Inhalt
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1. Einleitung 3
2. Biographie und Werk Karin Boyes 5
2.1 Karin Boyes Leben 5
2.2 Einordnung in den literaturhistorischen Kontext 19
2.3 Karin Boyes Dichtung 21
3. Gedichtanalyse 22
3.1 methodisches Vorgehen 22
3.2 Analyse Stjärnorna’ 23
3.3 Analyse Ja visst gör det ont’ 34
3.4 Fazit 43
4. Schluss 44
5. Literaturliste 45
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1. Einleitung
“…Mycket mörk och med stora ögon;
klädd i resdräkt, när hon försvann. Kanske söker hon bortom sekler, dit en spårhund ej vägen fann, frihetspasset där Spartas hjältar valde döden till sista man. […]
Denna dag stiger ned till Hades, följd av stolta hellenska män, mycket mörk och med stora ögon deras syster och döda vän.“ -Hjalmar Gullberg, ‚Död Amazon’ 1941 1
Dieses Gedicht schrieb der Dichter Hjalmar Gullberg über seine verstorbene Kollegin Karin Boye. Die Dichterin hatte sich 1941 das Leben genommen. Mit ihrem Tod setzte eine beispiellose Idealisierung ihrer Person und ihrer Werke ein. Karin Boye wird auch heute noch als Amazone empfunden - sie stellt für viele eine Person dar, die an den äußeren Umständen der 20er und 30er Jahre zerbrochen ist. Zeitlebens mit den Diskrepanzen zwischen ihrem Inneren und den äußeren Gegebenheiten im Kampf stehend, wird sie in diesem Gedicht als die Schwester der stolzen griechischen Kämpfer beschrieben, die dunkel und mit großen Augen dem Tod entgegen schreitet. Weiteren Einfluss darauf, dass sich dieses Bild von Karin Boye durchsetzen konnte ist auch Margit Abenius - ihre erste Biografin. Bereits 1950 erschien die Biografie ‚Drabbad av Renhet’, welche ausführlich das Leben und die Werke Karin Boyes beschreibt und miteinander in Verbindung setzt. 2 So lag für Margit Abenius ein Schwerpunkt der Interpretation von Karin Boyes Dichtung auf der Tatsache, dass diese homosexuell war. Neuere Werke distanzieren sich von diesem Ansatz und geben Raum für andere Interpretationsansätze. So lässt sich hier Gunilla Domelöf nennen, die in ihrem 1986 erschienen Buch ‚I oss är en mångfald levande’ vor allem auf die Rolle Karin Boyes als feministische Autorin, sowie als Kritikerin eingeht. Camilla Hammarström bemüht sich in ihrer Biografie ‚Karin Boye’ von 1997 ein möglichst objektives Bild der Autorin darzustellen. Sie möchte ihr auf Augenhöhe begegnen und distanziert sich von Margit Abenius. Auch Barbro
1 Zitiert nach: http://www.karinboye.se/verk/dikter/dikter/dod-amason.shtml [20.Juni 2008]
2 Drabbad av renhet basieret auf dem Werk und Briefe von Karin Boye, aber auch auf Gespräche mit Angehörigen
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Gustafsson Rosenquist zeichnet in ihrem Buch ‚Att skapa en ny värld’ ein genaueres Bild von Karin Boye mit besonderem Fokus auf psychologische Einflüsse und feministische Tendenzen.
