Inhalt
1. Einleitung ( 1
1.1 Hintergrund der Arbeit 1
1.2 Fragestellung 1
1.3 Aufbau der Arbeit 1
2. Der Psalter als Buchkomposition 3
Begriff und Bedeutung 3
Was ist ein Psalm und welche Inhalte behandelt der Psalter? 4
Bemerkungen zu den Überschriften der Einzelpsalmen 5
Einordnung in die Bibel und Umfang des Psalters 6
Die Struktur des Psalters und seine Teilung in fünf Bücher 6
Die Entstehung und das Alter der Psalmen und des Psalters 9
Bemerkungen zur Zählung und Psalmen außerhalb des Psalters 10
Die Sprache des Psalters 11
3. Vorstellung der zu untersuchenden Psalmengattungen 13
Zum Gattungsbegriff und der Forschung 13
Psalmengattungen 15
Lobpsalmen /Hymnen 15
Klagepsalmen 17
Eine Kurzvorstellung anderer Psalmengattungen 19
4. Zur angewandten Methodik 20
5. Exegese und Vergleich unterschiedlicher Psalmengattungen 23
Die Exegese dreier Lobpsalmen 23
Psalm 103 - Das Hohelied der Barmherzigkeit Gottes 23
Einordnung in den Psalter 24
Gattung und Aufbau des Psalms 24
Besondere Merkmale des Psalms 27
Gesellschaftlicher Kontext, Rezeption und Datierung 28
Psalm 113 - Gottes Hoheit und Huld 29
Einordnung in den Psalter 29
Gattung und Aufbau des Psalms 29
- Der Psalter und seine Gattungen - 1.Einleitung
1.1 Hintergrund der Arbeit
Mein Interesse an den Psalmen wurde in einem Hauptseminar geweckt, in welchem wir uns in Kleingruppen mit einzelnen Psalmen beschäftigt haben. Dabei gab es auch eine Aktion, bei der wir unsere Arbeiten als Poster öffentlich ausstellten und Psalmen an vorbeigehende Menschen in einer Einkaufspassage verteilten. Diese vorherige Beschäftigung mit den Texten hat mich inspiriert und ermutigt, an den Psalmen weiterzuarbeiten, weil ich die Schönheit und Relevanz der Texte für mich erkannt habe.
1.2 Fragestellung
Der Psalter ist ein Buch, das durch seine Kanonisierung innerhalb der Bibel über eine sehr lange Zeit erhalten geblieben ist. Darin befindet sich eine große Vielzahl von Texten, die allesamt ihren eigenen Charakter und ihre eigene Note haben. Wenn man den Psalter jedoch nur flüchtig liest, so fällt dem Leser sofort auf, dass Lob und Klage sehr große Rollen innerhalb dieses Buches einnehmen. Die vorliegende Arbeit will versuchen, diesen beiden Kategorien Lob und Klage mittels der Exegese unterschiedlicher Psalmen aus beiden Gattungen näher zu kommen.
Theoretisch stellt sich uns das Verhältnis zwischen Lob und Klage als ein dualistisches dar. In der vorliegenden Arbeit soll jedoch untersucht werden, ob die beiden Grundkategorien des Psalters als Gattungen nicht doch mehr gemeinsam haben, als man erwarten würde. Sind also Lob und Klage zwei gegensätzliche Pole, die sich abstoßen, oder überschneiden sie sich vielmehr und gehen ineinander über? Sind Gemeinsamkeiten zwischen den Gattungen zu erwarten oder werden wir nur Gegensätze vorfinden? Diese Fragen werden im Laufe dieser wissenschaftlichen Hausarbeit Beantwortung finden.
