Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis 3
1. Einleitung 4
2. Was versteht man unter dem Begriff Sprachwandel 5
3. Morphologischer Wandel 7
3.1 Grundlegendes 7
3.2 Flexionsmorphologie 9
3.2.1 Analogischer Wandel 9
a) Analogischer Ausgleich 10
b) Proportionale Analogie 13
c) Volksetymologie 15
3.2.2 Morphemabbau 16
3.3 Wortbildungswandel 17
3.3.1 Univerbierung 17
3.3.2 Grammatikalisierung 18
3.3.3 Wortbildungsregel 19
3.4 Natürlicher grammatischer Wandel 19
3.4.1 Markiertheit 21
3.4.2 Morphosemantische Transparenz 21
3.4.3 Konstruktioneller Ikonismus 22
4. Fazit 24
Literaturverzeichnis 25
2
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Das Zwiebelmodell der sprachlichen Ebenen 5
Abbildung 2: Beispiele für Sprachwandel in einzelnen Subsystemen 7
Abbildung 3: Morphemarten nach ihrer Abhängigkeit 8
Abbildung 4: Beispiele für vollständige analogische Ausgleichsvorgänge 10
Abbildung 5: Analogischer Ausgleich im Ablautsystem 11
Abbildung 6: Verben mit grammatischem Wechsel 12
Abbildung 7: Analogischer Ausgleich der Vokal-Alternation bei Paradigmen
ohne grammatischen Wechsel 12
Abbildung 8: Humbug-Beispiel anhand der Worte denken und lenken 14
Abbildung 9: Muster zur Bildung neuer Formen 14
Abbildung 10: Mittelhochdeutsche Pluralbildung auf er 14
Abbildung 11: Morphemabbau bei Nomen und Verben 16
Abbildung 12: Sprachwandeltypen 20
Abbildung 13: Grade der Transparenz 22
Abbildung 14: Markiertheitsskala 23
3
1. Einleitung
„Alle natürlichen Sprachen befinden sich in ständigem Wandel.“ 1
Ob heute oder vor 300 Jahren, ob in England, Italien oder Deutschland. Zu jeder Zeit, in allen Ländern und Bereichen, lässt sich das besondere Phänomen des Sprachwandels finden und steht deshalb auch seit einigen Jahrzehnten im Zentrum der Untersuchungen historischer Sprachwissenschaft. Obwohl die kontinuierliche Veränderung der Sprache meist ohne unser Wissen, ganz unbemerkt vor unseren Augen geschieht, lässt sich bei genauerer Betrachtung das Ausmaß stetiger Weiterentwicklung und Wandlung doch deutlich erkennen. Leider erfolgt damit meist eine negative Assoziation „in allen Kulturnationen und über alle Zeiten hinweg: von Platon über Quintilian und Rousseau bis hin zu Kemal Pascha, Helmut Kohl oder Prinz Charles“ 2 . Die einen sprechen von Sprachverfall, dem Niedergang der deutschen Kultur 3 , andere von zunehmender Verunreinigung der britischen Variante des Englischen durch amerikanischen Eingriff. 4 Schuldige für den Prozess der „Verwahrlosung“ von Sprache werden gesucht, neue Medien und die Schule, als Verursacher recht häufig genannt. Keller bietet in diesem Zusammenhang eine recht einleuchtende Erklärung für das negative Verständnis des Phänomens Sprachwandel:
„Eine Sprache ist ein komplexes System konventioneller Regeln. Jede Veränderung einer Konvention beginnt notwendigerweise mit deren Übertretung; und Übertretungen sprachlicher Konventionen nennt man „Fehler“. Wenn der Fehler schließlich zum allgemeinen Usus geworden ist, dann hat er aufgehört, ein Fehler zu sein und eine neue Konvention ist entstanden.“ 5
Demnach scheint es vollkommen natürlich zu sein, dass Veränderungen der Sprache von Laien zunächst als „Fehler“ angesehen werden, als etwas Neues, etwas das wir nicht kennen und meist nur widerwillig annehmen.
Im Folgenden soll deshalb nun versucht werden einen genaueren, tiefgründigeren Blick hinter die Kulissen des Phänomens Sprachwandel zu werfen, Begrifflichkeiten zu klären und im Besonderen den Sprachwandel aus morphologischer Sicht näher zu beleuchten.
1 Nübling, 2006, S.1.
2 Keller, 2002, S.1.
3 Vgl. Nübling, 2006, S.1.
4 Vgl. Keller, 2002, S.1.
5 Keller, 2004, S.4.
4
2. Was versteht man unter dem Begriff „Sprachwandel“
Um eine Definition des Begriffs „Sprachwandel“ überhaupt bieten zu können, ist es zunächst von Nöten, eine Unterteilung der Einzelbestandteile, „Sprache“ und „Wandel“, vorzunehmen. Eine Klärung der Begrifflichkeit „Wandel“ ist schnell gefunden. Jegliche „Veränderung innerhalb eines bestimmten Zeitraums“ gilt hier sicher als eine der einfachsten und geläufigsten Definitionen. 6 Hinsichtlich des Sprachbegriffs gestaltet sich die Begriffsklärung etwas schwieriger, da seitens der Linguistik große Unstimmigkeit bei der Definition von Sprache besteht. Trotzdem lassen sich gewisse Gemeinsamkeiten innerhalb der unterschiedlichen Auffassungen finden, welche uns zunächst einmal genügen sollen. So kann Sprache ganz allgemein als komplexes System verstanden werden, das sich aus verschiedenen „Teil oder Subsystemen“ 7 zusammensetzt (s. Abb.1), in denen Sprachwandel ganz individuell, in den verschiedenen Schichten, nach jeweils „eigenen Prinzipien“ 8 stattfindet.
