Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis. 2
1. Einleitung 3
2. Die Abrechnungen nach dem Bürgerkrieg. 3
3. Die Proskriptionsliste in der Historia Augusta. 5
3.1 Eine Analyse der falschen Namen 6
3.2 Kritik der Analyse 7
4. Bewertung der Maßnahmen des Septimius Severus 8
5. Fazit. 9
6. Literaturverzeichnis. 10
Quellen: 10
Literatur: 10
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1. Einleitung
Die Ereignisse des zweiten Vierkaiserjahres und die darauffolgenden Maßnahmen des neuen Alleinherrschers Septimius Severus können als gut geeignetes Beispiel zur Veranschaulichung der Historia Augusta-Problematik dienen. Die dort angeblich genau bekannte Zusammensetzung der von Septimius Severus erlassenen Proskriptionsliste gegen die Senatorenschaft im Rahmen seiner Abrechnung nach dem Bürgerkrieg wirft Detailfragen auf, welche die Strittigkeit der Qualität der HA in ihrer Gesamtheit anschaulich widerspiegeln. In der Überlieferung dieser Liste und ihrer Umstände durch Zeitgenossen wie auch spätantike Historiker finden sich Unstimmigkeiten, deren kausale Einordnung schwierig und umstritten ist. Dies schafft auch vor dem Hintergrund, dass weder der genaue Entstehungszeitraum, noch die tatsächlichen Autoren der HA bekannt sind, Raum für Spekulationen um die Motive der spätantiken Auftraggeber der HA. Das zweite Vierkaiserjahr brachte in der römischen Geschichte mit den Severern eine dynastische und politische Zäsur, deren nachträgliche Darstellung oder Verklärung sich möglicherweise instrumentalisieren ließ, wobei ein besonderes Augenmerk auf einen besonders grausamen Charakter des neuen Kaisers naheliegend erscheint. Besonders in der spätantiken Überlieferung wurde das Bild von einem ruchlosen Herrscher gezeichnet. Ein Abgleich der von antiken Historikern geleisteten Charakterkritik an Septimius Severus mit dem historischen Kontext, sowie die Präsentation einer Analyse der Proskriptionsliste, sind deshalb Gegenstand dieser Arbeit.
2. Die Abrechnungen nach dem Bürgerkrieg
Die Auseinandersetzungen des Septimius Severus mit seinen Widersachern waren sehr langwierig, insbesondere der Sieg über Clodius Albinus war hart errungen. Septimius Severus selbst kam nur knapp mit dem Leben davon. 1 Dass diese Erfahrungen, besonders direkt nach den Kämpfen bis ins Jahr 197 n. Chr., seine Wesenszüge und seine Ausstrahlung geprägt haben mögen, wäre naheliegend. Die öffentliche Zurschaustellung des gepfählten Schädels des Clodius Albinus passt daher gut in das antike Bild der Geschichtsschreiber. Cassius Dio und Herodian betonten diese, sein ungezügelter Zorn sollte damit vor dem römischen Volk zum Ausdruck kommen. Die HA berichtet sogar, der Sieger soll mit seinem Pferd auf dem Leichnam herumgetrampelt sein. 2 Vor dem Hintergrund jedoch, dass die Präsentation des Schädels im Ringen um die Macht gängige Methode der Beweisführung für den Tod eines Widersa- 1 Christ, Geschichte der römischen Kaiserzeit, München 2002. S. 607.
2 Herodian 3,8,1; Cass. Dio 76,7,3-4; SHA Sept. Sev. 11,8.
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chers war 3 , relativiert sich die Perspektive eines besonders grausamen Rächers. Eine gewisse Empörung unter den senatorischen Geschichtsschreibern und eine Übernahme dieser Grundhaltung durch die HA ist aber auch spätestens nach einer Rede des Septimius Severus im Senat in Folge seines Sieges über Clodius Albinus nachvollziehbar. In dieser Rede verurteilte er den Senat für die Verhängung der damnatio memoriae über Commodus und feierte denselben, was dann auch von den antiken Geschichtsschreibern nicht ohne Empörung dokumentiert wurde. 4
In der Folge dürfte das Entsetzen in Rom seinen Höhepunkt erreicht haben, als er 64 Senatoren 5 verhaften ließ. Von diesen ließ er nämlich viele Teilhaber an der römischen Munizipalaristokratie, die in den Jahren des Bürgerkrieges gegen Septimius Severus konspiriert hatten, „ohne Gerichtsverfahren“ 6 hinrichten, bevor er die übrigen wieder in die Freiheit entließ. Danach konfiszierte der neue Kaiser folgenreich das Vermögen der Verurteilten. „Die Abrechnung mit den Anhängern des Clodius Albinus brachte dem Fiscus einen kolossalen Zuwachs. Die Konfiskationen betrafen Landgüter und andere Vermögenswerte in Gallien, Spanien und Afrika ebenso wie in Rom und Italien.“ 7 Die Gewissenhaftigkeit, mit der Septimius Severus zur Verwaltung dieser Einkünfte Prokuratoren ernannte und die vorhandene italische Finanzverwaltung eigens ausbaute und daraus ein beträchtliches Privatvermögen für den Kaiser angehäuft werden konnte, macht die Einschätzung der antiken Autoren einer „unermesslichen Geldgier“ 8 zunächst verständlich. Dies allein ist jedoch kein Beweis des Wesenszuges eines Tyrannen, immerhin erwies sich Septimius Severus auch mit Schenkungen und Spielen 9 als sehr großzügig gegenüber dem Volk. Sicherlich wollte der neue Kaiser damit seine Popularität festigen, dies jedoch nicht aus eitlen Motiven. Die persönliche Bereicherung ist bei keinem antiken Autor als die Sucht nach Mehrung des eigenen Luxus belegt. Vielmehr ging es ihm darum, in den Jahren direkt nach dem Bürgerkrieg über stabilen Rückhalt durch die plebs für seine Person zu sorgen. Dies war für stabile Verhältnisse im Reich und für den Erhalt des Friedens in diesen politisch sensiblen Jahren essentiell. 10 Diesen Umstand gilt es für die gesamte Interpretation der senatorischen und spätantiken Geschichtsschreibung zu beachten. Zumindest ist fraglich, ob die moderne Forschung heute die Einschätzung eines besonders grausamen Charakters so einseitig übernehmen sollte, wie beispielsweise durch Anthony
3 Spielvogel, Septimius Severus, Gestalten der Antike, Darmstadt 2006. S. 100.
4 Cass. Dio 75,7,4-8,3; SHA Sept. Sev. 12,8-9.
5 Spielvogel, S. 100.
6 SHA Sept. Sev. 13,1.
7 Bellen, Grundzüge der römischen Geschichte II, Darmstadt 1998. S. 183.
8 Spielvogel, S. 101.
9 Cass. Dio 77,1,1; Cass. Dio 77,1,3-5.
10 Bellen, S. 183.
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Arbeit zitieren:
Stefan Reiß, 2008, Die Abrechnung nach dem Bürgerkrieg, München, GRIN Verlag GmbH
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