Verfasser I
Verfasser
Patrick Koops
Magister Artium
09. Fachsemester
Fächer: Politikwissenschaft (HF), Neuere Geschichte (NF), Neuere englische Literaturwissenschaft (SE), Text- und Mediengermanistik (SE)
Im Rahmen des Hauptseminars: „Gesellschaft und Kultur im kolonialen Afrika“
Inhaltsverzeichnis II
Inhaltsverzeichnis
Verfasser I
Inhaltsverzeichnis II
1. Einleitung. 1
2. Anfänge und Organisation des Missionswesens 3
2.1 Die Anfänge der Missionierung 3
2.2 Ziele der Kolonisation und der Missionsbewegung 5
2.3 Die Ausgangslage der Missionsgesellschaften in Togo 6
2.4 Die Ziele der Missionsgesellschaften in Togo 9
2.5 Die Missionsschulen 10
3. Die Beziehungen der Missionsgesellschaften 13
4. Der Kolonialstaat und die Missionen 15
4.1 Die Beziehungen zwischen den Missionen und der Kolonialverwaltung 15
4.2 Der „Kulturkampf in Togo“ 16
5. Fazit 18
Literaturverzeichnis 21
Einleitung 1
1 Einleitung
„An den Afrikanern führte kein Weg vorbei.“ 1
Der Wunsch der Deutschen nach Kolonien war älter als das Deutsche Kaiserreich. Nach der Reichsgründung gewann die deutsche Kolonialbewegung verstärkt an Zulauf. Die Begeisterung für das Streben nach eigenen Kolonien war sozialökonomisch, nationalideologisch, sozialdarwinistisch sowie kulturmissionarischsendungsideologisch motiviert. Der Erwerb eigener Kolonien diente als Ventil für auftretende Krisen im Kaiserreich und zeigte den Wunsch der deutschen Bevölkerung nach Sicherheit und nationaler Geltung. Die Kolonien sollten beispielsweise das Problem der drohenden Überbevölkerung lösen sowie einen neuen Absatzmarkt für die industrielle Überproduktion schaffen. Außerdem sollten die Kolonien als Demonstration deutscher Stärke und Untermauerung des Anspruchs auf die gewünschte Weltmachtrolle dienen. In dieser Hinsicht hatte das nationale Bürgertum Großbritannien als großes Vorbild, beispielsweise wurde ein ’deutsches Indien’ in Afrika propagiert. 2
Nach sozialdarwinistischer Interpretation machte die Konkurrenz der
imperialistischen Industriestaaten Kolonialbesitz notwendig und wichtig für folgende Generationen. Die Absicht war, die nachfolgenden Generationen für den Wettkampf mit den anderen Industriestaaten auszustatten, in dem es nur den „survival of the fittest“ geben würde. 3
Das nationale Bürgertum war überzeugt davon zu den überlegenen europäischen Nationen zu gehören. Noch stärker war dieser Überlegenheitsgedanke beim Vergleich mit außereuropäischen Kulturen. Die Ansicht, zur Kultivierung der außereuropäischen Welt berufen zu sein, passte sehr gut in dieses
1 Osterhaus, Andreas (1990): Europäischer Terraingewinn in Schwarzafrika. Das Verhältnis von Presse und Verwaltung in sechs Kolonien Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens von 1894 bis 1914. Frankfurt am Main: Verlag Peter Lang, S. 162.
2 Vgl. Zimmerer, Jürgen (2003): Deutsche Herrschaft über Afrikaner. Münster: LIT Verlag, S. 13 - 21; im Folgenden zitiert: Zimmerer (2003).
