Abkürzungsverzeichnis
Ae.
Apg arab. dt. deutsch Ecl.
engl. franz. gäl.
Gen griech. Heb ital. Kön
lat. me.
MED mhdt. Mk
Mt n.
Navigatio
Neh Petr port. ppl. Pred Ps r sb. skand. span.
v v. V. Vers 2
Inhaltsverzeichnis
1 Das „finstere“ Mittelalter - eine schwindende Assoziation 6
2 Der Mythos vom Mann im Mond 9
2.1 Ursprünge 9
2.1.1 Die griechische Mythologie als erste Quelle 9
2.1.2 Vermischung der antiken Vorlagen mit einer Bibelepisode 11
2.2 Englische Überlieferungen: Vom Mittelalter bis zu Shakespeare. 12
2.2.1 Alexander Neckam 12
2.2.2 „Man in the Moon“ 14
2.2.2.1 Der Text in der Brook-Ausgabe 14
2.2.2.2 Inhaltliche Erläuterungen zum Gedicht 15
2.2.2.3 Sprachliche und metrische Gesichtspunkte 17
2.2.2.4 Interpretationsansätze 19
2.2.3 Das Motiv bei Chaucer und Henryson 21
2.2.4 Shakespeares inhaltliches und idiomatisches Aufgreifen
des Motivs 23
2.3 Variantenreicher Mythos im deutschen Sprachraum 26
3 Literarische Darstellungen von Himmel und Hölle in der
mittelalterlichen Visions- und Immramliteratur. 29
3.1 Definition und Überblick über die Gattungen
Vision und Immram 29
3.1.1 Die Vision des Tundal 32
3.1.2 Die Seereise des Heiligen Brendanus 33
3.2 Die vier eschatologischen Räume in der mittelalterlichen Vision. 35
3.2.1 Fegefeuer und Hölle 36
3.2.1.1 Das Reinigungsfeuer in der Vorstellung des Christentums 39
3.2.1.2 Die Vorstellung der Hölle im jüdischen und
christlichen Glauben 40
3.2.1.3 Die Vermischung von Hölle und Fegefeuer in der
Vision des Tundal und der Navigatio Sancti Brendani Abbatis 41
3.2.1.3.1 Feuer, Wasser und Lärm als feste Bestandteile von infernum
und purgatorium 42
3.2.1.3.2 Die Unterwelt aufgeteilt in verschiedene
„Aufenthaltsbereiche“…………………………………………….. 44
3.2.1.3.2.1 Homers Hades als Vorbild für mittelalterliche
Unterweltsbeschreibungen 44
3.2.1.3.2.2 Die Höllenräume und Läuterungsstationen in Tundals Vision
mit Hinblick auf Dante 47
3.2.2 Paradies und Himmelreich in der mittelalterlichen Literatur 50
3.2.2.1 Zusammenhänge, Überschneidungen und Abgrenzungen 51
3.2.2.2 Lokalisierungsversuche im Mittelalter 58
3
4.1.1
4.1.2
4.1.2.1 4.1.2.2 4.1.2.3
4.2.2
4.2.2.2
4.2.2.3 4.2.2.4
Literaturverzeichnis……………….……………………………………...………113
Abbildungsverzeichnis…………………………………………………….…......120
Anhang…………………………………………………………………………...121
Die Harley Lyrics, ihr Standort in der Harley Handschrift und
deren Positionierung nach Ker und Brook……………………………….121
„An Invitation to Lubberland“…………………………………………...122
„The Land of Cokaygne“………………………………………………...124
5
1 Das „finstere“ Mittelalter - eine schwindende Assoziation
Das `Mittelalter´ - bei genauerer Betrachtung ein wenig aussagekräftiger Name für eine Ära in der Geschichte, welche eine alles andere als kurze Zeit - nämlich etwa 1100 Jahre - umfasst. Doch nicht nur, dass diese despektierlich als „medium aevum“ (`mittleres Zeitalter´) bezeichnete Zeit in den Augen einiger Humanisten des 14., 15. und 16. Jahrhunderts, wie Poggius Florentinus (1380-1459) 1 und Ludwig Vives (1492-1540), den „Niedergang der Literatur“ (Varga 1978, 87) repräsentierte und damit den Status einer „Überbrückungszeit“ zwischen der hoch verehrten Antike einerseits und der Renaissance andererseits einnahm - vielmehr erhielten die ersten fünf Jahrhunderte des Mittelalters den Beinamen „finster“, um die vermeintliche literarische Unproduktivität und den schwarzen Fleck auf der historischen Zeitleiste in eine Metapher zu fassen. Einige Humanisten sahen sich in diesem Zusammenhang selbst als „Vetreiber“ dieser Finsternis (Varga 1978, 88). 2 Erst schätzungsweise seit den letzten beiden Jahrhunderten genießt das Mittelalter - und es soll im Folgenden ausnahmslos wertungsfrei als Begriff gebraucht werden - durch das Zutun von Historikern wie August Potthast 3 , Theodor E. Mommsen und Horst Fuhrmann 4 wieder immer größer werdenden Respektobgleich es auch im 20. Jahrhundert die Konnotation des „Barbarentums“ noch nicht vollends abgelegt zu haben scheint (Le Goff 1984, 11). Doch auch der unwürdige Begriff `Dunkles Zeitalter´ verschwindet zusehends (Mommsen 1959, 107), und dies alles nicht zuletzt weil gerade das frühmittelalterliche Europa durchaus eine Vielzahl literarischer Meisterwerke hervorbrachte - man denke nur an das in altenglischer Sprache verfasste epische Heldengedicht Beowulf. Dieses von einem unbekannten Autor geschaffene Werk ist nicht nur deshalb so kostbar, weil es uns lediglich in einer einzigen Handschrift, der in der British Library in London aufbewahrten Cotton Vitellius A.XV, überliefert ist, sondern vor allem deshalb, weil es nicht nur eine faszinierende Geschichte erzählt, sondern auch sprachlich, metrisch und stilistisch von größter Bedeutung für die heutige Linguistik ist.
1 Poggius Florentinus beklagt generell den Niedergang der „liberales disciplinae“, der freien Künste. Dies ist in seiner Rede an Papst Nikolaus V. nachzulesen: Pogii Flavii Florent. Oratio ad Pont. Nik. V. Opera. Basel. (Varga 1978, 52f.).
2 Beatus Rhenanus bezeichnete den zu Beginn des 16. Jahrhunderts an der Pariser Universität unterrichtenden Jerôme Aleandre als solchen (Varga 1978, 88).
3 Siehe: Potthast, August (1868). Bibliotheca Historica Medii Aevi. Wegweiser durch die Geschichtswerke des europäischen Mittelalters von 375 bis 1500. Kastner: Berlin.