1.3 Aufbau der Arbeit
Die Arbeit beginnt mit einer Einführung in den Psalter, bei der verschiedene Aspekte, die für das Verständnis des Psalters und auch die Arbeit damit essentiell sind, betrachtet werden. In diesem Teil, der den Titel Der Psalter als Buchkomposition trägt, werden wir uns u. a. mit der Etymologie des Begriffs Psalter, den Namen, die der Psalter in den verschiedenen
- 1 -
- Der Psalter und seine Gattungen - Bibelschriftentrug, seinem Umfang und der Struktur des Psalters oder auch seiner Sprache und seinem Entstehungsprozess beschäftigen. Es werden hier jedoch auch Themen, welche die Einzelpsalmen würdigen, angeschnitten, wie z.B. die Überschriften der Einzelpsalmen und die Frage, was ein Psalm eigentlich ist.
Im nächsten Teil werden die Gattungen des Psalters dargestellt. Zunächst ist dabei zu klären, was eine Gattung ist und wer bei den Psalmen diese Einteilung bzw. Kategorisierung vorgenommen hat; denn sie war ja nicht von vornherein präsent, sondern wurde später hinzugefügt. Der Hauptakzent liegt hier auf den beiden Gattungen, welche die Motivation für diese Arbeit darstellen, nämlich Lob- und Klagepsalmen. Bei der Vorstellung der zu untersuchenden Gattungen wird jedoch auch kurz auf andere Psalmengattungen wie z.B. Königspsalmen eingegangen. Es soll nicht der Eindruck vermittelt werden, dass andere Gattungen einen niedrigeren Wert tragen. Sie sind nur für diese Arbeit nicht von derselben Relevanz wie die zuvor genannten.
Anschließend wird, bevor der Hauptteil dieser wissenschaftlichen Hausarbeit beginnt, eine kurze Einordnung der angewandten Methodik vorgenommen, um einen besseren Einblick in die Vorgehensweise bei der Arbeit an den Psalmen zu gewähren. Dies soll sicherstellen, dass die Arbeit für den Leser transparent bleibt und, was noch wichtiger ist, die Vergleichbarkeit der Ergebnisse ermöglichen. Wenn alle Texte mit demselben Schema bearbeitet worden sind, ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass man gut vergleichbare Resultate erzielt. Darauf folgen Exegese und Vergleich unterschiedlicher Psalmengattungen, nämlich dreier Lobpsalmen (Psalm 103; 113; 150) und dreier Klagepsalmen (Psalm 6; 13; 88). Das im zuvor beschriebenen Kapitel vorgestellte Raster wird nun bei der Exegese auf die verschiedenen Texte angewandt. Es erfolgt eine Feststellung der Gemeinsamkeiten unter den jeweils drei Texten der Gattungen. Diese Berührungspunkte unter den Psalmen werden als Grundlage für den anschließenden Vergleich der Gattungen dienen, bei dem die Frage geklärt werden soll, in welchem Verhältnis Lob und Klage in den Psalmen zueinander stehen. Eine Zusammenfassung wird abschließend einen Überblick geben und die Ergebnisse der vorliegenden wissenschaftlichen Hausarbeit resümieren.
- 2 -
- Der Psalter und seine Gattungen - 2.Der Psalter als Buchkomposition 2.1 Begriff und Bedeutung
Der Psalter ist eine Sammlung von 150 Einzeltexten, die jedoch nicht als zusammenhangslose und zufällige Aneinanderreihung von Schriften gesehen werden kann. Es wird von einer gezielten Buchkomposition ausgegangen. 1 Die Sammlung geht auf die griechische Überlieferung des Alten Testaments zurück. 2 Das Buch der Psalmen ist also planvoll zusammengestellt worden und beinhaltet unterschiedliche poetische Texte aus verschiedenen Gattungen. Die verschiedenen Psalmengattungen werden in Abschnitt 3.2 genauer thematisiert.
