Inhaltsverzeichnis
Einleitung 1
1. Problemstellung
1
1.1 Bezug zum Ausbildungsmodul 1
1.2 Bezug zu den Ausbildungsstandards 2
1.3 Zielvorstellungen und Leitfragen 3
2. Unterrichtspraxis 3
2.1 Planung der Unterrichtseinheit 3
2.1.1 Das Erlernen der Großschreibung von Nomen
im Lehrplan Deutsch für die Grundschule 4
2.1.2 Vorstellung der Lerngruppe 4
2.1.3 Sprachtheoretische und sprachdidaktische Betrachtung
des Lerngegenstandes Großschreibung von Nomen 5
2.1.3.1 Geschichtliche Entwicklungen der Großschreibung 5
2.1.3.2 Betrachtung der Erklärungen zur Großschreibung
in einem Schulbuch und ihre Folgen 6
2.1.3.3 Die syntaxbezogene Betrachtung der Großschreibung 6
2.1.3.4 Fazit 7
2.2 Ausgewählte Aspekte des Unterrichtsgeschehens 8
2.2.1 Verlauf der Unterrichtseinheit 8
2.2.2 Die Arbeit an Treppengedichten und ihren Merkmalen 9
2.2.3 Sätze werden zu Treppengedichten - Durchführung der
Erweiterungsprobe 12
3. Evaluation 13
3.1 Beobachtungen während der laufenden Einheit 14
3.2 Auswertung der Majuskelmarkierungen
an vorgegeben Sätzen 16
Res ümee 19
Einleitung
„Einige interessierte Neugierige/ auf ihren nicht so gemütlichen Sitzen/ erhoffen das erlösende Trotzdem/ angesichts des verordneten Neuen/ mit seinem tradierten Durcheinander/.“ 1
Die Wörter, die im obigen Satz großgeschrieben sind, gehören alle unterschiedlichen Wortarten an. Das zeigt, dass die Großschreibung von Wörtern unabhängig von ihrer Wortart ist. Trotzdem vermittelt der Deutschunterricht in der Grundschule die Groß-und Kleinschreibung wortartenbezogen. Dieses klassische und dennoch unzureichende Konzept kann von einem Konzept abgelöst werden, das sich auf neuere sprachwissenschaftliche Analysen zur Großschreibung bezieht. Diese Analysen belegen, dass die Verwendung von Großbuchstaben durch eine prozesshafte Entwicklung der Schriftsprache entstand und ein Wort erst durch ein bestimmtes grammatisches Verhalten zu einem Nomen wird. Der Sprachdidaktikerin Röber-Siekmeyer ist es gelungen diese sprachwissenschaftlichen Ergebnisse für den schulischen Unterricht nutzbar zu machen. Die vorliegende Arbeit beschreibt einen Versuch nach diesem neuen Konzept zu unterrichten.
Dabei befasst sich der erste Teil dieser Arbeit mit dem Bezug der Unterrichtseinheit „Die Einführung in das Erlernen der syntaxbezogenen Großschreibung von Nomen“ zum Ausbildungsmodul, deren Inhalte maßgeblich entscheidend für diesen Unterrichtsversuch waren. Daran anschließend werden die allgemeinen und fachspezifischen Ausbildungsstandards bezüglich der Unterrichtseinheit aufgeführt und die im Vorfeld der Unterrichtseinheit formulierten Zielvorstellungen und Leitfragen dargelegt.
Der zweite Teil dieser Arbeit führt dann die Unterrichtspraxis auf. In diesem Zusammenhang wird die Planung der Unterrichtseinheit hinsichtlich des Lehrplans und der Lerngruppe begründet. Nachfolgend werden die sprachtheoretischen und sprachdidaktischen Grundlagen des Lerngegenstandes beschrieben. Eine Evaluation des Unterrichts in Bezug auf den Prozess und das Ergebnis der Unterrichtseinheit unter Einbeziehung der eingangs formulierten Zielvorstellungen und Leitfragen findet im dritten Teil dieser Arbeit statt. Das abschließende persönliche Resümee zieht unter Berücksichtigung der Leitfragen Schlussfolgerungen aus der zugrunde liegenden Arbeit.