4 Siehe: Fuhrmann, Horst (2000). Einladung ins Mittelalter. Beck: München.
6
Gerade solch fantastische Motive, wie sie unter anderem in Beowulf auftreten, ziehen sich bis heute durch die Weltliteratur und haben ihre Ursprünge vorwiegend in Antike und Frühmittelalter und gerade das Hochmittelalter brachte einige literarische Meister hervor, die zwangsläufig auch altehrwürdige Traditionen übernommen haben. Der im 12. Jahrhundert schaffende Poet und Troubadour Chrétien de Troyes beispielsweise, Verfasser von Erec et Enide (`Erek und Enide´) und Le Chevalier de la charrette (`Der Karrenritter´), gilt als einer der wichtigsten literarischen Vertreter Westeuropas und das 13. und 14. Jahrhundert brachte in Italien den Philosophen Dante Alighieri und den Humanisten und Dichter Giovanni Boccaccio hervor. Ein späterer Zeitgenosse des letzteren war Geoffrey Chaucer, der Schöpfer der Canterbury Tales (`Canterbury Erzählungen´), der nicht nur von den italienischen Großmeistern lernte, indem er beispielsweise aus der Commedia 5 (`Komödie´) von Dante und dem Il Decamerone (`Das Dekameron´) von Boccaccio Motive übernahm und Wendungen entlehnte 6 , sondern ebenso wie eben genannte Autoren auch der frühmittelalterlichen Literatur seine Ehrerbietung erwies, indem er diversen Topoi dieser Zeit - so zum Beispiel dem „Mann im Mond“ - in seinen Werken einen Platz einräumte.
Anerkennenswert ist das Mittelalter auch nicht zuletzt deswegen, weil es Mittler und Vermittler zwischen Antike und Renaissance war. Gerade den Schreibern dieser Zeit ist es nämlich vorwiegend zu verdanken, dass uns unzählige der im Humanismus in höchstem Maße gepriesenen antiken Werke erhalten sind. Seit dem Frühmittelalter konzentrierte man sich in Europa nämlich zunehmend auf das Systematisieren und Kopieren von klassischer Literatur, sowie ihre Bereitstellung für den zeitgenössischen und den Erhalt für die zukünftigen Leser. Im Vergleich zu antiker Literatur ist uns allerdings vor allem aus dem frühen Mittelalter verhältnismäßig wenig überliefert, was unter anderem auf die wachsende kirchliche Zensur, aber auch auf praktische Gründe zurückzuführen ist: Pergament war teuer und wurde nicht selten mehrmals verwendet, was bedeutet, dass das vorher Geschriebene durch Rasur weitestgehend entfernt und überschrieben wurde. Des Weiteren kann man nur vermuten, wie viele Schriftstücke uns aufgrund von
5 Dieses Werk ist heute als Divina Commedia (`Göttliche Komödie´) bekannt. Das Adjektiv divina wurde von den Bewunderern Dantes, unter anderem von Boccaccio, hinzugefügt und ist erst seit dem 16. Jahrhundert fester Bestandteil des Titels.
6 Siehe hierzu beispielsweise: Neuse, Richard (1991). Chaucer's Dante: Allegory and Epic Theater in The Canterbury Tales. Berkeley: University of California Press.
7
Unfällen wie Bränden oder Überflutungen verloren gegangen sind (Dinzelbacher 1981, 79).
Hinzu kommt, dass die Zahl der Gelehrten, die zu lesen und schreiben vermochten, gerade im Frühmittelalter nur sehr gering war und sich fast ausschließlich aus Klerikern und Adeligen zusammensetzte. Das hatte natürlich zur Folge, dass nur kleine Mengen von Text kopiert werden konnten. Außerdem darf die Tatsache nicht vernachlässigt werden, dass es grundsätzlich nur wenigen Menschen möglich war, sich eine das Schreiben und Lesen umfassende Bildung zu leisten und die Erziehung der Kinder reicher Familien, denen dies möglich gemacht wurde, fiel damit automatisch in geistliche Hände. Dies machte die Kirche mit ihrem ohnehin übermächtigen Einfluss auf Mensch und Gesellschaft zu dem zentralen Sammlungsort antiker Schriften und der uns überlieferten mittelalterlichen Prosawerke und Dichtungen. Da überrascht es wenig, dass die wenige auf uns gekommene mittelalterliche Literatur überwiegend religiöse Themen behandelt. Eine bedeutende Ausnahme bildet dabei die Harley Handschrift 2253, welche mehr als die Hälfte der vor dem 14. Jahrhundert entstandenen säkularen Werke, mitunter auch die berühmten Harley Lyrics, enthält, die im Zusammenhang mit der Mann-im-Mond-Thematik noch von speziellem Interesse sein werden.
Gerade im Hoch- und Spätmittelalter entstehen schließlich zunehmend dichterische Werke aus der Feder von weltlichen Autoren, die sich sowohl mit alltäglichen Themen als auch aus eigener, zumeist kritischer Sichtweise mit Missständen in Gesellschaft und Kirche auseinandersetzen. Häufig wurden dabei ursprünglich antike, jedoch gerade religiös stark konnotierte Topoi herangezogen, um sich in zum Teil satirisch-komischer und gesellschaftskritischer Weise über den moralischen Verfall der Kirche sowie ihrer Anhänger und die Willkür der Mächtigen auszulassen. Der Aberglaube der Gesellschaft spielt dabei eine besonders große Rolle. Erickson schreibt:
Medieval perception was characterized by an all-inclusive awareness of simultaneous realities. The bounds of reality were bent to embrace - and often to localize - the unseen, and determining all perception was a mutually held world view which found in religious truths the ultimate logic of existence. (1976, 27)
Eben diese zum Teil für real gehaltenen Orte, Plätze und Legenden spiegeln sich besonders deutlich in den Mythen des Mannes im Mond, des Himmel- und Hölle-
8
Motivs und des dem irdischen Paradies so ähnlichen Schlaraffenlands wider. Deren literarische Entwicklung soll in den kommenden Kapiteln komparatistisch aufgezeigt werden, wobei die Darstellung derselben vorwiegend im englischen Mittelalter, jedoch stets mit Rücksicht auf westeuropäische Einflüsse im Zentrum der Betrachtung stehen werden.
2 Der Mythos vom Mann im Mond
Das Kindermärchen vom Mann im Mond, der, aus der menschlichen Gesellschaft verbannt, als Strafe für seine Sünde verdammt dazu ist, auf dem Mond auf ewig sein Dasein zu fristen, ist ein Mythos mit einer Jahrhunderte langen Geschichte. Mit speziellem Fokus auf die mittelalterlichen Darstellungen des Mondmannes soll im Folgenden ein chronologischer Überblick über die Entwicklung dieses bis heute populären Motivs gegeben werden.
Schon in der Antike bestand weithin die Meinung, im Mond verberge sich etwas Geheimnisvolles, was die menschliche Fantasie natürlich hinreichend anregte. Der im ersten und zweiten Jahrhundert n. Chr. lebende Philosoph und Biograph Plutarch schreibt seine eigenen Gedanken in dem Kapitel „Über das Mondgesicht“ (griech. Περὶ τοῦ ἐμφαινομένου προσώπου τῷ κύκλῳ τῆς σελήνης) in seinen Moralia (griech. ’Ηθυκά) nieder. Die Sprecher in diesem Kapitel, nämlich Sulla, der den Mythos erläutert, der Dialogsführer Lamprias und Apollonides, ein Gelehrter der Geometrie (Cherniss and Helmbold 1957, 3ff.), liefern dabei geradezu verblüffend modern anheimelnde Erklärungen des mysteriösen Antlitzes im Mond. So sei die Mondoberfläche von Höhlen und Kratern bedeckt, welche den Menschen einer optischen Täuschung aussetzen könnten (920) und Apollonides behauptet, dass die Flecken eine Spiegelung des Ozeans seien (921). Menschen mit „guter Sehkraft“
7 Baring-Gould (1906), S. 190-208 diente mir für die Informationen zu den Ursprüngen des `Mannim-Mond´-Motivs als Grundlage. Grimm (1844), 679-683 führt allerdings bereits die meisten Informationen, welche auch in Baring-Gould (1906) zu finden sind, auf, was stark vermuten lässt, dass Baring-Gould selbst Grimms Werk Deutsche Mythologie als Ausgangspunkt nahm, obgleich in ihrem Werk kein Literaturverzeichnis zu finden ist, welches dies belegen könnte. Siehe allerdings Fußnote 34 dieser Arbeit.
