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Für meine Eltern Anna und Walter Renner, meine Schwester Manuela und meinen
Freund Jürgen.
Zusammenfassung
Der ungehinderte Zugang zur Information mit Hilfe der Massenmedien hat nicht nur die Arbeit der Journalisten und die Rezeption der Zuschauer verändert, sondern diesen Informationskanal für die Politik interessant gemacht. Die Machtausübung und die Manipulationsmöglichkeiten mit Hilfe der Massenmedien bzw. in diesem speziellen Fall des Fernsehens, werden besonders im Rahmen der Kriegsberichterstattung deutlich.
Durch die Ausnahmesituation Krieg werden nicht nur der enorme politische Einfluss auf TV-Stationen, die veränderten Informationsbedürfnisse der Rezipienten oder die journalistischen Einflüsse auf die Nachricht transparenter. Ein emotionales Arbeitsumfeld wie im Krieg macht den eigentlichen Verlust der Information und somit die sukzessive Reduktion der Objektivität erkennbar.
Die Verfasserin konzentriert sich in der vorliegenden Arbeit auf die Objektivitätsreduktion in der Kriegsberichterstattung. Durch den Aufbau eines Spannungsfeldes, welches drei der wichtigsten Faktoren der Objektivitätsreduktion näher beschreibt: die Politik, den Rezipienten und den Journalisten, wird die Basis für die Objektivitätsdiskussion geschaffen.
Anhand eines Nachrichtenvergleiches zwischen einer CNN und einer ORF Nachricht zum Thema „3 Jahre nach Beginn der Invasion im Irak“, werden weiters etwaige Unterschiede zwischen amerikanischen und europäischen Medien herausgearbeitet.
Zudem werden die theoretischen Ausführungen durch Exklusivinterviews mit Journalist1 (Name soll nicht genannt werden) sowie Karim El-Gawhary, Auslandskorrespondent des ORF und ebenfalls im Irak stationiert, untermauert.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es herauszufinden in wiefern Objektivität durch die behandelten Einflussfaktoren reduziert werden kann bzw. ob vollkommene Objektivität in der Kriegsberichterstattung überhaupt erreichbar ist.
Abstract
The unimpeded access to information of the massmedia has not just changed the work of journalists and the reception of the viewers but has also made this information channel more interesting to the mediation of political information. The massmedia´s influence and opportunity to manipulate, especially via TV, is clearly reflected in the field of war journalism.
As a result of the very emotinal working situation for war journalists the current trends in news journalism - an enormous political influence on TV-Stations, the permanently changing information-needs of the recipients as well as the journalistic influence on the news – get more transparent. These factors of influence favour the lack of information in our news as well as the permanent reduction of objectivity.
Therefore the author concentrates on the reduction of objectivity in war journalism. The focus on the three most important factors - politics, the recipients and the journalists - will build the basis for the discussion about objectivity.
To examine the practical side of the objectivity problem the author provides a comparative analysis of a CNN and ORF news broadcast about the situation in Iraq three years after the invasion. In relation to these possible differences between American and European news will be developed.
The theoretical information is also going to be supported by exclusive interviews with journalist1 (full name is not going to be announced) as well as Karim El-Gawhary, foreign journalist with ORF and also war correspondent in Iraq.