3 Vgl. ebenda.
Einleitung 2
Selbstverständnis und somit war jegliches koloniales Streben subjektiv legitimiert. Darunter fiel auch der Missionsauftrag der Missionsgesellschaften zur Bekehrung der „heidnischen“ Afrikaner. 4
Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit der deutschen Missionsbewegung in Togo. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht die Frage, ob die Missionsbewegung ein Vorläufer der Kolonialherrschaft in Togo war und ob sie half, die Herrschaft der Deutschen in Togo zu festigen bzw. zu stützen. Welche Stellung nahmen die Missionsgesellschaften in der Kolonialpolitik ein, arbeiteten sie mit der Kolonialverwaltung in Togo zusammen? Oder nahmen die Missionsgesellschaften in Togo eine ähnliche Stellung ein, wie von Carl Peters 5 in Bezug auf die Rheinische Missionsgesellschaft in Ostafrika behauptet:
„Carl Peters beschuldigte daraufhin die deutsche Mission der >>Begünstigung der englischen Interessen<< und bezeichnete die Auffassung, es sei bereits der bloße Schein zu vermeiden, dass der Missionar Vorläufer kolonialer Eroberungen sei, als >>dummdreiste Naivität<<.“ 6
Des Weiteren wird diese Seminararbeit klären wie sich die Missionsgesellschaften in Togo organisierten, um ihre selbst gesteckten Ziele zu erreichen.
Um die vorliegenden Fragen zu klären, beginnt die Seminararbeit mit der Darstellung der Anfänge und der Organisation des Missionswesens. Im darauf folgenden Kapitel werden die Beziehungen der Missionsgesellschaften beschrieben. Im abschließenden Kapitel werden die Beziehungen zwischen den Missionen und der Kolonialverwaltung näher beleuchtet.
Hinsichtlich der Forschungsliteratur hat Horst Gründer mit mehreren Werken einen bedeutenden Beitrag zur Erforschung der Geschichte des Missionswesens geleistet. Die Dissertation von Thorsten Altena (2003) mit dem Titel „Ein Häuflein Christen mitten in der Heidenwelt des dunklen Erdteils“ - Zum Selbst- und Fremdverständnis
4 Vgl. Zimmerer (2003), S. 13 - 21.
5 Carl Peters (1856 - 1918) war ein deutscher Politiker, Publizist, Kolonialist und Afrikaforscher.
6 Loth, Heinrich (1985): Vom Schlangenkult zur Christuskirche. Religion und Messianismus in Afrika. Berlin: Union Verlag, S. 239.
Anfänge und Organisation des Missionswesens 3
protestantischer Missionare im kolonialen Afrika 1884 - 1918 stellt einen weiteren herausragenden Beitrag zur Missionsgeschichte in Afrika dar.
2 Anfänge und Organisation des Missionswesens
2.1 Die Anfänge der Missionierung
Seit dem 05. Juli 1884 gehörten Teile des heutigen Togo zum „deutschen Schutzgebiet“. Doch bereits vor der Gründung des Deutschen Reiches hatten Missionare Missionsstationen in Westafrika gegründet und mit der Verkündung des Evangeliums begonnen. 7 Das Jahr 1884 bezeichnete sowohl für das Deutsche Reich als auch für die katholische und evangelische Kirche eine bedeutende Zäsur. Die Aufgabe einer antikolonialen Haltung des Reichskanzlers Otto von Bismarck bescherte dem Deutschen Reich nach 1884 ein Kolonialreich, das flächenmäßig um ein Vielfaches größer war als das Reich selbst. Für die beiden Kirchen in Deutschland bedeutete das Jahr 1884 eine Zäsur, da nun der Vorgang folgte, den Horst Gründer als „wechselseitiges Verhältnis“ 8 bezeichnet.
“Das Jahr 1884 bedeutete aber auch einen tiefen Einschnitt für die Missionsgeschichte der beiden etablierten Kirchen in Deutschland. Der Grund liegt in dem seit jeher engen historischen Zusammenhang von kolonialer Machtausweitung und christlicher Missionsausbreitung.“ 9
Nach dem Erwerb von Kolonien konnten endlich die Expansionsinteressen der Missionsgesellschaften mit Förderung der Kolonialbewegung verwirklicht werden. Die deutschen „Schutzgebiete“ schufen die nötige Sicherheit zur intensiven Missionierung der afrikanischen Bevölkerung. Somit waren die Kolonien ein probates Mittel der Missionsgesellschaften zur Verbreitung des christlichen Glaubens. 10
7 Vgl. Erbar, Ralph (1991): Ein „Platz an der Sonne“? Die Verwaltungs- und Wirtschaftsgeschichte der deutschen Kolonie Togo 1884 - 1914. Stuttgart: Steiner, S. 235 - 246; im Folgenden zitiert: Erbar (1991).
