Inhaltsverzeichnis
0.
Einleitung
2
1.
Wissenschaftliche Voraussetzungen der
Aufklärungsbewegung
2
2.
Veränderungen im Kommunikationssystem
4
2.1. Alphabetisierung und Pflege der Nationalsprache 4
2.2. Das Leseverhalten
7
3.
Die Diskussionskultur der Aufklärung
9
3.1. Lesegesel schaften und andere Organisationstypen
9
3.2. Kritik als Instrument
12
4.
Reform statt Revolution
14
5.
Resümee
16
0. Einleitung
Diese Hausarbeit soll einen kurzen Überblick über die Zeit der Aufklärung unter medienwissenschaftlichem, vor allem mediengeschichtlichen Aspekten geben. Nach einer Einführung in die Gegebenheiten dieser Zeit im ersten Kapitel geht das zweite Kapitel dann speziell auf das Kommunikations- und Mediensystem im 18. Jahrhundert ein. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den neu entstehenden Zeitschriften, ein anderer auf den für die Aufklärungsgesellschaft typischen Institutionen wie den Lesegesellschaften. Im dritten Kapitel wird auf das sich etablierende öffentliche Räsonnement eingegangen und die Frage diskutiert, ob sich in diesem bereits eine Öffentlichkeit im heutigen Sinne zu bilden beginnt.
Das vierte Kapitel beschäftigt sich noch einmal mit gesellschaftlichen Aspekten, unter welchen es die spezifischen Besonderheiten der deutschen Aufklärungsbewegung im Gegensatz zu den zeitgleich stattfindenden Entwicklungen im übrigen Europa, speziell in Frankreich und England, darstellt.
1. Wissenschaftliche Voraussetzungen der Aufklärungsbewegung
Die Aufklärung war eine Bewegung, die, beginnend in Großbritannien und Frankreich, im Laufe des 18. Jahrhunderts nahezu ganz Europa umfasste und viele verschiedene Lebensbereiche berührte: So hatte sie Einfluss sowohl auf die Naturwissenschaften als auch die Philosophie und Theologie. Sie veränderte die Rechtsauffassung und in vielen Ländern auch sehr konkret die Herrschaftsform und Sozialordnung.
Die Aufklärung stellte sich dem bereits seit dem Mittelalter dominanten Offenbarungsglauben und dem damit verbundenen theozentrischen Weltbild entgegen, sie widersetzte sich dem übermächtig scheinenden Diktum der Kirche und machte den Menschen zum Mittelpunkt al ihrer Überlegungen. In diesem neuen anthropozentrischen Weltbild sollte nicht mehr der Glaube, sondern al ein der menschliche Verstand regieren.
Die Voraussetzungen für diesen Umbruch wurden schon lange vor den Anfängen der Aufklärungsbewegung, die im ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhundert
auftraten, geschaffen. Bereits 300 Jahre zuvor wurden Entdeckungen gemacht und Überlegungen angestellt, die das herrschende Weltbild stark ins Wanken brachten. Für Kirchner sind vor allem folgende Ereignisse in dieser Hinsicht von entscheiden-der Bedeutung1: Die Seefahrer Christoph Columbus und Vasco da Gama widerlegten mit ihren Schiffsreisen nach Amerika und Indien in den Jahren 1492 beziehungsweise 1498 die Vorstellung, dass die Erde eine Scheibe sei.
Etwa 50 Jahre später begründete dann Nikolaus Kopernikus mit seinen 1543 veröffentlichten Schriften ,,De revolutionibus orbium colestium" das heliozentrische Weltbild. Seine Erkenntnisse setzte Johannes Kepler Anfang des 17. Jahrhunderts um und entwickelte Gesetze über den Lauf der Planeten.
Auch der Italiener Galileo Galilei war ein Verfechter des heliozentrischen Weltbildes. Mit seinen quantitativen Versuchen und Gedankenexperimenten wurde er außerdem zum Begründer der modernen Naturwissenschaften, die sich dann weiter ausdifferenzierten. In diesem Bereich hat der Brite Isaac Newton große Verdienste. Er schuf die Grundlagen für die theoretische Physik.
