Inhalt
Inhalt........................................................................................................................... 2
1. Vorwort 3
2. Kurzbiografie 4
3. Gespenst, oder Doppelgänger. 5
3.1 Etymologische Betrachtungen 7
3.2 Schmitz’ Erzählung und die deutsche Gespenstergeschichte nach Gero von
Wilpert. 7
3.3 Lynx, der Doppelgänger. 10
4. Lynx der Seelenvampir 13
4.1 Energieaustausch 14
4.2 Gegenläufige Entwicklung der Hauptfiguren 15
4.3 Das Triebhafte, Verschlingende. 16
4.4 Augen. 18
4.5 Die Lichte und die Dunkle Welt 18
5. Schmitz und Dostojewskij 20
Schluss 22
Quellenverzeichnis 24
2
1. Vorwort
Oscar Adolf Hermann Schmitz ist ein Autor, der in den vergangenen 100 Jahren fast vollständig in Vergessenheit geraten ist. Zu Unrecht, wenn man bedenkt, dass er als Zeitgeist-Schriftsteller und Verfasser mehrerer fiktiver Erzählungen, Berichte, Theaterstücke und sozialanalytischer Schriften dem beginnenden 20. Jahrhundert einen prägnanten Spiegel vorhält.
In dieser Arbeit soll auf intertextuelle Weise die Erzählung „Herr von Pepinster und sein Popanz“, entstanden 1915, einer näheren Betrachtung unterzogen werden. In dieser kurzen Geschichte über einen welterfahrenen Intellektuellen namens Herr von Pepinster, der von einem Gespenst in jeder Weise ersetzt wird, finden wir sowohl typisch moderne Anteile, als auch autobiographische Elemente eines Autors, der sich immer wieder zu neuen „Erkenntniswelten“ hingezogen fühlte. Speziell soll hier aber nachvollzogen werden, wie in „Herr von Pepinster und sein Popanz“ die literarischen Untergattungen der Gespenster-, Vampir- und Doppelgängergeschichte zu Tage treten.
Es wird gezeigt, wie Schmitz in einem einzigen Werk wesentliche Kriterien aller drei Kategorien versammelte und zu einer wirksamen Symbiose vereinte. Diese Hausarbeit wurde in Zusammenarbeit zwischen Julia Kummer und Andreas Fingas erstellt.
3
2. Kurzbiografie
Der Zeitgeist-Literat, Kolumnist, Dichter, Essayist, und Lebemann Oscar Adolf Hermann Schmitz erblickte das Licht der Welt am 16. April 1873 in Bad Homburg vor der Höhe. Der Ort war Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem beliebten Urlaubsort avanciert, nicht zuletzt wegen der von den Gebrüder Blanc dort gegründeten Spielbank. In Bad Homburg traf sich die High Society und hier machte der junge Oscar Schmitz seine ersten prägenden Erfahrungen. Sein Vater war ein hoher Bahnbeamter, der für seinen Sohn eine ähnliche Laufbahn wie die seine vorgesehen hatte. Oscar „sollte studieren, einen akademischen Abschluß machen, um einen höheren, bürgerlichen Beruf ergreifen zu können“. 1 Er wuchs in wohlhabenden Verhältnissen auf und bekam früh eine sehr fundierte Ausbildung in Kultur und Musik. Vor allem die Sprachenvielfalt seiner Familie kam Schmitz in seinem späteren Leben sehr zu Gute. „Wenn sich Großeltern und Eltern trafen, sprachen sie englisch und französisch“. 2
Die schulischen Leistungen des jungen Schmitz waren nicht das, was sich der Vater erhofft hatte. Nur mit Mühe schaffte Oscar 1892 das Abitur. Es folgte ein unstetes Studium in Leipzig, Berlin und München. „Neben der Jurisprudenz hört [Schmitz] Vorlesungen in Nationalökonomie, Philosophie und Kunstgeschichte“. 3 Er hatte große Schwierigkeiten sich auf eines dieser eher konservativen Studienfächer zu beschränken, zumal seine wahre Leidenschaft woanders lag. „Magisch angezogen fühlt er sich von den Münchener Künstlerkreisen, in denen er die Verwirklichung seiner Träume, das freie, glühende Weltleben’ sucht“. 4 Als sein Vater 1895 starb, bekam Schmitz eine beträchtliche Rente zugesichert, von der er ab jetzt sorgenfrei leben konnte. Er brach das Studium ab und widmete sich ganz seinem literarischen Schaffen. Er lernte Karl Wolfskehl und über diesen wiederum Stefan George kennen, in dessen „Blättern für die Kunst“ 5 er seine ersten Gedichte veröffentlichte. Bald zählten Personen der Öffentlichkeit wie Franziska von Reventlow, Ludwig Klages, Alfred Schuler, August Endell, Franz Dülberg, Paul Stern und Franz Hessel zu seinem Bekanntenkreis. Obwohl er, wie viele seiner Freunde, versuchte ein alternatives Leben zur bürgerlichen Norm zu führen, hielt er diese Praxis nicht lange
1 Schmitz, Oscar A. H.: Dämon Welt. Zitiert in:
Wolfgang Martynkewicz: Tagebuch eines Dandy. Berlin: Aufbau-Verlag, 2006.
