Gliederung
1 Einleitung 2
2 Hauptteil
2.1 Definition 2
2.2 Forschungs- und Meinungsgeschichte 5
2.3 Abtönungspartikeln als Übersetzungsproblem 6
2.4 Übersetzungsbeispiele
2.4.1 Die Partikel aber 9
2.4.2 Die Partikel doch 11
2.4.3 Die Partikel wohl 13
3 Schluss 14
4 Bibliograpie 16
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1 Einleitung
Vergleicht man französische Texte mit den jeweiligen deutschen Übersetzungen, so fällt auf, dass in den deutschen Übertragungen häufig kleine Wörter auftauchen, die im Originaltext offenbar keine Entsprechung haben. Betrachtet man z.B. den ersten Akt von Marcel Aymés „Les Oiseaux de lune“, so wird „Ce serait écoeurant.“ im Deutschen mit „Das wäre ja widerlich.“ bzw. „...j’ai tant de choses à vous dire.“ mit „...ich habe
Ihnen doch so viel zu sagen“ übersetzt. 1 Solche Beispiele lassen bereits vermuten, dass die deutsche Sprache eine Vorliebe für diese kleinen Wörter wie z.B. aber, auch, bloß, doch oder eben hat, die in der Germanistik, aber auch in der Romanistik lange Zeit nur abfällig als Flick- bzw. Füllwörter bezeichnet und als bedeutungslos angesehen wurden. Erst vor wenigen Jahrzehnten (Ende der 60er-Jahre) begann die Forschung, sich eingehend mit dieser Wortklasse zu beschäftigen und wurde sich ihres semantischen Wertes bewusst. Geht man davon aus, dass diese Wörter, die seit dieser Zeit zumeist als Abtönungspartikeln bzw. als Modalpartikeln bezeichnet werden, Bedeutung tragen, kann man sich natürlich auch die Frage nach deren Übersetzbarkeit stellen. Im Folgenden soll nun zuerst definiert werden, was man unter der zu untersuchenden Wortklasse der Abtönungspartikeln versteht. Darauf folgt eine Beschreibung, wie sich der Status bzw. das Ansehen dieser Wortklasse in Wissenschaft und Forschung im Laufe der Zeit gewandelt hat. Außerdem soll erörtert werden, warum Abtönungspartikeln ein Übersetzungsproblem darstellen bzw. welche Schwierigkeiten bei der Übertragung dieser in eine Fremdsprache auftreten können. Anhand von ausgewählten Beispielen wird dann erläutert, auf welche Weise bestimmte Partikeln in das Französische übertragen werden können.
2 Hauptteil
2.1 Definition
In ihrer Dissertation zum Thema der übersetzungsorientierten Modalpartikelforschung anhand des Deutschen und Französischen definiert Cornelia Feyrer Modalpartikeln, die auch Abtönungspartikeln, Satzpartikeln, Illokutive Partikeln oder Einstellungspartikeln
1 Beispiele in: Weydt, Harald (1969): Abtönungspartikel - die deutschen Modalwörter und ihre französischen Entsprechungen. Bad Homburg: Verlag Gehlen. S. 72.
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genannt werden, ganz allgemein als „Ausdrucksmittel für Modalität“. 2 Will man sich dem Begriff der Abtönungspartikel also nähern, gilt es zu verstehen, was man eigentlich unter „Modalität“ versteht. Der Sprachwissenschaftler Wolfram Bublitz definiert den Begriff folgendermaßen:
„Mit ‚Modalität’ meine ich die Haltung des Sprechers zu dem, was er sagt. Mithilfe [sic]
bestimmter sprachlicher (und auch außersprachlicher) Mittel gibt er zu erkennen, auf welche Weise
er an dem Inhalt seiner Äußerung Anteil nimmt, wie er ihn einordnet, bewertet und einschätzt in
bezug auf die Umstände der Redesituation und auf den Wahrheitsgehalt, d.h. in bezug auf seine
Sicht der Wirklichkeit.“ (in: Feyrer 1998: S. 20)
Geht man also davon aus, dass Abtönungspartikeln Modalität zum Ausdruck bringen und legt man die Begriffsbestimmung von Bublitz zugrunde, so gelangt man zur Definition von Harald Weydt, dem wohl bedeutendsten deutschsprachigen Partikelforscher, der Abtönungspartikeln als „unflektierbare Wörtchen“ auffasst, „die dazu dienen, die Stellung des Sprechers zum Gesagten zu kennzeichnen“ (Weydt 1969: S. 68). Was damit gemeint ist, illustriert beispielsweise der Satz „Wo habe ich bloß meinen Schlüssel?“ im Gegensatz zum partikellosen Satz „Wo habe ich meinen Schlüssel?“. Man erkennt, dass durch die Partikel bloß die Vordringlichkeit der Frage unterstrichen wird. Betrachtet man den Imperativsatz „Sei bloß still!“ und vergleicht ihn mit der partikellosen Entsprechung „Sei still!“, erkennt man, dass durch die Abtönungspartikel dem Befehl ein gewisser Nachdruck verliehen wird. Auch die Vordringlichkeit eines Wunsches kann durch die Verwendung einer solchen Partikel erreicht werden (z.B. „Wenn sie bloß schon hier wäre!“). Man könnte unter dem Begriff „Abtönung“ folglich „die Wirkung von im Deutschen so häufigen Wörtchen des Typs doch, ja, eben, bloß [...]“ verstehen, „mit deren Hilfe der Sprecher seine Meinungen, Erwartungen und Einstellungen zum Satzinhalt - und somit seine Subjektivität -
signalisiert“. 3 An den Definitionen von Weydt und Blumenthal wurde in den letzten Jahren jedoch Kritik laut. Zeitgenössische Linguisten sind der Meinung, dass Abtönungspartikeln nicht nur die Stellung des Sprechers zum Gesagten kennzeichnen, sondern auch auf den Hörer/Adressaten Bezug nehmen. So ist z.B. Burkhardt der Überzeugung, dass Abtönungspartikeln „nicht eigentlich ‚Einstellungen zur Proposition,
2 Feyrer, Cornelia (1998): Modalität im Kontrast: Ein Beitrag zur übersetzungsorientierten Modalpartikelforschung anhand des Deutschen und des Französischen. Frankfurt am Main: Peter Lang. S. 15.
