Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung S.1
2. Textkritik S.3
2.1 ὥραν S.3
2.2 ἀργοὺς S.5
2.3 καὶ ὃ ἐὰν ᾖ δίκαιον λήμψεθε S.6
2.4 πολλοὶ γάρ εἰσιν κλητοί, ὀλίγοι δὲ ἐκλεκτοί S.7
3. Übersetzung S.8
4. Sprachanalyse S.10
4.1 Syntaktisch -stilistische Analyse S.10
4.1.1 Wortebene S.10
4.1.2 Satzebene S.12
4.1.3 Stilmerkmale S.13
4.2 Semantische Analyse S.13
4.2.1 Textsemantik S.13
4.2.2 Wortsemantik S.16
4.3 Pragmatische Analyse S.18
5. Literarkritik S.19
5.1 Äußere Abgrenzung des Textes S.19
5.2 Kontextanalyse S.19
5.3 Strukturanalyse S.20
5.4 Feststellung der Einheitlichkeit S.21
5.5 Redaktion von späterer Hand S.22
6. Quellenkritik S.22
6.1 Scheidung von Redaktion und Tradition S.22
7. Formkritik S.24
7.1 Bestimmung der Gattung S.24
7.2 Bestimmung der individuellen Eigentümlichkeit der vorliegenden Gattung S.25
7.3 Sitz im Leben S.25
8. Überlieferungsgeschichte S.25
8.1 Ermittlung des möglichen Überlieferungsbereiches und der Trägerkreise S.25
9. Begriffsgeschichte S.26
9.1 βασιλεία S.26
9.2 μισθὸς S.28
9.3 δίκαιος S.30
10. Kompositions- und Redaktionskritik S.33
10.1 Aufriss und Komposition des Evangeliums S.33
10.2 Einbettung und Funktion des Einzelstückes im Evangelium S.35
10.3 Gesamturteil über den Evangelisten und sein Werk S 35
11. Kommentarvergleich S.37
11.1 Herders theologischer Kommentar zum neuen Testament S.37
11.2 Theologischer Kommentar zum Neuen Testament S.38
11.3 Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament S.38
12. Versexegese S.39
13. Theologische Deutung S.42
14. Gesamtexegese S.43
15. Literaturverzeichnis S 44
1. Einleitung
Das mt 1 Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg ist ein Gleichnis, das zunächst mit unserem menschlichen Gerechtigkeitsdenken nicht in Einklang gebracht werden kann. Nach dem Lesen dieses Gleichnisses wird zunächst eine Diskrepanz sichtbar, die aber auf den Maßstäben beruht, die wir als gerecht empfinden. Die Reaktion der Weinbergarbeiter ist eine für den Leser nachvollziehbare Reaktion und es ist keinem Leser zu verübeln, wenn die Sympathie auf Seiten der scheinbar ungerecht behandelten Arbeiter liegt. Jeder von uns hat sich schon einmal ungerecht behandelt gefühlt oder vielleicht auch die Erfahrung gemacht, eigentlich zu Unrecht belohnt zu werden. Während ich über diese Ungerechtigkeit nachdachte, fiel mir eine Begebenheit ein, dich ich persönlich erlebt habe und die zugleich meinen eigenen Zugang zum Text ermöglicht.
Vor vielen Jahren arbeitete ich an einem einzigen Tag auf dem Acker meines Großvaters in Italien. Auf diesem Acker standen unzählige Haselnussbäume und die Arbeit bestand darin, die heruntergefallenen Haselnüsse zu sortieren. Es war eine mühselige Tätigkeit, da der Rücken belastet wurde und jede einzelne Haselnuss auf Schäden untersucht werden sollte. Mein Cousin arbeitete hingegen schon mehrere Tage auf dem Acker. Als Zahltag war, bekamen wir beide jeweils 50.000 Lire (ca. 25 Euro). Ich konnte meinen Cousin verstehen, der nicht gerade darüber begeistert war, gleichermaßen bezahlt zu werden. Es war menschlich gesehen nicht gerecht. Ich selbst war auch darüber beschämt, nahm aber dieses Geld trotzdem dankend an. Die Erinnerung an dieses Erlebnis zeigt mir, dass selbst ich als der Begünstigtere von beiden die Ungerechtigkeit, die mein Cousin empfand, selber fühlte und seinen Ärger nachvollziehen konnte. Um wie viel mehr wird nun derjenige diese Ungerechtigkeit beklagen, der mehr Zeit investiert und einen Mehraufwand betrieben hat?