Karin Boye ist nicht nur eine bekannte schwedische Lyrikerin und Autorin, sondern hat sich auch durch ihre eigenen Übersetzungen bekannter Autoren wie T.S. Elliot oder Thomas Mann, sowie als Literaturkritikerin einen Namen in Schweden gemacht. Den meisten sind aber ihre Gedichte, sowie ihr zukunftsvisionärere Roman ‚Kallocain’ im Gedächtnis geblieben. Vor allem die Gedichte werden auch heute noch von vielen gelesen und vor allem jüngere Menschen scheinen sich in ihnen wiederzufinden. Ziel dieser Hausarbeit soll es sein, die Lyrik Karin Boyes’ vorzustellen und zu analysieren. Interessant ist hier die Frage, inwieweit sich ihre Gedichte im Laufe des Lebens gewandelt haben, ob es eine Änderung des Stils und der Themen gab. Um dies zu beantworten möchte ich zwei Gedichte aus unterschiedlichen Sammlungen Karin Boyes miteinander vergleichen, um so aufzuzeigen, wo sich ähnliche Motive finden lassen, oder ob es unterschiedliche Ansätze gibt. Zum einen analysiere ich das Gedicht ‚Stjärnorna’ aus dem 1924 erschienen ‚Gömda Land’. Anschließend betrachte ich eines ihrer bekanntesten und oft zitierten Gedichte ‚Ja visst gör det ont’ aus ‚För trädets skull’, welches 1934 erschien. Vorher werde ich jedoch einen ausführlichen Einblick in das Leben Karin Boys geben, um aufzuzeigen, welche potentiellen Einflüsse es auf ihre Dichtung gegeben hat. Für das Verständnis ihrer Gedichte ist nicht nur die Zeit in der sie geschrieben wurden, die 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts, von Bedeutung, sondern auch der persönliche Hintergrund. Karin Boye hat viel von sich selbst in ihre Dichtung eingebracht. Die Lyrik Karin Boyes kann aus verschiedenen Blickwinkeln heraus analysiert werde, Ziel dieser Arbeit soll es daher sein, bei der Analyse verschiedene Aspekte mit einzubeziehen um so ein umfassendes Bild der Lyrikerin zu schaffen. Eine kurze Einordnung in den literaturhistorischen Kontext ermöglicht es Karin Boye im Vergleich zu anderen Dichtern dieser Zeit zu fassen. Durch eine, diese verschiedenen Aspekte miteinbeziehende, Analyse soll es möglich sein, die Gedichte in einem Gesamtkontext zu verstehen. Oft wird Karin Boye in der Literaturwissenschaft mit Edith Södergran verglichen, die auch ein kurzes Leben führte und der Nachwelt ihre Gedichte
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hinterließ. Tatsächlich sind beide dem Modernismus zuzuordnen und ihre Gedichte behandeln durchaus ähnliche Thematiken. Vergleiche zwischen den beiden wurden bereits in vielen Aufsätzen gezogen, so dass in dieser Arbeit davon abgesehen werden soll, dieses Thema erneut aufzugreifen. Gegenseitige Einflüsse werden aber thematisiert, ebenso wie offensichtliche Einflüsse anderer Autoren auf Karin Boye.
2. Biografie und Werk Karin Boyes
2.1 Karin Boyes Leben
Karin Maria Boye wurde am 26. Oktober 1900 in Göteborg geboren, sie war das älteste von drei Kindern. Ihre Brüder Sven und Ulf wurden 1903, bzw. 1904 geboren. Fritz Boye, Karins Vater und seine neun Jahre jüngere Frau Signe gehörten zur bürgerlichen Oberschicht Göteborgs und der Haushalt der Familie war tendenziell eher altmodisch. Trotzdem wird der Vater von Karins jüngerem Bruder Ulf als „frisinnad liberal, antimilitarist och för kvinnlig rösträtt“ 3 beschrieben. Radikale Ideen wurden im Hause Boye offen diskutiert. Interessant ist an dieser Stelle, dass Margit Abenius im Verhältnis zu den Eltern - dem engen zum Vater, dem schwierigen zur Mutter - ein Wegbereiten für Karin Boyes Homosexualität sieht. 4 „… faderns egenskaper och förhållandet till fadern inte var ägnade att tända den normala kvinnligheten hos dottern.“ 5
Familie Boye spielte eine wichtige Rolle innerhalb der höheren Gesellschaft der Stadt, in ihrer großen Wohnung am Vasaplatsen wurde häufig zu Abendessen geladen, die Familie leistete sich Angestellte, wie Köchin, Putzfrau und Kinderfrau. Untypisch für ihre Kreise waren Signe und Fritz jedoch überaus liberal, sie wählten beide die ‚Liberalerna’ und Signe war im Frauenverbund aktiv. Politische und kulturelle Diskussionen waren in der Familie an der Tagesordnung. Zudem besaßen sie eine große Bibliothek und oft wurde abends laut vorgelesen, so dass die Kinder schon früh Zugang zu großen
3 Hammarström 1997: 15
4 Wichtig ist, hier festzuhalten, dass Margit Abenius Werk ‚Drabbad av renhet’ in den 50er Jahren erschien und somit heutzutage nicht unkommentiert gelesen werden sollte - einige Ansichten scheinen heute veraltet und müssen im Kontext ihrer Zeit gesehen werden.