9
kämen folglich zu der falschen Überzeugung, ein Gesicht oder eine Gestalt auf der Mondoberfläche zu sehen (920). 8
Plutarch demonstriert in seinem Werk jedoch nicht nur seine logischen Gedankengänge, sondern auch überwiegend seine Toleranz gegenüber der zu seiner Zeit bekannten Religionen, während er selbst ab etwa 95 n. Chr. ein Priesteramt im Apollontempel in Delphi innehatte. So steht außer Zweifel, dass ihm vor allem die diversen Götterfiguren des griechischen Polytheismus bekannt gewesen sein müssen und somit auch die Mondgöttin Selene (Σελήνη), welche den Vollmond verkörpert (Allan et al. 2002, 181). Die Legende besagt, sie habe sich in den Hirten Endymion verliebt und ihn, damit er sie nie mehr verlassen könne, in ewigen Schlaf versetzt. Der etwa 120 n. Chr. geborene, griechische Satiriker Lucianos von Samosata beschreibt dies in seinen Lügengeschichten (Φιλοψευδής) in Form eines Dialogs zwischen Venus und Luna (Selene) folgendermaßen:
8 Die Nummerierung ist von der Textausgabe von Cherniss and Helmbold (1957) übernommen. Das gesamte Kapitel „Über das Mondgesicht“ ist in englischer Übersetzung in Band XII derselben Ausgabe zu finden.
9 Übersetzung entnommen aus:
10
In diesem Mythos liegt, wie viele Historiker glauben, die Grundidee des `Mannesim-Mond´ verborgen: Die Vorstellung eines einfachen Mannes, der auf dem Mond bis in alle Ewigkeit gefangen ist (Moormann & Uitterhoeve. 1995. 255).
2.1.2 Vermischung der antiken Vorlagen mit einer Bibelepisode
Die Legende vom Mann im Mond beginnt also bereits im Altertum und auch unsere heutige Vorstellung baut grundsätzlich darauf auf. Allerdings trug sicherlich die Bibel gravierend dazu bei, dass dieser womöglich durch die griechische Endymion-Episode beeinflusste Topos dauerhaft umgeprägt wurde. Im 4. Buch Mose, den Numeri, wird folgendes berichtet:
32.Und als die Söhne Israel in der Wüste waren, da fanden sie einen Mann, der am Sabbattag Holz auflas. 33. Und die ihn gefunden hatten, wie er Holz auflas, brachten ihn zu Mose und zu Aaron und zu der ganzen Gemeinde. 34. Und sie legten ihn in Gewahrsam, denn es war nicht genau bestimmt, was mit ihm getan werden sollte. 35. Da sprach der Herr zu Mose: Der Mann soll unbedingt getötet werden; die ganze Gemeinde soll ihn außerhalb des Lagers steinigen. 36. Da führte ihn die ganze Gemeinde vor das Lager hinaus, und sie steinigten ihn, dass er starb, so wie der Herr dem Mose geboten hatte. 11
In der Bibel findet sich offensichtlich noch keinerlei Zusammenhang mit dem später als Exil fungierenden Mond, andererseits hat sich der uns bekannte Mythos der grausamen Todesstrafe durch Steinigung entledigt. Es scheint also, als hätte sich spätestens das Mittelalter - vorwiegend der in lateinischer Literatur gebildete Klerus - die Geschichte des Mannes, der Holz stiehlt und dafür hart bestraft wird, dazu zunutze gemacht, um die Zehn Gebote des Herrn über einen großen Radius hinaus zu propagieren. In Anbetracht der Tatsache, dass der bis heute weitergegebenen Volkserzählung die obig genannten Inhalte zugrunde liegen, spricht dies für den offensichtlichen Erfolg der Kirche. Allerdings gibt Johannes Praetorius (1630-1680) in seinem Werk Anthropodemus Plutonicus, das ist, Eine Neue Weltbeschreibung aus dem Jahre 1666 den Hinweis darauf, dass neben der Vorstellung von einem Mann, der am Sabbat Holz gesammelt hatte, auch der Glaube bestanden habe, dass der Mann auf
10 Übersetzt aus dem Englischen, welches als Übersetzung des ursprünglich griechischen Textes zu finden ist auf: http://www.sacred-texts.com/cla/luc/wl2/212.html. (zugegriffen am 13.02.08).
11 Englische Paraphrasierung dieser Bibelstelle gefunden in: Baring-Gould (1906), 191.
11
dem Monde Isaak sei (Grimm 1844, 681): „entweder der Mann […] / so am Sabbath Tage Holtz gelesen / und drüber ist gesteinigt worden: Oder daß es Isaac sey / der sein Bündlein Holtz selber auf den Berg Moriam getragen hat zum Menschen-Opffer“ (Praetorius 1666, „Von Mond-Leuten“, 26f.) . In Dantes Commedia tritt des Weiteren Kain („Caino“) an zwei Stellen (Grimm 1844, 682) mit einem Dornbusch („le spine“) auf dem Rücken auf (2,51 und 20,126) (Wilkins and Bergin 1965, 78). Allerdings steht diese Erwähnung allein nicht in offensichtlichem Zusammenhang mit dem Mann im Mond, zeichnet durchaus aber wieder das motivtypische Bild eines Mannes mit Holz auf dem Rücken. Inwieweit hier allerdings eine Verbindung vorliegt, kann nicht genau bestimmt werden, obwohl Landino hierzu bemerkt: „cioè la luna, nella quale i volgare vedendo una certa ombra, credono che sia Caino, c’habbia in spalla una forcata di pruni“ (`das heißt, dass die Menschen im Mond einen gewissen Schatten sehen und glauben, dass es Kain sei, der auf seiner Schulter ein Bündel Dornen trägt´) (Grimm 1844, 682). Und sei auch hier keine explizite und für den heutigen Leser nachvollziehbare Verbindung zum Mann im Mond-Motiv selbst hergestellt, findet sich der `Dornbusch´ doch bis hin zu Shakespeare und dessen Mann-im-Mond- Beschreibung wieder. 12
Der im Jahre 1157 im englischen St. Albans geborene Wissenschaftler, Theologe und Schriftsteller Alexander Neckam, der ab 1213 das Amt eines Abts übernimmt, bezieht sich ebenfalls auf das Mann-im-Mond-Motiv (Baring-Gould 1906, 196). Dies beweist, dass der Mythos bereits gegen Ende des 12. Jahrhunderts - seine naturwissenschaftliche Schrift De naturis rerum, welche die Erwähnung enthält, ist sicher vor 1204 entstanden - bereits recht verbreitet gewesen sein muss (Wedge 1967, 46).
