Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Zur Aufschachtelung des Begriffs der Postmoderne. 4
2.1 Zu postmodernen Thesen und ihrer Übertragung auf den Feminismus 6
2.2 Bedenken des Feminismus gegenüber den Thesen der Postmoderne im Diskurs 8
3 Zur Identitäts- und Dekonstruktionsproblematik innerhalb der postmodernen Diskussion
11
4 Zu den Perspektiven des Feminismus in der Postmoderne 13
5 Betrachtungen zum Schluss 15
Literaturverzeichnis. 17
2
1 Einleitung
Die folgende Arbeit hat die feministische Erkenntnistheorie in der so genannten Postmoderne zum Thema. Bevor der Feminismus an sich näher behandelt werden kann, scheint es im Rahmen dieser Seminararbeit zunächst einmal sinnvoll den Begriff der Postmoderne auszuführen. Es soll gezeigt werden, dass die Postmoderne weder als ein endgültiges Definitionsschema dargestellt noch in Form einer präzisen Begrifflichkeit vereinheitlicht werden kann, weswegen es in der Vergangenheit auch zu begrifflichen Unstimmigkeiten wie der bisweilen anscheinend austauschbaren Verwendung der Begriffe Postmoderne und Poststrukturalismus gekommen ist.
Anhand von Thesen aus der aktuellen postmodernen Feminismus-Diskussion, die bemüht sind den postmodernen Charakter so deutlich wie möglich immerhin zu umreißen, sollen Anhaltspunkte aufgezeigt werden, um eine Grundlage zum diesbezüglichen Diskurs zu gewährleisten.
Diese von Jane Flax formulierten Thesen zur Beschreibung der Postmoderne wurden von Seyla Benhabib im Streit um Differenz weiter ausgeführt, indem sie nach einer umfassenderen Auffächerung dieser postmodernen Thesen die feministische Epistemologie dahingehend betrachtet, ob sich nämlich etwaige Schnittmengen von feministischen Forderungen sowie postmodernen Axiomen ergeben.
Im Zuge dieses Unterfangens sind einzelne postmoderne Thesen auf ihre Gangbarkeit für feministische Integrationszwecke hin zu untersuchen. Im Dialog von vornehmlich Diskurs-Theoretikerinnen, jedoch vereinzelt auch -Theoretikern, soll zudem die Notwendigkeit konstruktiver Vorgehensweisen in der dialektischen Argumentation, soweit es den Feminismus betrifft, hervorgehoben werden.
Des Weiteren wird sich die Arbeit im Kurzen mit der Identitäts- und besonders mit der Dekonstruktionsproblematik beschäftigen, um hierbei verschiedentlich vorherrschende Meinungen in die Feminismus-Diskussion mit einfließen zu lassen und gerade auch auf die Ambivalenz postmoderner Realität hinzuweisen: Einerseits soll Naturbeherrschung die Freiheit des autonomen Individuums von äußeren Zwängen gewährleisten, andererseits ist darin schon das Irrationale einer totalisierenden Vernunft impliziert, das als “das Andere” ausgegrenzt wird. 1
1 Hannelore Bublitz: Rationalisierung und Geschlechterverhältnis. In: Marianne Krüll (Hg.): Wege aus der
männlichen Wissenschaft. Pfaffenweiler 1990, 83-96, hier 85.
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Schließlich sollen verschiedene Perspektiven feministischer Bemühungen auf epistemologischer Ebene in Form einer konzisen Zusammenfassung Erwähnung finden und die Frage in einen größeren Kontext gestellt werden, inwieweit Postmoderne und Feminismus zueinander passen bzw. ob es überhaupt als notwendig erscheint diese zwei gewichtigen epochalen Begriffe in ein unbedingtes Verhältnis zueinander zu setzen.
2 Zur Aufschachtelung des Begriffs der Postmoderne
Im Gegensatz zu den Werten der Moderne basiert die Weltanschauung der Postmoderne auf den Kategorien der Relativität, Heterogenität und Zufälligkeit aller Phänomene. Für sie gibt es weder eine umfassende Totalität oder Rationalität noch einen fest umrissenen Sinnhorizont hinsichtlich der Deutung der Welt. Die historischen Relationen werden dabei nicht mehr fortschrittsoptimistisch als zielgerichteter, auf einen höheren Zustand hinreifender Entwicklungsprozess verstanden, sondern als regellose Abfolge heterogener Ereignisse. Ein erläuterndes Moment des postmodernen Gedankenguts mag die Intentionalität so gearteter Kunst aufzeigen, die sich, dezentriert, völlig zufällig, also anscheinend keiner unmittelbar erkennbaren Absicht zugrunde liegend, in ihren diversen den Zeitgeist verkörpernden und diesen definierenden Facetten (z. B. Kunst, Literatur, Film, Soziologie, Linguistik, Theologie) durchaus aller unterschiedlichen epochalen Eigenheiten und Merkmale zu bedienen imstande sieht.