5 Hammarström 1997: 15
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literarischen Werken erhielten. 6 Auch durch die Erziehung von Seiten des Kindermädchens wurden die Geschwister an die Literatur herangeführt, so las man beispielsweise die Märchen der Gebrüder Grimm, Hans Christian Andersen und Selma Lagerlöf. Karin Boye war ein aufgewecktes Kind, das sich im Alter von fünf Jahren selbst Lesen beibrachte und mit viel Phantasie für sich und ihre Brüder Geschichten ausdachte und mit Puppen vorführte. 1907 kam Karin Boye in die Schule, wo sie schon früh durch ihr ausgeprägtes Allgemeinwissen auffiel. Zwei Jahre später zog die Familie nach Stockholm, da der Vater in Frührente ging. Mit dem Umzug der Familie verschlechterte sich ihre finanzielle Situation, der Vater erhielt zwar eine gute Pension, diese reichte aber nicht an sein ursprüngliches Gehalt heran. In Stockholm besuchte Karin Boye die Åhlinska Skolan, die Familie wohnte in Birkastaden. 7
Bereits zu Schulzeiten verfasste Karin Boye erste Geschichten und Gedichte, die Parallelen zu ihren späteren Werken erkennen lassen. Auch waren in ihrem Denken erste Motive wieder erkennbar, so beschäftigte sie sich schon früh mit asketischen Gedanken. Für Karin Boye musste alles einer Logik folgen, moralische Fragen beherrschten ihre Denkweise. Für ihre Umgebung war es nicht einfach, ihr zu folgen 8 und ihr Interesse für metaphysische Fragen, Schopenhauer und der zentralen Frage nach dem Tod waren den meisten Gleichaltrigen fremd. Das Schreiben von Texten gab der jungen Karin Boye eine Möglichkeit diese Gedanken zu kontrollieren - und die Suche nach Kontrolle war ein grundlegendes Ziel in ihrem Denken. 9 Karin Boyes frühe Texte thematisieren Trost und Zuflucht, einige von ihnen beschreiben den Tod und eine Art Befreiung. Interessant ist, dass die frühe Lyrik bereits thematisch von einer Art Transzendenz bestimmt wird, in deren Form sich allerdings noch eine Naivität widerspiegelt, die in späteren Gedichten verschwindet. 10
Bereits mit 14 Jahren litt Karin Boye an Depressionen, die verschiedene Gründe hatten - zum einen die schwierige Mutter-Tochter-Beziehung, die Camilla Hammarström in ihrer Biografie thematisiert: Signe Boye war
6 Hammarström 1997: 16/17
7 Hammarström 1997: 19
8 Abenius 1950: 32/33
9 Hammarström 1997: 20
10 Hammarström 1997: 24ff
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Alkoholikerin, was auf verschiedene Art auf die Entwicklung der Kinder Einfluss nahm 11 . Camilla Hammarström schlussfolgert, dass die Flucht in Phantasiewelten und in die Literatur ein Weg war, wie Karin Boye mit dem Verhalten ihrer Mutter umgehen konnte. Die Mutter konnte ihrer Tochter keine Stütze sein und gerade in der Pubertät fand Karin Boye keinen Halt bei ihren Eltern. Zum anderen war die neu gefühlte Sexualität ein Problem für Karin, sie wusste nicht mit diesen Gefühlen umzugehen, vor allem da sich ihr Interesse auf Frauen richtete, was auch ihrer eigenen Meinung zufolge unnatürlich und somit gegen jede Logik war.
