Gliederung
1. Einleitung 1
2. Die Globalisierung und der Nationalstaat 1
2.1 Begriffsklärung. 1
2.2 Historische Entwicklung. 2
2.3 Es lebe der Staat 3
3. Das „heimatlose“ transnationale Unternehmen? 5
3.1 Quantitative Betrachtung. 7
3.2 Qualitative Betrachtung 11
3.3 Entwicklung eines Modells zu den Beziehungen zwischen. 11
Nationalstaat und TNU
3.4 Fallbeispiel BMW. 16
4. Fazit 19
5. Literaturverzeichnis 20
1. Einleitung
Bereits vor über 30 Jahren postulierte Charles P. Kindleberger, dass die Tage des Nationalstaates als ökonomisch bedeutsame Einheit gezählt seien (Hu: 1992, 108), und bis heute ist der Bedeutungsverlust des Staates eine häufig vertretene These geblieben. So formuliert Dirk Messner (2004, 20):
The new world economy is marked by competition between local clusters [...], global cities [...], global city regions [...] and global value chains [...] that no longer know national boundaries.
Dabei wird die Entstehung und Entwicklung transnationaler Unternehmen (TNU) häufig als Argument für das angebliche Ende der wirtschaftlichen Bedeutung von Nationalstaaten herangezogen:
It has been the rise of the TNC [transnational corporation] - especially of the massive ´global´ corporation - that is seen to pose the major threat to the autonomy of the nation-state (Dicken: 2003, 198).
Daher wird in dieser Hausarbeit die Bedeutung von Nationalstaaten in der globalen Wirtschaft anhand transnationaler Unternehmen untersucht. Zunächst wird auf die Bedeutung des Nationalstaates im Allgemeinen eingegangen, um anschließend seine Rolle für transnationale Unternehmen zu bewerten.
2. Die Globalisierung und der Nationalstaat
2.1 Begriffsklärung
Der Titel dieses Kapitels enthält gleich zwei Begriffe, die heutzutage so selbstverständlich verwendet werden, dass eine nähere Betrachtung ihrer Bedeutung lohnt. ´Globalisierung´ — Was versteckt sich hinter dem Modewort der Jahrtausendwende? Bereits das Wort für sich macht deutlich, dass es sich hierbei nicht um einen Zustand, sondern vielmehr um einen Prozess handelt. Im Gegensatz zu Internationalisierungsprozessen, die lediglich eine quantitative Ausweitung der grenzüberschreitenden Aktivitäten bezeichnen, beinhalten Globalisierungsprozesse
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zusätzlich eine qualitative Veränderung der funktionalen Verflechtung solcher Aktivitäten (Dicken: 2003, 12).
Der Begriff „Nationalstaat“ vereint zwei Begriffe, die Peter Dicken (2003, 123) folgendermaßen definiert:
o A state is a portion of geographical space within which the resident
o A nation is a ´reasonably large group of people with a common
Während der ´Staat´ demnach einen rein territorialen Begriff darstellt, bezieht sich die ´Nation´ auf eine Gruppe von Menschen, welche die gleiche Kultur teilen. Setzt man beide Begriffe zusammen, bezeichnet der ´Nationalstaat´ also einen bestimmten Raum, der unter einer gemeinsamen Regierung steht und dessen Einwohner eine Kultur teilen 1 . Dies ist eine wichtige Erkenntnis, da besonders verschiedene Regierungen und Kulturen grenzüberschreitende wirtschaftliche Aktivitäten erschweren: „operating across national boundaries, rather than within a single nation, poses additional problems of coordination and control“ (Dicken: 2003, 213).
2.2 Historische Entwicklung
Historisch gesehen hat der Nationalstaat eine bedeutende Rolle in der wirtschaftlichen Entwicklung aller Länder gespielt (Dicken, 2003: 122), und bis heute beeinflussen nationale Regierungen den eigenen sowie den globalen Markt in variierender Intensität.
Im Zuge der Globalisierung sind geographische Entfernungen von Gütern, Personen und Informationen heute leichter zu überwinden als jemals zuvor. „Seit 1920 sanken die Kosten für Seefracht um rd. 2/3, für Flugreisen um 84%, für Übersee-Telefonate um 99%“ (Suntum: 2007, 119). Auch die Staatsgrenzen sind aufgrund internationaler
1 Hier bestehen selbstverständlich zahlreiche Ausnahmen, beispielsweise Einwanderergruppen aus anderen Kulturkreisen.
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Organisationen und Bündnisse wie beispielsweise der Welthandelsorganisation, der NAFTA oder der EU durchlässiger für mobile Produktionsfaktoren geworden. Innerhalb der EU ist der Austausch von Waren, Dienstleistungen und Kapital (durch die gemeinsame Währung) quasi grenzenlos möglich und auch die Arbeitskraftmobilität hat sich wesentlich erhöht (Suntum: 2007, 119). Durch den technologischen Fortschritt im Bereich der Informations-und
Kommunikationstechnologie kann insbesondere kodiertes Wissen heutzutage kostengünstig und schnell ausgetauscht werden. 2.3 Es lebe der Staat!
