auf das soziale Leben des Patienten und ermöglicht ihm so nach der Therapie eine Sicherheit auch außerhalb der Sitzungen. Im Gegensatz zu den zwei anderen Ansätzen, setzt dieser am Individuum an und erstellt einen eigenen Plan der Therapie auf den Betroffenen abgestimmt. Somit ist diese Therapieform meiner Meinung nach die am meisten Erfolg versprechende.
23 Anke Ehlers, Posttraumatische Belastungsstörung, Hogrefe, Verlag für Psychologie, Göttingen,
Bern, Toronto, Seattle, S.34
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10. Bedeutung für die Soziale Arbeit
Nach ausführlicher Darstellung des Krankheitsbilds der Posttraumatischen Belastungsstörung ist festzustellen, dass diese Krankheit lange Zeit verleugnet wurde und Betroffene mit ihren Symptomen nicht ernst genommen wurden. Wenn jedoch frühzeitig eine Therapie eingeleitet wird, können Symptome eingedämmt werden. Deshalb ist es wichtig, sie als eigenständige Krankheit wahrzunehmen. Gerade für Sozialpädagogen und Sozialarbeiter ist es wichtig, Anzeichen einer Posttraumatischen Belastungsstörung zu erkennen und den Klienten zu einer Therapie zu verhelfen. Insbesondere im Arbeitsfeld der Sozialen Arbeit haben Klienten häufiger traumatische Erlebnisse erfahren, wie z.B. sexuellen Missbrauch, Vergewaltigungen oder häusliche Gewalt. Eine mögliche Therapie und die Überwindung der belastenden Symptome, wie das ungewollte Wiedererleben, bedeuten für viele Klienten den Anfang eines neuen Lebens, die Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit oder neu verspürte Lebenslust. Das Wissen, dass nicht pädagogisches Einwirken, sondern professionelle psychologische Hilfe bei einem Klienten mit PTBS von Nöten ist, sollte daher als Grundlage angenommen werden.
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Literaturverzeichnis
Siegfried Petry, Erlebnisgedächtnis und Posttraumatische Störungen, Begleitetes Wiedererleben als Therapie, J. Pfeiffer Verlag, München
Anke Ehlers, Posttraumatische Belastungsstörung, Hogrefe, Verlag für Psychologie, Göttingen, Bern, Toronto, Seattle
Gottfried Fischer, Peter Riedesser, Lehrbuch der Psychotraumatologie, 3. Auflage, Ernst Reinhardt Verlag München Basel
Willi Butollo, Marion Krüsmann, Maria Hagl, Leben nach dem Trauma- Über den therapeutischen Umgang mit dem Entsetzen, Leben lernen 125, J. Pfeiffer Verlag, München
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http://www.dimdi.de/dynamic/de/klassi/diagnosen/icd10/htmlamtl2006/fr-icd.htm, 03.01.08, 10:03
http://www.gestalttherapie-lexikon.de/gestalttherapie.htm, 03.01.08, 15:45
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Arbeit zitieren:
Julia Hermenau, 2008, Posttraumatische Belastungsstörung, München, GRIN Verlag GmbH
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