Inhalt
Einleitung 3
1. Teilnehmer mit Migrationshintergrund in der Erwachsenenbildung 3
1.1 Bildungsbedürfnisse Erwachsener mit Migrationshintergrund und Kursangebote 3
1.2 Statistische Dokumentation der EB-Beteiligung von TN mit Migrationshintergrund 7
2. Didaktische Prinzipien 10
2.1 Die didaktischen Prinzipien nach Siebert - ein Überblick 11
2.2 Didaktische Prinzipien in der Arbeit mit TN mit Migrationshintergrund 14
3. Pädagogik kollektiver Zugehörigkeiten - ein interkulturelles Konzept 16
3.1 Skizze des Konzepts der Pädagogik kollektiver Zugehörigkeiten 17
4. Schlussbemerkung 22
5. Literatur 24
2
Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Rolle von Teilnehmern (TN) mit Migrationshintergrund in der Erwachsenenbildung (EB). Dabei möchte sie dem Leser in einem ersten Kapitel helfen, sich einen groben Überblick darüber zu verschaffen, welche Bedürfnisse TN mit Migrationshintergrund im Hinblick auf EB haben, wie hoch ihre Beteiligungsquote ist und welche Kurse speziell für sie angeboten werden. Anschließend geht das zweite Kapitel auf die vier didaktischen Prinzipien nach Horst Siebert - Inhaltlichkeit, Lernziel-, Teilnehmer- und Zielgruppenorientierung - ein. Diese werden zunächst kurz referiert, ehe dann ihre Anwendbarkeit in Bezug auf die Arbeit mit TN mit Migrationshintergrund überprüft und kritisch hinterfragt werden soll. Das dritte Kapitel stellt in einem ersten Schritt exemplarisch für Konzepte interkultureller Pädagogik Arnd-Michael Nohls Pädagogik kollektiver Zugehörigkeiten knapp vor, welche im Anschluss unter Berücksichtigung der in den beiden vorhergehenden Kapiteln gewonnenen Erkenntnisse reflektiert und bewertet werden soll.
1. Teilnehmer mit Migrationshintergrund in der Erwachsenenbildung
Spätestens seit der Nachkriegszeit und der damit verbundenen Gastarbeiteranwerbung stellen Einwohner mit Migrationshintergrund einen beträchtlichen Teil der deutschen Gesellschaft dar. Doch noch heute ist es augenscheinlich, dass von gelungener Integration größerer Immigrantengruppen nur im Einzelfall die Rede sein kann. Einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung dieses Zustandes könnte - so möchte man meinen - die Erwachsenenbildung leisten. Jedoch nehmen Personen mit Migrationshintergrund nur selten an dieser teil. Welche Bildungsbedürfnisse haben erwachsene Immigranten? Welcher Art sind die Kurse, die ihnen angeboten werden? Und wie ist ihre Beteiligung an EB statistisch dokumentiert? Dies sind die zentralen Fragen, denen sich in diesem Kapitel gewidmet werden soll.