1915 zog die Familie erneut um, aufs Land nach Huddinge. In dieser Zeit wandte sich Karin Boye, auch aufgrund des Interesses ihrer Mutter, dem Buddhismus zu. Sie las Schopenhauer, der die östliche Philosophie aufnahm, und suchte nach einem Ideal, das es in der westlichen Welt nicht zu geben schien - „Idealet är behärskning och självövervinnelse.“ 12 Auf der Suche nach diesem Ideal und der eigenen Position innerhalb der Gesellschaft fand Karin Boye jedoch Antworten im christlichen Glauben. Die Rektorin ihrer Schule Lydia Wahlström war aktive Christin und so gab es für die Schülerinnen christliche Ferienlager. Karin Boye besuchte 1918 erstmals das Sommerlager in Fogelstad/Södermanland 13 - zwar schien sie noch nicht vom christlichen Glauben überzeugt, wie ein Brief an eine ihrer damaligen Freundinnen Signe Karlsson zeigt, wo sie sich gegenüber einigen der Leiter und deren Ansichten eher ironisch zeigt, „Ragnhild Törner (ytterst osympatisk i sina uttalanden, så där äkta-ortodox-lagisk-asketisk-förnunftskuvande)…“ 14 , jedoch genoss sie die Zeit im Lager, vor allem war sie begeistert von der sechs Jahre älteren Anita Nathorst. Im Brief an Signe schrieb Karin Boye am 6. Juli 1918 Vår mamma [=Leiter im Zimmer] var Astrid Nathorsts syster, Anita Nathorst. Vet du, vem det är? O Signe, en sådan människa! Hon är så underbart! […] Jag tror, att jag skulle våga säga allt vad jag tänker och undrar till Anita och vara säker på, att hon aldrig missförstod. 15
11 Hammarström 1997: 17ff
12 Hammarström 1997: 36ff
13 Fogelstads Hof wurde später das Zentrum der so genannten Fogelstads-Gruppe, die unter anderem eine Schule für Frauenrechte errichteten.
14 Helgesson 2000: 38
15 Helgesson 2000: 35
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Anita Nathorst, die zu dieser Zeit bereits in Uppsala studierte, wird eine der engsten Freundinnen Karin Boyes. Die beiden trafen sich auch 1920 bei einem weiteren Sommerlager, dem Almnäsmötet wieder, wo Karin Boye sogar eine Gruppenleiterfunktion übernahm. Nach diesem Lager war Karin Boye deutlich begeisterter vom christlichen Glauben - in einem Brief an ihre Freundin Agnes Fellenius schrieb sie über eine der Leiterinnen Dagny Thorvall … jag kunde inte låta bli, att tänka att hon själv mer an de allra flesta var ett av dem, ett helgon i protestantisk mening, inte fullkommlig i sig själv, men helgad av Gud, genomstrålad av Gud ‚som kristallen av ljuset’. Sådana kristaller borde alla vara, och det är underbart att se, att det finns möjlighet till det, att det verkligen finns människor, som lever i Gud [sic!]. 16
Aus dieser neuen Perspektive, dem Glauben an Gott, sah Karin Boye nun auch ihre frühere Faszination für den Buddhismus skeptisch - „När jag ännu inte trodde på Gud, såg jag skapelsens lidande och fasade: det var därför jag så ivrigt höll fast buddhismens livsförnekande pessimism.“ 17 Ihre Begeisterung für den christlichen Glauben steigerte sich und es schien als hätte sie eine Perspektive gefunden, die ihre Weltanschauung unterstützte. Camilla Hammarström bringt an, dass Karin Boye im christlichen Glauben eine Art Erlösung für ihr ‚Leiden’, die Homosexualität, zu finden glaubte. Einerseits hatte sie selbst eben diese Gefühle, andererseits verurteilte sie die Schwärmerei einer anderen Teilnehmerin für sich selbst hart: “ Jag antar att hon var svärmiskt anlagd, jag fick det bekräftad genom ett brev, som hon redan skrivit till mig. Det var ganska äckligt.“ 18 Einmal mehr wird hier die innere Zerrissenheit deutlich.