Für den Psalter sind unterschiedliche Begriffe geprägt worden. Die Worte Psalm und Psalter sind dabei griechischen Ursprungs. Das Wort ψαλμός ist abgeleitet vom Verb ψάλτειν, was die Bedeutung ‚Saiten zupfen’ oder ‚spielen’ trägt. Der erstgenannte Begriff bedeutet demnach ‚Saitenspiel’ und entspricht damit dem hebräischen Wort mizmōr, denn auch dieses Wort steht für das vom Saitenspiel begleitete Lied. 3 Die Bezeichnung ‚Buch der Psalmen’ (βίβλος ψαλμω ν) stammt aus der Septuaginta, der ersten griechischen Übersetzung des Alten Testaments, die damit auch den Begriff ) aus dem Hebräischen übernimmt. 4 Eine andere Überschrift mizmōr (
aus dem Hebräischen ist (sepær) t e hillîm mit der Bedeutung ‚Buch der (Lob-) Preisungen’. 5 Im Codex Alexandrinus, der „Bibelhandschrift A […] aus dem 5. Jahrhundert“ 6 , trägt die Sammlung den Namen ψαλτήσιον, was Saiteninstrument bedeutet. Der Psalter wird somit hier als Liederbuch zum Saitenspiel verstanden. Im Codex Vaticanus, der aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. stammenden Bibelhandschrift B 7 , erscheint für den Psalter die Überschrift ψαλμοί zusammen mit der Unterschrift βίβλος ψαλμω ν. Diese Bezeichnung kommt auch im Neuen Testament vor. 8 Durch die verschiedenen Überschriften der Sammlung wurde der Versuch gemacht, sie „nach ihrem Hauptinhalt zu charakterisieren, was jedoch nicht
1 Vgl. Zenger: Das Buch, 351ff.
2 Vgl. Seybold: Psalmen, 1366.
3 Vgl. Seybold: Psalmen. Einführung, 11.
4 Vgl. Hossfeld: Psalmen, 689.
5 Vgl. Hartenstein/Janowski: Psalmen/Psalter, 1761f.
6 Seybold: Psalmen. Einführung, 11.
7 Vgl. ebd.
8 Vgl. Seybold: Psalmen, 1366.
- 3 -
- Der Psalter und seine Gattungen - ohneAbstriche möglich ist“. 9 Daraus kann man ersehen, dass im Psalter viele verschiedene Inhalte hervortreten, was im nächsten Abschnitt noch verdeutlicht wird.
2.2 Was ist ein Psalm und welche Inhalte behandelt der Psalter? Um Psalmen zu untersuchen, ist es unabdingbar, sich zunächst klar zu machen, was ein Psalm überhaupt ist. Dazu ist es hilfreich zu ersehen, in welchem größeren Zusammenhang Psalmen verwendet wurden und werden. Die Sammlung der Psalmen im Alten Testament hat ein Sprachgebilde aufbewahrt, das schon sehr alt ist. Geprägt wurde es jedoch in der Geschichte des israelischen Volkes und durch die Aufnahme in die christliche Bibel lebt es noch bis heute weiter, sowohl in jüdischen als auch in christlichen Gottesdiensten, in persönlicher Frömmigkeit und als ein Schatz unserer Sprachkultur. Die Psalmen erhalten sich also immer noch ihre Lebendigkeit - und zwar als Gebete und Gedichte, deren Kraft hauptsächlich daraus resultiert, dass sie von Glaubenden an Gott gerichtet sind. Man kann sie genauer bestimmen als „Gebete, die in der Geschichte eines bestimmten Volkes geprägt wurden“ 10 . Dies ist vor allem auch durch die Inhalte der Psalmen spürbar, da sich die Geschichte Israels in ihnen widerspiegelt. Als Beispiele dafür sind vor allem die Klagepsalmen des Volkes zu nennen, aber auch die Geschichtspsalmen und viele weitere Motive aus den Psalmen. Des Weiteren kann man sagen, dass die Psalmen Lieder sind. Daran kann man am Besten erkennen, dass sie auch gottesdienstlichen Charakter haben. 11
Der Psalter ist zwar ein zusammengehöriges Buch, jedoch sollte man nicht vergessen, dass er aus Einzelpsalmen besteht, die für sich gehört werden wollen. Die Individualität der Texte findet auch in der Forschung wieder zunehmend Beachtung. 12 Dennoch kann man im Psalter auch Hauptinhalte isolieren, muss aber im Hinterkopf behalten, dass solche Essenzen immer nur einen Teil der Inhalte reflektieren. Bei der Suche nach dem Kern des Psalters ist sich die Forschung einig, dass die polarisierenden Begriffe Lob und Klage den Psalter prinzipiell ausmachen. Dies ist auch eine