Neben Neckams diversen anderen lateinischen Prosa- und Dichtungstexten mit scholastischem, didaktischem, enzyklopädischem und theologischem Inhalt ist vor allem De naturis rerum von besonderem historischen Interesse, wobei für diese Abhandlung natürlich die überhaupt erste, in Buch 1, Kapitel 14 belegte Erwähnung
12 Vgl. Kapitel 2.2.4.
12
des bis heute in unserem Mann-im-Mond-Bild typischen Reisigbündels auf seinem Rücken von größter Relevanz ist:
Quem sarcina deprimit una, Monstrat per spinas Nulli prodesse rapinas. 13
Neckam gibt zuvor in seinem Kapitel über „Mondflecken“ weitere verschiedene Erklärungen für dieses Phänomen, indem er sie zum Beispiel auf Höhlen an der Mondoberfläche, welche die Sonnenstrahlen nicht reflektieren, zurückführt. Er stellt weiterhin fest, dass uns dieser Fleck an die Sünde von Adam und Eva erinnern solle und damit den dadurch entstandenen Schandfleck auf der Heiligen Kirche repräsentiert. Der Mondfleck werde erst dann verschwinden, so behauptet er, wenn alle Planeten und Sterne stillstünden und auch die Kirche von eben jenem Schatten frei sei (Wedge 1967, 161f.).
Der Mann im Mond stellt also laut Neckam die personifizierte Sünde, hier speziell das 8. Gebot des Dekalogs aufgreifend, dar, vernachlässigt allerdings das Sabbat-exemplum aus der Bibel. Generell kann man feststellen, dass Nequams eher naturwissenschaftlich fundierte Erklärungen für den Mondfleck ausschließlich an den gebildeten Leser, sein Bezug auf die Legende vom Mann im Mond hingegen an den „simple reader“ und „common people“, wie Wedge aus dem Lateinischen übersetzt (Wedge, 1967, 161), gerichtet zu sein scheinen. Alexander nennt nämlich klar seine Meinung, dass solche Mythen nur im niederen Volke weitergegeben und in bäuerlicher Naivität und Aberglauben für wahr gehalten werden, was selbstverständlich auch der Grund dafür ist, dass seine Ausführungen zum Mann im Mond sich auf so wenige Zeilen beschränken (Wedge, 1967, 45-47). Diese Meinung scheint auch der bereits erwähnte Schriftsteller Johannes Praetorius aus dem 17. Jahrhundert zu teilen, wenn er schreibt, dass „Mond-Leute statuiret werden /, wenn nehmlich die albern und abergläubischen Leute vorgeben / daß die schwartze Flecke im Mondlichten / entweder der Mann […] oder […] Isaac sey“ (Praetorius 1666, „Von Mond-Leuten“, 26f.).
13 Der Text wurde der Ausgabe von Thomas Wright (1883), S.54 entnommen, findet sich aber ebenfalls bei Baring-Gould (1906), 196.
13
Mit diesem anonym verfassten Text ist nun der Mittelpunkt der mittelalterlichen Mann-im-Mond-Beschreibung erreicht. Mit seinen vierzig Zeilen ist dieses Gedicht das längste uns aus dieser Epoche überlieferte Werk zu diesem Thema. Gemäß der Einteilung von Brook, aus dessen in 4. Auflage im Jahre 1968 erschienenen Werk The Harley Lyrics. The Middle English Lyrics of MS. Harley 2253 der Text wie folgt übernommen ist, nimmt das Poem die Nummer 81 in besagter Handschrift ein. Es befindet sich im Manuskript, welches in der British Library in London aufbewahrt wird, auf den Folios 114v-115r und zählt außerdem zu den so genannten Harley Lyrics, insgesamt 32 Gedichten in eben jener Handschrift. Der Grund für die Besonderheit und den damit verbundenen Bekanntheitsgrad dieser Gedichte ist, dass sich unter ihnen die ersten auf uns gekommenen Liebesgedichte in mittelenglischer Sprache befinden. 14
1
Mon in þe mone stond
15
ant strit
16
,
2 on is bot-forke is burþen he bereþ ; 3 hit is muche wonder þat he nadoun slyt, 4 for doute leste he valle he shoddreþ ant shereþ.
5
When þe forst freseþ muche chele he byd ;
6 þe þornes beþ kene, is hattren to-tereþ. 7 Nis no wyht in þe world þat wot wen he syt, 8 ne, bote hit bue þe hegge, whet wedes he wereþ.
9 Whider trowe þis mon ha þe wey take? 10 He haþ set is o fot is oþer toforen 11 ffor non hiþte þat he haþ ne syht me hym ner shake,
12
he is þe sloweste mon þat euer wes yboren.
13 Wher he were o þe feld pycchynde stake,
14 for hope of ys þornes to dutten is doren,
15 He mot myd is twybyl oþer trous make
16 oþer al is dayes werk þer were yloren.
14 Eine Liste der Harley Lyrics, sowie deren Nummerierung nach Brook und Ker ist im Anhang zu finden.
15 In der Vision des Tundal, welche im Zusammenhang mit der Beschreibung von Himmel und Hölle später noch genauer betrachtet werden wird, findet sich die Erwähnung eines Diebes mit einigen wörtlichen Parallelen. So wird dort ebenfalls das Verb stonden (V. 579, 609) verwendet, was doch sehr auffällig erscheint, da der Mann über eine Brücke gehen soll, offenbar aber bewegungslos auf ihr steht. Für die zusammenhängende Textstelle siehe Fußnote 104 dieser Arbeit.
16 Bödekker gibt hier an: striden `bewegt sich weiter´, mit dem sich fortbewegenden Monde (1878, 176).
17 Bödekker kommentiert: „Diese Zeile lässt schließen, dass die volksthümliche Geschichte vom Mann im Monde mit allen möglichen Einzelheiten ausgeschmückt war und unter Anderem auch angab, zu welchem Zwecke der Mann das Dorngesträuch habe sammeln wollen.“ (1878, 176).
14
17 þis ilke mon vpon heh whener he were
18 wher he were y þe mone boren ant yfed,
19 He leneþ on is forke ase a grey frere ;
20
þis crokede caynard sore he is adred.
21
Hit is mony day go þat he was here
18
;
22
ichot of is ernde he naþ nout ysped.
23
He haþ hewe sumwher a burþen of brere,
24
þarefore sum hayward haþ taken ys wed.
25
ʒef
þy wed ys ytake bring hom þe trous,
26
sete forþ þyn oþer fot, stryd ouer sty
19
.
27 We shule preye þe haywart hom to vr hous
28 ant maken hym at heyse for þe maystry, 29 drynke to hym deorly of fol god bous, 30 ant oure dame douse shal sitten hym by. 31 When þat he is dronke ase a dreynt mous, 32 þenne we schule borewe þe wed ate bayly.
33 þis mon hereþ me nout þah ich to hym crye ; Aber der Mann im Mond hört mich nicht
34 ichot þe cherl is def þe del hym to-drawe!
Das Gedicht beginnt mit den Zeilen „Mon in Þe mone stond and strit, / On is botforke is burÞen he bereÞ“ (V.1f.), zu deutsch: `Ein Mann steht und geht auf dem Mond / An einer Heugabel trägt er seine Last´. Wie aus dem Text hervorgeht, ist dieser Mann ein Bauer, was seine Attribute deutlich zeigen: botforke - `Heugabel´ (V.2) und twybyl - `doppelschneidige Axt´ (V.15). Er hatte unerlaubt Holz gehackt,
18 Die Worte „þat he was here“ erscheinen fast identisch in der bereits erwähnten Episode vom Dieb in der Tundal Vision: „þat dede throw payne, þat he has here“, (V. 614). Siehe Fußnoten 15 und 103.