The aim of this work is to identify the intensity of the reduction of objectivity through the handled factors of influence as well as to answer the question whether it is possible to achive total objectivity in war journalism.
INHALTSVERZEICHNIS
1. DER KRIEG IN 0 UND 1 1
1.1. FORSCHUNGSFRAGEN 5
1.2. BEGRIFFSABGRENZUNG 6
2. KRIEGSNACHRICHTEN IM SPANNUNGSFELD EXTERNER
BEEINFLUSSUNG 8
2.1. EINFLUSSFAKTOREN AUF DIE KRIEGSNACHRICHTEN 8
2.2. DIMENSIONEN DER KRIEGSBERICHTERSTATTUNG NACH MANGOLD UND ULTZSCH 12
2.3. ENTERTAINISIERUNG VON KRIEGSNACHRICHTEN 15
2.3.1. INFOTAINMENT 17
2.3.2. DER FEEL-GOOD EFFEKT 19
2.3.3. ENTERTAINISIERUNG ALS URSACHE FÜR INFORMATIONSREDUKTION 20
2.4. SCHWERPUNKT 1: MEDIALE STEUERUNG DURCH DIE POLITIK 23
2.4.1. DIE POLITISCHE FUNKTION DER MASSENMEDIEN 23
2.4.2. FERNSEHEN ALS PLATTFORM FÜR KRIEGSPROPAGANDA 27
2.4.3. FORMEN DER ZENSUR 30
2.4.4. EMBEDDED JOURNALISTS ALS POLITISCHES UND MILITÄRISCHES
KONTROLLORGAN 32
2.4.5. DER POLITISCHE EINFLUSS AUF TV-STATIONEN IM NATIONENVERGLEICH 35
2.4.5.1. FALLBEISPIEL 1: CNN ALS INSTRUMENT DER POLITIK 35
2.4.5.2. FALLBEISPIEL 2: DER POLITISCHE EINFLUSS AUF DIE GREMIEN DES ORF 39
2.4.6. FAZIT: ZIELE POLITISCHER INTERVENTION IN DER KRIEGSBERICHTERSTATTUNG 41
2.5. SCHWERPUNKT 2: MEDIALE STEUERUNG DURCH DEN REZIPIENTEN 42
2.5.1.DIE BESTIMMUNG DES NACHRICHTENINHALTS DURCH DEN REZIPIENTEN 43
2.5.1.1. THEMENKOMPLEXITÄT 44
2.5.1.2. INTERESSEN VON POLITIK UND WIRTSCHAFT 44
2.5.1.3. KONKURRENZSITUATION 45
2.5.1.4. BOULEVARDISIERUNG DER NACHRICHTEN 45
2.5.1.5. INFORMATIONEN VON PR AGENTUREN 45
2.5.1.6. VISUALISIERBARKEIT 46
2 5 1 7 PERSONALISIERUNG 46
2.5.1.8. SCHLÜSSELWÖRTER 46
2.5.2. DIE INSZENIERUNG DER NACHRICHTEN NACH DEN BEDÜRFNISSEN DER
REZIPIENTEN 47
3. DER OBJEKTIVITÄTSFAKTOR IN DEN KRIEGSNACHRICHTEN 50
3.1. VOM EREIGNIS ZUR NACHRICHT 50
3.2. DER NACHRICHTENWERT EINES EREIGNISSES 52
3.2.1. DIE GATEKEEPER-THEORIE 53
3.2.2. DIE NEWS-BIAS THEORIE 53
3.2.3. DIE NACHRICHTENWERTTHEORIE 54
3.2.3.1. NACHRICHTENFAKTOREN NACH ÖSTGAARD 54
3.2.3.2. NACHRICHTENFAKTOREN NACH GALTUNG UND RUGE 55
3.2.3.3. NACHRICHTENFAKTOREN NACH SCHULZ 58
3.3. MODELLE DER NACHRICHTENSELEKTION 59
3.4. FUNKTIONEN VON NACHRICHTEN 61
3.5. DAS THEORETISCHE OBJEKTIVITÄTSMODELL 63
3.5.1. FORMEN VON OBJEKTIVITÄT 63
3.5.1.1. INNERE UND ÄUßERE OBJEKTIVITÄT 63
3.5.1.2. ADDITIVE UND REDUKTIVE OBJEKTIVITÄT 64
3.5.1.3 SUBJEKTBEZOGENE UND OBJEKTBEZOGENE OBJEKTIVITÄT 64
3.5.1.4. MEDIENOBJEKTIVITÄT UND JOURNALISTISCHE OBJEKTIVITÄT 64
3.6. KRITERIEN DER OBJEKTIVITÄT 65
3.6.1. RELEVANZ 66
3.6.2. RICHTIGKEIT 67
3.6.3. SACHLICHKEIT 68
3.6.4. AUSGEWOGENHEIT 69
3.6.5. VIELFALT 69
3.6.6. TRANSPARENZ 70
3.7. FAKTOREN DER OBJEKTIVITÄTSREDUKTION IN DER KRIEGSBERICHTERSTATTUNG 72
3.8. OBJEKTIVITÄT IN DER PRAXIS: FALLBEISPIEL CNN UND ORF SPOTVERGLEICH 75
3.8.1. DER AUFBAU DER NACHRICHT 76
3.8.2. DIE INTERVIEWSITUATION 76
3.8.3. DIE INHALTLICHE AUFBEREITUNG 78
3.8.4. FAKTOREN DER ENTERTAINISIERUNG 81
3.8.5. DIE AUSPRÄGUNG DER OBJEKTIVITÄT 83
3.8.6. OBJEKTIVITÄTSBEWERTUNG 87
4. OBJEKTIVITÄT: QUOTENENTSCHEIDUNG ODER POLITISCHE TAKTIK 89
5. LITERATURVERZEICHNIS 90
6. ABBILDUNGSVERZEICHNIS 106
1. Der Krieg in 0 und 1
„Moderne Kriege werden an zwei Fronten geführt:
Die Wandlung der Kriegsberichterstattung vom Krieg in der Ferne zum Live-Krieg im Wohnzimmer der Rezipienten wurde in den letzten Jahrzehnten geprägt. Die Informationsvermittlung per TV hat die Medienlandschaft nicht nur revolutioniert, sondern gleichzeitig eine Verschiebung des Kräfteverhältnisses zwischen Medien, Politik und Rezipient bewirkt, welche anhand von drei Fallbeispielen beschrieben werden kann: dem Vietnamkrieg von 1946 bis 1975, dem ersten Golfkrieg von 1990 bis 1991 sowie dem Irakkrieg 2003, der nach wie vor andauert.