Abb.1: Das „Zwiebelmodell“ der sprachlichen Ebenen
Quelle: Nübling, 2006, S.2.
Das komplexe System der Sprache versucht Nübling möglichst einfach, in ihrem Zwiebelmodell, zu visualisieren. Dabei unterscheidet sie zwischen äußeren Schichten (Pragmatik), die recht anfällig auf außersprachliche Einflüsse wie zum 6 Vgl. Lüdtke, 1984, S.3.
7 Nübling, 2006, S.2.
8 Ebenda, S.2.
5
Beispiel Sprachkontakt und gesellschaftliche Veränderungen reagieren und dem Kern (Phonologie, Morphologie, Syntax), der nur geringfügig auf äußere Einflüsse reagiert und von Nübling als stärkstes Identitätsmerkmal einer Sprache, als Grammatik, bezeichnet wird. 9 Lexik und Graphie sind zwischen äußerer Schicht und Kern angesiedelt. Dies ist in der Tatsache begründet, dass diese Bereiche sowohl von außen her veränderbar sind, als auch den Kern in gewisser Weise mit repräsentieren.
Versucht man nun eine allgemeingültige Definition für Sprachwandel auf Basis des Nübling`schen Sprachmodells in Kombination mit der bereits genannten Definition des Begriffs Wandel zu finden, so kann Sprachwandel als Vielfalt ständig verlaufender Prozesse der Umgestaltung, des Verlusts und der Neubildung sprachlicher Elemente verstanden werden 10 , die in jedem einzelnen Bereich, auf allen sprachlichen Ebenen (Phonologie, Morphologie, Syntax, Semantik, Graphie, Lexik, Pragmatik) und zu jedem Zeitpunkt, bereichsübergreifend stattfinden. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, soll hier noch darauf hingewiesen werden, dass genau genommen natürlich wir Menschen diejenigen sind, die im Zuge „funktionierender Kommunikation“ 11 unsere Sprache verändern und dadurch den Sprachwandel überhaupt ermöglichen und vorantreiben. Doch im Großen und Ganzen ist uns nicht bewusst, wie sich unserer Sprache in den letzten Jahren/ Jahrhunderten überhaupt verändert hat. Um zur Klärung dieser Frage etwas beizutragen, soll anhand des morphologischen Wandels exemplarisch Sprachwandel dargestellt und entsprechend veranschaulicht werden, um wenigstens in einem Teilbereich unserer Sprache ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Ein kleiner Überblick, wie Sprachwandel in den einzelnen Subsystemen bereits stattgefunden hat, gibt Abbildung 2 sehr deutlich wieder, was vielleicht dafür sorgen kann, dass auch bei den Lesern, die bisher dem Sprachwandel noch kein Interesse abgewinnen konnten, Neugierde entsteht, den eigenen Horizont zu erweitern und sich damit von der engstirnigen Sicht des „Sprachverfalls“ zu entfernen.
9 Vgl. Nübling, 2006, S.3.
10 Vgl. Lewandowski 1985, S.1027.
11 Nübling, 2006, S.4.
6
Abb.2: Beispiele für Sprachwandel in einzelnen Subsystemen
Quelle: Nübling, 2006, S.4.
3. Morphologischer Wandel
3.1 Grundlegendes
In der sprachlichen Ebene der Morphologie, die im „Zwiebelmodell“ von Nübling bereits als eine Komponente unserer „Grammatik“ vorgestellt wurde, sind im Verlauf der Sprachgeschichte einige wichtige Veränderungen zu beobachten, die sich in Umgestaltung, Verlust und Neubildung 12 von Morphemen widerspiegeln. Der morphologische Wandel betrifft dabei gleichermaßen zwei Gebiete: Das der Flexionsmorphologie „bei der es um die Strukturen der zu einem Wort gehörigen Formen geht, die obligatorisch und für alle Wörter einer Wortart konstant grammatische Informationen differenzieren“ 13 und das der Wortbildungsmorphologie, die die Entstehung neuer Wörter oder Wortarten betrifft. In diesem Zusammenhang ist eine Differenzierung beziehungsweise Klärung der Begriffe „Morphem“ unerlässlich, um die folgenden Analysen besser verstehen zu können.
12 Vgl. Lewandowski, 1985, S.1027.
13 Nübling, 2006, S.43.
7
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Anna-Lena Walter, 2008, Morphologischer Wandel - Veränderungen von Sprache im Geist der Zeit, Munich, GRIN Publishing GmbH
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