Wie sich in diesem Sinne die Kunst eines übergreifenden historischen Kontextes in Bezug auf sich selbst bedienen kann, um sich Ausdruck zu verleihen, ebenso schöpft die Postmoderne aus der sie bestimmenden Epistemologie und kann somit nicht als Objekt erfasst, sondern lediglich als vielstimmiges und fluktuierendes Diskursphänomen betrachtet werden. 2 Wie jedes Produkt ist auch sie ein Konstrukt alles ihr Vorausgegangenen. Natürlich muss eine etwaige Epoche nicht im positiven Sinne das Produkt ihrer epochalen Vergangenheit sein, man denke hierbei an die Etablierung gewisser Diktaturen samt ihren Menschen entwürdigenden Institutionen, dennoch bleiben sie das konsequente Produkt. So spricht Nietzsche über die Bedeutung der Historie und den Nutzen, den man aus ihr ziehen müsse. 3 Dies trifft auf die heuristische Vorgehensweise postmoderner Erkenntnistheorien zu,
2 Gudrun-Axeli Knapp: “Hunting the dodo”: Anmerkungen zum Diskurs der Postmoderne. In: Antje
Hornscheidt / Gabriele Jähnert / Annette Schlichter (Hgg.): Kritische Differenzen- geteilte Perspektiven. Zum Verhältnis von Feminismus und Postmoderne. Wiesbaden 1998, 195-228, hier 197.
3 Er [sc. der Mensch ] muß die Kraft haben und von Zeit zu Zeit anwenden, eine Vergangenheit zu zerbrechen
und aufzulösen, um leben zu können: dies erreicht er dadurch, dass er sie vor Gericht zieht, peinlich inquiriert und endlich verurteilt; jede Vergangenheit aber ist wert, verurteilt zu werden, Friedrich Nietzsche, Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben. Philipp Reclam Jun., Stuttgart 1998, 32.
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wenn sie den vermeintlichen argumentativen Ausganspunkt erst eliminieren, bevor sie sich dialektisch weiter forttasten. Dieses Merkmal, das von Flax 4 in einer Grundfeststellung der postmodernen Position als der Tod des Menschen, der Geschichte und der Metaphysik bezeichnet wird, möge die Brücke zwischen historischer wie auch theoretischer Position bilden, indem nämlich der Tod als das Ende dieser drei Momente gezwungener Maßen einen dialektisch notwendigen Neubeginn markiert. Im Folgenden sollen besonders diese letztgenannten Thesen ausgeführt und in einen feministischen Kontext gestellt werden, wobei manche Diskurs-Theoretiker wie z. B. Milich den Begriff der Postmoderne in seiner Definition anders verstanden wissen wollen. 5
In ihrer Begrifflichkeit lässt sich die Postmoderne nicht in ein Definitionsschema übertragen oder durch eine stichhaltige These ausdrücken, die einen holistisch-epistemologischen Anspruch geltend machen könnte. Das Ende des Subjekts etwa ist in seiner Auflösung der Ich-Verwendung als Phänomen oftmals mit den Begriffen Postmoderne oder aber auch Poststrukturalismus gleichermaßen in Einklang zu bringen. Den Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen definiert Nicholson mitunter dahingehend dass sie dem Postmodernen viel eher den Aspekt des Philosophischen und der Sozialwissenschaft zuschreibt, während sie den Poststrukturalismus eher mit literarischem Kritizismus in Zusammenhang bringt. 6 Da die Postmoderne als diskursiver Begriff unmöglich durch das Gedankengut eines Einzelnen erfasst werden kann, denn jede Epoche hat zahlreiche, kulturell-geographisch divergierende Vertreter im interdisziplinären Bereich, die nicht absolut den gleichen begrifflichen wie auch inhaltlich kohärenten Diskurs führen können, hat es keinen Sinn, möglichst vielen Positionen einen postmodernen Stempel aufzudrücken und somit ein postmodernes Ganzes zu konstruieren. Diese Vorgehensweise würde laut Nicholson lediglich eine Austauschbarkeit der einzelnen Theoriestränge implizieren, so dass sie trotz verschiedener Darstellungen interpretatorisch auf ein gemeinsames Ganzes zielen und auf diese Weise im negativen Sinne zu oft integriert werden könnten. 7 Gegen diese Darstellung richtet sich Butler, indem sie das Anliegen der Postmoderne dahingehend charakterisiert,
5 Während ich ihre [sc. Benhabibs] Auffassung teile, unter Feminismus die unterschiedlichen Strategien und
theoretischen Positionen einer politischen Praxis zusammenzufassen, so zeigt ein Blick auf die Deutungsvielfalt des Postmoderne-Begriffs, daß dieser in seiner Gesamtheit eher eine historische Epoche bezeichnet, die sich durch eine Reihe unterschiedlicher kulturverändernder Theorien und Denkströmungen sowie ästhetischer und politischer Praktiken- den Feminismus eingeschlossen - von jenen der „Moderne“ absetzt , Klaus J. Milich: Feminismus und Postmoderne. Zur Notwendigkeit einer kulturhistorischen Verortung. In: Antje Hornscheidt / Gabriele Jähnert / Annette Schlichter (Hgg.): Kritische Differenzen- geteilte Perspektiven. Zum Verhältnis von Feminismus und Postmoderne. Wiesbaden 1998, 42-73, hier 47.
