Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Entschlüsselung/Folgerung Explikatur/Implikatur 1
3. Pragmatische Aspekte von Explikaturen. 2
4. Konversationelle Implikaturen 4
5. Explikatur oder generalisierte konversationelle Implikatur? 5
6. Skalare Folgerungen. 7
7. Semantik, was gesagt ist und Explikatur. 7
8. Fazit. 9
Literatur 10
1. Einleitung
Die Relevanztheorie (RT) leitet sich aus dem Kooperationsprinzip und den Konversationsmaximen von Grice ab.
(1) Kooperationsprinzip (Grice, 1975): Die Beteiligten gestalten ihre Äußerung so, wie es zum Erreichen des Zwecks des Kommunikationsaktes erforderlich ist.
Demnach muss ein Sprecher darauf vertrauen können, dass sein Zuhörer die richtigen Schlussfolgerungen aus seiner Äußerung zieht. Durch die Maxime der Quantität (Sei so informativ wie nötig und möglich!), Qualität (Sage nichts Falsches!), Relevanz (Sei relevant!) und Modalität (Sei klar!) wird dies möglich. Sperber und Wilson haben Grice’ Theorie weiterentwickelt. Sie nehmen an, dass von den vier Konversationsmaximen nur die Maxime der Relevanz nötig sei, damit Sprecher und Hörer ihr gemeinsames Ziel in der Kommunikation erreichen. Ihr Relevanzprinzip besagt, dass sich jeder Akt der ostensiven Kommunikation mit der Annahme der eigenen optimalen Relevanz vollzieht. Anders als bei Grice werden Äußerungen nicht als Kode, sondern als ostensiver Stimulus gesehen, der beim Hörer einen pragmatischen Folgerungsprozess auslöst, der durch die Erwartung an die optimale Relevanz gesteuert wird. Die unterschiedlichen Annahmen von Grice und Sperber und Wilson führen auch zu unterschiedlichen Ansichten in Bezug auf den kommunikativen Gehalt von Äußerungen und auf das, was gesagt oder gemeint ist. In den folgenden Abschnitten werde ich in Anlehnung an den Text Relevance Theory and the Saying/Implicating Distinction von Robyn Carston auf diese Unterschiede näher eingehen.
2. Entschlüsselung/Folgerung & Explikatur/Implikatur
Für die RT sind zwei Unterscheidungen wichtig. Zum einen der Unterschied zwischen der linguistisch entschlüsselten und der pragmatisch gefolgerten Bedeutung, der als Semantik/Pragmatik-Unterscheidung betrachtet werden kann. Die semantische Repräsentation dient als Input für den pragmatischen Prozessor, der durch ostensive Stimuli ausgelöst wird. Der linguistische Prozessor nutzt einen Kode in Form einer natürlichen Sprache, der pragmatische tut dies nicht. Die zweite Unterscheidung ist die zwischen Explikatur und Implikatur, welche nach Sperber und Wilson (1986) folgendermaßen definiert sind.
(2) Explikatur: Eine Annahme, die durch eine Äußerung U vermittelt wird, ist explizit (eine Explikatur), wenn und nur wenn sie eine Entwicklung einer logischen Form ist, die von der Äußerung U verschlüsselt ist.
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(3) Implikatur: Eine Annahme, die durch eine Äußerung U vermittelt wird und die nicht explizit ist, ist implizit (eine Implikatur).
(4) X: How is Mary feeling after her first year at the university? Y: She didn’t get enough units and can’t continue.
a. Mary did not pass enough university course units to qualify for admission to second-year study and, as a result, Mary cannot continue with university. b. Mary is not feeling very happy. (Carston 2006:635)
Gemäß den gegebenen Definitionen ist (4a) eine Explikatur und (4b) eine Implikatur von Ys Aussage. (4a) ist die entschlüsselte logische Form von Ys Äußerung, es wird als Vorlage für die Entwicklung einer propositionalen Form genommen. (4b) ist eine unabhängige Annahme und folgt aus (4a). Die Explikatur ist spezifischer und elaborierter als die verschlüsselte Bedeutung, die je nach Kontext auf unterschiedliche Weisen interpretiert werden kann. Im Kontext von (4) wurde dem Pronomen she der Referent Mary zugeteilt, get und units wurden näher spezifiziert und aus dem and wurde eine Cause-Konsequenz (as a result). Dies sind Ergebnisse von pragmatischen Prozessen, die durch die Relevanz dominiert werden und kontextabhängig sind. Der konzeptuelle Inhalt einer Implikatur entsteht aus einer pragmatischen Folgerung, der konzeptuelle Inhalt einer Explikatur ist eine Verschmelzung der entschlüsselten linguistischen und der pragmatisch gefolgerten Bedeutung. In der RT und in Bezug auf pragmatische Folgerungen ist ein linguistisch verschlüsseltes Element nicht immer so explizit wie möglich. Der pragmatische Prozessor sollte immer so mühelos wie möglich die intendierte Bedeutung des Sprechers erkennen können. Die Unterdeterminiertheit der linguistisch verschlüsselten Bedeutung in Bezug auf die Proposition, die explizit ausgedrückt wird, bringt einen Unterschied zwischen der RT und Grice´ Konzept von dem, was gesagt ist, mit sich.
Die verschlüsselte Bedeutung in linguistischen Ausdrücken liegt kurz unter dem, was gesagt ist, der Inhalt von Explikaturen geht etwas über das, was gesagt ist hinaus. ‚Was gesagt ist’ fällt also genau dazwischen. Ob so ein Zwischenlevel nötig ist, wird später diskutiert.
3. Pragmatische Aspekte von Explikaturen
Es gibt vier pragmatische Aspekte von Explikaturen (Disambiguierung, Sättigung, frei Anreicherung und die ad-hoc-Konzept Konstruktion). Disambiguierung und Sättigung spielen eine entscheidende Rolle in der Bestimmung des expliziten Inhalts einer Äußerung. Um festzustellen, was z.B. durch eine Redewendung wie Er hat Ecken und Kanten gesagt ist, muss nach Grice der Sinn (wörtlich oder idiomatisch) der Äußerung gewählt werden
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Arbeit zitieren:
2006, Relevanztheorie und die Gesagt/Implikatiert Unterscheidung, München, GRIN Verlag GmbH
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