Romsatire bei Joachim Du Bellays
Humboldt-Universität zu Berlin
Institut für Romanistik
Proseminar: Dichtung - Kultur - Sprache: Du Bellay Semester: Sommersemester 2002 Abgabetermin: Oktober 2002
Verfasserin: Marthe Stoll Studienfach: Französisch / MA
Semester: 2. Semester
2
Kapitel Inhalt Seite
1. Einleitung 3
2. Joachim Du Bellay 3
2.1 Du Bellays Biografie 3
2.2 Du Bellays literarisches Schaffen 7
3. Das petrarkische Sonett 9
4. Les Regrets 10
4.1 Hintergründe zu den Regrets 10
4.2 Analyse 11
4.2.1 Zum Begriff „Satire“ 11
4.2.2 Interpretation einiger Motive 12
5. Abschlusswort 18
6. Bibliografie 19
3
1. Einleitung
In meiner Hausarbeit „Romsatire bei Joachim Du Bellays Les Regrets“ werde ich mich als erstes mit Du Bellays Biografie und seinem literarischen Schaffen beschäftigen, dann eine kurze Definition der petrarkischen Sonettform geben, Hintergründe über die Regrets skizzieren und mich schließlich mit der Interpretation der Romsatire befassen. Vorab möchte ich jedoch noch ein paar Anmerkungen machen: Eine Schwierigkeit beim Verfassen der Hausarbeit bestand darin, dass ich oftmals in verschiedenen Quellen vollkommen unterschiedliche Angaben gefunden habe, was etwa Daten, Orte oder aber Gegebenheiten betrifft, weshalb ich mich auf die, meiner Ansicht nach, seriöseste Quelle berufen habe. Das ist entweder ein Buch gewesen oder aber eine Quelle, die mit einer anderen übereingestimmt hat.
Weil Joachim Du Bellay nicht der einzige mit diesem Familiennamen ist, möchte ich, um Missverständnisse zu vermeiden, noch einmal kurz klarstellen, dass ich in meiner Arbeit ausschließlich den Dichter meine, wenn ich den Nachnamen Du Bellay erwähne. Da das Thema der Romsatire sehr umfassend ist, kann ich nicht auf jeden einzelnen Punkt eingehen, wenn es auch manchmal sinnvoll wäre. So hätten möglicherweise Erklärungen zu Du Bellays politischen Implikationen, wie auch zu mythologischen Namen oder Begriffen, die erwähnt werden, zu einem besseren Textverständnis beigetragen, aber sie hätten auch den Rahmen der Arbeit erheblich gesprengt.
2. Joachim Du Bellay
2.1 Du Bellays Biografie
Joachim Du Bellay kommt zwischen 1522 und 1525 1 „au château de la Turmelière, à Liré, en Anjou 2 “ 3 zur Welt und gehört zu einer damals bereits bedeutenden Familie, deren Mitglieder sich sowohl aus Diplomaten als auch aus „hommes de guerre“ 4 zusammensetzen, zu denen etwa Guillaume 5 , ein Diplomat, Martin, Oberleutnant der Normandie 6 , René,
1 Vgl. Bellenger, Y., La Pléiade, S. 101 (Das genaue Datum steht nicht fest.)
2 Das Arrondissement Anjou liegt im Nordosten „de l'île de Montréal“ (http://www.ville.anjou.qc.ca/entree.htm)
3 Du Bellay, J., Les Antiquités de Rome - Les Regrets, S. 7
4 http://www.anthologie.free.fr/anthologie/bellay/bellay.htm
5 Guillaume Du Bellay (*1491 1543) ist Gouverneur von Piémont und findet in Rabelais einen Verehrer. (Vgl. hierzu: http://gallica.bnf.fr/themes/LitXVIj.htm und Fußnote 4)
4
Bischof von Le Mans 7 , und Jean 8 , Joachim Du Bellays Onkel 9 gehören. Joachim wünscht sich
eine Karriere beim Militär unter der Aufsicht seines Vetters Guillaume. Doch als seine Eltern
zwischen 1523 und 1531 10 sterben und er im Alter von elf Jahren 11 in die Obhut seines älteren
Bruders René gegeben wird 12 , der ihn schon bald vernachlässigt, vergisst er sein Vorhaben
schnell wieder. Über Du Bellays Kindheit und Jugend weiß man so gut wie gar nichts, 13 nur
dass er eine „enfance rêveuse“ 14 ohne besondere Tätigkeiten seinerseits verlebt, und dass er
schon immer den Kontakt zur Natur gemocht hat, weshalb er viel Zeit auf dem väterlichen
Landsitz verbringt. 15 Am 9. Januar 1543 stirbt sein Onkel Guillaume de Langeais, auf dessen
Beerdigung Du Bellay am 5. März Peletier 16 und Rabelais 17 begegnet. 18 Im Jahre 1545
beginnt er in Poitiers Rechtswissenschaft zu studieren 19 , ein Jahr bevor sein Bruder, der
Bischof von Le Mans, stirbt. Du Bellay freundet sich mit Peletier an, 20 der ihn für das Genre
des Sonetts und das der Ode begeistern kann. 1547 trifft er Ronsard 21 in einem Gasthof nahe
Poitiers 22 , schließt Freundschaft mit ihm 23 und „le suit au collège de Coqueret, dont Jean
Dorat 24 est principal.“ 25 Die Jahre 1547 bis 1553 werden als die „Années parisiennes“ 26
6 Vgl. Fußnote 4
7 Vgl. Roudaut, F., Joachim Du Bellay - Les Regrets, S. 37
8 Kardinal Jean Du Bellay (*1492 †1560) ist Verfasser „de poésies latines“, Diplomat und gilt als der wissen-
schaftlich gebildetste Würdenträger seiner Zeit. Nach seinem Amt als Bischof, wird er Kardinal (im Jahre 1535) und „homme de cour“. Rabelais (siehe Fußnote 17) wird sein Arzt und Joachim Du Bellay sein Sekretär. (Bellenger, Y., La Pléiade, S. 120 ; http://www.anthologie.free.fr/anthologie/bellay/bellay.htm und Fußnote 7)
9 Hier gibt es mehrfach verschieden Angaben über die Verwandtschaftsverhältnisse. Mal wird Jean Du Bellay als Joachim Du Bellays Onkel, mal als sein Cousin beschrieben.
