Inhaltsverzeichnis
Kapitel
0.1 Exposition 2
1.0 Exegese 3
1.1 Der übersetzte Text 3
1.2 Der synoptische Vergleich 4
1.3 Erklärung 7
1.4 Die Verkündigungsaussage 10
2.0 Zur Wundergläubigkeit 11
2.1 Das Stufenmodell nach James Fowler 11
2.2 Wundergläubigkeit in der Pubertät 12
3.0 Unterrichtsschritte 15
3.1 Wie könnte und sollte man die Wunder-
erz ählung im Religionsunterricht der
Realschule einbringen? 15
4.0 Ergebnis 17
5.0 Literaturverzeichnis 18
1
0.1 Exposition
Wie verträgt sich die Wundergeschichte „Die Heilung des Gelähmten“ (Markus 2, 1-12) mit den Wundervorstellungen der Jugendlichen?
Können Jugendliche etwas mit der Heilung des Gelähmten anfangen, hat es Sinn, diese Geschichte im Religionsunterricht zu bringen? Sind 14-jährige überhaupt noch für diese Geschichte zu motivieren? Diese Fragen stellen sich, zumal jeder Mensch vom Kleinkindalter an verschiedene Stufen der Wundergläubigkeit durchlebt (nach James Fowler; die Stufen werde ich im Kapitel 2.0 behandeln). Sicherlich fällt es im Zeitalter von „Viva“ und „Tamagotchi“ zunächst schwer zu glauben, man könne Jugendliche mit einer Wundergeschichte aus der Bibel begeistern (im wahrsten Sinne des Wortes). Die Herausforderung reizt mich, da hier natürlich vor allem die Phantasie des Lehrers/ der Lehrerin, d. h. in welcher Art und Weise er/ sie die Bedeutung und Aktualität der Geschichte den Jugendlichen vermitteln kann, gefragt ist.
Ich werde zunächst mit einer Exegese beginnen, um dem Leser den ausgewählten Text zugänglich zu machen.
2
1. Exegese
1.1 Der übersetzte Text 1
1 Und als er wieder nach Karfanaum kam nach Tagen, wurde bekannt, daß er im Hause ist.
2 Und viele versammelten sich, so daß bei der Tür kein Platz war. Und er redete zu ihnen das Wort.
3 Und sie kommen und bringen einen Gelähmten zu ihm, der von Vieren getragen wird.
4 Und weil sie ihn wegen der Menge nicht bis zu ihm heranbringen konnten, deckten sie das Dach ab, wo er war, gruben es auf, und lassen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag. 5 Und Jesus, der ihren Glauben sieht, spricht zum Gelähmten: Kind, deine Sünden sind vergeben.
6 Einige Schriftgelehrte aber saßen dort und dachten in ihren Herzen: Was redet dieser so? Er lästert! 7 Wer kann Sünden vergeben außer Gott allein? 8 Und sogleich erkennt Jesus in seinem Geist, daß sie so bei sich denken, und er spricht zu ihnen: Was denkt ihr dies in euren Herzen? 9 Was ist leichter, dem Gelähmten zu sagen, deine Sünden sind vergeben, oder zu sagen, stehe auf und nimm dein Bett und gehe umher? 10 Damit ihr aber seht, daß der Menschensohn Vollmacht hat, auf Erden Sünden zu vergeben - spricht er zum Gelähmten: 11 Dir sage ich: Stehe auf, nimm dein Bett und gehe in dein Haus! 12 Und er stand auf und nahm sogleich das Bett und ging vor allen weg, so daß alle außer sich geraten, Gott preisen und sprechen: Solches haben wir noch nicht gesehen.
1 Aus: Joachim Gnilka, Das Markus-Evangelium, in: Evangelisch-Katholischer Kommentar zum NT - Das Markus-Evangelium, (1.Teilband), Benziger/ Neukirchener Verlag 1978.
3
1.2 Der synoptische Vergleich des Markustextes 2,1-12 mit Matthäus 9,1-8 2 und Lukas 5,17-26 3
Mk 2,1: Die genaue Ortsangabe steht bei Matthäus und Lukas nicht, allerdings ist bei Mt von „seiner Stadt“(Mt 9,1) die Rede, bei Lukas kommen „Pharisäer und Schriftgelehrte“ aus „allen Ortschaften von Galiläa und Judäa und von Jerusalem“ (Lukas 5,17) zu Jesus. Mk 2,2: Mt erwähnt nichts von einer großen Versammlung, Lk erst später, als der Gelähmte mit seinen Helfern in Erscheinung tritt (Lk 5,19). Mk 2,3: Mk wechselt zu Präsens.
Mt hat die Zahl der Leute, die den Gelähmten tragen, nicht übernommen, er bemüht sich, die Vorgeschichte möglichst knapp zu erzählen. Lk hingegen widmet dieser Szene eine weitere Ausführung, nämlich die, daß die Träger (deren Anzahl er auch nicht nennt) versuchen, den Gelähmten vor Jesus hinzulegen (Lk 5,18). Mk 2,4: Mt läßt diesen Passus ganz aus. Lk erwähnt nicht, daß das Dach abgedeckt wird. Bei ihm ist zudem von einem „Ziegeldach“ die Rede (Lk 5,19).
Mk 2,5: Bei Lk spricht Jesus den Gelähmten nicht mit „Kind“ oder „mein Sohn“ an, sondern mit „Mensch“(Lk 5,19). Dabei stellt sich die Frage, ob Jesus hier überhaupt nur den Gelähmten direkt anspricht oder eben jeden, der zu ihm gekommen ist.
Mk 2,6: Mt berichtet (Mt 8,3): „Etliche der Schriftgelehrten sprachen bei sich selbst“. Bei dieser Formulierung muß Jesus nicht unbedingt ihre Gedanken erkannt sondern kann eventuelle Unmutsäußerungen gehört haben. Bei Lukas ist sogar die wörtliche Rede aufgeführt (Lk 5,21), die Schriftgelehrten „diskutieren“, so daß zunächst der Eindruck entsteht, als sprächen sie ihre Gedanken aus. Mk 2,7: Diese Fragestellung taucht bei Mt nicht auf, er beläßt es bei „dieser lästert“ (Mt 9,3), während Lukas exakt denselben Wortlaut benutzt wie Markus (Lk 5,21b).
2 Übersetzung aus: Ulrich Lenz, Evangelisch-Katholischer Kommentar zum NT - Das Matthäus-Evangelium, (2.Teilband), Benziger/ Neukirchener Verlag 1990.
3 Übersetzung aus: Francois Bovon, Evangelisch-Katholischer Kommentar zum NT - Das Lukas-Evangelium, (1.Teilband), Benziger/ Neukirchener Verlag 1989.
4
Arbeit zitieren:
H.-A. Theilen, 1998, Die Wundererzählung Heilung eines Gelähmten (Markus 2, 1-12) im Religionsunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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