Inhaltsverzeichnis
1 Leistungsstruktur im Sportspiel 3
2 Leistungsstruktur im Handball 7
2.1 Spezifische Merkmale des Handballspiels 7
2.1.1 Technisch-taktischer Faktor 7
2.1.1.1 Technik. 7
2.1.1.2 Individuelle und kollektive Taktik 9
2.1.2 Allgemeine und spezielle koordinative Faktoren. 16
2.1.3 Konditionelle Faktoren. 19
2.1.3.1 Allgemeine konditionelle Fähigkeiten 20
2.1.3.2 Semispezifische konditionelle Fähigkeiten 21
2.1.3.3 Spezifische konditionelle Fähigkeiten 23
2.1.4 Konstitutioneller Faktor 25
3 Leistungserfassung in Training und Wettkampf 26
3.1 Bedeutung der Leistungserfassung. 26
3.2 Test- und Prüfverfahren 27
3.2.1 Grundsätzliches zur Leistungsdiagnostik. 28
3.2.2 Tests im Training 30
3.2.2.1 Test zur Technikkontrolle 31
3.2.2.2 Test zu Spiel- und Taktikanalyse 32
3.2.2.3 Koordinative Tests 33
3.2.2.4 Konditionelle Tests 37
3.2.3 Leistungserfassung im Wettkampf. 39
3.2.3.1 Test zur Spiel-/Wettkampfanalyse 39
4 Quellen- und Literaturverzeichnis. 43
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1 Leistungsstruktur im Sportspiel
Das Sportspiel ist gekennzeichnet durch ein komplexes Bedingungsgefüge, welches zur fachgerechten Bestimmung der Leistungsstruktur in dem jeweiligen Sportspiel unbedingt einer Modellierung der individuellen und kollektiven Leistungsstruktur unterzogen werden muss.
Zunächst erfolgt eine Beschreibung und Analyse der komplexen Sportspielleistung der gesamten Mannschaft, ehe die individuelle Spielleistung als Relationsgröße eine differenzierte und präzisere Aufgliederung der erbrachten Leistung aufzeigt. Nach HAGEDORN (1972) hat somit jede Leistung im Sportspiel zwei Dimensionen: • Individuelle Dimension • Kollektive Dimension
„Die individuelle Dimension bezeichnet den Stellenwert der Einzelleistung im Zusammenspiel der Gruppe, sie vergleicht Einzelleistung mit Einzelleistung. Die kollektive Dimension misst die Gesamtleistung einer Gruppe oder Mannschaft als die Mannschaftsleistung, d.h. in einer bestimmten Leistungssituation im Vergleich zum Spielgegner und seiner Position im nationalen oder internationalen Gesamtklassement.“ (vgl. HAGEDORN 1972)
Die zwei Dimensionen stehen im unmittelbaren abhängigen Zusammenhang zueinander. Man kann sagen, dass die komplexe kollektive Spielleistung aus der Summe der komplexen Einzelleistungen der Spieler besteht.
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Abb.1: Strukturmodell der Dimensionierung und Hierarchisierung der komplexen
Mannschaftsleistung (BRACK/HOHMANN 1983, 9)
Die Dimensionierung der Mannschaftsleistung behandelt die • kollektive Spielleistungsstruktur • Personenstruktur • Spielsteuerungsstruktur (nach BRACK 1983; aus Leistungssport 1983/2, 7)
kollektive Sportspielleistungsstruktur
Das Interesse gilt hierbei der Analyse der Leistung von verschiedenen Spielergruppen bzw. Teilleistungen der gesamten Mannschaft, die auf Grund vorher erfolgter individueller Spielhandlungen entstanden sind. Zu beachten ist die Kategorisierung der Leistung (individuell, partiell-kollektiv, total-kollektiv). Spielsequenzen bilden somit die Grundlage von kollektiven bzw. individuellen Handlungen. Für bestimmte Niveauklassen lassen sich
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charakteristische Spielverläufe und die daraus resultierenden Spielweisen in sich ändernden Spielsequenzen beobachten. Die kollektiven oder individuellen Handlungen sind demnach stark leistungsbestimmend.