10 Vgl. http://perso.wanadoo.fr/jmpetit/documents/g1_visees_sonnet/du_bellay_bio_regrets.doc
11 Vgl. Kehr, W. (Hrsg.), Die Ruinen Roms - Les Antiquitez de Rome, S. 2
12 Vgl. Fußnote 10
13 Vgl. Bellenger, Y., La Pléiade, S. 101
14 http://www.anthologie.free.fr/anthologie/bellay/bellay.htm
15 s.o.
16 Jacques Peletier du Mans (* 1517 †1582) ist das neunte von fünfzehn Kindern, er wird Mathematiker, Medizi-
ner und Anwalt und ist mit den Berufen unabhängig von verpflichtenden Verhältnissen. (Vgl. hierzu: Krüger, R., Die französische Renaissance, S. 65)
17 François Rabelais (*1483 †1553) verbringt viele Jahre in Klostern, bis er mit weit über dreißig Jahren beginnt
Medizin zu studieren. 1531 ist er Anatomieprofessor und Chefarzt und wird bald Leibarzt von Kardinal Du Bellay. (Vgl. hierzu: Krüger, R., Die französische Renaissance, S. 105 f.)
18 Vgl. Fußnote 10
19 Vgl. Du Bellay, J., Les Antiquités de Rome - Les Regrets, S. 7
20 Vgl. Fußnote 10
21 Pierre de Ronsard (*1524 †1585) stammt aus einer alten Adelsfamilie. Aufgrund einer Krankheit, durch die er
fast gehörlos wird, beginnt er zu studieren und wird schließlich Dichter. (Vgl. hierzu: Krüger, R., Die französische Renaissance, S. 66)
22 Vgl. Fußnote 19
23 Vgl. Fußnote 10
24 Jean Dorat (*1508? †1588), Humanist, Lateiner und „helléniste éminent“, wird der Lehrer von Ronsard, Du
Bellay und von Jean-Antoine de Baïf (* 1532 †1589). (Vgl. hierzu: Fußnote 13, S. 120)
25 Siehe Fußnote 19
26 Siehe Fußnote 10
5
bezeichnet, in denen Du Bellay, so wird vermutet, Saint-Maur, Anjou, Le Mans und Troyes
bereist.
Im Juni 1549 wird Du Bellay „protégé de Madame Marguerite 27 “ 28 , der Schwester des
französischen Königs 29 François I. 30 . Innerhalb der nächsten zwei Jahre verschlechtert sich
sein Gesundheitszustand, er verliert sein Gehör 31 und leidet zusätzlich an „Blässe, Magerkeit
und Lungenaffektion“ 32 . Im Jahre 1551 stirbt sein Bruder René, Du Bellays Vormund, und
dem Dichter wird die Pflicht auferlegt, sich von nun an um seinen Neffen Claude zu
kümmern. Jahrelange Erbschaftsprozesse folgen. 33
1553 schließt er sich Kardinal Jean Du Bellay an, der sich auf „seiner diplomatischen
Mission im Dienst Heinrichs II. 34 “ 35 befindet, und folgt jenem über Lyon, Genf, Zürich, Chur,
Ferrara, Fano und Viterbe nach Rom. 36 Zu dieser Zeit ist Du Bellay bereits ein anerkannter
Dichter und gilt als der „Theoretiker“ 37 der Pléiade 38 . 39 Du Bellay wird „chef de la maison du
cardinal Jean du Bellay au palais Farnèse, puis au palais Saint-Georges, puis à Borgo San
Pietro“ 40 , assistiert Jules III. 41 , bis zu dessen Tod 1555, unterstützt Marcel II. 42 , der Papst für
27 Marguerite de Navarre (*1492 †1549), die sich literarisch betätigt und auch Verbindungen zu hochrangigen
Intellektuellen ihrer Zeit hat, versammelt mehrfach während ihres Lebens einen Kreis von Gebildeten und Dichtern an ihrem Hof, um ihre eigenen intellektuellen Bedürfnisse zu stillen. (Vgl. hierzu: Krüger, R., Die französische Renaissance, S. 131)
28 http://perso.wanadoo.fr/jmpetit/documents/g1_visees_sonnet/du_bellay_bio_regrets.doc
29 Vgl. Du Bellay, J., Les Antiquités de Rome - Les Regrets, S. 7
30 François I. (auch: Franz I.) (*1494 †1547) ist Sohn des Herzogs Karl von Orléans und von 1515 bis zu seinem
Tod König von Frankreich. (Vgl. hierzu: Mann, G./Nitschke, A. (Hrsg.), Weltkulturen - Renaissance in Europa, S. 676 und http://www.robert-morten.de/baseportal/Redaktionssytem/britannia_mini_detail&Id==103)