Der Vietnamkrieg, meist als „uncensored war“ bezeichnet, hat die amerikanische Politik und auch Geschichte nicht zuletzt durch die Live-Berichterstattung des Fernsehens geprägt. Es war ein Krieg in dem die Berichterstatter weder mit Zensur noch mit staatlicher Kontrolle zu kämpfen hatten, was auch regierungskritische Berichte zur Folge hatte. Zum ersten Mal in der Geschichte des Fernsehens wurde ein Medium benutzt um die Bevölkerung, allen voran die amerikanische, für einen Krieg einzuschwören. Um dieses Ziel zu erreichen griff man bereits damals auf patriotische und unterhaltende Berichterstattung zurück, die wenig mit tatsächlicher Information für den Rezipienten zu tun hatte. „Die Masse der Berichterstattung über diesen Krieg .. war für den Zuschauer ohnehin schwer zu verstehen, da keine wirklichen Informationsgehalte vermittelt wurden“. 2
Dennoch haben Live-Übertragungen die öffentliche Meinung über den Krieg geprägt. Der Rezipient bekam durch Live-Berichte einerseits das Gefühl hautnah dabei und gut informiert zu sein, wurde allerdings durch die fehlende Zensur und gezielte Auswahl von Bildern und Inhalten schnell mit den grausamen Tatsachen des Krieges überfordert. Zu Beginn des Krieges dominierte der „Reiz“ am Neuen,
1 Vgl. Höhne/Ruß-Mohl 2004, S. 11
2 Vgl. Albrecht/Becker 2002, S. 50
1
der ernste Hintergrund wurde teils bewusst von den TV-Anstalten in den Hintergrund gerückt. „… Landende Hubschrauber, hohe Gräser, die durch den Wind hin und her schwanken, dazu schussbereite Soldaten und ab und zu Rauchsäulen, die stets einem brennenden Munitionslager der Vietkongs zugeordnet wurden, konstituierten eine an Kinofilme erinnernde Realität …“. 3
Mit dem sinkenden militärischen Erfolg der amerikanischen Truppen sank allerdings auch das Interesse an den Live-Bildern vom Schlachtfeld in Vietnam. TV-Anstalten wandelten sich schnell vom Kriegsunterstützer zum Kriegsgegner und symphatisierten mit der öffentlichen Meinung. Die Politik musste erkennen, dass es zu diesem Zeitpunkt für staatliche Kontrolle der Berichterstattung zu spät war und das neue Massenmedium Fernsehen eine Eigendynamik entwickelt hatte. Kritische Berichte über die amerikanische Politik im Vietnamkrieg prasselten unzensiert auf die breite Öffentlichkeit ein, wodurch die Unterstützung für den Krieg im eigenen Land auf den Nullpunkt sank. Boven beschreibt die mediale Problematik im Vietnamkrieg wie folgt:
„Vietnam war der erste Fernsehkrieg der Geschichte und niemand hatte Erfahrung in diesem Zusammenhang im Umgang mit dem noch relativ neuen Medium und seiner Wirkung als Massenkommunikationsmittel: weder die Regierung, noch die Medienmacher selbst, noch die Bevölkerung“. 4
Im Golfkrieg 1991 war die politische Weltöffentlichkeit bereits auf die Macht des Massenkommunikationsmittels Fernsehen vorbereitet. „George Bush hatte es eindeutig geäußert: „Es wird kein zweites Vietnam geben!“ … Das bedeutet: kompromisslose Zensur und nur Weitergabe von gefilterten Informationen“. 5 Mit Hilfe des „Pool Systems“ kontrollierte die amerikanische Regierung den Informationsfluss. Als Vorgänger zu den „embedded journalists“, die George W. Bush jr. im Irakkrieg einsetzte, wurden Journalisten gelegentlich in das Militär eingegliedert, um von der Front berichten zu können. Dennoch war bereits damals die Verbindung der Journalisten mit dem Militär im Krieg umstritten. „Das Pool
3 Vgl. Albrecht/Becker 2002, S. 50
4 Vgl. Boven 4.1.2006, Verz. Nr. 1, Macht der Medien? – Vietnamkrieg,
www.kommunicare.de/01_themen/011_kb/vietnam.htm
5 Vgl. Birkner 1993, S. 51
2
System ist im Grunde genommen nichts anderes, als eine eindeutig auf Militärinteressen ausgerichtete Informationssteuerung, da nur ausgewählte Gruppen .. bei militärischen Einsätzen (die mehr einem Truppenbesuch gleichkommen) dabei sein darf. Diese wurden von der Militärführung „abgecheckt“, d.h. auf Linientreue geprüft“. 6 Diese Inszenierung der Berichte ist auch auf den Unterhaltungsdrang der Rezipienten zurückzuführen. „Der Rezipient interessiert sich nicht mehr für die Nachricht in Form von reiner Information, er will vielmehr unterhalten werden, selbst um den Preis der Qualität“. 7
Hinter den Kulissen gab es in diesem Krieg allerdings vor allem einen Verlierer: die Journalisten. Sie mussten sich den Zensurbestimmungen der US-Regierung beugen und patriotisch berichten. „Wer es zu diesem Zeitpunkt noch wagte, eine kritische Kolumne gegen den bevorstehenden Krieg zu schreiben, wurde entweder fristlos entlassen oder zu einem Erholungsurlaub in die Ferien geschickt“. 8 In Medienkreisen wurde außerdem behauptet, dass CNN, aus medialer Sicht, den Krieg dominierte. Aufgrund knapper personeller und finanzieller Kapazitäten der kleineren TV-Stationen Europas und den USA, waren diese zum Großteil von Informationen CNNs abhängig. Hinzu kamen Zensurmaßnahmen der USA, die amerikanische Medien aufgrund ihrer patriotischen Berichterstattung bevorzugten, allen voran CNN, das für eine regierungsnahe Linie bekannt war bzw. ist. Dennoch waren für die regierungsnahe Berichterstattung der US TV-Stationen im Golfkrieg nicht nur patriotische Gründe ausschlaggebend. Auf diesen Aspekt wird die Verfasserin zu einem späteren Zeitpunkt zu sprechen kommen.