1. Problemstellung
Im folgenden Kapitel soll aufgezeigt werden, inwieweit in die Gestaltung der hier thematisierten Unterrichtseinheit „Die Einführung in das Erlernen der syntaxbezogenen Großschreibung von Nomen“ Aspekte eines Ausbildungsmoduls und der Ausbildungsstandards eingeflossen sind. Daneben greift es die Zielsetzungen und die im Vorfeld der Einheit formulierten Leitfragen auf.
1.1 Bezug zum Ausbildungsmodul
Die Idee für die Unterrichtseinheit ergab sich durch die Teilnahme am Ausbildungsmodul „Lesen und Rechtschreiben mit lernprozessbegleitender Diagnostik“. Die Aufmerksamkeit der Teilnehmer des Moduls wurde durch Reflexion über eigene Rechtschreibstrategien auf das wichtigste Ziel des heutigen Rechtschreibunterrichts gelenkt.
1 Röber-Siekmeyer, Christa, 1999, S. 61.
Dieses Ziel besteht darin, die Schüler 2 in der Entwicklung eines Rechtschreibgespürs zu unterstützen und ihnen Möglichkeiten zu bieten, über ihre Rechtschreibung nachzudenken, sich operativ mit ihr auseinanderzusetzen und Rechtschreibfehler als Entwicklungschance zu sehen. Schüler sollen sich als Sprachforscher verstehen, die durch Hypothesenbildung, Ausprobieren, Sammeln, Nachschlagen, selbstständiges Korrigieren und regelmäßige Übung zu ‚Rechtschreibern’ werden können. In diesem Zusammenhang wurden Fehlertypen von Schülern in Augenschein genommen und analysiert. Dabei wurde die Groß- und Kleinschreibung als eine der größten Fehlerquellen bei Schülern, die die Mittelstufe besuchen, ausgemacht. Anhand eines kurzen Abrisses über die wortartenbezogene Vermittlung der Groß- und Kleinschreibung in den Schulbüchern, die den Kindern in der Grundschule zum Beispiel die unzureichende Regel „Tuwörter werden klein geschrieben“ an die Hand gibt, konnte eine Ursache für diese Fehlerquelle gefunden werden. Die Teilnehmer wurden im Anschluss daran mit einer neueren Methode zur Vermittlung der Groß-und Kleinschreibung bekannt gemacht. Es handelt sich dabei um den syntaxbezogenen Ansatz zur Groß- und Kleinschreibung von Röber-Siekmeyer, die sich gegen die Bindung der Großschreibung an die Wortarten stellt und die Großschreibung der Wörter über die Syntax erklärt.
Die im Rahmen des Moduls gewonnenen Erkenntnisse über die unzureichende Vermittlung der Groß- und Kleinschreibung in der Grundschule und die wenig zielführenden Hilfestellungen für den Lernprozess haben die Lehrkraft in Ausbildung 3 dazu motiviert, den bis dato noch nicht in den Schulbüchern und anderen Unterrichtswerken eingegangenen Ansatz der syntaxbezogenen Vermittlung der Groß- und Kleinschreibung in ihren Unterricht einzubringen. Die Arbeit in einer 2. Klasse, in der die Kinder im Unterricht noch nicht die Bindung der Großschreibung an die Wortarten kennen gelernt hat, stellt die Grundlage dieser Arbeit dar.
1.2 Bezug zu den Ausbildungsstandards
Mit der Formulierung von allgemeinen und fachspezifischen Ausbildungsstandards durch das IQSH ist eine verbindliche Handlungsgrundlage geschaffen worden, die den Lehrkräften in Ausbildung aufzeigt, welche Kompetenzen sie benötigen, um unterrichtliche und schulische Situationen zu bewältigen. Im Hinblick auf die allgemeinen Ausbildungsstandards wurden im Rahmen der Unterrichtseinheit folgende Kompetenzen erworben und weiterentwickelt:
• sachlich und fachlich korrekte Planung des Unterrichts
• Förderung der Selbstständigkeit der Lernenden durch eine Vielfalt
schüleraktivierender Unterrichtsformen, insbesondere durch Vermittlung von Lern und Arbeitsstrategien
• aktive Einbeziehung der Lernenden in die Gestaltung von Unterricht
• Aufforderung der Lernenden Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu
tragen
• Berücksichtigung der unterschiedlichen Vorraussetzungen und Kompetenzen
der Lernenden
• Beratung der Eltern der jeweiligen Situation angemessen
• Konsequenzziehung aus der Reflexion der eigenen Arbeit 4
2 Aufgrund der besseren Lesbarkeit wird die männliche Form verwendet.
3 Im Folgenden „Lehrkraft“
4 Informationen zum Vorbereitungsdienst für Lehrkräfte in Ausbildung, 2007, S. 11f.
Diese Standards erfüllte die Lehrkraft zum einen, indem sie in die Unterrichtsgestaltung die Ergebnisse sprachwissenschaftlicher und sprachdidaktischer Ansätze einfließen und durch diese bestimmen ließ. Zum anderen dadurch, dass sie die Schüler motivierte die Regeln, die der Groß- und Kleinschreibung zu Grunde liegen, anhand vorgegebener differenzierter Arbeitsmaterialien selbstständig zu entdecken und die Regularität mit eigenen Begriffen zu beschreiben. Im Weiteren deshalb, weil sie vor dem Beginn dieser Einheit einen Elternabend durchführte, an dem sie die Eltern über das noch nicht bekannte Konzept informierte.
In Bezug auf die fachspezifischen Standards, die dem Bereich „Lesen und Schreiben“ zuzuordnen sind, wurden folgende Kompetenzen erworben und weiterentwickelt:
• Kenntnis aktueller fachdidaktischer Grundpositionen zum Rechtschreib-
lernen und Anwendung dieser
• Diagnose der Schwierigkeiten beim Rechtschreiben und Entwicklung individueller Unterstützung 5
1.3 Zielvorstellungen und Leitfragen
In Bezug auf die thematisierte Unterrichtseinheit und die Themenstellung dieser Arbeit ergaben sich folgende Zielvorstellungen und Leitfragen. Das übergeordnete Ziel der Einheit lag darin, den Schülern durch das syntaxbezogene Konzept von Röber-Siekmeyer hilfreiche Entscheidungskriterien hinsichtlich der Großschreibung an die Hand zu geben. Die Schüler sollten die Großschreibung von Nomen an vorgegeben, kleingeschriebenen Sätzen und bestenfalls schon an eigenen Sätzen sicher markieren können. Um am Ende der Unterrichtseinheit den Erfolg der didaktischen Umsetzung überprüfen und Schlussfolgerungen für weiteres unterrichtliches Handeln ziehen zu können, sind im Vorfeld die folgenden Leitfragen formuliert worden:
• Inwieweit lässt sich eine hinderliche Beeinflussung der Kinder durch die
Kenntnis klassischer Grammatikmodelle im Hinblick auf die syntaxbezogene Großschreibung feststellen?
• Welchen Anteil trägt die Lehrkraft bei der Erarbeitung der Form der
Treppengedichte und inwieweit muss die Erarbeitung differenziert werden?
• Welche Probleme tauchen in Bezug auf die Erarbeitung der syntaxbezogenen
Großschreibung im Verlauf der Einheit auf?
• Kann die Lehrkraft beobachten, dass Schüler nichtdeutscher Muttersprache
mit der syntaxbezogenen Großschreibung zu Recht kommen?
Die oben dargestellte Problemstellung erkennend, werden im folgenden Kapitel die Planung der Unterrichtseinheit für die Praxis sowie ausgewählte Aspekte des Unterrichtsgeschehens erörtert.
2. Unterrichtspraxis
2.1 Planung der Unterrichtseinheit
In diesem Kapitel wird die Planung der Unterrichtseinheit „Die Einführung in das Erlernen der syntaxbezogenen Großschreibung von Nomen“ dargelegt. Drei Bereiche fanden Berücksichtigung bei der Planung der Einheit.