19 Laut Bödekker ist mit me. sty, dt. `Stall, Gehege, Käfig; engl. `enclosure for swine´ (Klein 1967, 1530) ironisch der Raum zwischen Mond und Erde gemeint (1878, 177). 20 Übersetzung mit Hilfe von Brook (1948), Bödekker (1878) und Garbáty (1984).
15
um die Löcher in einigen Hecken zu flicken: „Wher he were o Þe feld pycchynde stake / For hope of ys Þornes to dutten is doren“ (V.13f.). 21 Als ein „Hayward“, ein kommunaler Gutsverwalter (Garbáty 1984, 654), ihn auf frischer Tat ertappt, verlangt er dem Mann ein Pfand ab - laut Müller ist dies seine Kleidung, was der Grund dafür sei, dass er so friere (1911, 154) -, welches sicherstellen soll, dass der Bauer später eine angemessene Wiedergutmachung für diesen Diebstahl bezahlen würde: „Þarefore sum Hayward haÞ taken ys wed“ (V.24). Der Bauer hinterlässt dem Verwalter zwar offenbar ein solches Pfand, flieht jedoch auf den Mond, um der Geldstrafe zu entgehen.
Dies ist der Moment, in welchem sich der Dichter selbst einschaltet - mit der Absicht, den Bauern aus seiner misslichen Lage zu befreien, weil er Mitleid für ihn und seine Situation empfindet: „For doute leste he valle he shoddreÞ and shereÞ / When Þe forst freseÞ muche chele he byd“ (`Er zittert wie Espenlaub und fürchtet zu fallen / Wenn der Frost kommt und er die Eiseskälte ertragen muss´, V. 4f.). Der Sprecher beschließt, besagten „Hayward“ in sein Haus einzuladen und ihn „betrunken wie eine Maus“ (`dronke ase a dreynt mous´, V.31) zu machen - er verwendet hier ein auch später in Chaucers Canterbury Tales vorkommendes Idiom 22 -, so dass dieser am Ende den ursprünglich verlangten „bayly“ (dt. `Eid´, `Pfand´) vergesse oder widerrufe: „We shule preye Þe haywart hom to vr hous […]
21
Joseph Ritson kommentiert die begangene Sünde des Bauern folgendermaßen: „[…] because it was for `pycchynde stake´on a Sunday that he is reported to have been thus confined. There cannot be a doubt that the following is the original story [4. Mose, Numeri 32-36], however the Moon became connected with it“ (1829, 68). In der Tat finden sich im mittelenglischen Text jedoch keinerlei Hinweise darauf, dass der Diebstahl an einem Sonntag passiert ist, was die unbedingte Verbindung zu der
Numeri-Episode
infragestellt. Zweifelhaft ist, woher Ritson die Gewissheit erhalten hat, dass der Sabbatbegriff hier eine Rolle spielt. Möglicherweise hat er sich ohne genaue Durchsicht des Gedichts auch nur zu dieser Annahme verleiten lassen, weil er die entsprechende Interpretation an anderer Stelle gelesen hat. In der Tat nämlich scheint sich dieses Phänomen der vermeintlichen Sicherheit, in „The Man in the Moon“ einen expliziten Bezug zum 4. Buch Mose gefunden zu haben, bis heute fortzusetzen. Vgl. hierzu die englische Übersetzung des Gedichts auf
Before he made the moon his home. Once on a Sunday he was fixing his fence, Hoping thorns would stop the holes.
22 “The Knight’s Tale” (`Die Geschichte des Ritters´), V. 1261: „We faren as he that dronke is as a mous“, in: Benson (³1988) Riverside Chaucer, 42. Neben dieser idiomatischen Parallele, ist auch die kontextuelle Ähnlichkeit des Chaucertextes mit „The Man in the Moon“ auffällig: Auch hier geht es um das Entkommen eines Gefangenen aus seinem Gefängnis (vgl. Mond) und in eben diesem Zusammenhang tritt das oben aufgezeigte Idiom auf.
16
When Þat he is dronke ase a dreynt mous / Þenne we schule borewe Þe wed ate bayly“ (V. 27ff.).
Doch wenn der Leser bis jetzt noch dachte, es werde ein `Happy Ending´ für den Bauern auf dem Mond geben, so wird er am Schluss des Gedichts, in den Zeilen 33-40, jäh eines Besseren belehrt: Obgleich nämlich nun der Plan des Autors aufgegangen, der Gutsverwalter betrunken und gewillt ist, den Mann zu begnadigen, kann der Verfasser den Bauern nicht dazu bewegen, vom Mond herabzusteigen: „þis mon hereþ me nout þah ich to hym crye / ichot þe cherl is def þe del hym to-drawe!“ (`Doch dieser Mann hört mich nicht, egal wie laut ich zu ihm rufe / ich glaube der Lump ist taub, der Teufel soll ihn holen!´, V. 33f.). Der Bauer scheint sich also gegenüber den Rufen des Dichters taub zu stellen, was letzteren rasend vor Wut macht: „ichot þart amarscled 23 into þe mawe. / þah me teone wiþ hym þat myn teþ mye,“, V.38f. (`Mir reicht es mit Dir! / Ich bin so wütend, dass mir die Worte fehlen´). Diese Worte lassen vermuten, dass der Erzähler am Ende kapituliert und den Bauern und dessen Rettung, welche dieser anscheinend selbst nicht erstrebt, schließlich aufgibt.
2.2.2.3 Sprachliche und metrische Gesichtspunkte
Somit wäre zumindest die Handlung des Gedichts zusammengefasst, wenn auch der Text die Sprachwissenschaft immer noch stellenweise vor das ein oder andere Verständnis- und Datierungsproblem stellt. Zu letzterem zuerst: Die New Paleographical Society hat als Entstehungszeitraum des Gedichts die Jahre 1314 bis 1325 festgesetzt (Garbáty 1984, 653), welcher sich aus diversen datierbaren historischen Ereignissen, auf welche einige politische Gedichte in der Harley Handschrift 2253 hindeuten, ergibt. 24
Die einzelnen Gedichte können ebenfalls nur bedingt anhand diverser Dialekte bestimmten Ursprungsorten zugeordnet werden, wobei hier erwähnt werden sollte, dass die Handschrift Gedichte in lateinischer, alt- und mittelenglischer Sprache enthält und noch dazu fünf verschiedene Schreiber differenziert werden konnten, die vermutlich selbst ihre eigenen Dialekte in die Texte miteinbrachten. Diese Faktoren erschweren die Identifizierung des
23 Garbáty übersetzt amarscled ins Englische mit `stuffed´, im Sinne von `gestopft´ (1984, 654).
24 Die Schlacht von Courtrai (1302) wird in „The Flemish Insurrection“ (`Die Rebellion in Flandern´; Gedicht Nr. 48) erwähnt (Scattergood, 172f.) und die „Prophezeiung des Thomas von Ercledoune“ (Gedicht Nr. 90), die auf die Schlacht von Bannockburn im Jahre 1314 hindeuten, findet sich auf fol. 127rb-va (Scattergood, 177).