Personenstruktur
Da jedes Mannschaftsmitglied unterschiedliche individuelle Fähigkeiten und Charaktereigenschaften sowie eine eigene Persönlichkeit besitzt, ist es zwingend notwendig diese sinnvoll und koordiniert zum Einsatz zu bringen. Nur ein optimales Zusammenwirken der spezifischen Ausprägungen der individuellen Spielerleistungen kann zu einer erfolgreichen Mannschaftsleistung führen.
KRAUS (1976) klassifiziert Spielertypen im Zusammenhang mit der Synthese der Mannschaftsstruktur wie folgt: • Funktionsspezialisierung • Positionsspezialisierung
• Zusammensetzung der Mannschaft nach psychischen Werten.
Spielsteuerungsstruktur
Die Struktur der Spielsteuerung betrachtet den Einflussaspekt auf die Mannschaftsleistung, den ein Trainer durch bestimmte Maßnahmen erzielen kann. In der Regel handelt es sich hierbei um Spielerwechsel und die Verteilung der Einsatzzeiten der Spieler. Zur Beurteilung der möglichen Leistungswirksamkeit bzw. Leistungsfähigkeit dieser Handlungen, muss der Trainer gleichzeitig die Personenstruktur berücksichtigen. Die momentane Leistungsfähigkeit des einzelnen Spielers und dessen positionsspezifische Funktionalität müssen Beachtung bei der Entscheidung zur möglichen Maßnahme finden.
„Die Hierarchisierung führt zu einem Pyramidenmodell des Bedingungsgefüges der Sportspielleistung. Die vertikale Gliederung der Leistungsstruktur richtet sich nach der Komplexität der Leistungsfaktoren und vor allem, ob die Spielleistung direkt oder indirekt beeinflusst wird. Die Differenzierung in direkt bzw. indirekt leistungsbestimmend, die modellbezogen und damit relativ ist, ermöglicht eine erste Unterscheidung der relevanten Faktoren auf folgenden Erklärungsebenen: Spielwirksamkeit, Spielfähigkeit,
Leistungsvorrausetzungen und externe Faktoren.“ ( BRACK 1983; aus Leistungssport 1983/2, 10)
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Abb.2 : Hierarchisches Strukturmodell der komplexen individuellen Sportspielleistung (mod.
nach HOHMANN/BRACK 1983, 99)
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2 Leistungsstruktur im Handball
2.1 Spezifische Merkmale des Handballspiels
Die allgemeinen Kennzeichnungen der Leistungsstruktur der komplexen individuellen Sportspielleistung (vgl. Abb.2) treffen für Handball grundsätzlich zu. Die wichtigsten Merkmale sind:
• Symmetrie zwischen Angriff und Verteidigung, Spielgedanke ist auf Angriff ausgelegt,
• wechselnde Spielbedingungen und Positionswechsel erfordern universelle Ausbildung und Spezialisierung auf hohem Niveau,
• hohe Anforderungen an physische Belastbarkeit und Verhaltensflexibilität auf Grund von Gegnerkontakt,
• Spielhandlungen werden im Ergebnis und der technischen Ausführung vom Schiedsrichter bewertet, nicht die Richtigkeit des technischen Ablaufes sondern Güte der situativen Entscheidung im Vordergrund,
• hohe Anforderungen an möglichst perfekte Technik, Handlungsschnelligkeit und Handlungsgenauigkeit (Präzision) wegen der Störung durch den Gegner, • Trainer hat Möglichkeit auf Spielverlauf durch Auswechslungen und Auszeiten Einfluss zu nehmen,
• Angriff im Handball gekennzeichnet durch individuelle Handlungen als Auslöser für partiell-kollektiv oder total-kollektive Handlungsfolgen, sowie spieltaktischer Positionssysteme und Positionswechsel
• Abwehr im Handball gekennzeichnet durch das Ausführen verschiedener taktischer Positionssysteme und aktives Stören der gegnerischen angreifenden Mannschaft
2.1.1 Technisch-taktischer Faktor
2.1.1.1 Technik
Die Technik im Handball umfasst erprobte, zweckmäßige und effektive Bewegungen, um Spielsituationen motorisch zu lösen zu können. Hier sind die handballspezifischen Grundtechniken Torwürfe, Täuschungen, Ballannahme und Dribbling, Passtechniken und Abwehrtechniken sowie im Überschneidungsbereich mit der Taktik Technikvariationen und Technikvariationen zu nennen (vgl. SPÄTHE 1997, 49).