Betrachtet man die Berichterstattung aus dem Golfkrieg 1991 wird besonders deutlich, dass vor allem die USA mit aller Kraft versuchten, die freie Presse, die der Regierung im Vietnamkrieg zum Verhängnis wurde, zu unterbinden. Tatsache ist dennoch, dass mit dieser restriktiven Zensur und Kontrolle das Problem der objektiven und freien Berichterstattung im Krieg nicht gelöst und vor allem der
6 Vgl. Schrader 2002, S. 51
7 Vgl. Birkner 1993, S. 37
1
8 Vgl. Meier/Schanne 1996, S. 150
3
Informationsauftrag für den Rezipienten vernachlässigt wurde. „Obwohl das Fernsehen im Golfkrieg fast im Stundentakt .. Bilder und Meldungen lieferte .., blieb das Wissen Schnellnachrichten ... scheinen keineswegs geeignet, die Zuschauer über die Komplexität eines Konfliktes aufzuklären. Vielmehr wird der Boulevardisierung der Information Vorschub geleistet“. 9
Im jüngsten „Medienkrieg“ – dem Irakkrieg - gehen die TV–Stationen mit Hilfe der Regierung noch einen Schritt weiter. „Embedded journalists“ werden in den Krieg geschickt um absolute Kontrolle über die Berichte gewährleisten zu können. Aufgrund der Nähe zu den militärischen Einheiten wird kritische und objektive Berichterstattung unmöglich. Viele Experten befürchten, dass durch dieses System eine „Mehrklassengesellschaft unter den Journalisten in der Krisenregion“ 10 geschaffen wird.
Zudem wurde dem Unterhaltungsfaktor in Kriegsnachrichten ein noch größerer Stellenwert beigemessen. „Journalists will also be tempted to simplify stories, in order not to bother readers with details, and to capture the public´s attention with catchy stories. They will ask what, when, how, by whom, but they will rarely ask why”. 11 TV-Stationen versuchen mit aufwendigen Grafiken und Experteninterviews von der Tatsache abzulenken, dass einerseits kaum Information zu den Journalisten durchdringt und andererseits sowohl die amerikanische als auch die irakische Regierung durch Zensurmaßnahmen die Arbeit der Journalisten maßgeblich behindert. Dies gelingt ihnen auch insofern, als Journalisten und TV-Stationen das Publikum Jahrzehnte in Sachen Kriegsberichterstattung zum Desinteresse an tatsächlicher Information „erzogen“ haben. TV-Stationen haben,
9 Vgl. Meiner/Schanne 1996, S. 155
10 Vgl. Tagesschau, 12.5.2003, Verz. Nr. 2, Journalisten fordern freie Berichterstattung,
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID1654542_TYP6_THE1651278_NAV_REF 11 Vgl. Edmund Rice Center for Justice and Community Education, 19.12.2003, Verz. Nr. 3, On the
home front: Reporting the war in Iraq, www.erc.org.au/issues/pdf/rw03.pdf
4
Zusammenarbeit mit der Regierung, Kriegsnachrichten zur unterhaltsamen Show geformt und den Markt damit überschwemmt.
1.1. Forschungsfragen
Die Forschungsfragen wurden aufbauend auf das Spannungsfeld zwischen Politik, TV-Stationen und Rezipienten formuliert, die im Zuge dieser Arbeit diskutiert werden. Es wird des Weiteren die Problematik des Unterhaltungsfaktors in der Kriegsberichterstattung, sowie der Verlust der Objektivität im Rahmen der folgenden Forschungshypothesen behandelt.
- Je weniger Information und je mehr Entertainment in den Kriegsnachrichten enthalten ist, desto höher sind die Einschaltquoten.
- Je größer der Einfluss der Politik auf die TV-Anstalten, desto mehr wird die Berichterstattung zugunsten dieser gesteuert.
- Das „embedding system“ stellt eine systematische Beeinflussung der Objektivität der Kriegsberichterstattung dar. Embedded journalists sind nicht in der Lage unabhängig und objektiv zu berichten, da sie den Krieg aus nur einer Perspektive betrachten können.
