Inhaltsverzeichnis Seite
1 Einleitung 3
2 Die Situation vor der Königswahl Friedrich Barbarossas 3
2.1 Konrads Wahl fällt auf Friedrich Barbarossa 4
2.2 Die Wahl eines Königs 5
3 Die Königserhebung Friedrichs I. 6
3.1 Otto von Freising: „Gesta Frederici“ 6
3.2 Die Königserhebung Barbarossas und die Rolle der rituellen Elemente 7
4 Die Amtseinsetzung Konrads II. 12
4.1 Wipo berichtet von der Wahl und Erhebung Konrads II. 12
4.2 Die Königwahl Konrads mit Blick auf die rituellen Elemente 13
4.3 Von der Weihe des Königs mit Blick auf die rituellen Elemente 17
5 Zusammenfassende Gegenüberstellung der Königserhebungen 19
5.1 signifikante Gemeinsamkeiten und Unterschiede der untersuchten 19
K önigserhebungen
6 Schluss 21
7 Literaturverzeichnis 24
8 Quellenverzeichnis 25
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1 Einleitung
Friedrich I. wurde am 4. März 1152 zum römisch-deutschen König gewählt. Diese Tatsache bedingt zugleich die Frage, aus welchem Grund ausgerechnet der Neffe des noch amtierenden Königs Konrad III. dessen Nachfolger in diesem Amt geworden ist. Da Konrad III. zudem einen Nachfolger in direkter Erbfolge auf den Thron, in Person seines eigenen Sohnes, designieren hätte können, wird das Interesse an den Hintergründen bezüglich der Königswahl Friedrichs I. verstärkt. Um zu prüfen, inwieweit und ob diese Thronfolge ungewöhnlich zu betrachten ist, sollte in einem ersten Schritt herausgefunden werden, welche Rolle das Erbrecht bei der Königswahl im hohen Mittelalter eingenommen hat. Lässt sich von dem Denken ausgehen, dass der am nächsten Verwandte des Königs die Thronfolge antritt, wie es beispielsweise in den heutigen, noch existierenden, Königshäusern der Fall ist, so hätte demnach Konrads Sohn neuer König werden „müssen“. Doch bekanntermaßen war dem nicht so. Mit Blick auf diese „Besonderheit“ sind im Folgenden die Rituale dieser Königswahl zu beachten, dessen Untersuchung den Schwerpunkt dieser Arbeit bilden wird. Inwieweit lassen sich Unterschiede in den Ritualen der Königserhebung Friedrich Barbarossas zu anderen Amtseinsetzungen feststellen, das heißt auch, wie könnte sich die Tatsache, dass Barbarossa unter anderen Umständen auf den Thron gehoben wurde, auf den Akt der Wahl und der Weihe, beziehungsweise auf einzelne rituelle Elemente, ausgewirkt haben? Waren diese Umstände überhaupt so besonders oder gar einzigartig? Mögliche Besonderheiten der Königserhebung möchte ich im Folgenden erläutern, wobei mir als Grundlage vor allem die Quelle von Otto von Freising dienen wird. Im weiteren Verlauf der Arbeit werden die beschriebenen Begebenheiten der Amtseinsetzung Barbarossas einem Vergleich, in Form einer Gegenüberstellung mit einer anderen Königserhebung, unterzogen werden. An dieser Stelle wird die Wahl Konrads II. in die Untersuchung miteinbezogen, um in einem weiteren Abschnitt zudem die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen der Erhebung Friedrichs I. und jener von Konrad II. benennen zu können. Im Schlussteil werden die wesentlichen Erkenntnisse zusammengefasst.