1.1 Bildungsbedürfnisse Erwachsener mit Migrationshintergrund und Kursangebote Zahlreiche Ansätze für die Erwachsenenbildung, die Arbeit mit Migranten aufzunehmen, scheinen auf der Hand zu liegen. So stellen die berufliche Aus- oder Weiterbildung, das Verbessern sprachlicher Kompetenzen oder gar der Ersterwerb von Deutsch als Fremdsprache wichtige Handlungsfelder dar. Auch Integrationsarbeit auf politischer, religiöser, kultureller oder sozialer Ebene ist vonnöten. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass Integration umso
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besser gelingt, je höher das Bildungsniveau der Migranten ist 1 und im Umkehrschluss also Integrationsprozesse durch Bildungsarbeit gefördert werden können. Verschiedenen Berichten und Studien zufolge, war in Deutschland im Jahr 2005 „die Quote der Arbeitslosigkeit und des Bezuges von Sozialhilfe [für Migranten] doppelt, bzw. dreimal so hoch wie für die deutsche Bevölkerung“ 2 . Insbesondere sind auch jugendliche Migranten von Arbeitslosigkeit betroffen: „Neben den durchschnittlich schlechteren Schulabschlüssen führen auch Sprachdefizite von jungen Menschen mit Migrationshintergrund dazu, das diese keine Ausbildungsplätze erhalten“ 3 . Hier ist die Erwachsenenbildung gefragt. Ihre Aufgabe fängt schon bei Kursen zum Nachholen von Schulabschlüssen und zur Aufbesserung sprachlicher Fähigkeiten an, die sich speziell an arbeitslose Jugendliche mit Migrationshintergrund richten können. Darüber hinaus sollten im Rahmen der beruflichen Weiterbildung auch solche Migranten gefördert werden, die zwar eine Ausbildung abgeschlossen haben bzw. sich in dieser befinden, jedoch im Anschluss daran keinen Job gefunden haben bzw. aufgrund sprachlicher oder integrativer Probleme das Ziel einer erfolgreichen Ausbildung zu verfehlen drohen. Berufliche Weiterbildung kann weiterhin auch darauf abzielen, die erwähnten, im Durchschnitt schwächeren Schulabschlüsse der Migranten durch den Erwerb von Zusatzqualifikationen auszugleichen. Besondere Fähigkeiten wie interkulturelle Kompetenz oder Mehrsprachigkeit können so gefördert werden, um sie im Berufsalltag gewinnbringend einzusetzen.
Auch Personen, die neu nach Deutschland kommen, hier berufliche Tätigkeiten anstreben, aber nur über rudimentäre oder gar keine Sprachkenntnisse verfügen, zählen zur Zielgruppe der Erwachsenenbildung. „Deutsch als Fremdsprache“ stellt ein breites Betätigungsfeld für Erwachsenenbildner dar. Abgesehen von der Vermittlung der deutschen Sprache im Ausland, bieten auch die verschiedensten inländischen Anbieter immer wieder Deutschkurse für unterschiedliche ausländische Zielgruppen an, wie nicht nur ein Blick in die Rubrik „Stellenangebote“ 4 des „Internet-Service für den Unterricht Deutsch als Fremdsprache“ verrät. Dabei ist nicht bloß der reine Ersterwerb der Sprache, sondern auch die Vertiefung in einzelnen Teilbereichen wie etwa „Wirtschaftsdeutsch“ gefragt. Da - wie eingangs erwähnt - die Annahme gilt, dass ein höheres Bildungsniveau die Integration erleichtert, sind aber auch alle anderen Bereiche der Erwachsenenbildung gefragt, spezielle Angebote für Ausländer zu schaffen. Dabei können sowohl kulturell, politisch oder sozial, als auch religiös oder sprachlich orientierte Kurse eine Rolle spielen. Weiterhin
1 vgl. http://www.sinus-sociovision.de/Download/Zentrale_Ergebnisse_16102007.pdf , S.2. [Stand: 31.10.2007]
2 http://www.migrationsrecht.net/nachrichten-wirtschaft-arbeit-und-soziales/158-armut-migranten-fluechtlinge-
sozialhilfe-arbeitslosigkeitder-2.-armutsun.html [Stand: 31.10.2007]
3 ebd.
4 http://www.deutsch-als-fremdsprache.de/austausch/forum/list.php?6 [Stand: 03.11.2007]
4
können diese, je nach Situation, sowohl homogen nur aus Migranten derselben Staatsangehörigkeit, als auch heterogen aus Migranten unterschiedlicher Herkunft oder auch aus Migranten und Inländern zusammengesetzt sein.