- Je höher die Unterstützung seitens der TV-Stationen für einen Krieg, desto höher die Akzeptanz der Bevölkerung.
- Krieg ist eine Ausnahmesituation. Kriegsberichterstattung kann deshalb nie objektiv sein.
- Objektive Kriegsnachrichten und hohe Einschaltquoten widersprechen einander und können daher unmöglich gleichzeitig realisiert werden.
5
1.2. Begriffsabgrenzung
Die gesamte Arbeit baut auf dem Begriff der Objektivität bzw. der objektiven Nachricht und Kriegsberichterstattung auf. Nach der Brockhaus Enzyklopädie ist Objektivität der „erkenntnistheoretische Begriff für überindividuelle, unabhängig vom einzelnen Subjekt bestehende Wahrheit eines bestimmten Gegenstandes ( Objekt) oder Sachverhaltes .. [womit vor allem die] „Ausschaltung subjektiver Einflüsse (Sympathie, Aversion) und Wertneutralität … angestrebt wird. Weiters heißt es, dass Objektivität „nur auf subjektive Weise festgestellt werden kann“. 12
Der Subjektivitätsfaktor setzt sich einerseits aus politischen und militärischen Einflüssen, andererseits aber auch aus der Arbeit der Journalisten zusammen. Der subjektive Einfluss seitens der Journalisten auf objektive Berichte ist bei der Nachrichtenauswahl besonders groß. „Bereits die frühen Gatekeeper-Studien … hatten gezeigt, dass bei der Nachrichtenauswahl der Journalisten deren subjektive Einstellungen eine Rolle spielen“. 13
Diese Hypothese wird weiters auch in einer Definition von Kriegsberichterstattung untermauert, wonach es heißt: „.. Art und Umfang der nichtamtlichen Kriegsberichterstattung hängen von der publizistischen Praxis, vom jeweiligen Medium und von den politischen und militärischen Umständen in den Krieg führenden Ländern ab“. 14 Es wird deutlich, dass Objektivität auch durch den politischen und militärischen Einfluss enorm eingeschränkt werden kann. „Die publizistischen Freiheiten werden durch ausnahmerechtliche, besonders kriegsrechtliche Bestimmungen über die Bewegungsfreiheit der Kriegsberichterstatter und über die Zensur ihrer Arbeiten eingeschränkt ...“. 15
12 Vgl. Brockhaus Enzyklopädie 1997, S. 107
13 Vgl. Noelle-Neumann 2002, S. 113 14 Vgl. Brockhaus Enzyklopädie 1997, S. 525 15 Vgl. Ebd. S. 525
6
In der vorliegenden Arbeit wird die Verfasserin demnach die Problematik der Einflussfaktoren auf die publizistische Objektivität in der Kriegsberichterstattung diskutieren.
Die gesamte Arbeit gliedert sich in zwei Abschnitte. Im ersten Teil werden die politische Einflussnahme sowie der Einfluss durch den Rezipienten auf die Nachrichteninhalten und deren Präsentation behandelt. Durch die Erörterung dieser Einflussfaktoren wird in die Problematik des Objektivitätsfaktors in Nachrichten eingeleitet.
Im zweiten Abschnitt beschreibt die Verfasserin die Objektivitätsproblematik im Detail. Der Entstehungsweg von Nachrichten wird auf Faktoren der Objektivitätsreduktion überprüft.
Die aufgestellten Thesen falsifiziert bzw. verifiziert die Verfasserin anhand von Exklusivinterviews mit Journalist1 und Karim El-Gawhary, Auslandskorrespondent des ORF.
Zudem wird am Ende der Arbeit eine Vergleichsanalyse zwischen ORF und CNN, zum Thema „Der Irakkrieg – 3 Jahre danach“ Aufschluss über etwaige Objektivitätsunterschiede im amerikanischen und österreichischen Fernsehen geben.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es herauszufinden in wiefern Objektivität durch die behandelten Einflussfaktoren reduziert werden kann bzw. ob vollkommene Objektivität in der Kriegsberichterstattung überhaupt erreichbar ist.
7
2. Kriegsnachrichten im Spannungsfeld externer Beeinflussung
2.1. Einflussfaktoren auf die Kriegsnachrichten
Auf dem Entstehungsweg einer Kriegsnachricht vom Kriegsschauplatz in die Wohnzimmer der Rezipienten wird diese von verschiedenen Faktoren beeinflusst und somit geformt. Jeder dieser Einflussfaktoren wirkt mit unterschiedlichem Interesse auf die Inhalte und Präsentation von Kriegsnachrichten ein. Durch diese Einflussnahme entsteht ein Spannungsfeld rund um die auszustrahlende Nachricht, welches die Verfasserin, mit den für diese Arbeit relevanten Einflussfaktoren wie folgt darstellt. (vgl. Abb. 1)
Abbildung 1: Eigene Darstellung: Das Spannungsfeld rund um die Kriegsnachricht (Bildquelle: 19. 1. 2006, Verz. Nr. 4, Nachrichten,
http://www.mediamanual.at/mediamanual/workshop/kommunikation/semiotisches_labor/labor_a/im
16 Vgl. Jelle Behnert 1992, S. 113
8
„Krieg und Kriegsberichterstattung sind keine unabhängigen Phänomene, sondern zum einen vom Mediensystem, zum anderen von Militär und Politik beeinflusst“. 17 Jeden dieser Einflussfaktoren bezeichnen Andrea Höhne und Stephan Ruß-Mohl als „Filter“, durch die die Kriegsnachricht zum Rezipienten gelangt. Die „Filterung“ der Nachricht indiziert eine Reduktion der Objektivität, wie im Folgenden grafisch dargestellt wird.