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2 Die Situation vor der Königswahl Friedrich Barbarossas
2.1 Konrads Wahl fällt auf Friedrich Barbarossa
Aus den Schilderungen des Abtes Wibald von Stablo und Corvey gehen Charaktermerkmale hervor, die er einst Barbarossa zugeschrieben hat. Seiner Einschätzung zufolge, die aus dem Jahr 1152 hervorgeht, zeichnet sich dieser „durch einen scharfen Verstand, rasche Entschlusskraft in Beratungen, großes Kriegsglück, Streben nach Ruhm, Abscheu gegen Ungerechtigkeit, Zugänglichkeit und Freigiebigkeit und eine deutliche rhetorische Begabung in seiner Muttersprache aus“ 1 . Eigenschaften also, die der Sohn Konrads III. aufgrund seines jungen Alters selbstverständlich noch nicht aufweisen konnte, aber als eine Tendenz aufzufassen ist, die erklärt, weshalb König Konrad nicht seinen eigenen Sohn als Thronfolger präsentierte. Ein wichtiger Faktor dürfte zudem die Herkunft Friedrichs sein, die in zahlreichen Werken bereits diskutiert wurde. Die Tatsache, dass sein Vater Staufer und seine Mutter Welfin war, sollte in jenen Jahren der Spannungen zwischen Staufern und Welfen besonders erwähnt werden. Opll sagt, dass Heinrich vor allem in seiner Jugendzeit ein ausgeprägtes Verhältnis zu der Verwandtschaft mütterlicherseits besaß, was er darauf zurückführt, dass Barbarossas Mutter sehr früh verstarb. Ab 1143 stellte er sich unter anderem im Zuge kriegerischer Aktivitäten mehrfach auf die Seite der Welfen, vor allem an die, seines Onkels Welf VI. 2 Der Staufer Konrad konnte daher vermutlich nicht allen Aktionen Friedrichs zustimmen, so sah er aber wohl doch die Chance, die welfische Opposition mit Hilfe Friedrichs unter Kontrolle zu halten, indem dieser als Verbindungsglied zwischen Staufern und Welfen fungiert. Zudem ist überliefert, dass Friedrich Konrad in dessen letzten Wochen seines Lebens nicht mehr von der Seite rückte. 3 Schließlich erkor Konrad Barbarossa zu seinem designierten Nachfolger. Der scheidende König konnte jedoch lediglich einen Kandidaten für das Königsamt vorschlagen, wählen mussten ihn jedoch die wahlberechtigten Reichsfürsten. Daher war es Friedrichs Aufgabe mit den Fürsten in Wahlverhandlungen zu treten, wovon einige belegt werden können und von Opll in seinem Werk angeführt werden. So nennt er Zeugnisse, die aus den Wochen vor der
1 OPLL, Ferdinand: Gestalten des Mittelalters und der Renaissance - Friedrich Barbarossa, Darmstadt 1990, S. 30.
2 Ebd., S. 30.
3 Ebd., S. 33.
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Königswahl stammen und in denen von der Kontaktaufnahme mit den „bedeutendsten Fürsten des Reiches“ zu lesen ist. 4 Unter anderem nahm Barbarossa, neben Bischöfen wie Gebhard von Würzburg oder Eberhard von Bamberg, Kontakt zu Abt Wibald von Stablo und Corvey auf. Dieser fungierte bereits im Jahr 1146 als Gesandter Konrads III bei dessen Aufenthalt in Sutri bei Papst Eugen III. Noch im selben Jahr initiierte Konrad die Wahl Wibalds zum Abt des Klosters Corvey und im Jahr 1149 fungierte er als Berater Konrads an dessen Hof. 5 Wie sich feststellen lässt, gehörte Abt Wibald von Stablo und Corvey zu den Vertrauten des verstorbenen Königs Konrad. Daher ist es meiner Ansicht nach nicht verwunderlich, dass Friedrich im Werben um die nötigen Stimmen zur Königswahl das Gespräch mit dem Abt forcierte. So mag es durchaus auch mit anderen Fürsten und Äbten abgelaufen sein. Es ist zu vermuten, dass Friedrich vor allem jene Stimmberechtigte warb, die in einem guten oder engen Kontakt zum scheidenden König standen und dieselbe Interessenlage bezüglich der Führung des Reiches aufwiesen. Zudem hatten diese