1920 beendete Karin Boye ihre Schulzeit und wechselte für ein Jahr an das Södra Seminariet in Stockholm, wo sie eine Ausbildung zur Volksschullehrerin machte. War sie immer eine gute Schülerin gewesen, so geriet sie hier an ihre Grenzen; das hohe Lerntempo forderte sie. 19 Hinzu kam, dass sie sich mit dem christlichen Glauben, den einhergehenden Moralvorstellungen und ihrer eigenen Sexualität im Konflikt befand, sie hatte sich in eine ihrer Mitstudentinnen verliebt. Später verarbeitete sie diese Zeit in ihrem Roman ‚Kris’, der 1934 erschien. Karin Boye beschäftigte sich zur Zeit
16 Helgesson 2000: 45
17 Helgesson 2000: 46
18 Helgesson 2000: 44
19 Hammarström 1997: 41
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des Seminars mit Nietzsche und las sein Werk ‚So sprach Zarathustra’. Hier wird Gottes Tod verkündet und das Verlangen des Körpers nicht verdammt, wie es der christliche Glauben tut. In Nietzsches Gedanken fand Karin Boye was sie gesucht hat;
Genom Nietzsche hade Karin Boye fått syn på det skapande jagets möjligheter. […] Mötet […] öppnade möjligheten att […] söka erövra viljan, att inte längre se det självhävande jaget och livsviljan som ett problem utan ett kraftkälla att skapande bottna i. 20
Nachdem sich Karin vom christlichen Glauben distanzierte, begann sie nicht als Lehrerin zu arbeiten, sondern zog nach Ende des Seminars nach Uppsala, wo sie 1921 begann zu studieren. Hier studierte sie zuerst Griechisch, anschließend Nordische Sprachen und Literaturgeschichte. Der Beginn in Uppsala hatte großen Einfluss auf Karin Boyes Ansichten. In einer bisher von Männern geprägten studentischen Welt, hatten es die Frauen schwer sich durchzusetzen. 21 Sie fühlte sich als Frau diskriminiert, da man entweder als Konkurrenz gesehen wurde oder aber als Ziel der romantischen Eskapadenbeides wollte Karin Boye nicht sein. Das vorherrschende Frauenbild zu Beginn der 20er Jahre widersprach ihren Ansichten 22 . Auch wenn das Frauenwahlrecht 1921 in Kraft getreten war, hatte Karin Boye, wie viele andere Frauen, das Gefühl der Kampf um die Gleichstellung war noch lange nicht vorbei, so engagierte sie sich bei der kvinnliga studentförening, deren Wortführerin sie später auch werden sollte. 23
In dieser Zeit wurde sie mit einer Auswahl ihrer Gedichte beim Verlag Albert Bonniers in Stockholm vorstellig. Die Gedichte, die sie in ihrem Debüt veröffentlichen wollte, waren allerdings aus unterschiedlichen Zeiten, sie wurden von Karin Boye selbst ausgewählt, so dass es schwierig ist in ihrem 1922 erschienenen Debüt Moln ihre aktuellen Ansichten und die Einflüsse von Nietzsche festzustellen. Ebenso lassen sich noch Einflüsse ihrer christlichen Periode und auch der Beschäftigung mit dem Buddhismus und Schopenhauer erkennen. Allerdings stellt Camilla Hammarström fest, dass Karin Boye wohl erst nach der Beschäftigung mit Nietzsche das Selbstvertrauen entwickeln
20 Hammarström 1997: 47
21 Gustafsson 1988: 48
22 Gustafsson Rosenquist 1999: 120f
23 Gerade neuere Interpretationen ihrer Werke bedienen sich verstärkt einer feministischen Lesart und interpretieren ihre Lyrik und Prosa anhand des ‘kvinnosyn’ - an dieser Stelle seine zum Beispiel Paulina Helgesson und Barbro Gustvasson Rosenquist genannt.
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Quote paper:
Katharina Werner, 2008, Die Lyrik Karin Boyes, Munich, GRIN Publishing GmbH
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