17
ursprünglichen Dialekts erheblich, jedoch stellt Bödekker fest, dass die Sprache mit großer Sicherheit generell dem Süden Englands zuzuordnen sei (1878, 175). „The Man in the Moon“ stellt die Sprachwissenschaftler allerdings vor besonders komplexe Probleme verständnisspezifischer Art, was sicherlich mitunter der Grund dafür ist, dass es kaum Interpretationen und Übersetzungen des Textes gibt. Zum einen deuten die häufigen Alliterationen (stond ant strit, V.1; burþen he bereþ, V.2; forþ þyn oþer fot, stryd ouer sty, V. 26) darauf hin, dass das Gedicht im
Zeichen des so genannten `Alliterative Revivals´ entstanden ist (1320-1339), welches die im Altenglischen noch gängige
25
, danach allerdings nur noch selten verwendete Alliteration wieder aufgreift. Andererseits weist zum Beispiel die unregelmäßige und recht willkürlich erscheinende Schreibung des Phonems /u/ als
Metrisch und im Hinblick auf Strophen und Verse weist das mittelenglische Gedicht vom Mann im Mond starke Ähnlichkeit zur altfranzösischen Romanze auf (Böddeker 1878, 175). Der Reim ist zwar durchgehend abababab und durchschnittlich finden sich pro Vers vier Hebungen (Wells 1923, 490), doch der Rhythmus wirkt insgesamt und aufgrund diverser Aspekte recht ungleichmäßig. Kontraktionen wie er (V. 40) für `ever´, wher (V. 18) für `wheÞer´ und del (V. 34) für `deuel´ 26 sind Beispiele hierfür und deuten, wie Böddeker konstatiert, außerdem auf einen „ungebildeteren Dichter“, vielmehr sogar auf einen „Spielmann“ als Verfasser des Poems hin (1878, 175). Doch ist durchaus nicht auszuschließen, dass die Unebenheiten in Rhythmus und Vers, sowie die umgangsprachlich anmutende Wortwahl vom Dichter bewusst gewählt sind - vielleicht sogar, um mit besonders scharfem Zynismus den Standesunterschied zwischen einerseits dem gebildeten, zur Oberschicht gehörenden Gutsverwalter und andererseits dem Bauern Hubert und dem vermutlich ebenfalls aus der Unterschicht stammenden Erzähler zu betonen. 27 Sarkasmus findet sich schließlich auch an anderen Stellen, wie in V. 16, wo es heißt
25 Besonders im Beowulf lassen sich unzählige Beispiele für Alliterationen finden (Orchard 2003, 61.).
26 del ist die Kurzform des Wortes `devel´ (dt. `Teufel´), welches man im abergläubischen Mittelalter zum Teil weder auszusprechen, noch aufzuschreiben wagte, weil man befürchtete, damit Unheil oder den Satan selbst heraufzubeschwören. Diese Abkürzung taucht demzufolge in der mittelalterlichen Literatur mehr als einmal und auch in diversen Schreibweisen auf (vgl. MED) und gehört, entgegen der Behauptung Böddekers, damit nicht unbedingt in den Bereich der Umgangssprache. Abgesehen davon muss man davon ausgehen, dass die Abkürzung des Wortes hier durchaus auch auf das Metrum zurückzuführen ist.
27 Auch für Garbáty scheint die „rough and ready speech“ des Erzählers bewusst für die Geschichte um einen Bauern gewählt worden zu sein (1984, 653).
18
„Sonst wäre ja all sein Tagewerk dort umsonst“ im Sinne von `unbelohnt´ - die Vermutung liegt nahe, dass es das sicher ohnehin ist (Bödekker 1878, 176). Neben der Unsicherheiten bezüglich Datierung und Lokalisierung des Mannim-Mond-Gedichts, weist dasselbe auch ein paar sprachlich-etymologische Problemfälle auf. Hierzu gehört beispielsweise die Unsicherheit um die Bedeutung des Wortes
amarscled
in Vers 38, „Ichot Þart amarscled into Þe mawe“ noch ungeklärt, jedoch besteht die Vermutung, dass es im Zusammenhang mit
mawe
die Bedeutung `voll von´ trägt (Fein 2000, 189f.). Interessant erscheint auch, dass „Hayward“ in V. 24 auf
In V. 37 findet sich außerdem die Wendung hosede pye, deren Übersetzung bis heute strittig ist. Falls die Übersetzung `Weinpastete´, wie sie bei Müller (1911, 154) zu finden ist, korrekt wäre, könnte dies darauf hindeuten, dass der Bauernstand seine Sorgen und Hilflosigkeit in Alkohol zu ertränken pflegte. Eine andere, weniger umstrittenere Übersetzung, die bei Garbáty zu finden ist, lautet `trousered magpie´ (1984, 654), ins Deutsche wörtlich wiederzugeben mit `Elster in Hosen´. `Elster´ würde hier also erneut auf des Bauern Diebstahl hindeuten. Diese Übersetzung scheint auch das Middle English Dictionary (Kuhn and Reidy 1963, 959) zu bestätigen, welche die Wendung aus „Mon in Þe mone“ unter dem Lexem hōsen anführt und folgende Angaben zur Bedeutung des Wortes liefert:
hōsen v. P.ppl. i) hōsed, ōsed. [From hose n.; also cp. OF hoser.] (a) To furnish (sb.) with hose or other leg-wear; put on hose; (b) ppl. hosed, furnished with or having hose; clad in or wearing hose […] 28
2.2.2.4 Interpretationsansätze
Vergleichsweise liegen in „The Man in the Moon“ weniger sprachliche Unklarheiten vor als in anderen Texten, so dass sich hier nichts von der Intention und Aussage des Autors verliert. Die Tatsache, dass derselbe dem Bauern zu Hilfe kommt, zeigt an sich schon, dass er keinerlei ernsten oder ermahnenden Bezug auf die Bibelepisode nimmt, sondern vielmehr auf satirisch-humoristische Art und Weise Kritik an den „haywards“ des späten Mittelalters ausübt, welche als
28 Das OED zitiert Vers 37 aus „The Man in the Moon“ ebenfalls unter hosed 1. Provided with hose; wearing hose. S. 405.
19
Grundbesitzer und Herren über ihre Pächter als Inbegriff der Unterdrückung derer gelten. Der Verstoß des Bauern gegen das Gebot „Du sollst nicht stehlen“ wird hier also in Anbetracht dessen vernachlässigt, dass seine Tat in den Augen des Sprechers offenbar nicht annähernd an das ihm und seinem Stand von Seiten der Reichen bisher zuteil gewordene Unrecht heranreicht. Somit fungiert der Schöpfer von „The Man in the Moon“ in seinem Werk als Richter über Gut und Böse und greift in dieser, für frühere Leser und Hörer sicherlich durchaus aufrührerisch anmutenden, Satire selbst ein, um die Gerechtigkeit für diesen Bauern und repräsentativ für den gesamten despektierlich behandelten Bauernstand wieder herzustellen. Garbáty kommt sogar zu der Auffassung, dass dieses Gedicht - seiner Meinung nach ein „unusual example of verse in the native folk tradition“ - weniger mit dem Mond und dem Mann auf ihm, als mit der generellen Beschreibung des Bauernstandes in England zu tun habe. Deshalb betone der Text so stark das Trinken und erkläre so genau die alltägliche Arbeit eines Bauern (1984, 653). Seiner Meinung nach ist das Poem also nicht zwangsläufig als Gesellschaftskritik zu verstehen, sondern vielmehr als komisch-erheiternde Beschreibung eines typischen Bauernlebens. Diese Interpretation scheint allerdings etwas zu wenig Tiefgang zu besitzen und den eindeutig satirischen Kern des Gedichts fälschlicherweise zu vernachlässigen.