Da Kirchner diese Erkenntnisse für die wichtigste Voraussetzung für die Entwicklung einer neuen Sichtweise auf die Welt hält, sind für ihn auch die Naturwissenschaften die ,,eigentliche(n) Träger der neuen Weltanschauung"2.
Die neuen Strömungen, die etwa zeitgleich oder wenig später im Bereich der Philosophie auftraten, sind meines Erachtens aber als mindestens genauso wichtig einzustufen, wenn sie auch ohne den Impuls, der von den fundierten und einschneidenden Ergebnissen der Naturwissenschaftler ausging, nicht möglich oder zumindest nicht so einflussreich gewesen wäre. Zumindest machte sich die Philosophie die modernen Naturwissenschaften zum Vorbild: Mit dem Ehrgeiz, nicht mehr nur ,,Magd der Theologie"3 zu sein, will sie sich emanzipieren und von tradierten Dogmen lösen. Dabei will sie neues Wissen nach naturwissenschaftlichem Model empirisch aus Erfahrungen, Beobachtungen und Versuchen ableiten.
Als erster Philosoph der Neuzeit, der diesen Ansatz anwendet, gilt der Franzose René Descartes (1596-1650). Er veröffentlichte schon in der ersten Hälfte des 17.
Jahrhunderts seine Abhandlungen, die die Philosophie der Aufklärung entscheidend prägten. In seinem ,,Discours de la méthode" (veröffentlicht 1637) und seinen ,,Principia philosophiae" (veröffentlicht 1644) trat er für die empirische Methode ein. Als
1 s. Kirchner 1958, S.2
2 ebd., S.2
3 ebd., S.3
Ausgangspunkt für al es Wissen sollte nur noch der menschliche Verstand dienen. So ist auch sein berühmter Ausspruch ,,Cogito, ergo sum" (,,Ich denke, also bin ich") zu verstehen.
Etwa zeitgleich beziehungsweise etwas später setzt sich auch in Großbritannien diese neue Philosophie durch. Als wichtigste Vordenker des englischen Empirismus gelten Francis Bacon (1561-1626), John Locke (1632-1704) und David Hume (1711-1776).
Ausgehend von ihren Initiatoren in Frankreich und England erreicht die Aufklärungsphilosophie auch Deutschland mit seinen Vertretern Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716), Christian Wolff (1679-1754) und Immanuel Kant (1724-1804).
2.
Veränderungen im Kommunikationssystem
2.1.
Alphabetisierung und Pflege der Nationalsprache
Hinsichtlich der Möglichkeiten des Lesens, der wissenschaftlichen Kommunikation und der Partizipation an oder auch nur Wahrnehmung von Staatsgeschäften war Deutschland am Ende des 17. Jahrhunderts stark gegliedert. Gründe hierfür lagen in der Verwendung von Fremdsprachen für bestimmte Teilbereiche der Kommunikation, im kaum vorhandenen Schulsystem und im Selbstverständnis des absolutistischen Herrschers.
Zunächst einmal wurde in Deutschland bei weitem nicht nur in deutscher Sprache kommuniziert. So wurde als Gelehrtensprache Latein verwendet, das heißt al e Vorlesungen an der Universität wurden auf Latein gehalten und al e wissenschaftlichen Publikationen erschienen in dieser Sprache. Somit kamen sie für den größten Teil der Menschen als Lesestoff al ein schon wegen mangelnder Sprachkenntnis nicht in Frage. Friedrich der Große drückte dies in Zahlen einmal folgendermaßen aus: ,,Die Dominanz des Lateinischen schließt 25,9 von 26 Millionen aus."4.
Am Hof und unter Diplomaten wiederum wurde Französisch gesprochen. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die französischen Könige, al en voran Sonnenkönig Ludwig XIV., als Prototypen für die absolutistische Herrschaftsform galten und
4 zit. nach Möller 1986, S.19
Arbeit zitieren:
M.A. Gesa Lüß, 2003, Zensurgeschichte, München, GRIN Verlag GmbH
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