9 Seybold: Psalmen, 1366.
10 Westermann: Ausgewählte, 11.
11 Vgl. ebd.
12 Vgl. Seybold: Psalmen, 1369.
- 4 -
- Der Psalter und seine Gattungen - Hauptmotivationdieser Arbeit. Auch unser Leben zeigt sich als polar, indem wir Freude und Leid erfahren und im Dualismus von Leben und Sterben stehen. Hierbei ist noch zu unterscheiden, ob es sich um Klage-/ Lobpsalmen des Einzelnen, also eines Individuums, oder des Volkes handelt. 13 Mit der Frage, wie Lob und Klage zueinander stehen, wird sich der Hauptteil dieser Arbeit (Kapitel 5) beschäftigen. Andere wichtige Inhalte der Psalmen sind Trauer, Buße, Dank und das Vertrauen auf Gott.
2.3 Bemerkungen zu den Überschriften der Einzelpsalmen Viele Überschriften der Einzelpsalmen haben trotz intensiver Bemühungen der Forschung immer noch keine Klärung erfahren. Um die Psalmen zu verstehen, kann man in der Regel ohnehin nicht auf die Überschriften zurückgreifen, da sie nicht zusammen mit den Psalmen entstanden sind, sondern erst später im gottesdienstlichen Gebrauch hinzukamen. 24 der 150 Psalmen tragen bis heute keine Überschrift. Die vorhandenen Psalmenüberschriften kann man in drei Gruppen einteilen:
a) Überschriften, in denen Namen von Personen oder Personengruppen genannt werden - durch diese Namen schrieb man sie großen Personen der Geschichte wie Mose, Salomo oder David zu. Die Personengruppen benennen Gruppen von Tempelsängern, welche die Psalmen überlieferten oder vortrugen, wie zum Beispiel die Korachiten.
b) Es erfolgt in der Überschrift eine Bezeichnung der Psalmenarten als Lied, Psalm, Loblied, Klagelied oder anderem. Nicht alle dieser Bezeichnungen sind schon gedeutet.
c) Die gottesdienstliche Bestimmung der Psalmen wird in der Überschrift stichwortartig angedeutet. Dies sind meist Anweisungen, welche die musikalische Begleitung im Hinblick auf die zu verwendenden Instrumente betreffen. Sie sind für den Chorleiter oder Musikmeister bestimmt, der ebenfalls häufig in den Überschriften genannt wird. Diese musiktechnischen Bezeichnungen sind für uns heute jedoch meist unverständlich, da wir wenig Wissen über die damalige Tempelmusik besitzen. 14
