Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Merkmale des Textes 3
2.1 Erzählsituation Perspektive und Erzählweise 3
2.2 Raumzeitliche Situierung der Handlung 5
2.3 Die Übersetzerfiguren als kulturelle Knotenpunkte 6
2.3.1 Jerónimo de Aguilar Die Vorraussetzungen für seine Übersetzertätigkeit 6
2.3.2 Jerónimo de Aguilar Die Übersetzung als Instrument von Verrat und
Manipulation 7
2.3.3 Malinche Übersetzertätigkeit und Loyalität 8
2.3.4 Jerónimo de Aguilar und Doña Marina Ein Vergleich 10
2.4 Übersetzer in Las dos orillas : Traduttore Traditore par excellence 13
2.5 Intertextualität 14
3 Fazit 15
Literaturverzeichnis: 16
Primärliteratur: 16
Sekundärliteratur: 16
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1 Einleitung
Im Jahre 1993 erschien erstmals das Werk El Naranjo von Carlos Fuentes. Es besteht aus fünf Kapiteln, von denen „Las dos orillas“ das erste darstellt.
Die darin enthaltenen Übersetzerfiguren sollen in der vorliegenden Arbeit analysiert werden. Dabei soll der Schwerpunkt auf das Übersetzungskonzept der Figuren, sowie auf deren Missbrauch ihres Berufs gelegt werden. „Las dos orillas“ ist in elf Abschnitte eingeteilt, die numerisch nicht steigen sondern abnehmen. Als Konsequenz ergibt sich die Zahlenfolge zehn bis null.
Diese wurde deshalb gewählt, um den Text parallel zu seinem Inhalt als Spiegelbild der Geschichtsschreibung und der damit verbundenen aufsteigenden Zahlenfolge erscheinen zu lassen (vgl. Mac Adam 1996, S. 436).
Bei dem Protagonisten handelt es sich um Jerónimo de Aguilar, den es als historische Person gegeben hat. Fuentes lässt diesen die Geschichte der Eroberung Mexikos aus dessen Sichtweise erzählen, welche historische Ereignisse mit fiktionalen verbindet. Im Verlauf dieser Arbeit soll bewiesen werden, dass die Übersetzertätigkeit in „Las dos orillas“ ein Mittel zur Manipulation darstellt. Darüber hinaus werden die Aspekte der Übersetzertätigkeit und die mit ihnen verbundene Problematik untersucht, um aufzuzeigen, wieso der Text ein Musterbeispiel für das Konzept des Traduttore/Traditore gesehen werden kann.
2 Merkmale des Textes
2.1 Erzählsituation – Perspektive und Erzählweise
In „Las dos orillas“ wird die Handlung durch einen aus der internen Perspektive sprechenden Ich-Erzähler beschrieben. Bereits der erste Absatz beginnt mit dem Satz „Yo ví todo esto“ (Fuentes 2003, S. 11), was die erste Person Singular auffällig markiert, da es im Spanischen nicht zwingend notwendig gewesen wäre, bei einer Verbform das zugehörige Personalpronomen voranzustellen. Aber durch die Benutzung des Pronomens „Yo“ wird die erste Person Singular von „ví“ nochmals betont. Diese Erzählperspektive ist im Text ebenfalls stark markiert, so beginnen mehrere der 10 Absätze mit einem Satz, welcher die erste Person Singular des Erzählers markiert und daher dem Leser dessen Präsenz hervorhebt. Der Erzähler bleibt nicht anonym, sondern verrät auf Seite fünfzehn seinen Namen: „Yo, Jerónimo de Aguilar […]“. Des Weiteren erfährt man von ihm, dass er zwar schon tot sei, „Yo acabo de morir de bubas“, aber dennoch aus seinem Grab heraus seine Geschichte erzählt (Fuentes 2003, S. 11). Mehrmals wird die fiktive Leserschaft vom Erzähler direkt angesprochen: „lector“ (Fuentes 2003, S. 30); „Ved así, lectores, auditores […]“ (2003, S.
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13). Interessanterweise gibt es bei der Analyse der Erzählsituation durch verschiedene Autoren der Sekundärliteratur abweichende Ergebnisse, deren Diskrepanz auf folgende Textstelle zurückzuführen ist: „Me quiero despedir del mundo […] Pero mis ojos no llegan a cerrarse en paz, pensando […]“ (2003, S. 15). Dies steht im groben Kontrast zu der früheren Aussage „Yo acabo de morir de bubas“ und „ […] en esta ocasión se escriben desde la muerte“ (2003, S. 11;30). Goytisolo analysiert diese zwei Aussagen dahingehend, dass der Leser mit zwei Erzählpositionen konfontriert wird: der des toten, und der des im Sterben liegenden Aguilar (vgl. Fuentes 2003, S. 76). Er bemerkt hierzu:
Ya muerto, ya agonizante, el narrador circula de uno a otro mundo […] con la misma facilidad y ligereza con las que nos vemos y actuamos en los sueños […] La identidad del narrador – a veces pluma, a veces voz […] (1995, S. 75f.).
Zusätzlich zur Erzählperspektive erkennt Goytisolo daher eine Diskrepanz in der Erzählweise – der im Sterben Liegende erzählt, der tote Aguilar schreibt.
Dieser Kontrast ist in den folgenden Textstellen deutlich nachvollziehbar:
Mirad, sin embargo, lo que son las ironías de la historia (2003, S. 15).
