Interpretation der Kurzgeschichte „Eva's Besuch“ unter Berücksichtigung des Motivs Brüchigkeit und Fragwürdigkeit der zwischenmenschlichen Beziehungen und dem Bezug zur Gruppe 47
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Einleitung
3. Hauptteil
Analyse der Kurzgeschichte und Klärung des Themas beziehungsweise der
Aufgabenstellung
4. Schlussbemerkung
5. Literaturverzeichnis
1. Vorwort
Ich habe mich an dieser Stelle für ein Vorwort entschieden, um hier einige wichtige biographischen Lebensdaten und -abschnitte aufzuzeigen, die für die Strukturgebundene Analyse des ausgewählten Textes nicht von Besonderheit wären, allerdings das Verständnis meiner Wahl für Gabriele Wohmann und gleichzeitig das der Intention und Thematik ihrer Texte aufzeigt und vertieft.
Gabriele Wohmann wurde am 21.05.1932 in Darmstadt als Tochter von Luise und Paul Guyot geboren. Sie studierte Neuere Sprachen, Musikwissenschaften und Philosophie und nach ihrer Heirat 1953 fand ihr Gelerntes im Schreiben Anklang und seit 1956 ist sie als ungemein produktive Schriftstellerin tätig.
" Schreiben ist eine Krankheit, Nichtschreiben auch. Das Tun ist ein Zwang, das Nichttun auch." 1
Gabriele Wohmann bezeichnet sich selbst als " Graphomanin" und lebt mit ihrer Schreibkrankheit, akzeptiert sie als bestimmtes Element ihres sonst normal verlaufenden Lebens. Sie wehrt sich gegen Gewöhnung, gegen das Sich- Einrichten im Alltag, lebt aber demgegenüber ganz bewusst in festen Bahnen, braucht Gewissheit und selbst geschaffenen Rhythmus als Fundament ihrer Arbeit. "Ich bin kein Fabulierer, keine Person- und Stofferfinder, ich habe den Authentitätstick, also werde ich beim Schreiben auch immer so ziemlich in meiner eigenen Nähe bleiben." 2 Diese Selbstaussage fordert dazu auf, das Leben der Autorin, ihre Herkunft und Bildung, ihr soziales Umfeld, ihre Gewohnheiten und Intentionen als Grundsubstanz für ihr Schreiben ernst zu nehmen. Sie selbst versichert: "Ganz ohne das Ausgehen von eigenen Erfahrungen oder Empfindungen kann ich überhaupt nicht schreiben. Ich berichte, zwar in einer anderen Person steckend, von Erfahrungen, die ich gemacht haben könnte." 3 Ihre Texte handeln vom Gefühl, zu kurz gekommen zu sein, nicht gelebt zu haben, vom Aneinander vorbeireden, von Abgrenzungen und Klammern, von Enttäuschungen und moralischem Druck, der Angst vor Einsamkeit, vom fatalen Tröster Alkohol und all den Unzulänglichkeiten, die das Durchleben des Alltags begleiten. Sie seziert immer neu
Siblewski, 1982, S. 8 1 Häntzschel,1982, S. 7 2 Häntzschel, 1982, S. 7 3
knapp und doch detailliert menschliches (Nicht-) Miteinander, ausgehend von kleinen banalen Begebenheiten, hinter denen persönliche Tragödien stecken können. Mit Ihrer Möglichkeit der Beeinflußung der Menschen tritt sie für das Recht des Einzelnen auf Individualität ein, auf Nichteinordnung in soziale Gruppen und wendet sich gegen gesellschaftliche Normen und Ansprüche, wie sie nicht zuletzt gerade während des dritten Reiches erhoben wurden.
Gabriele Wohmann schrieb seit ihrer ersten Buchveröffentlichung 1957 eine Vielzahl von Erzählungen, Kurzgeschichten, Gedichten, Theaterstücken und Romanen, die sie als detailgenaue und sensible Beobachterin des Alltagslebens auswiesen und ihr den Ruf eintrugen, die "größte deutsche Chronistin privaten Lebens" 4 zu sein. Ihr umfangreiches Oeuvre wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bremer Literaturpreis (1971), dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse (1980), dem Literaturpreis des ZDF und der Stadt Mainz (1985).
2. Einleitung
Bei dem zu behandelnden Text „Evas Besuch“ von Gabriele Wohmann handelt es sich um eine Kurzgeschichte, welche ein Teil des Gesamtwerkes „Ländliches Fest und andere Erzählungen“ 5 aus dem Jahre 1968 ist. Zur Geschichte der Kurzgeschichte muss man an dieser Stelle erwähnen, dass sie in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg entstanden ist und zunächst nur der Vergangenheitsbewältigung gewidmet war. Die Autoren wollten nach dem „Kahlschlag“ 6 einfach, schlicht und wahr bleiben. Lange Einleitungen, Überleitungen und Schlusssätze erschienen dabei hohl, denn dem aus dem Krieg heimgekehrten Dichter fehlte die epische Ruhe. Der Erfolg der Kurzgeschichte beruhte auf der Änderung des Leseverhaltens und auf literarische Gründe, wie zum Beispiel die Einfachheit des Stils.
In „Evas Besuch“ wird die Unfähigkeit, Empfindungen oder Bedürfnisse auszusprechen, die Unfähigkeit einander etwas mitzuteilen thematisiert. Das menschliche Nichtmiteinander, welches aus der Angst vor dem Symphatieverlust entspringt, wird detailliert dargestellt.
www.home.t-online.de/home/dominikaner braunschweig/woh 4
Wohmann, 1968, S. 142ff. 5 Begriff von W. Weyrauch 6
Arbeit zitieren:
Carolin Spangenberg, 2000, Gabriele Wohmann: Eva´s Besuch - Interpretation der Kurzgeschichte unter Berücksichtigung des Motivs Brüchigkeit und Fragwürdigkeit der zwischenmenschlichen Beziehungen und dem Bezug zur Gruppe 47, München, GRIN Verlag GmbH
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