31 Vgl. Fußnote 29
32 Kehr, W. (Hrsg.), Die Ruinen Roms - Les Antiquitez de Rome, S. 1
33 Vgl. Roudaut, F., Joachim Du Bellay - Les Regrets, S. 38
34 Heinrich II. (auch: Henri II.) (*1519 †1559), Sohn von Franz I., von 1547 bis zu seinem Tode König von
Frankreich. (Vgl. hierzu: http://www.asn-ibk.ac.at/bildung/faecher/geschichte/maike/bilderkatalog/valois_f/ abb40v.htm)
35 Siehe Fußnote 32, S. 3
36 Vgl. Fußnote 28
37 Siehe Fußnote 35
38 Die Pléiade besteht aus einer Gruppe von jungen Dichtern „die eine vollkommene Veränderung der bisherigen
französischen Literaturlandschaft auf ihre Fahnen geschrieben hat.“ Zu dieser uniformellen Gruppe gehören neben dem unter den Pléiade-Mitgliedern dominierenden Ronsard und dem „zweitwichtigste[n] Exponent[en] der Pléiade“, Du Bellay, noch Peletier, Baïf, Pontus de Tyard (*1521 †1605; Bischof von Chalon-sur-Saône), Jean de la Pérouse (*1529 †1554), Étienne Jodelle (*1532 †1573) und Remi Belleau (*1528 †1577). (Krüger, R., Die französische Renaissance, S. 62; Schlütter, H.-J., Sonett, S. 55; Mann, G./ Nitschke, A. (Hrsg.), Weltkulturen - Renaissance in Europa, S. 525, 707)
39 Vgl. Fußnote 35
40 Siehe Fußnote 28
41 Jules III. (eigentlich: Jean Marie Ciocchi del Monte) (*1487 †1555) ist zuerst Erzbischof von Siponte, dann
Bischof von Pavie und von 1550 bis zu seinem Tode, er stirbt an den Folgen einer Grippe, Papst von Rom. (Vgl. hierzu: http://www.heraldique-europeenne.org/Regions/Italie/Papes_5.htm und Fußnote 33, S. 28)
42 Marcel II. (eigentlich: Marcello Cervini) (*1501 †1555) ist erst Kardinal von Sainte-Croix in Jerusalem, daraufhin Bischof von Nicasto und im Jahre 1555 kurzzeitig Papst. (Vgl. hierzu: http://www.heraldique-europeenne. org/Regions/Italie/Papes_5.htm)
Quote paper:
Hanna M. Stoll, 2002, Romsatire bei Joachim Du Bellays: Les Regrets, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Franz Kafka: Das Urteil - Vergleich einer werkimmanenten mit einer her...
German Studies - Modern German Literature
Scholary Paper (Seminar), 13 Pages
Dekonstruktion - Poststrukturalistische Literaturtheorie und ihre Anwe...
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 24 Pages
Franz Kafka: Das Urteil. Vier Interpretationsansätze
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 26 Pages
'Vor dem Gesetz' - Jacques Derridas Kafka-Lektüre
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 23 Pages
Vergleich zweier Übungstypologien zur Entwicklung der Fertigkeit '...
Scholary Paper (Seminar), 6 Pages
Wortstellung und Informationsstruktur des Französischen
Romance Languages - French - Linguistics
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 23 Pages
Henrik Ibsens: "Nora" (Ein Puppenheim) - Konzeption und Wand...
German Studies - Modern German Literature
Termpaper, 26 Pages
Ironie - Pragmalinguistische Untersuchung eines interdisziplinären Phä...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 22 Pages
Hanna M. Stoll has published the text Romsatire bei Joachim Du Bellays: Les Regrets
Hanna M. Stoll has uploaded a new text
Fremdsein als pädagogische Her...
Elisabeth Furch, Harald Eichelberger
Frankreich und Frankophonie: Kultur � Sprache � Medien
La France et la Francophonie :...
Sabine Bastian, Franck Trouilloud
Franz Boas - Kultur, Sprache, Rasse
Wege einer antirassistischen A...
Friedrich Pöhl, Bernhard Tilg
Joachim Du Bellay: The Regrets: With the Antiquities of Rome, Three La...
Joachim Du Bellay, Richard Helgerson
0 comments