2 Wolfgang Martynkewicz: Tagebuch eines Dandy. Berlin: Aufbau-Verlag, 2006.
3 Martynkewicz (2006).
4 Martynkewicz (2006).
5 Vgl.: Martynkewicz (2006).
4
aus und bereiste fast ganz Europa. „Er lebt in Frankfurt, Berlin, Rom und immer wieder in Paris“, 6 wo er schnell einen Einstieg in die elegante, literarische Gesellschaft fand. Er verfolgte eine Lebensweise, die augenscheinlich mit der eines Lebemannes verglichen werden kann. Zwei Versuche eine Ehe einzugehen scheiterten 1901 und 1905. Der Maler Alfred Kubin ehelichte 1904 Schmitz’ Schwester Hedwig und entwickelte eine tiefe Freundschaft zu seinem Schwager Oscar. Er bereicherte verschiedene Werke des Autors mit Grafiken, die den Text erläutern, so auch das Buch „Herr von Pepinster und sein Popanz - Geschichten von Doppelleben“. Nur selten unterbrach Schmitz zu dieser Zeit sein schriftstellerisches Schaffen:
Er schrieb Gedichte, phantastische Novellen und Erzählungen, eine Biographie über Benjamin Disraeli, Essays über Manieren und Mode, eine […] Abhandlung über die 7 französische Kultur und zahllose Artikel und Berichte von seinen „Fahrten ins Blaue“.
Trotzdem schien er nie seinem erklärten Ziel‚ das Leben in seiner Fülle zu erfahren, 8 wirklich nahe genug zu kommen. Deshalb stürzte er sich beinahe vorbehaltlos in das Studium der Psychoanalyse. Er begann eine Analyse bei Karl Abraham, wendete sich dann der Individualpsychologie Alfred Adlers zu und ging Mitte der 20er Jahre zum Studium der Lehren nach C. G. Jung über. Vor allem aus den persönlichen Kontakten zu Jung entstanden diverse Gemälde von Schmitz, die auf eine intensive Beschäftigung mit der eignen Persönlichkeit verweisen.
3. Gespenst, oder Doppelgänger
Das Fremde in Form eines fremden Wesens, wie es bei Schmitz auftritt, lässt sich mit den Kriterien der Ästhetik der Moderne in Deckung bringen. In Schmitz’ Biografie lässt sich eine Faszination für das Fremde erkennen. „Teils durch Reisetätigkeit […] und teils durch eine immer schnellere Veränderung der sozialen, kulturelle und technisierten Wirklichkeit erzwungen, wird die Erfahrung des Fremden im Sinne des befremdlich Anderen genossen, gefürchtet und […] einfach akzeptiert.“ 9 Diese
6 Martynkewicz (2006). 7 Martynkewicz (2006).
8 Vgl.: Martynkewicz (2006).
9 Grabes, Herbert: Einführung in die Literatur und Kunst der Moderne und Postmoderne. Tübingen und Basel: UTB 2004, S. 1.
5
Faszination drückt sich auch im vorliegenden Werk aus, in dem das Fremde in Gestalt eines Gespenstes thematisiert wird. Weniger in der Form des Textes, der einer Erzählung gleicht, als in der Themenwahl kreiert Schmitz eine „schockierende Fremdheitserfahrung“ 10 . Herbert Grabes beschreibt in seiner „Einführung in die Literatur und Kunst der Moderne und Postmoderne“ genau den Kunstgriff, wie ihn Schmitz anwendet, um das Fremde, das Bedrohliche in die natürliche Lebenswelt einfließen zu lassen:
Was hingegen seit dem Schauerroman größere Verbreitung erlangte, war die Darstellung des Unheimliche, und zwar sowohl in Form der imaginierten Weltsicht wie der Abgründe der menschlichen Seele, zur Erzeugung von Angstlust - eine Gefühlsästhetik, die mit der Ästhetik des Erhabenen nicht nur die indirekte Erzeugung von Wohlgefallen gemeinsam hatte, sondern auch, dass dieses Wohlgefallen unmittelbar mit der Erzeugung verknüpft war, die durch die Begegnung mit dem 11 Schrecklichen hervorgerufen wurde.
Dass das Schreckliche in Schmitz Erzählung einen bedeutenden Stellenwert besitzt, lässt sich bereits aus den ersten Zeilen ablesen. Hier wird dem Leser eine der Hauptfiguren vorgestellt: „Lynx, ein armseliges Gespenst, schlich am Rand der Landstraße einher, in der Hoffnung, vielleicht einen Vorübergehenden zu erschrecken und dabei auf seine Rechnung zu kommen.“ (PEP, S. 1) Wörtlich spricht der Erzähler hier vom Erschrecken, das, in der weiteren Ausführung erkennbar, sogar überlebenswichtig für das Gespenst Lynx zu sein scheint: „Überall, wo Lebenskraft verpufft wird oder ausrinnt, da schleicht es hin, um sie einzufangen und sein kümmerliches Dasein zu kräftigen.“ (PEP, S. 2) Der Einbruch des Schrecklichen in die „normale“ Welt kann hier also als eine Ausformung der Moderne gesehen werden.
10 Grabes (2004), S. 2. 11 Grabes (2004), S. 4.
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Arbeit zitieren:
Andreas Fingas, 2007, Herr von Pepinster und sein Popanz, München, GRIN Verlag GmbH
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