Personen, wie Wibald von Stablo und Corvey, das Interesse, weiterhin im Umfeld des Königs tätig zu sein. 6 So schien es für sie nur die logische Konsequenz zu sein, Friedrich Barbarossa als direkten Nachfolger Konrads III. zu wählen. Zudem besteht durchaus die Möglichkeit, dass Konrad zu Lebzeiten bereits nötige Schritte eingeleitet hat, um die Wahl Friedrichs durchzusetzen, indem er womöglich bereits mit einigen Fürsten Unterredungen bezüglich der Amtseinsetzung Barbarossas führte. Dass eindeutig Wahlversprechen in dieser Zeit vor der Wahl geführt wurden, lässt sich zudem an den Maßnahmen belegen, die Friedrich nach seiner Amtseinsetzung traf. 7
2.2 Die Wahl eines Königs
Die mittelalterliche Königswahl orientierte sich in der Regel an der Geblütsheiligkeit. Das heißt, dass den Nachkommen des Königs ein Vorrang gegenüber anderen Bewerbern eingeräumt wurde. Dies lässt sich auf den Glauben der Menschen zurückführen, dass sich das Königsgeschlecht durch „besondere Kraft und besonderes Glück“ 8 auszeichne. Wurde diese Linie ohne zwingende Begründung durchbrochen, fürchteten die Menschen dagegen den Verlust des „gottgegeben Königheils“. Aus
4 OPLL, Ferdinand: Gestalten des Mittelalters und der Renaissance - Friedrich Barbarossa, S. 34.
5 Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon: Band XIII, Herzberg 2001, Spalten 1029 - 1034.
6 SIMONSFELD, Henry: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Friedrich I., Berlin 1967, S. 26.
7 Ebd., S. 24.
8 SCHMIDT, Ulrich: Königswahl und Thronfolge im 12. Jahrhundert, Köln/Wien 1987, S. 13.
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diesem Glauben heraus entwickelte sich das Ritual, dass der Sohn des Königs für die Thronfolge bestimmt war. Festzuhalten ist derweil, dass die Orientierung am Geblütsrecht lediglich als Leitlinie zu betrachten ist. Ob jeweils ausschließlich nach diesem Kriterium ausgewählt wurde, lässt sich nach Schmidt indes nicht belegen. 9 Bei der Designation wiederum handelt es sich hingegen um eine Empfehlung des Königs bezüglich seines Nachfolgers. Der noch amtierende König schlug demnach zu Lebzeiten vor, wen er sich als direkten Nachfolger wünschte. Überwiegend handelte es sich dabei wohl um den eigenen Sohn. 10 Mitteis nennt diesen Vorgang „bindender Wahlvorschlag“, vermerkt zusätzlich jedoch: „Dem Vorschlag des regierenden Königs (…) nicht zu folgen, wäre eine schwere Pflichtverletzung“ 11 . Jedoch misst die heutige Forschung der Designation ebenso wenig eine rechtlich verbindliche Kraft bei, als dem Geblütsrecht, so dass „Wahlvorschlag“ wohl als angemessene Definition betrachtet werden kann. Zudem lässt sich feststellen, dass die Wahl des Königs letztendlich von den Stimmen der Fürsten abhängig war. 12 Nach welchen Kriterien diese schließlich entschieden, ob nach Geblütsrecht, Designation oder der Überzeugungskraft des Königskandidaten muss von Königswahl zu Königswahl analysiert werden und obliegt daher nur noch bedingt dem Themenbereich dieser Hausarbeit.
3 Die Königserhebung Friedrichs I.
3.1 Otto von Freising: „Gesta Frederici“
Zu den bedeutendsten Werken bezüglich des Themengegenstands lassen sich allen voran Otto von Freisings Schilderungen über die Taten Friedrich Barbarossas, den so genannten „Gesta Friderici“, anführen. Bischof Otto von Freising ist der Halbbruder von Barbarossas Onkel Konrad III. und steht daher in verwandtschaftlichem Verhältnis zum späteren König. 13 Es ist daher anzunehmen, dass die Erläuterungen Freisings, beispielsweise zur Königswahl Friedrichs I., durch seine Beziehung zur Familie beeinflusst worden sind. 1157 bekam Otto schließlich auch den offiziellen Auftrag