Abbildung 2: Ökonomisches Modell der Kriegsberichterstattung: Filter und Tauschhandel
(leicht mod.) (Quelle: Vgl. Höhne/Ruß-Mohl 2004, S. 14)
Nach Ruß-Mohl und Höhne versuchen die Kriegsparteien, d.h. Militär und in weiterer Folge auch politische Parteien, versuchen die Medien für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Die Regierungen der kriegsführenden Parteien kontrollieren das Mediengeschehen im Kriegsgebiet meist durch Zensur. „Zum Schutz der
17 Vgl. Hartwig 1999, S. 11
9
eigenen Truppen, aber auch um Kriegsgegner ruhig zu stellen, werden den Medien von Regierungen in Kriegsfällen Zensurmaßnahmen auferlegt“. 18 Neben der Zensur werden allerdings auch wesentlich radikalere Mittel zur Medienüberwachung in Kriegen angewandt. So berichtet beispielsweise Journalist1 von Spitzel und Abhöranlagen im Irak. Sie spricht in Ihrem Buch außerdem von „Aufpassern“, die seitens der irakischen Regierung die Bewegungsfreiheit der Korrespondenten einschränken und folglich auch Einfluss auf die Inhalte der Berichte nehmen.
Die Nachrichten und somit auch die Kriegsnachrichten unterliegen des Weiteren der „Zensur“ bzw. „Filterung“ durch die TV-Stationen selbst. Hauptgrund für diese Beeinflussung sind „ökonomische Eigeninteressen der Medienunternehmen: Nachrichten werden so aufbereitet, dass sie Einschaltquoten und Auflagesteigerung bringen“. 19 Experten sprechen bereits davon, dass Nachrichten und Informationen gezielt inszeniert und eingesetzt werden, um die Wirtschaftlichkeit eines Medienunternehmens zu erhöhen. „Was Einschaltquoten verheißt, kommt zur Prime time – und wird von den PR Strategen oft auch zeitgerecht inszeniert“. 20 Trifft diese Strategie auch auf Nachrichtensendungen zu, würde das indizieren, dass auch Kriegsnachrichten aufbereitet und inszeniert werden, um ökonomische Ziele zu erreichen. Auf diese Problematik wird die Verfasserin in 2.3 näher eingehen.
Die ökonomischen Interessen können allerdings auch auf die Beeinflussung der Nachrichtenpräsentation durch den Rezipienten zurückgeführt werden. Die Einschaltquoten und Erfolge eines TV Senders werden nicht zuletzt durch den Rezipienten selbst bestimmt. Auf diese Form der Beeinflussung wird die Verfasserin im Detail im Kapitel 2.5. zu sprechen kommen.
Als dritten Filter der Nachrichtengestaltung führen Höhne und Ruß-Mohl den Journalisten an sich an, der im Besonderen für die Nachrichtenauswahl verantwortlich ist. Kriegsberichterstatter differenzieren zunächst subjektiv welche Nachricht berichtenswert ist und werden schließlich in Ihrer Auswahl zusätzlich
18 Vgl. Mangold/Ultzsch 2004, S. 82
19 Vgl. Höhne/Ruß-Mohl 2004, S. 14 20 Vgl. Ebd. S. 14
10
von anderen Faktoren, wie beispielsweise politischen Parteien oder TV-Stationen, beeinflusst. „Die Geschichte hat gezeigt, dass Kriegsreporter stets von der Seite einer bestimmten Konfliktpartei berichtet haben, um Schutz und Unterstützung sicherzustellen“. 21 Aufgrund des enormen wirtschaftlichen Aufwandes für TV-Stationen, Kriegsberichterstatter an den Ort des Geschehens zu entsenden, ist es außerdem Aufgabe der Journalisten „Risiken abzuwägen, also Kosten und Nutzen ihrer Handlungen zu kalkulieren“. 22 Basierend auf diesem ökonomischen Aspekt der Beeinflussung wird die Reduktion der Objektivität in der Kriegsberichterstattung ebenfalls begünstigt. „Die Nachrichtenwerte selbst haben sich verändert, Journalisten folgen bei der Nachrichtenauswahl – oft unbewusst – ökonomischen Imperativen“. 23
Für die weitere Analyse der Einflussnahme auf die Objektivität der Kriegsnachrichten legt die Verfasserin den Schwerpunkt auf den Filter durch die Politik bzw. das Militär, sowie auf die Filterung durch den Rezipienten. Der Rezipient, den Höhne und Ruß-Mohl als letzten „Filter“ bezeichnen, entscheidet selbst welche Inhalte bzw. Nachrichten er konsumieren möchte und filtert somit subjektiv nach Eigeninteresse. Als Basis der Analyse gilt aus diesem Grund die Voraussetzung, dass der Rezipient letztendlich auf alle Filter Einfluss ausübt und in weiterer Folge somit auch die Reduktion von Objektivität begünstigt.