Doch der uns unbekannte Autor verfolgt noch eine weitere Intention, welche er wohl nur unter dem Deckmantel der Anonymität und im Rahmen der Dichtung, die generell mehr Interpretationsspielraum lässt als dies Prosatexte tun, offen aussprechen kann: Er tadelt nicht nur die stark ausgeprägte Klassengesellschaft der damaligen Zeit, sondern übt Kritik am Klerus, indem er den reglosen Bauern im Mond in V. 19 satirisch als „a grey frere“ bezeichnet, also den Mönchen Faulheit, eine der sieben Todsünden, vorwirft. Offenbar war dies im 14. Jahrhundert ein weit verbreiteter Stereotyp von den „grauen“ Franziskanermönchen (Garbáty 1984, 654). 29
Besonders hart allerdings geht er mit dem Verhalten des Bauern ins Gericht, eines Mannes, der hier das gesamte Bauerntum und die unterdrückte, hart arbeitende Unterschicht repräsentiert, und der trotz angebotener Hilfe nicht wagt, sich gegen die Machthabenden aufzulehnen. Dies ist sicherlich eine realistische Betrachtung der damaligen Situation: Obgleich die Bauern ohne Zweifel in der
29 Als Beleg hierfür weist Garbáty auf die Beschreibung des Bruders Hubert („The Friar’s Tale“) in Chaucers Canterbury Tales hin.
20
Überzahl waren - ebenso wie der Verfasser von „The Man in the Moon“ und der Bauer gegenüber dem betrunkenen Gutsverwalter in der besseren Position sindhatten sie nicht den Mut, aus ihren ihnen von den wenigen Mächtigen auferlegten Fesseln auszubrechen und für ihre Freiheit zu kämpfen, sondern flüchteten sich in den falschen Glauben, dass es ihnen bestimmt sei, ein Leben in Knechtschaft zu führen.
Wie im Zusammenhang mit dem Schlaraffenland-Thema später noch zu sehen sein wird, spiegelt sich die Unzufriedenheit der vermeintlich einflusslosen Bevölkerung besonders im Mittelalter, und hier speziell während der Herrschaft Edwards I. (Wells 1923, 490), sehr stark literarisch wider und dies geschieht hier ebenso wie in „The Land of Cokaygne“ durch die satirisch-humoristische Kritik an den sozialen Unstimmigkeiten der Zeit und der meist untätig von oben herab zusehenden Kirche.
2.2.3 Das Motiv bei Chaucer und Henryson
deutet vielmehr auf eine phraseologische Wendung hin, welche im Deutschen im obigen Zusammenhang frei zu übersetzen wäre mit `Du übertreibst maßlos´. In
30 Siehe zum Beispiel das Ariadne-Thema in Legend of Good Women.
31 Die englische Übersetzung des Textes, welche als Richtlinie für die deutsche galt, ist nachzulesen in der Ausgabe von Windeatt Barry (1998), S. 21.
21
Boccaccios Werk Il Filostrato 32 , welches Chaucers Hauptquelle für Troilus and Criseyde war, findet sich dieses Idiom allerdings nicht und auch Shakespeare, der durchaus in verschiedenen seiner Stücke das Mann-im-Mond-Thema verarbeitet, hat Chaucers Redewendung nicht in seine Tragödie Troilus and Cressida übernommen. 33
Robert Henryson hingegen, ein schottischer Dichter des 15. Jahrhunderts, welcher sein Werk Testament of Cresseid mit Hinblick auf Chaucers Troilus and Criseyde schrieb, verwendet das Mann-im-Mond-Motiv ebenfalls (Grimm 1844, 681) 34 - und das um einiges expliziter als Chaucer es tut.
Hir gy[t]e was gray and full of spottis
blak, And on hir breist a churle paintit full euin,
Beirand ane bunche of thornis on his bak,
Quhilk for his thift micht clim na nar the heuin.
Ebenso wie Neckam und der anonyme Autor von „The Man in the Moon“ übernimmt Henryson für seine Erwähnung das Diebstahlthema. Auf den Leser soll dieses Mondportrait entgegen manch bereits angeführten Mann-im-Mond-Beschreibungen alles andere als komisch wirken. Vielmehr deuten die „spottis blake“, die `schwarzen Flecken´, auf die Krankheit Lepra hin, eine Infektionskrankheit, welche im Mittelalter nicht selten von Unhygiene herrührte und den Erkrankten aufgrund der starken Ansteckungsgefahr zu einem gesellschaftlichen Außenseiter, im wahrsten Sinne des Wortes zu einem `Aussätzigen´, machte. Cresseid nämlich, die ihren Troilus mit einem anderen Mann betrügt, wird bei Henryson für ihre Untreue mit dieser deformierenden und letztendlich tödlichen Krankheit bestraft. Und das Mann-im-Mond-Symbol auf ihrer
32 Boccaccio selbst benutzte den Roman de Troie von Benoît de Sainte-Maure (12. Jh.) als Vorlage.
33
Zu diesem Ergebnis bin ich gekommen, indem ich die beiden Texte -
Troilus and Cressid
in Originalsprache und
Il Filostrato
in englischer Übersetzung - online auf die Stichwörter „moon“ und „man“ durchsucht habe. Die durchsuchten Texte fiFnden sich auf folgenden Internetseiten:
34 Fälschlicherweise behauptet Grimm an eben jener Stelle, dass die folgenden Zeilen aus Chaucers Feder stammen. Da Baring-Gould dieselbe Angabe macht (1906,195), kann fest davon ausgegangen werden, dass Grimms Werk ihr als Vorlage gedient haben muss.
35 Dieser Textausschnitt entstammt der Ausgabe von Denton Fox (1968), S. 119.
22
Brust kennzeichnet Cresseid alias Lady Cynthia zudem öffentlich als Aussenseiterin - interessant, dass gerade der Mann im Mond zu Henrysons Zeit der Inbegriff für einen Geächteten und von der Gesellschaft Vertoßenen zu sein scheint.
2.2.4 Shakespeares inhaltliches und idiomatisches Aufgreifen des Motivs Im 16. bzw. 17. Jahrhundert scheint auch William Shakespeare Gefallen an dem `Mann-im Mond´-Thema gefunden zu haben. In mehreren seiner Werke macht er es sich gekonnt zunutze, wofür nun eine kleine Auswahl von Beispielen angeführt werden soll (Grimm 1844, 682) 36 .