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STIEHLER et al. (1988, 95ff.) haben Besonderheiten für die Technik im Sportspiel herausgestellt:
• Jeder Bewegungsablauf wird nur als taktisch determinierte Handlung mit dem Ziel der zweckmäßigen Lösung einer Spielsituation wirksam.
• Die Handballtechnik wird trotz des Regelwerks in der Qualität ihrer Ausführung durch die harte Führung von Zweikämpfen stark beeinträchtigt.
• Zur Spezifik der Handballtechnik gehören Täuschungshandlungen mit dem Ziel einer erfolgreichen Zweikampfführung.
Die nachfolgenden Tabellen sollen einen Überblick über die Vielfalt und Komplexität der möglichen Techniken im Handball geben. Auf Grund der sich ständig ändernden Spielsituation und der daraus resultierenden neuen Handlungsaufgabe, sind diese Techniken eng verknüpft mit der Taktik und der Koordination.
SPÄTE (1997) differenziert die die Angriffstechniken stark auf den Bereich des Hochleistungssports unter dem Aspekt der Handlungsschnelligkeit. Folgende Grundtechniken des Angriffsspiels sind fundamental und müssen deshalb genannt werden: • Ballführung (Prellen, Tippen) • Ballannahme (Fangen hoher bzw. flacher Bälle) • Werfen (Passen, Torwürfe)
o Torwürfe (Schlagwurf, Sprungwurf, Fallwurf, Wurfvariationen, Trickwürfe) • Täuschungen/Finten (Pass-, Blick-, Wurf-, Lauffinte, Körpertäuschung, Abdrehen, Überzieher)
Auch das moderne Abwehrspiel wird geprägt unter dem Gesichtspunkt der Handlungsschnelligkeit. Der momentane Trend des forcierten Angriffsspiels im internationalen Spitzenhandball wird der Abwehr im Training und Wettkampf zu wenig Bedeutung beigemessen. Ein Handballspiel kann aber nur dann erfolgreich bestritten werden, wenn den Erfolg des Gegners durch Abwehraktionen unterbunden wird.
2.1.1.2 Individuelle und kollektive Taktik
Taktik ist im umfassenden Sinne die Gesamtheit der individuellen und kollektiven Verhaltensweisen, Handlungen und Operationen von Sportlern und Mannschaften, die unter Beachtung der Wettkampfregeln des Partner- und Gegnerverhaltens sowie äußerer Bedingungen auf die volle Nutzung der eigenen Leistungsvoraussetzungen im Sinne eines bestmöglichen Wettkampfergebnisses oder einer optimalen Leistung gerichtet sind. (nach SCHNABEL/HARRE/KRUG/BORDE 2003)
Bei der individuellen Taktik geht es für jeden Spieler darum, seinen persönlichen (individuellen) Anteil an der kollektiven Leistung der Mannschaft zu erbringen. Die zu leistenden Beiträge sind in Angriff und Abwehr zu unterscheiden. (nach STIEHLER/KONZAG/DÖBLER 1988)
Als kollektive Taktik wird das Zielorientierte und zweckmäßige Zusammenwirken der Mannschaft (Mannschaftstaktik) und von Gruppen innerhalb einer Mannschaft (Gruppentaktik) im Wettkampf bezeichnet. Sie umfasst alle kollektiven Angriffs- und Verteidigungshandlungen und reicht vom Zusammenwirken zweier Spieler bis zur Formierung und Zusammenarbeit von Mannschaften im Angriff- und Abwehrverhalten. Sie muss die individuellen Qualitäten der Spieler und die Dynamik gruppentaktischer Handlungen einkalkulieren. (nach STIEHLER/KONZAG/DÖBLER 1988)
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Arbeit zitieren:
Pierre Liebelt, 2008, Leistungssystem Handball, München, GRIN Verlag GmbH
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