Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Rousseaus Bekenntnisse. 7
2.1 Die zunächst positive Selbstdarstellung. 7
2.2 Der zerbrochene Kamm 8
2.3 Rousseaus masochistische Züge 10
2.4 Rousseaus delinquente Züge. 10
2.5 Rousseaus deprimierende Lehrzeit 11
2.6 Rousseaus Sensibilität. 14
3. Konklusion 14
Bibliographie. 16
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1. Einleitung
Meine Hausarbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung, inwieweit das erste Buch dem Titel Les Confessions, zwischen 1766 und 1769 geschrieben - auch im Hinblick auf Augustinus von Hippos Confessiones, entstanden 400 n.Chr. - gerecht wird.
In Augustinus’ Autobiographie hat der Titel Confessiones (= Bekenntnisse) zwei Bedeutungen. Zum Einen Confession, d.h. Schuldbekenntnis oder Sündenbekenntnis und zum anderen Confessio, d.h. Glaubensbekenntnis.
Le premier sens du mot confession est, dans la religion catholique, l'aveu qu'un fidèle (le pénitent) fait de ses péchés devant un prêtre. La confession, ou sacrement de pénitence, s'achève par l'absolution des
péchés (effacement d'une faute par le pardon, rémission des péchés). 1
In seinen Confessiones beschreibt Augustinus seine eigene mentale Entwicklung hin zum christlichen Glauben und unternimmt dies mit Hilfe von Lobpreisungen an Gott. Die Confessiones verschaffen einen Einblick in die Seelenwelt Augustinus’ und dies lässt sich entsprechend auf Rousseaus ersten Band der Les Confessions übertragen. Heute werden die Bekenntnisse als eigene Literaturgattung betrachtet, die eine individuelle, bekenntnishafte Selbstbetrachtung beinhalten.
In Rousseaus erstem Buch der Autobiographie sind die Bekenntnisse, die Augustinus abzulegen gedachte, nicht so deutlich erkennbar. Man kann Rousseau beide Bekenntnisarten des Augustinus zuschreiben, allerdings hat er diese anders umgesetzt. Bereits im Vorwort seiner Autobiographie schreibt Rousseau Voici le seul portrait d’homme, peint exactement d’après nature et dans toute sa vérité, qui existe et qui probablement existera jamais, womit er auf den integralen Bestandteil seiner Definition der Bekenntnisse hinweist : Ehrlichkeit. Er bringt damit zum Ausdruck, dass es eine Ehrlichkeit in der Form, wie er sie dem Leser darlegt, noch nie gegeben hat, zu dem Zeitpunkt seines Schreibens gibt und auch nie wieder geben wird. Generell kann es für einen Autobiographen schwierig sein, seine Erlebnisse, Gedanken, Meinungen „offen und ehrlich“ kund zu tun. Dies hängt insbesondere damit zusammen, dass kaum ein Mensch seine Gedanken, Wünsche und Sehnsüchte offen darlegt und in der Gesellschaft viele Themen tabuisiert werden. 2 Es bedarf Stärke und Mut, eine Autobiographie zeitlebens zu schreiben, da man möglicherweise der Kritik und auch starken
1 1 Gadenne, J.E., http://www.lettres.net/confessions/rousseau_presentation.hat, (Stand: 05.03.2008).
2 Meine Aussage bezieht sich sowohl auf die damalige als auch auf die heutige Zeit.
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Anwendungen ausgesetzt sein könnte. Rousseau jedoch scheint daran keinen Anstoß zu nehmen. Mitunter kann man sogar schlussfolgern, dass er diese Autobiographie unter anderem seinen Feinden gewidmet hat, d.h. um ihnen zu zeigen, wie er wirklich ist. Im Vorwort schreibt er immerhin: Enfin, fussiez-vous, vous-meme, un de ces ennemis implacables, cessez de l’être envers ma cendre, et ne portez pas votre cruelle injustice jusqu’au temps où ni vous ni moi ne vivrons plus 3 . Das Zitat einer Website unterstreicht diesen Gedankengang : Cette oeuvre autobiographique, qui lui permet de répondre à certaines accusations, de se justifier par un livre d'une sincérité sans exemple. 4 Ferner schreibt Rousseau Je vous conjure par mes malheurs 5 . Dies ist ein weiterer Aspekt, der mit der Definition von Bekenntnis beziehungsweise Ehrlichkeit einhergeht. Rousseau wird dem Leser nicht nur von seinem Glück berichten, sondern ihn ebenso in seine Unglücksmomente einführen. Im nächsten Satz betont er: et au nom de toute l’espèce humaine, de ne pas anéantir un ouvrage unique et utile, lequel peut servir de première pièce de comparaison pour l’étude des hommes 6 , dass seine Bekenntnisse als Menschheitsstudie dienen, gerade auf Grund dessen, dass sie ehrlich und bekenntnishaft sind und einer ehrlichen, menschlichen Natur entspringen. Er beginnt das erste Buch mit ähnlichen Worten wie das Vorwort:
Je forme une entreprise qui n’eut jamais d’exemple et dont l’exécution n’aura point d’imitateur. Je veux
montrer à mes semblables un homme dans toute la vérité de la nature : et cet homme ce sera moi. 7
Damit sich bestimmte Gedankengänge und Intentionen nachhaltig beim Leser einprägen, ist es wichtig, diese zu wiederholen, wenngleich die Wortwahl mitunter differiert. Ebenso den Aspekt, dass er sowohl das Gute als auch das Schlechte in seinem Leben freimütig zu erzählen beabsichtigt, betont er auf Seite 34 noch einmal: Voilà ce que j’ai fait ce que j’ai pensé, ce que je fus. J’ai dit le bien et le mal avec la même franchise. Im Hinblick auf Ehrlichkeit, Bekenntnishaftigkeit und Menschenkenntnis scheint Rousseau sich überdies als eine Art Auserwählten, wenn nicht gar als eine Art Ausnahmemenschen zu betrachten. In dem ersten Buch gibt es wenige Passagen, in denen man Rousseau einen demütigen Charakter zuschriebe. Im Vorwort betont er zum einen, dass er seine Confessions im Namen des
3 Im Vorwort
4 Gadenne, J.E., http://www.lettres.net/confessions/rousseau_presentation.hat, (Stand: 05.03.2008).
5 vgl 1
6 vgl. 1
7 vgl. Seite 34
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Menschheitsgeschlechtes schreibt, d.h. dass er sich als einen prototypischen Vertreter des Menschheitsgeschlechts betrachtet; ein prototypischer Vertreter, der mit Ehrlichkeit und Menschenkenntnis ausstaffiert ist. Auf Seite 34 hebt er dies noch einmal hervor, indem er schreibt: Je sens mon coeur et je connais les homme. Hiermit unterstreicht er noch einmal, dass er sich als Maßstab des Seelen- beziehungsweise Menschenkenners betrachtet. Somit ist er in seinen Augen in der Lage, ein aufrichtiges Bekenntnis abzulegen, welches sich überdies als Studie über das Menschheitsgeschlecht eignet.
Ein weitere Gemeinsamkeit, die man zwischen Augustinus „Confessiones“ und Rousseaus Les Confessions feststellen kann, ist die Sündenbekenntnis beziehungsweise die Rechtfertigung der Sünden vor Gott. Bei Augustinus geht es primär um die Bekenntnisse seiner Sünden und seinem Verhältnis zu Gott. Bei Rousseau wird Gott selbst kaum angesprochen, doch trotzdem liest sich seine Autobiographie ebenso ähnlich wie eine Beichte, v.a. in Bezug auf seine delinquenten Gedanken und wie er z.T. über andere Menschen denkt. Même si Dieu est évoqué dans le préambule, Rousseau s'adresse surtout aux hommes, et l'aveu des fautes n'obéit pas vraiment à une intention religieuse. 8 Dieses Zitat unterstreicht, dass es sich bei Rousseaus Les Confessions zwar um eine Beichte handelt, diese aber nicht zwingend religiös verstanden werden muss, sondern er legt diese Beichte vor Menschen ab, v.a. vor seinen Kritikern.
In meinen Augen kann man Rousseaus erstes Buch ebenso als eine Art Katharsis lesen, d.h. indem er seine Sünden und Laster offen bekennt und diese zu rechtfertigen versucht, strebt er nach einer Seelenläuterung beziehungsweise einer Befreiung seiner Seele. Im ersten Buch gebraucht er das Wort liberté mehrfach. Sa façon particulière de présenter les faits lui permet parfois de persuader le lecteur de son innocence. 9 Dieses Zitat untermauert noch einmal, dass man Rousseaus Autobiographie nicht zwingend als religiöses Bekenntnis lesen muss. Natürlich war Rousseau religiös geprägt. Immerhin war seine Heimatstadt Genf, welche als Calvins Stadt galt. Man legte auf Religion und die Einhaltung der religiösen Gebote sehr viel Wert und das alltägliche Leben war somit ständig religiös geprägt. Von dieser Warthe aus kann man durchaus ein religiöses Bekenntnis in Rousseaus Les Confessions erkennen. Am
8 Gadenne, J.E., http://www.lettres.net/confessions/rousseau_presentation.hat, (Stand: 05.03.2008).
9 Gadenne, J.E., http://www.lettres.net/confessions/rousseau_presentation.hat, (Stand: 05.03.2008).
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Arbeit zitieren:
Nadine Richters, 2008, Inwiefern wird das Erste Buch dem Titel „Confessions“ (Jean-Jacques Rousseau) gerecht?, München, GRIN Verlag GmbH
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