In Shakespeares bekannter, zwischen 1595 und 1596 entstandener Komödie
A Midsummer Night’s Dream
verwendet er während der Proben des von Quince und seinen Freunden organisierten Theaterstücks
Pyramus and Thisbe
die bereits vorgestellten Symbole des Mondmannes und stellt ihm außerdem einen Hund zur Seite:
QUINCE
Bei der Aufführung des Stücks vor der Hochzeitsgesellschaft werden Dornbusch und Laterne, welche Starveling, der den Mondmann gibt, als Symbol für den Mond selbst mit sich führt, nochmals auf komische Weise verbildlicht:
STARVELING (as Moonshine)
THESEUS
STARVELING All that I have to say is to tell you that the lanthorn is
DEMETRIUS Why, all these should be in the lantern, for all these are
STARVELING (als Mondschein)
36 Baring-Gould weist ebenfalls auf die folgenden Erwähnungen bei Shakespeare hin (1906, 196-197).
23
THESEUS
STARVELING Alles was ich Euch sage ist, dass die Laterne
DEMETRIUS Naja, all diese Dinge sollten in der Laterne stecken, denn sie alle Sind im Mond.
Die Laterne („lantern“) also versinnbildlicht das Licht des Mondes und somit den Mond selbst und ist somit das für das Verständnis des Publikums wichtigste Attribut. Der Dornbusch weiterhin ist, wie hier erneut zu sehen ist, das traditionellste Merkmal der Mann-im-Mond-Vorstellung und fehlt auch in dieser Darstellung nicht. Vermeintlich „neu“ scheint allerdings bei Shakespeare, dass der Mondmann von einem Hund begleitet wird, doch der Hund als Gefährte des einsamen Mannes auf dem Mond taucht nicht zum ersten Mal bei Shakespeare auf, sondern bereits im Jahre 1335 als Bild auf einem Siegel, welches Baring-Gould zeigt (1906,198). Hier ist der Mann erneut mit dem Dornenstrauch auf dem Rücken abgebildet und vor ihm sitzt ein aufmerksamer, kleiner, mit dem Schwanz wedelnder Hund, der allerdings dem Bild eines eher zu erwartenden Jagdhundes wenig ähnelt, sondern vielmehr die Vorstellung eines Schoßhundes bedient. Hund und Mann stehen beide in einem sichelförmigen Mond und um sie herum leuchten Sterne, wohl um noch deutlicher machen, dass beide sich am Himmel befinden. Das Siegel trägt außerdem folgenden lateinischen Spruch: „Te Waltere docebo cur spinas phebo gero“ (`Dich, Walter, werde ich lehren, warum ich auf dem Monde Dornen trage.´) (1906, 199).
24
Mond das Lamm in der Sonne sei und diese enge Verbindung zwischen Tier und den beiden dominanten Himmelskörpern als sehr alt eingeschätzt werden müsse 38 und ein Relikt des urzeitlichen indogermanischen Aberglaubens sein könnte (1906, 197).
Abgesehen von der Laterne, welche in A Midsummer Night’s Dream nur als Symbol auf der Bühne fungieren soll, verwendet Shakespeare den Dornbusch sowie den Hund als Begleiter des `Man in the Moon´ in seinem Theaterstück The Tempest (II,ii,145-149) konstant weiter:
STEPHANO CALIBAN
STEPHANO CALIBAN
Die Situation, in welcher der obige Dialog stattfindet, ist die, dass Caliban, der körperlich deformierte Knecht des Prospero und Sohn der Hexe Sycorax, auf Stephano trifft und ihn für den Mann im Mond hält. Im Gegensatz zu anderen bereits erwähnten und noch anzuführenden Mondmännern 39 wird dieses Motiv bei William Shakespeare nicht negativ konnotiert, vielmehr drückt er mit obig genanntem Zitat „I do adore thee“ (V. 148) seine Hochachtung für diese mythische Figur aus. Auf den Leser - beziehungsweise Zuschauer - musste diese Szene jedoch außerordentlich komisch wirken, da Stephano zum Zeitpunkt des Dialogs
37 Für weitere Informationen zur (symbolischen) Beziehung zwischen Mensch und Hund siehe: Oeser, Erhard (2004). Hund und Mensch. Die Geschichte einer Beziehung. Primus Verlag: Darmstadt.
38 Baring-Gould gibt an, dass eine Mondlegende in Indien dieselben indogermanischen Wurzeln hat, wie der westeuropäische Mythos und argumentiert damit, dass hier Tiere die Hauptfiguren darstellen (1906, 203ff.).
39 Vgl. „The Man in the Moon“ (Kap. 2.2.2.1) und Neckams „Rusticus in Luna“ (Kap. 2.2.1), sowie Kap. 2.3 für weitere Beispiele.
25
völlig betrunken ist und außer Caliban ihn sicher niemand für anbetungswürdig halten sollte.
Besonders wichtig zu erwähnen ist hier außerdem, dass das Reisigbündel, welches bereits in der oben angeführten Bibelstelle 40 , dem mittelenglischen Gedicht „The Man on the Moon“ 41 , in Neckams Vierzeiler 42 sowie bei Henryson 43 ein festes Attribut des Mannes im Mond ist, auch hier erscheint. Shakespeare versteht es auf eine höchst belustigende Art, das Mann-im-Mond-Motiv zu doppeln: Während nämlich Stephano der vermeintliche Mondmann ist und seine Trunkenheit sogar die Brücke zu den Worten des anonymen Autors von „The Man on the Moon“ „[…] hosede pye“, V. 37 - vorausgesetzt man befürwortet die englische Übersetzung `wine pie´ - schlagen könnte, trägt wiederum Caliban, der Stephano für denselben hält, selbst das Reisigbündel als traditionelles Mondmann-Attribut auf dem Rücken. 44 Das Ölgemälde von William Hogarth aus dem 18. Jahrhundert zeigt Caliban interessanterweise in eben jener Ansicht.
2.3 Variantenreicher Mythos im deutschen Sprachraum
Neben der skandinavischen und der buddhistischen Mythologie (Baring-Gould 1906, 201), überliefert vor allem der deutsche Volksmund einige interessante Varianten des Mann-im-Mond-Mythos, welche sich ebenso wie die oben genannten überwiegend auf die Diebstahlgeschichte der Bibel stützen. In Schwaben erzählt man sich beispielsweise, dass auf dem Mond ein Mann und eine Frau leben. Der Mann, so sagt man, habe Holz gestohlen und die Frau verdiene ihr Exil, weil sie am Sabbat Butter gemacht habe. Somit symbolisiert bei ersterem ein Holzbündel und bei der Frau ein Butterfass deren Verbrechen vor Gott (Baring-Gould 1906, 193). Tobler weiterhin berichtet von „an arma ma“, der „am Sonnti holz ufglesa ket“ und als Strafe wählen darf, ob er lieber „ider sonn verbrenna oder im mo verfrüra“ möchte: „Do willer lieber inn mo ihi.“ (Baring-Gould 1906, 192). Anzumerken ist hier, dass die beiden eben genannten Beispiele das 3. Gebot, also das Verbot der Arbeit am Sabbattag, welches auch die in Kapitel 2.1.2 zitierte
40 Siehe Kapitel 2.1.2.
41 Siehe Kapitel 2.2.2.1.
42 Siehe Kapitel 2.2.1.
43 Siehe Kapitel 2.2.3.
44
In Anbetracht dessen, dass Shakespeare hier bewusst Caliban mit dem `Mann im Mond´ assoziiert, ist es überaus treffend, dass einer der Uranus-Monde - welche allesamt nach Charakteren aus Shakespeares oder Alexander Popes Werk benannt sind - den Namen Caliban trägt. Siehe:
26
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Moni Kirner, 2008, Der Mann im Mond, Himmel und Hölle und das Schlaraffenland in der mittelalterlichen englischen Literatur, München, GRIN Verlag GmbH
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