21 Vgl. Mangold/Ultzsch 2004, S.73
22 Vgl. Höhne/Ruß-Mohl 2004, S. 14
23 Vgl. Ebd. S. 14
11
2.2. Dimensionen der Kriegsberichterstattung nach Mangold und Ultzsch
sind eigene, individuelle und nachrichtenstarke
Die vorangegangenen Ausführungen zeigen, dass auf die Kriegsnachricht Faktoren einwirken, die einerseits Einfluss auf die Dimensionen der Kriegsnachricht, aber andererseits auch auf die Kriegsberichterstattung im Allgemeinen haben.
Christoph Mangold und Lars Ultzsch definieren auf Grundlage dieser Tatsache Dimensionen der Kriegsberichterstattung. Diese stellen die Komponenten des Entstehungsprozesses einer Kriegsnachricht dar, mit denen der Kriegsreporter im Laufe seiner Arbeit im Kriegsgebiet konfrontiert wird. Im Rahmen einer Studie über die Situation der Kriegsberichterstatter im Irakkrieg 2003, wurden auf dieser Basis Kriegsberichterstatter aus aller Welt zu den definierten Dimensionen befragt. Mangold und Ultzsch befragten 42 Kriegsberichterstatter (aus der Schweiz, den USA, Deutschland, Frankreich, Österreich, England, dem Irak, Japan, Holland, Italien, Norwegen und Kanada) zum Thema „Kontrollierte Berichterstattung“.
Gerade die Informationsbeschaffung stellt in Kriegszeiten bzw. in Kriegsgebieten eine besondere Herausforderung für den Journalisten dar. Abhängig von den Einsatzumständen, d.h. ob ein Reporter beispielsweise ins Militär eingebettet ist etc., gestaltet sich die Informationsbeschaffung vor Ort differenziert. „Während die „embeds“ in der Lage waren von den Ereignissen zu berichten, die vor ihren
24 Houston, Brant: Leiter der US-Vereinigung Investigativer Reporter IRE
12
Augen passierten, … mussten sich ihre nicht-eingebetteten Kollegen mit einem eher dürftigen Informationsfluss begnügen“. 25
Die Dimension der Objektivität, um die zu erfüllen der Kriegsberichterstatter „sein subjektives Empfinden und seine Gefühle unterdrücken muss, um dem Mediennutzer ein nüchternes und sachliches Tatsachenbild zu liefern“ 26 , bildet den Kern dieser Arbeit und wird ab Punkt 3 detailliert behandelt.
Journalisten müssen während ihrer Tätigkeit in einem Kriegsgebiet mit verschiedenen Arten der Zensur zurecht kommen. Die Geschichte hat gezeigt, dass einerseits immer andere Formen der Zensur verhängt wurden, andererseits auch in jedem Krieg ein anderer Umgang mit diesem „Druckmittel“ gepflegt wurde. Im Irakkrieg beispielsweise, packten die beteiligten Kriegsparteien die „freie Berichterstattung“ aus dem Kriegsgebiet an der Wurzel. Journalist1 spricht in Ihrem Buch von einer schwarzen Liste, die Reporter führt denen die Regierung kein Visum mehr zugesteht. Als Grund gibt Sie regierungskritische Berichte bzw. negative Äußerungen über das Regime an.
Der „embedded journalism“ ist eine neue Form des Kriegsjournalismus, der im Irakkrieg erstmals zur Anwendung kam. Durch die „Abhängigkeit“ der Journalisten vom Militär ist diese Form der Kriegsberichterstattung äußerst umstritten. Aus der Studie von Mangold und Ultzsch kristallisiert sich dennoch keine einheitliche Meinung heraus. „Auch wenn kritische Stimmen darin eine Propagandafalle sehen, betrachten es die meisten interviewten Journalisten als Gewinn für die Medien und den Zuschauer“. 27
Die Tatsache der Beeinflussung des Rezipienten durch Nachrichten im Allgemeinen und auch Kriegsnachrichten im Speziellen gibt oft Anlass zu Studien über den manipulativen Charakter von Nachrichten. Kriegsberichterstatter geben zu, dass die Berichterstattung starken Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung
25 Vgl. Mangold/Ultzsch 2004, S.120
26 Vgl. Ebd. S.121 27 Vgl. Ebd. S.123
13
hat, gleichzeitig wird allerdings betont, dass „ihre Berichterstattung weniger ein Instrument der Manipulation ist, als eine Verstärkung der schon existierenden Einstellungen des Rezipienten bewirkt“. 28
Die angeführten Dimensionen verdeutlichen die extreme Arbeitssituation die im Krieg herrscht, in der allerdings von Kriegsreportern dennoch objektiver und sachgerechter Journalismus erwartet wird. Selbst grundlegende journalistische Aufgaben, wie die Informationsbeschaffung, stellen aufgrund der vorherrschenden erschwerten Bedingungen bereits einen Reduktionsfaktor für Objektivität dar.