3 Blumenthal, Peter (1987): Sprachvergleich Deutsch - Französisch. Tübingen: Niemeyer. S. 103.
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sondern Einschätzungen zu deren Einschätzung durch den Hörer’“ verdeutlichen. 4 Einer ganz ähnlichen Auffassung ist Heringer, wenn er sich bezüglich der Partikel ja folgendermaßen äußert: „Diese Hypothese geht in entscheidender Hinsicht über die übliche Annahme hinaus, der Sprecher signalisiere mit der Partikel ‚seine Einstellung zum Gesagten’. Nicht um das Gesagte geht es, sondern um den Hinweis auf das unterstellte Partnerwissen.“ (in: Liefländer-Koistinen 2004: S. 550) Was Heringer damit meint, lässt sich durch den Vergleich des Beispielsatzes „Petra ist ja verheiratet“ mit dem partikellosen Aussagesatz „Petra ist verheiratet“ erklären. Laut Bußmann „fügt [nämlich] ja als Modalpartikel der Bedeutung von Aussagesätzen die Verwendungsbedingung hinzu, daß die Satzproposition für den Adressaten nicht
zweifelhaft sein darf“ 5 , sprich, der Sprecher geht im ersten Beispiel davon aus, dass die Tatsache, dass Petra verheiratet ist, vom Hörer nicht angezweifelt wird. Bezieht man diesen Gesichtspunkt der Hörereinbindung in die vorläufige Definition mit ein, kann man Abtönungspartikeln abschließend als eine „nach ihrer semantisch-pragmatischen Funktion definierte Klasse von Partikeln“ definieren, „die der Satzbedeutung bestimmte Verwendungsbedingungen hinzufügen, die sich in der Regel auf Einstellungen der Kommunikationsteilnehmer zu der vom Satz ausgedrückten Proposition beziehen.“ (Bußmann 1990: S. 491). Welche Wörter kann man nun zu dieser Klasse von Partikeln zählen? In ihrem Kleinen Abtönungswörterbuch zählen Weydt und Hentschel die folgenden 18 Wörter zur Kategorie der Abtönungspartikeln: aber, auch, bloß, denn, doch, eben, eigentlich, einfach, etwa, erst, halt, ja, mal, nur, ruhig, schon, vielleicht und
wohl. 6
Diese Wörter, die alle nicht-flektierbare Einheiten darstellen, zeichnen sich durch eine Reihe von gemeinsamen Eigenschaften aus. Zum einen treten sie besonders häufig in der Umgangssprache, und dort vor allem in der mündlichen Kommunikation auf. Zudem sind sie irrelevant, was den Wahrheitsgehalt des Satzes, in dem sie stehen, anbelangt. Sie können also weggelassen werden, ohne dass sich der Satzinhalt (der propositionale Gehalt) ändert. Darüber hinaus kann man sie nicht erfragen, weshalb sie
4 in: Liefländer-Koistinen, Luise (2004): „Modalpartikeln als Übersetzungsproblem“. In: Frank, A.P./ Greiner, N./ Hermans, T./ Kittel, H./ Koller, W./ Lambert, J./ Paul, F. (Hrsg.) (2004): Übersetzung -Translation - Traduction. Berlin; New York: de Gruyter. S. 550.
5 Bußmann, Hadumod (1990): Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart: Kröner, S. 492.
6 Weydt, H./E. Hentschel (1983): „Kleines Abtönungswörterbuch“. In: Harald Weydt (Hrsg.) (1983): Partikeln und Interaktion. Tübingen: Niemeyer. S. 4ff.
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Arbeit zitieren:
Michael Brendel, 2007, Wie übersetzt man denn bloß Abtönungspartikeln?, München, GRIN Verlag GmbH
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