13 Vgl. Westermann: Ausgewählte, 17f.
14 Vgl. a.a.O., 24.
- 5 -
- Der Psalter und seine Gattungen - 2.4Einordnung in die Bibel und Umfang des Psalters Das Psalmenbuch steht im Bezug auf die Lutherbibel (in der revidierten Fassung von 1984) im zweiten großen Teil des Alten Testaments, der den Titel ‚Lehrbücher und Psalmen’ trägt. Innerhalb dieses Teils steht er zwischen dem Buch Hiob und den Sprüchen Salomos. Im Hinblick auf die hebräische Bibel bildet das Psalmenbuch das Kernstück des dritten Kanonteils, der so genannten „Schriften“ (k e tūbīm). Oft steht das Psalmenbuch hier auch an erster Stelle, wie zum Beispiel in der Biblia Hebraica Stuttgartensia. In der griechischen Bibel steht der Psalter am Anfang des zweiten Teils (poetische Bücher). 15 Zum Umfang kann man sagen, dass der Psalter 19.531 Wörter beinhaltet und damit nach Jeremia (mit 21.819 Wörtern) und Genesis (bestehend aus 20.611 Wörtern) das drittgrößte Buch des Alten Testaments ist. Dies sind 6,5% des Gesamtumfangs des Alten Testaments (300.613 Wörter). In Bezug auf die Wortebene ist festzuhalten, dass der Psalter aus etwa 2200 Vokabeln oder Lexemen besteht, was 38% des gesamten Bestandes an Vokabular von ca. 5750 Wörtern darstellt. Wenn man die 120 Eigennamen im Psalter (im ganzen AT sind es rund 2500) mit einbezieht, kommt man auf 28%. Zusammenfassend besteht der Wortschatz des Psalters also aus ca. 2100 Wörtern und ist damit im Vergleich zur Gesamtvokabularmenge relativ klein. Die vorliegenden Zahlen beziehen sich alle auf den masoretischen Psalter der Biblia Hebraica, also den hebräischen Text. 16
2.5 Die Struktur des Psalters und seine Teilung in fünf Bücher Der Psalter ist zwar als zusammenhängendes Buch in den biblischen Kanon eingeordnet worden, wie bereits erwähnt haben wir es beim Psalter jedoch mit einer Sammlung von 150 Einzeltexten zu tun. Diese Texte zu gruppieren und Zusammenhänge und Arrangements zwischen den Psalmen herauszuarbeiten und festzuhalten ist jedoch unerlässlich, um Einsichten in den Gesamtkomplex zu gewinnen. So kann man unter Umständen auch Rückschlüsse über die Entstehung und Zielsetzung des Psalters ziehen. Möglichkeiten zur Gruppierung werden im Folgenden angedeutet: 17
15 Vgl. Seybold: Psalmen, 1366.
16 Vgl. Seybold: Poetik, 48.
17 Vgl. Seybold: Psalmen. Einführung, 21.
- 6 -
- Der Psalter und seine Gattungen - a)Rahmung: Psalm 1 und Psalm 150 (der in 5.1.3 auch noch genauer analysiert wird) rahmen den Psalter und nehmen damit die Eckpositionen ein. Psalm 1 empfängt den Leser dabei wie folgt: „Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen noch tritt auf den Weg der Sünder noch sitzt, da die Spötter sitzen, sondern hat Lust zum Gesetz des HERRN und redet von seinem Gesetz Tag und Nacht!“ (Psalm1, 1f.). Dies stellt sowohl Begrüßung als auch Ermahnung des potenziellen Lesers des Gesetzes (der Tora) dar. Man kann den Psalm als Vorwort und Vorspruch für das Folgende ansehen, der in den Psalter hineinführen soll. Psalm 150, der den Psalter abschließt, ist ein Hymnus, also ein Lobgesang, der fordert: „Alles, was Odem hat, lobe den HERRN! Halleluja!“ (Psalm 150, 6). Der Psalm versteht damit den Psalter quasi als ein Buch des Lobpreises. 18 Inwieweit dies der Wahrheit entspricht, wird bei den Gattungsanalysen in Kapitel 5 noch genauer zum Tragen kommen.