Die „Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke in der Bundesrepublik Deutschland“ weist in ihrem „Info-Blatt: Migration und Integration“ 5 beispielsweise auf ihre Aktivitäten zur politische Bildung von Migranten hin: „Demokratiepraxis, Partizipation und aktive Bürgerschaft sind wichtige Themen, auch die Situation der Arbeitsgesellschaft und interkulturelle und interreligiöse Fragen kommen zu Sprache“ 6 . Aus einer Expertise der Bundeszentrale für politische Bildung, in welcher „erstmals eine Vielzahl von politischen Bildungsmaßnahmen für unterschiedliche Migrantengruppen“ 7 evaluiert wird, geht hervor, dass 96% aller Volkshochschulkurse für Ausländer im Jahre 2003 Sprachkurse waren. „Nur 1,3% der Kurse mit der Zielgruppe der Ausländer entfiel 2003 auf den Programmbereich „Politik - Gesellschaft - Umwelt“, der auch Angebote zur politischen Bildung beinhaltet“ 8 . Trotz dieser geringen Quote sind nach offizieller Ansicht der Volkshochschulen aber
„für eine dauerhafte Integration - neben der Klärung von Fragen der unmittelbaren Lebensbewältigung - auch Kenntnisse über gesellschaftliche Strukturen und Prozesse (Geschichte und (Kultur-)Geografie des BRD, Aufbau des parlamentarischen Systems, Partizipationsmöglichkeiten, Stellung in der Europäischen Union, Migrationsprozess, etc.) ebenso wie Wissen über rechtliche Normen (Pflichten und Rechte der Staatsbürger, Arbeitsrecht) unabdingbar. Hinzu kommen die Kenntnis kultureller Leistungen und das Bewusstsein bzw. die Sicherheit sich mit den eigenen Fähigkeiten, Kenntnissen und Erfahrungen in kulturelle und politische Abläufe einbringen zu können“ 9 .
Neben den allgemeinen Angeboten zur politischen Bildung von Volkshochschulen, kirchlichen oder gewerkschaftlichen Trägern werden in der Expertise auch spezialisierte Angebote für Migranten oder auch Aussiedler beschrieben. Aus den Programmheften des „Institut für Migrations- und Aussiedlerfragen Heimvolkshochschule St. Hedwigshaus
5 http://www.aksb.de/upload/dateien/InformationenMigration2farbig.pdf [Stand: 03.11.2007]
6 ebd., S.1
7 http://www.bpb.de/veranstaltungen/V3I05W,0,0,Politische_Bildung_f%FCr_Migranten.html [Stand:
03.11.2007]
8 zit. n. Reiter Stefanie/Wolf, Richard: Maßnahmen zur politischen Bildung für
Migranten und Migrantinnen. Expertise für die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb).
http://www.bpb.de/files/2AELAY.pdf , S.18 [Stand: 03.11.2007]
9 ebd.
5
e.V.“ werden etwa die Seminarthemen „• Partizipation in der Kommune • Demokratie lernen • Europa kennen lernen
• Beheimatung: Integration fördern - Zuwanderung gestalten • Soziale Strukturen und Gesetze • Dialog zwischen den Kulturen und Religionen • Ehrenamtliche Arbeit auf kommunaler Ebene • Deutschland - neue Heimat? • Integration durch interkulturelle Kompetenz • Die neue Arbeitswelt als Herausforderung für Zugewanderte“ 10 zitiert.
Das „Internationale Begegnungszentrum Friedenshaus“ in Bielefeld verfolgt „bewusst die Strategie, bevorzugt Referentinnen mit Migrationshintergrund einzusetzen, da diese die Zielgruppen aufgrund ihrer Bekanntheit und größeren Glaubwürdigkeit leichter erreichen“ 11 . So sollen Barrieren abgebaut werden, die der Inanspruchnahme von Erwachsenen - bzw. Weiterbildung durch Migranten im Weg stehen können. Dieser Taktik bedienen sich auch zahlreiche weitere Institutionen bzw. Träger.
Seit dem 1.Januar 2005 gilt ein neues Zuwanderungsgesetz, welches in den Paragraphen 43-45 gesetzliche Bestimmungen zur Einführung von Integrationskursen enthält. Diese sollen systematische Integrationspolitik ermöglichen. Es gelten exakt festgelegte
Rahmenbedingungen, welche die Ziele und formalen Grundlagen der Integrationskurse bestimmen.