6 Linda Nicholson: Feminism and the Politics of Postmodernism. In: Margaret Ferguson / Jennifer Wicke
(editors): Feminism and Postmodernism. Durham, London 1994, 69-85, hier 69.
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dass, besonders auch im Hinblick auf die politische Machtausübung bzw. -beeinflussung, das postmoderne Denken vielmehr die Möglichkeit eines “Neuen“, das nicht bereits irgendwie im “Alten” enthalten ist, grundsätzlich in Zweifel zieht. 8 Mit dieser Aussage zieht sie den epochalen Unterschied zur Hochmoderne, die sich noch dadurch auszeichnete, dass das stetig Neue ihr heuristisches Objekt markierte.
2.1 Zu postmodernen Thesen und ihrer Übertragung auf den Feminismus
Die Übertragung der im vorigen Kapitel angesprochenen drei Thesen zur postmodernen Situation bezeichnet laut Flax und Benhabib, die diese Thesen im Sinne der Kritischen Theorie weiter ausführt, die kontrapunktische Verbindung zwischen Postmoderne und Feminismus. Hierbei wird den einzelnen Thesen jeweils der feministische Standpunkt eingegliedert, um auf diese Weise zu untersuchen, ob es sich dabei in der Tat um eine Wahlverwandtschaft 9 von Feminismus und Postmoderne handeln könnte. Bezeichnet die These vom Tod des Menschen diesen als ein gesellschaftliches Konstrukt, das in der eigenen Sprachbezeichnung verschwindet und somit den subjektiven Charakter einbüßt, so nennt Benhabib den Übertrag die Entmystifizierung des männlichen Subjekts der Vernunft 10 . Das angeblich allgemeingültige Subjekt habe schlichtweg jegliche Diskursivität auf alle Menschen bezogen und dabei den Anspruch erhoben für alle in gleichen Maßen repräsentativ zu sein. Jegliche philosophisch erörterte Erfahrungswerte sind deshalb nur zur Hälfte gültig, da sie die Geschlechtsdifferenz mindestens ausklammern.
Im Weiteren bezeichnet Benhabib die Übertragung der These vom Tod der Geschichte als die Einschreibung der Geschlechterdifferenz in die historische Erzählung 11 . Der Mensch habe sich selbst in die Geschichte hinein konstruiert und sich somit über diese definiert. Durch die Geschichtserzählung habe sich der Mensch stets neu zu erschaffen gewusst, ohne allerdings die Geschichte in einen größeren Kontext gesetzt zu haben. Die Kontingenz der westlichen Geschichte sei ständig passend für das vermeintlich vorherrschende, selbst definierte Bild des Subjekts gemacht worden und deshalb unvollständig. Wer an der Geschichte nicht partizipieren konnte, ist in diesem Sinne auch kein Teil von ihr gewesen und als selbstverständlich in der Versenkung verschwunden. Die Tatsache dass Geschichte immer und überall geschehen ist und auch geschieht, ist lange Zeit außer acht gelassen worden.
7 Ebd., 69f.
8 Judith Butler: Kontingente Grundlagen: Der Feminismus und die Frage der Postmoderne. In: dies., Seyla
Benhabib, Drucilla Cornell, Nancy Fraser: Der Streit um Differenz. Frankfurt a. M. 1994, 31-58, hier 36.
9 Seyla Benhabib: Feminismus und Postmoderne. Ein prekäres Bündnis. In: dies., Judith Butler, Drucilla
Cornell, Nancy Fraser: Der Streit um Differenz. Frankfurt a. M. 1994, 9-30, hier 12.
10 Ebd., 11.
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Arbeit zitieren:
Magister Artium Markus Malik, 2006, Zum Feminismus-Diskurs im Zeichen der Postmoderne, München, GRIN Verlag GmbH
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