b) Fünfteilung: Ein weiteres wichtiges Strukturmerkmal ist die späte Einteilung in fünf Bücher. Spät ist diese insofern, dass sie erst vorgenommen wurde, als die Texte schon komplett vorlagen. Sie ist ohne Zweifel „das auffälligste Merkmal des Gesamtgebäudes“ 19 Psalter. Durch die Zahl fünf wird ein Bezug zum Pentateuch, also den fünf Büchern Mose, hergestellt. Es wird vermutet, dass diese Einteilung dazu dienen soll, den kanonischen Rang des Psalmenbuchs zu festigen und abzusichern. 20 Die Gliederung ergab fünf unterschiedlich große ‚Bücher’, und zwar Psalm 1-41 (I), Psalm 42-72 (II), Psalm 73-89 (III), Psalm 90-106 (IV) und Psalm 107-150 (V). Während Buch I, II und V ungefähr den gleichen Umfang haben, gilt das nicht für die anderen beiden Bücher III und IV, die jeweils nur circa auf die Hälfte des Umfangs der zuerst genannten drei Bücher kommen. Die Fünfteilung basiert dabei auf Doxologien, die an bestimmten Stellen in den Psalmen eingebracht sind. 21 Das Wort Doxologie kommt aus dem griechischen (δόξα = Herrlichkeit; λόγος = Wort/Rede) und meint die Lobpreisung der Herrlichkeit Gottes. Die Doxologien befinden sich dabei jeweils am Ende des letzten Psalms des
18 Vgl. Seybold: Psalmen. Einführung, 22.
19 Seybold: Poetik, 365.
20 Vgl. Seybold: Psalmen. Einführung, 23.
21 Vgl. Seybold: Poetik, 365.
- 7 -
- Der Psalter und seine Gattungen - jeweiligenBuches, also zunächst im ersten Buch in Psalm 41,14: „Gelobt sei der HERR, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen! Amen!“. Im zweiten Buch steht eine Schlussnotiz, der die Doxologie vorangeht, in Psalm 72, 18-20: „Gelobt sei Gott der HERR, der Gott Israels, der allein Wunder tut! Gelobt sei sein herrlicher Name ewiglich, und alle Lande sollen seiner Ehre voll werden! Amen! Amen! - Zu Ende sind die Gebete Davids, des Sohnes Isais.“ Das dritte Buch endet mit der Doxologie „Gelobt sei der HERR ewiglich! Amen! Amen!“ in Psalm 89,53. Der Einschnitt nach dem vierten Buch ist nicht so eindeutig und stimmt weitgehend mit der Doxologie im ersten Buch überein, was auf eine nachträgliche Formulierung hindeutet. Sie erfolgt in Psalm 106,48: „Gelobt sei der HERR, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit, und alles Volk spreche: Amen! Halleluja“. Die Einteilung in fünf Bücher durch die Doxologien soll eine Analogie herstellen und ist deshalb als formale Einteilung anzusehen. 22 Generell ist die „Strukturierung eines Werkes in fünf Bücher“ 23 in der jüdischen Überlieferung häufig anzutreffen. Dazu muss man nur an die Tora, also die fünf Bücher Mose, oder an das Buch der Klagelieder denken. Der Vergleich mit der Tora wird häufiger gezogen und der Psalter wird sogar teilweise als Tora Davids betitelt, da David als Verfasser gilt. 24 Zwar wird David hier nicht in der Überschrift als Urheber explizit gemacht, wie es zum Beispiel bei den Psalmen Salomos aus den Apokryphen der Fall ist, „doch liegt es in der Folge der Verfasserangaben der Einzelpsalmen nahe, das Buch als sein Werk zu begreifen.“ 25
c) Psalmensammlungen/-gruppen: Aus dem Gesamtzusammenhang des Psalters kann man verschiedene kleinere Sammlungen isolieren. Alle anzuführen würde an dieser Stelle zu weit führen. Es werden stattdessen nur einige Anhaltspunkte genannt. Man kann dabei verschieden große Gruppen unterscheiden. Mittlere Sammlungen sind die Psalmen 3-41, die zu den Davidpsalmen zu zählen sind, und 42-83, die so genannte elohistische Sammlung. Die letztgenannte Sammlung hat ihren Namen daher, dass in den ihr zugehörigen Psalmen der Name JHWH (Herr) durch Elohim (Gott)