Dennoch ist der Verlust von Objektivität nicht ausschließlich auf Komponenten vor Ort zurückzuführen. Im folgenden Kapitel wird als weitere Ursache die „Entertainisierung“ der Nachrichten aufgrund von Rezipientenwünschen und der ökonomischen Interessen der TV-Stationen behandelt.
28 Vgl. Mangold/Ultzsch 2004, S.124
14
2.3. „Entertainisierung“ von Kriegsnachrichten
Ziel dieses Abschnittes ist es die Hypothese „Je weniger Information und je mehr Entertainment in den Kriegsnachrichten enthalten ist, desto höher sind die Einschaltquoten“ zu falsifizieren bzw. zu verifizieren.
Erklärtes Ziel von Nachrichtenproduzenten ist es, den Rezipienten einerseits umfassend zu informieren und ihm andererseits „unabhängig von Reichweiten und Werbeeinschaltquoten die Möglichkeit zu geben, sorgfältige Analysen komplexer Gegenwartsprobleme zu liefern“. 30 Doch die Realität zeigt, dass ökonomische Ziele einer TV-Station nicht zuletzt die Nachrichtenauswahl und die Nachrichtenpräsentation mitbestimmen. Da der wirtschaftliche Erfolg einer Sendung und somit auch einer TV-Station zu einem großen Anteil von Einschaltquoten und Werbeeinnahmen abhängt, gilt es, gerade für reine Nachrichtensender wie beispielsweise CNN, den Rezipienten täglich für die Nachrichten an den Bildschirm zu „locken“. „Einschaltquoten spielen eine wichtigere Rolle als die professionellen Reflexe der Journalisten oder die Qualität Ihrer Berichterstattung“. 31
Programmmacher mussten diesbezüglich außerdem erkennen, „dass, wann immer Politik und aktuelle Information im Fernsehen vermittelt werden, die Einschaltquoten sinken und sich viele Zuschauer in einer Art Unterhaltungsslalom an jeglicher Art politischer Information vorbeischlängeln“. 32
29 Vgl. Lemm, Karsten, 6.4.2003, Verz. Nr.6, Vieles ist einfach nur Cheerleading, http://www.stern.de/politik/ausland/?id=506278&eid=505270&nv=hp_rt_al 30 Vgl. Meier/Schanne 1996, S. 156 31 Vgl. Domeniconi 2000, S. 45 32 Vgl. Schmitz-Pfeiffer 1993, S.12
15
Grund für derartige Entwicklungen ist allerdings nicht reines Desinteresse seitens des Publikums an Information und Nachrichten, sondern einerseits ein genereller Drang nach Unterhaltung sowie andererseits eine gewisse Resignation gegenüber Nachrichten, die ausschließlich aus Fakten und Tatsachen bestehen. „People don´t want the old-fashioned kind of news because they know there is nothing they can do about it. But these new shows offer them a chance to get involved”. 33
Aufgrund dieses Informations- und Unterhaltungsdranges, der seitens des Publikums auf die TV-Stationen ausgeübt wird, wurde die Präsentation der Nachrichten an die Wünsche der Rezipienten angepasst, um weiterhin den ökonomisch-strategischen Zielen nachzukommen.
Liebes und Gurevitch 34 beschreiben fünf „Rahmen“, die bereits im Golfkrieg 1991 den Nachrichtenaufbau dominierten, und bedeutende „Entertainisierungselemente“ für Kriegsnachrichten bilden.
- Excising:
Die gegnerische Seite wird in der Berichterstattung weitgehend nicht erwähnt und ignoriert. Die Nachrichten werden von Informationen über die heimische Kriegspartei dominiert.
- Sanitizing:
Der Eindruck eines „sauberen“ Krieges wird durch die Vermeidung von Bildern und Information über menschliche Opfer, Blut oder kriegerische Szenen vermittelt. Die Dominanz von Übertragungen der Pressekonferenzen, Bildern von nächtlichen Bombarements, die nur aus der Ferne gezeigt werden etc., erwecken beim Zuschauer den Eindruck eines fernen „Computerkrieges“.
- Equalizing:
Die gegnerische Kriegspartei wird größer dargestellt als sie tatsächlich ist „… um die eigene Mobilisierung der Kräfte zu legitimieren. Gleichzeitig wird die
33 Vgl. Boyer 1986, S. 98
34 Vgl. Liebes/Gurevitch 1991
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Mag.(FH) Tamara Renner, 2006, Politainment als Ursache für die Reduktion von Objektivität in der Kriegsberichterstattung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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