5 Standards Kerncurriculum Modulskizzen Deutsch, 2004, S. 14.
Berücksichtigt wurden erstens die Aufführungen des Lehrplans zum Thema der Unterrichtseinheit, zweitens die Analyse der Lerngruppe und drittens die sprachtheoretischen und sprachdidaktischen Analysen des Lerngegenstandes.
2.1.1 Die Erlernung der Großschreibung von Nomen im Lehrplan Deutsch für die Grundschule
Der Lehrplan für die Grundschule in Schleswig-Holstein legt für die zweite Klassenstufe als Basisfähigkeit in Bezug auf das Gegenstandsfeld Sprache als Regel- und Zeichensystem verbindlich fest, dass die Schüler „Wörter untersuchen“ und dadurch herausfinden, dass sie Nomen groß schreiben müssen. Eine weitere Basisfähigkeit, die der Lehrplan aufführt und die im Laufe dieser Einheit Berücksichtigung findet, ist die, dass die Schüler „Sätze als Sinneinheit […] erfassen, durch einen Punkt begrenzen“ sowie „Sätze experimentierend/spielerisch erweitern […]“. 6 Außerdem ergibt sich aus dem Lehrplan eine vorgesehene Differenzierung und Individualisierung aufgrund der individuellen Lernerfahrungen der Schüler. Darüber hinaus müssen insbesondere die spezifischen Schwierigkeiten von Schülern nichtdeutscher Muttersprache in allen Sprachverwendungssituationen berücksichtigt werden. 7
2.1.2 Vorstellung der Lerngruppe
Die Klasse 2c der Grundschule Hoisbüttel unterrichtet die Lehrkraft seit Februar 2007 mit sechs Wochenstunden in Deutsch. Die Planung der Unterrichtseinheit war im Vorfeld von mehreren Aspekten im Hinblick auf die Lerngruppe bestimmt.
Vor der Einheit wurde erfasst, dass ein Drittel der Schüler zu Beginn der zweiten Klasse fortlaufend Fragen zur Schreibweise von Wörtern stellte. Diese Schüler hatten ein Problembewusstsein für die richtige Schreibweise entwickelt und den Willen diese zu erlernen. Die Schüler also zu Sprachforschern zu machen, die die Regeln der Großschreibung zu ihrem Forschungsgebiet erklären, erschien angebracht. Drei Kinder der 2c sind nichtdeutscher Muttersprache. Günther und Nünke führen auf, dass eine Untersuchung der Wirksamkeit des syntaxbezogenen Ansatzes von Röber-Siekmeyer im Rahmen einer Examensarbeit von Christine Wilhemus (1999) zu dem Ergebnis gekommen ist, dass der Leistungsunterschied zwischen Schülern nichtdeutscher Muttersprache und Schülern mit deutscher Muttersprache weniger groß war als bei Schülern, die über das klassische Modell die Großschreibung erlernt hatten. Kinder nichtdeutscher Muttersprache erbrachten sogar teilweise bessere Leistungen als ihre deutschen Mitschüler. 8
Zudem war der Lehrkraft vor der Durchführung der Unterrichtseinheit bekannt, dass vier Schüler im häuslichen Umfeld bereits mit dem klassischen Grammatikmodell in Kontakt gekommen waren. Eine Schülerin arbeitete zu Hause mit der Mutter an einem Lernwerk, in dem alle Themen der zweiten Klasse erklärt und geübt werden können. Es ist davon auszugehen, dass das Lernwerk aufgrund der Dominanz des klassischen Grammatikmodells die Großschreibung über die Wortarten erklärt. Die anderen drei Schüler ließen wortartenbezogene Aussagen bezüglich der Großschreibung anklingen.
Die Erlernung der Großschreibung erfordert von den Schülern ein hohes Maß an Einsicht, Wiederholung und Übung. Anzunehmen ist, dass Schüler durch die Darstellung von zwei gegensätzlichen Anwendungsmöglichkeiten verunsichert
6 Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein, 2002, S. 63.
7 Ebd., S. 60.
8 Günther und Nünke, 2005, S. 44.
Arbeit zitieren:
Katharina Dohna, 2008, Die syntaxbezogene Großschreibung von Nomen, München, GRIN Verlag GmbH
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