Es kann kaum bezweifelt werden, dass sich die Position des Nationalstaates unter dem Einfluss der Globalisierung verändert. Dennoch stellt Dicken ganz klar fest: „The state remains a most significant force in shaping the world economy“ (Dicken, 2003: 122).
Die Gründe dafür sind vielfältig. Der Staat übernimmt nach wie vor eine regulierende Funktion in der Handels- und Wirtschaftspolitik. Neben zentralen Bereichen wie der Erhebung von Steuern und der Festlegung von Handelsbeschränkungen, „kann bei der Art und Höhe der Festsetzung der sog. Lohnnebenkosten der Einfluß von Regierung und Parlament beträchtlich sein“ (Lemper: 1994, 15). Weiterhin sind Rechtssysteme national organisiert. Diese definieren beispielsweise in vielen kapitalistischen Staaten den Privatbesitz und verschaffen ihm Geltung (Whitley: 1998, 454). Auch Bereiche der Infrastruktur — zum Beispiel Bildungswesen, Verkehrsinfrastruktur und Energieangebot — werden wesentlich von nationalen Regierungen beeinflusst. Besondere Bedeutung für Unternehmen können, je nach Branche, auch staatlich festgesetzte Subventionen oder Umweltstandards haben. Zudem wirken sich Produktionsstandorte „vor Ort“ positiv auf das Image und das Kaufverhalten der Konsumenten aus. Ein weiterer Aspekt, der zwar nicht an Nationalstaaten gebunden, aber doch eng mit ihnen verbunden ist, ist die Kultur, denn der Nationalstaat fungiert als eine Art ´Behälter´, in dem sich verschiedene Handlungsweisen entwickeln (Dicken: 2003, 226). Vorherrschende Normen und
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Werte werden durch die Mitarbeiter in die Unternehmen getragen und beeinflussen diese. Dies mag besonders bei den Entscheidungsträgern in der Unternehmensspitze einleuchten, doch auch der Umstand, ob Hilfsarbeiter bereit sind in Schichten und am Wochenende zu arbeiten kann die Unternehmenspolitik wesentlich beeinflussen. Mit der Globalisierung haben grenzübergreifende Kontakte zugenommen, und auch die internationalen Verflechtungen von TNU tragen zu einem gewissen Grad dazu bei, die Bindung kultureller Eigenschaften an einen bestimmten Raum aufzuweichen. Als kollektive Phänomene sind Kulturen [...] per definitionem zuallererst mit Interaktionen und sozialen Beziehungen verbunden und nur indirekt und ohne zwingende Notwendigkeit mit bestimmten Gebieten im physischen Raum. Je weniger soziale Beziehungen innerhalb territorialer Grenzen auf einen bestimmten Raum beschränkt sind, desto weniger gilt das auch für die Kultur (Mense-Petermann: 2005, 184).
Die Wichtigkeit des Nationalstaates im Bereich der Kultur könnte also tatsächlich aufgrund des Anstiegs von grenzübergreifenden Kontakten abgenommen haben. Es wäre möglich, dass stattdessen Regionen einen Teil der Kulturfunktion von den Nationalstaaten übernommen haben. Somit würden sie die Unternehmen mit prägen und sich beispielsweise auf deren Organisationsstrukturen auswirken: Where regional governments, financial institutions, skill development and control systems and broad cultural norms and values are distinct from national ones and able to exert considerable discretion in the economic sphere, we would expect distinctive kinds of economic organization to become established at the regional level (Whitley: 1998, 455).
Als Regionen im größeren geographischen Maßstab können beispielsweise Nordamerika, mit der NAFTA als staatenübergreifender Wirtschaftsinstitution oder die Europäische Union in Europa betrachtet werden. Auch wenn über die eventuelle Abgabe eines Teils der Kulturfunktion an Regionen hier nur Vermutungen angestellt werden können, so soll doch etwas zu dem Verhältnis Staat und Region bezüglich der Regulierungsfunktion gesagt werden. Obgleich in der EU einige regulierende
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Arbeit zitieren:
Yvonne Studtfeld, 2008, Die Bedeutung des Nationalstaates im Zeitalter der Globalisierung, München, GRIN Verlag GmbH
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