9 SCHMIDT, Ulrich: Königswahl und Thronfolge im 12. Jahrhundert, S. 13.
10 Ebd., S. 13.
11 MITTHEIS, Heinrich: Die deutsche Königswahl. Ihre Rechtsgrundlagen bis zur Goldenen Bulle, Darmstadt 1965, S. 61.
12 SCHMIDT, Ulrich: Königswahl und Thronfolge im 12. Jahrhundert, S. 23f.
13 OPLL, Ferdinand: Gestalten des Mittelalters und der Renaissance - Friedrich Barbarossa, S. 8.
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seitens seines Neffen, die „Gesta“ dessen zusammenzutragen. 14 Dieser Auftrag erfolgte damit fünf Jahre nach der Königswahl Barbarossas und wirft bei mir die Frage auf, in welcher Weise die Schilderungen der Wahl authentisch protokolliert werden konnten und wie sich das verwandtschaftliche Verhältnis auf die Erzählungen auswirkt. Entsprechende Textstellen, die auf die letzte Frage Bezug nehmen, werden im weiteren Verlauf der Arbeit am Beispiel der „Gesta Friderici“ erläutert werden. Holtzmann erläutert indes, anknüpfend an die erste Frage, dass sich Otto von Freising nicht häufiger als andere Geschichtsschreiber am Hof des Königs aufhielt, sondern dass er lediglich einen besseren Informationsstand als andere seines Faches besaß.
3.2 Die Königserhebung Barbarossas und die Rolle der rituellen Elemente
Barbarossa wies, wie erwähnt, nicht das unmittelbarste verwandtschaftliche Verhältnis zu Konrad III. auf, im Gegensatz zum Sohn des scheidenden Königs. Daher mag die Erwähnung, dass die Fürsten den König wählen, diese Relevanz im Text aufweisen. Der Quelle ist in diesem Kontext zu entnehmen, dass die Fürsten über die Einsetzung Friedrichs „berieten“, denn dies sei ein “Privileg“ des römischen Reiches. 15 Dass die Fürsten den König wählen und sich die Königswahl nicht durch die Blutsverwandtschaft vererbt, wird an dieser Stelle deutlich hervorgehoben. Diese Schilderung geht mit der Tatsache einher, dass die Königswahl Friedrichs I. unter besonderen Umständen stattfand, solche, die es bisher in der Geschichte noch nicht gegeben hatte. Diesen Sachverhalt möchte ich jedoch erst im weiteren Verlauf dieser Quellenanalyse näher erläutern. Doch eine weitere Spekulation lässt sich an dieser Stelle anbringen; Wenn die Fürsten über die Wahl des Königs berieten, hieß dies, dass es noch Alternativen zur Einsetzung Friedrichs gab, möglicherweise ein oder mehrere Gegenkandidaten, die Otto von Freising jedoch bewusst nicht erwähnte, um die Wahl so positiv wie möglich darzustellen? Doch welche Rolle spielt das überhaupt unter dem Eindruck, unter dem die folgenden Zeilen gelesen werden: „er (Anm.: Konrad III.) starb am 6. Tage nach Aschermittwoch, das heißt am 15. Februar, nachdem er dem Herzog Friedrich die Insignien und seinen einzigen Sohn, der ebenfalls Friedrich hieß,
übergeben hatte“ 16 . Diese Schilderung stellt die die Designation Friedrich Barbarossas
14 OPLL, Ferdinand: Gestalten des Mittelalters und der Renaissance - Friedrich Barbarossa , S. 8.
15 FREISING, Bischof Otto von: Die Taten Friedrichs oder richtiger Chronica (FSGA 17), Darmstadt 1965, S. 285.
16 Ebd., S. 284.
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Arbeit zitieren:
Tobias Bunse, 2008, Die Königserhebung Friedrichs I., München, GRIN Verlag GmbH
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Die Königswahl Friedrich I. Barbarossas 1152
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