1 mt=mattheisch
1
In dem Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg ist nun der Leser selbst gefragt. Denn dieser erhält keine Antwort auf die Frage der Gerechtigkeit. Vielmehr wird er mit der Aussage ἑ ῖ ὐ ἀ ῶ τα ρε, ο κ δικ σε (V. 13) des Hausherrn
konfrontiert und man fragt sich, worin die Gerechtigkeit hierin eigentlich besteht. An dieser Stelle kommt nun ἡ ί ῶ ὐ ῶ βασιλε α τ ν ο ραν ν (V.1) in den
Diskurs. Diese exegetische Arbeit untersucht das Gleichnis der Arbeiter in dem Weinberg und das sich dahinter befindende Gerechtigkeitskonzept der Reich Gotts Verkündigung im mt Bericht.
Zunächst soll anhand der Textkritik 2 , die ein zentraler Methodenschritt der historisch-kritischen Exegese ist, die ursprünglichste Textgestalt rekonstruiert werden und an 4 ausgewählten Textstellen durchgeführt werden. Zur Beurteilung des Werts der jeweiligen Textzeugen wird dabei die anerkannte Kategorieneinteilung von Kurt und Barbara Aland herangezogen 3 . Es folgt die Übersetzung, die ein wichtiges Hilfsmittel zur Erschließung des Textes darstellen soll. Die Sprachanalyse untersucht den Inhalt der Perikope und beleuchtet die Textstelle aus sprach- und literaturwissenschaftlicher Sicht. Im Rahmen der Literarkritik wird eine Abgrenzung des zu untersuchenden Textabschnittes vorgenommen und der Kontext sowie die Texteinheit strukturanalytisch näher untersucht werden. Kap. 6 wird sich mit der Quellenkritik sowie der Redaktionsarbeit des Evangelisten befassen. Einen synoptischen Vergleich lässt nur V. 16 zu. In der Formkritik wird auf die Gattung und den Sitz im Leben eingegangen. Die Überlieferungsgeschichte versucht Antwort auf Überlieferungsbereiche und den Trägerkreis zu ermitteln. Daraufhin kommt als wesentlicher Teil die Begriffsgeschichte an
2 Soweit nicht anders vermerkt, sind sämtliche Informationen zur äußeren Bezeugung des Textes
zum einen dem kritischen Apparat von NA 27 entnommen, zum anderen dem Werk von Kurt und
Barbara Aland: Aland/Aland: Text, S. 113-139 (Majuskeln); 140-171 (Minuskeln) u. 238-265
(Benutzung der modernen Ausgaben). Für die im Rahmen dieses Kapitels angeführten
Übersetzungen wurde herangezogen: Bauer: Wörterbuch
3 Zur Kategorieneinteilung vgl. a.a.O., S. 116 f. u. 167. Hier sei lediglich darauf verwiesen, dass Aland
und Aland die jeweiligen Textzeugen nach der Bedeutung, die sie ihnen für die Herstellung des
ursprünglichen Textes zumessen, in fünf Kategorien einteilen, wobei in Kategorie I „Handschriften
ganz besonderer Qualität“, in Kategorie V dagegen Handschriften „ohne eigentliche Bedeutung“
verzeichnet werden.
2
drei ausgewählten Begriffen in den Blick, ehe schließlich im Rahmen der Redaktionskritik Überlegungen zu Vorgehen und Intention des Redaktors angestellt werden sollen. Abgeschlossen wird die exegetische Arbeit mit einer theologischen Bedeutung und einer Vers- sowie Gesamtexegese.