Esta pregunta, lector, me obliga a una pausa reflexiva antes de que los acontecimientos, una vez más, se precipiten, siempre más veloces que la pluma del narrador, aunque en esta ocasión se escriban desde la muerte (2003, S. 30).
Goytisolos Interpretation ist jedoch umstritten; so trifft etwa de Toro diese Unterscheidung nicht, sondern sieht den Erzähler trotz des obigen Zitats als permanent tot an (vgl. de Toro 94, S. 7). Jedoch lässt sich Goytisolos These durch das Argument stützen, dass sowohl die Textstellen, die den Erzähler als tot deklarieren, wie auch die oben angeführten Zitate, welche diesen als sterbend bezeichnen, im Präsens stehen. Beide Aussagen heben sich dadurch von der der erzählten Zeit ab und nehmen denselben Stellenwert auf der Ebene des Erzählens ein. Die Unterscheidung von Goytisolo erscheint deswegen logisch und soll in dieser Arbeit übernommen werden.
Die Erzählperspektive und die ihr zugehörige Erzählweise zieht sich folglich nicht homogen durch den Text, sondern beide wechseln – die Erzählperspektive zwischen einem toten und einem lebenden Aguilar und die Erzählweise zwischen Schreiben und Erzählen. Folglich besitzt die Kurzgeschichte drei temporal-versetzte Ebenen, von denen die ersten beiden durch die zwei erzählenden Ichs realisiert werden. Beide sprechen im Präsens von sich und wenden sich mehrmals direkt im Imperativ an den fiktiven Leser: „Mirad […]“ und „Ved así lectores, auditores […]“ (Fuentes 2003, S. 15; 13). Der Text wirkt daher wie eine unmittelbare Erzählung an diesen.
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Auf der dritten Ebene, der der Geschichte, spielt die Handlung, die vor dem Tod von Jerónimo de Aguilar stattgefunden hat. Diese stellt die eigentlichen Geschehnisse dar, welche in der Vergangenheitsform vom fiktiven Erzähler wiedergegeben werden. Auf dieser Ebene findet das Präsens lediglich in den Dialogen statt, die mit Inquit-Formeln in der Vergangenheitsform eingeleitet werden: „-¿Son cristianos también?-preguntó Moctezuma“(Fuentes 2003, S. 27). Des Weiteren wird das in der Vergangenheit Erzählte durch Einschübe unterbrochen, in denen die Leseinstanz nicht nur wie beschrieben angesprochen, sondern das Vergangene auch durch rhetorische Fragen reflektierend betrachtet wird: „¿Lo entendíamos nosotros a él? Esta pregunta, lector, me obliga a una pausa reflexiva […]“ (Fuentes 2003, S. 29f.); „¿Hay justicia, hoy me pregunto, en todo ello?“ (Fuentes 2003, S. 17). Auf keiner Ebene des Erzählens besitzt Jerónimo de Aguilar Allwissenheit, obwohl er vieles, wie er sagt, vom Grabe aus sehen kann, sind zukünftige Ereignisse für ihn nicht ersichtlich: „¿Cuánto durarán […] En realidad, no lo sé“ (Fuentes 2003, S. 11). Da es lediglich den Ich-Erzähler gibt, der die Geschichte seines Lebens erzählt, gibt es in „Las dos orillas“ nur einen autodiegetischen Erzähler.
2.2 Raumzeitliche Situierung der Handlung
Bei der Analyse der zeitlichen Situierung der Geschehnisse des Textes fällt auf, dass sich innerhalb der Diegese neben den fiktiven Ereignissen ebenso historische Begebenheiten finden lassen, welche hier als Orientierungspunkte benutzt werden können. Dies spiegelt die Tatsache wieder, dass der Text sowohl fiktionale Ereignisse wie auch real-historische Tatsachen miteinander verknüpft. Der größte Teil der vom Erzähler berichteten Vorkommnisse findet zur Zeit der Eroberung Mexikos durch Hernán Cortés statt. Wie der Erzähler berichtet, ist er im Jahr 1524 bei der Hondurasexpedition von Cortés schon tot gewesen (vgl. Fuentes 2003, S. 12), was laut Díaz del Castillo den historischen Fakten entspricht (2005, S. 634).
Den Zeitpunkt des Erzählens kann man nicht genau bestimmen: Es ist möglich, dass Aguilar als Toter jenseits des Konzepts von Zeit, daher aus der Ewigkeit schreibt. Diese Annahme wäre auch plausibel, wenn man bedenkt, dass sich Aguilar mehrmals auf ein Buch von Bernal Díaz bezieht, das erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde. Eine kulturpolitische Kontextualisierung ist darüber hinaus eindeutig möglich und identifiziert nicht nur die geschichtliche Epoche der Kolonialisierung Amerikas im 16. Jahrhundert durch die Spanier, sondern auch die räumliche Situierung in Mexiko mit ausdrücklicher Benennung der Aztekenhauptstadt Tenochtitlans. Zu jener Zeit fanden die Eroberungszüge der Spanier in Amerika statt, welche die Azteken und andere indigene Völker –wie auch im Text vermerkt-
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Quote paper:
Florian May, 2008, Analyse der Übersetzerfiguren in „Las dos Orillas“ von Carlos Fuentes , Munich, GRIN Publishing GmbH
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