„Ziel des Integrationskurses für Zuwanderinnen und Zuwanderer ist der Erwerb ausreichender Kenntnisse der deutschen Sprache und die Vermittlung von Alltagswissen sowie von Kenntnissen der Rechtsordnung, der Kultur und der Geschichte in Deutschland, insbesondere auch der Werte des demokratischen Staatswesens der Bundesrepublik Deutschland und der Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit, Gleichberechtigung, Toleranz und Religionsfreiheit“ 12 .
10 zit. n. ebd., S.24, f.
11 zit. n. ebd., S.28
12 http://www.jum.baden-wuerttemberg.de/servlet/PB/menu/1204374/index.html?ROOT=1153239 [Stand:
03.11.2007]
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In Bezug auf die Trägerschaft dienen die Integrationsgesetze vor allem der besseren Abstimmung zwischen Angeboten von Bund, Länder und Kommunen. Freie, gewerkschaftliche und kirchliche Träger sind ebenso eingebunden wie Verbände. Hinsichtlich spezieller religiöser Bildung für Migranten finden sich kaum explizite Angebote. Vielmehr wird sie zumeist als Teilgebiet politischer Bildung angesehen und stellt oftmals einen Themenbereich innerhalb politischer oder integrativer Kurse dar. Dabei soll insbesondere der interreligiöse bzw. interkulturelle Dialog im Mittelpunkt stehen. Selbstverständlich erhebt diese Aufzählung von Angeboten keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern möchte lediglich einen exemplarischen Überblick über die Struktur der Erwachsenenbildung für Personen mit Migrationshintergrund in Deutschland geben.
1.2 Statistische Dokumentation der EB-Beteiligung von TN mit Migrationshintergrund „Wie in keinem anderen Bildungsbereich sind die Quellen für statistische Informationen zur Weiterbildung vielfältig und zerstreut. Sie beziehen sich auf die Teilnahme von Lernenden wie auf Leistungen von Einrichtungen, die Weiterbildung organisieren“ 13 heißt es auf der Homepage des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE). Dennoch soll an dieser Stelle der Versuch unternommen werden, einen Überblick über die Entwicklung und den aktuellen Stand der Dinge in Bezug auf die Beteiligung von TN mit Migrationshintergrund in der Erwachsenenbildung zu schaffen.
Eine wichtige Quelle stellt dabei der Verbund Weiterbildungsstatistik bereit. Ihm gehören mehrere Bundesorganisationen an, welche in Zusammenarbeit mit dem DIE derzeit den Aufbau einer gemeinsamen statistischen Übersicht zur Weiterbildung betreiben. Neben dem Deutschen Volkshochschul-Verband (DVV), der seit 1962 Volkshochschul-Statistiken publiziert, gehören dem Verbund „seit 2000 der Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten (AdB), der Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben (BAK AL), die Deutsche evangelische Arbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung (DEAE) und die Katholische
Bundesarbeitsgemeinschaft für Erwachsenenbildung (KBE)“ 14 an. Für das Jahr 2005 gibt der Verbund an, dass 15% aller an spezielle Zielgruppen gerichteten Veranstaltungen für Aussiedler/-innen bzw. Migranten durchgeführt wurden 15 . Dies entspricht einer Gesamtzahl von 16.750 Veranstaltungen 16 Auffällig ist dabei, dass für das Land Bayern keine Angaben gemacht werden können. In allen anderen Bundesländern betrafen mindestens 8% aller Veranstaltungen für Zielgruppen Aussiedler/-innen und Migranten. Die höchste absolute Zahl
13 http://www.die-bonn.de/service/statistik/index.asp [Stand: 14.11.2007]
14 ebd.
15 vgl. Ambos, Ingrid/Weiland, Meike: Weiterbildungsstatistik im Verbund 2005 - Kompakt. http://www.die-
bonn.de/doks/weiland0701.pdf, S.41 [Stand: 14.11.2007]
16 vgl. ebd., S.66
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Arbeit zitieren:
Florian Reifenrath, 2007, Teilnehmer mit Migrationshintergrund in der Erwachsenenbildung – didaktische Prinzipien und pädagogische Konzepte in Theorie und Praxis, München, GRIN Verlag GmbH
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