2. Textkritik
3
anderen Versen dieser Perikope sonst vorkommt (V. 3, 5, 9, 12). Aus diesem Grund entscheide ich mich gegen die Variante von Nestle-Aland und werde in
der Übersetzung ὥραν dementsprechend berücksichtigen (was ohnehin trotz Fehlen in den Übersetzungen geschieht).
2.2 ἀργοὺς (V.6)
Die zweite textkritische Anmerkung besagt ebenfalls, dass in anderen
Varianten das Wort ἀργοὺς eingefügt ist und nicht, wie bei NA 27 , an dieser Stelle fehlt.
Die variae lectionis und ihre äußere Begrenzung:
- περὶ δὲ τὴν ἑνδεκάτην ἐξελθὼν εὗρεν ἄλλους ἑστῶτας ἀργοὺς καὶ
λέγει αὐτοῖς
Diese Variante des Textes lesen der Codex Ephraemi Syri rescriptus 4 (weist hier noch eine Korrektur dem 3. Korrektor zu), der Codex Freerianus, die Minuskelfamilie f 1 sowie die Ferrar-Gruppe (f 13 ) und der , des Weiteren einzelne lateinische Handschriften (f,h,q) und syrische Texte der Peschitta und Harklensis.
Dem Text des Nestle-Aland folgen der Codex Sinaiticus, Codex Vaticanus, Codex Ephraemi Syri rescriptus (mit Korrekturen), Codex Bezae Cantabrigiensis, Codex Regius, Codex Coridethianus sowie die Majuskel 085, 33, 565, 700, 892, weiterhin auch die Vulgata und ein Teil der altlateinischen Überlieferung, die Vetus Syra (Syrus Sinaiticus und Syrus Curetonianus), alle koptischen Versionen und der Kirchenvater Origines.
4 Kategorien werden bei einem Zeugen jeweils nur beim ersten Anführen erwähnt.
5
Innere Bezeugung:
Hier könnte es sich um die lectio brevior handeln. Die Untätigkeit wird im gleichen Satz erwähnt. So bedarf es keiner Ergänzung. Textkritisches Urteil
Für das Auslassen von ἀργοὺς sprechen nicht nur die wichtigen Textzeugen
sondern auch, dass das Einfügen von ἀργοὺς erst dann nachvollziehbar wäre, wenn es im gleichen Satz am Satzende nicht erwähnt würde und die Untätigkeit der Arbeiter dadurch nicht zur Sprache käme. Die Wahl des Nestle-Aland-Textes könnte somit die ursprünglichere sein.
2.3 καὶ ὃ ἐὰν ᾖ δίκαιον λήμψεθε (V.7)
Die variae lectionis und ihre äußere Begrenzung: - ὑπάγετε καὶ ὑμεῖς εἰς τὸν ἀμπελῶνα καὶ ὃ ἐὰν ᾖ δίκαιον λήμψεθε Diese Lesart lesen der Codex Ephraemi Syri rescriptus (mit Korrekturen), der Codex Freerianus, die Ferrar-Gruppe, die Minuskel 33, der , eine lateinische Handschrift (q), alle syrischen Versionen außer Syrus Curetonianus sowie die Peschitta, Harklensis und zwei bis vier bohairische Zeugen (mit geringfügiger Abweichung, bei der sie notiert ist). Der Lesart des Nestle-Aland-Textes folgen der Codex Vaticanus, Sinaiticus, Regius, Coridethianus, Minuskelfamilie f 1 sowie 892 (mit Korrekturen), die Vulgata mit einem Teil der altlateinischen Überlieferung und bohairische Textzeugen. Innere Bezeugung: Lectio brevior.
6
Arbeit zitieren:
Davide Sole, 2008, Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (MT 20, 1-16), München, GRIN Verlag GmbH
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