8 Gründer, Horst (2004): Koloniale Mission und kirchenpolitische Entwicklung im Deutschen Reich, in: Franz-Joseph Post, Thomas Küster, Clemens Sorgenfrey (Hrsg.): Christliche Heilsbotschaft und weltliche Macht. Studien zum Verhältnis von Mission und Kolonialismus. Münster: LIT Verlag, S. 209 - 226, hier S. 209; im Folgenden zitiert: Gründer (2004a).
9 Gründer (2004a), S. 209.
10 Vgl. Gründer (2004a), S. 209 - 226.
Anfänge und Organisation des Missionswesens 4
Der Expansionsdrang der Missionsgesellschaften nach 1884 darf nicht darüber hinweg täuschen, dass es bereits zuvor Bestrebungen gab, den christlichen Glauben zu verbreiten. 11 Noch vor dem Handel waren die Missionsgesellschaften in Togo zugegen. Am Beispiel der Norddeutschen Missionsgesellschaft (NMG) lässt sich die Bedeutung der Missionen für den Handel ablesen, denn die Vorarbeit der NMG half dem Bremer Handel in Togo Fuß zu fassen. Durch die Vorarbeit der NMG fanden die Kaufleute das benötigte ausgebildete Personal unter der afrikanischen Bevölkerung in Togo. 12 In dieser Zeit kooperierten die Missionsstationen in Westafrika vor allem mit Handelshäusern aus Europa. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die infrastrukturellen und ideellen Grundlagen für die späteren Koloniengründungen geschaffen. Die Vorleistungen der Missionierung waren generell die Grundlage für die spätere Landbesitznahme und „Kultivierung“ durch die europäischen Kolonialmächte. 13 Als es beispielsweise 1884 zur deutschen Landnahme in Togo kam, lebte dort die bereits zweite Generation christlicher Ewe. Diese konnten helfen den Kontakt zu den noch nicht missionierten Afrikanern herzustellen sowie die Kolonie durch Mitarbeit in der Regierung oder in den Missionsgesellschaften zu verwalten. 14
Folglich besteht ein enger Zusammenhang zwischen christlicher Missionierung und kolonialer Eroberung. 15
“Bibel und Flinte gelten als zentrale, eng miteinander verbundene Charakteristika des Kolonialismus. Es wäre jedoch zu simpel, die christliche Mission pauschal als Werkzeug des Kolonialismus zu verdammen. Gleichwohl
11 Vgl. Erbar (1991), S. 235 - 246.
12 Vgl. Gründer, Horst (1982): Christliche Mission und deutscher Imperialismus. Eine politische Geschichte ihrer Beziehungen während der deutschen Kolonialzeit (1884 - 1914) unter besonderer Berücksichtigung Afrikas und Chinas. Paderborn: Schöningh, S. 169 - 179; im Folgenden zitiert: Gründer (1982).
13 Vgl. Erbar (1991), S. 235 - 246.
14 Vgl. Altena, Thorsten (2003): „Ein Häuflein Christen mitten in der Heidenwelt des dunklen Erdteils“ -Zum Selbst- und Fremdverständnis protestantischer Missionare im kolonialen Afrika 1884 - 1918. Münster: Waxmann, S. 45 - 51; im Folgenden zitiert: Altena (2003).
15 Vgl. Eckert, Andreas (2006): Kolonialismus. Frankfurt a.M.: Fischer, S. 105 - 114; im Folgenden zitiert: Eckert (2006).
Arbeit zitieren:
Patrick Koops, 2008, Die deutsche Missionsbewegung in den afrikanischen Kolonien am Beispiel Togo, München, GRIN Verlag GmbH
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