22 Vgl. Seybold: Psalmen. Einführung, 23f.
23 Zenger: Das Buch, 355.
24 Vgl. ebd.
25 Seybold: Psalmen. Einführung, 14.
- 8 -
- Der Psalter und seine Gattungen - ersetztworden ist. Einige kleinere Sammlungen wurden nach Sängergilden benannt. Dazu gehören die Korachpsalmen 42-49, die Asaphpsalmen 73-89 und zusätzlich sind die Wallfahrtspsalmen 120-134 zu nennen. Kleine Gruppen weisen auf das früheste Stadium hin, in dem inhaltlich oder formal gleiche bzw. ähnliche Psalmen zusammengeordnet wurden. Dazu zählt man die Jahwe-Königspsalmen in 93-99, die Lobpsalmen 103-107 (zu Psalm 103 siehe 5.1.1), Halleluja-Psalmen 111-118 (zu Psalm 113 siehe 5.1.2) oder die Davidpsalmen 138-145. 26
2.6 Die Entstehung und das Alter der Psalmen und des Psalters „Jeder Psalm hat seine eigene ‚Biographie’“. 27 Das bedeutet, dass alle Einzelpsalmen ihre eigene Geschichte, Herkunft und Zeit haben, was die Annahme unterschiedlicher Verfasser mit einschließt. Außerdem kann man Psalmen auf ihre Entstehung, also die Abfassung und die Erstgestalt, sowie die Verwendung, die auch Bearbeitung und eine veränderte Gestalt beinhalten kann, untersuchen. Vor allem die Untersuchungen zur Entstehung bleiben jedoch zumeist wenig erfolgreich, da häufig keine Angaben dazu erfasst sind. 28 Auch die Datierung von Einzelpsalmen ist schwierig. Man geht jedoch davon aus, „dass die meisten Psalmen aus nachexilischer Zeit stammen oder zumindest ihre nunmehr vorliegende Textfassung erst in dieser Zeit erhalten haben.“ 29 Die Entstehung des Psalters als Gesamtkonstrukt nachzuvollziehen fällt etwas leichter. Wie in Abschnitt 2.5 schon angedeutet, begann sie mit dem Zusammenfassen von Teilsammlungen zu Teilpsaltern. Daraufhin wurden diese verschiedenen Teilpsalter wieder miteinander verbunden und redaktionell bearbeitet, bis schließlich die uns bekannte Endgestalt der 150 Psalmen vorlag. Genaue Datierungen dieser Prozesse sind schwierig, man kann sich jedoch danach richten, dass die Abfolge der Teilsammlungen im jetzigen Psalmenbuch in etwa ihrem Alter entspricht und zwischen dem 6. und dem 2. Jahrhundert v. Chr. von statten ging. 30 Wann der Psalter schließlich in seiner Endgestalt vorlag, ist in der Forschung umstritten. Früher gab es sehr viele unterschiedliche Meinungen, die von der Perserzeit
26 Vgl. Westermann: Ausgewählte, 16.
27 Seybold: Psalmen/Psalmenbuch, 614.
28 Vgl. a.a.O., 615.
29 Zenger: Das Buch, 362.
30 Vgl. a.a.O., 363f.
- 9 -
- Der Psalter und seine Gattungen - bisin die Makkabäerzeit reichten (5.-2. Jh. v. Chr.). Heute geht man aus verschiedenen Gründen, die jedoch in dieser Arbeit zu weit führen würden, von einer Datierung zwischen 200 und 150 v. Chr. aus. 31 Zur Entstehung der Bücher kann noch gesagt werden, dass bei der Formierung der letzten beiden Bücher etwas anders gewesen sein muss als bei den Büchern I-III, was in erster Linie daran zu erkennen ist, dass das Überschriftensystem sich von da an ändert. Ab Psalm 90 gibt es viele Psalmen ohne Überschriften und auch Melodieangaben sind nicht mehr vorzufinden. Ebenso kommt ab dem vierten Buch häufig das Wort Halleluja als Rahmung oder Überschrift vor, was einen deutlichen Unterschied zu den vorigen Psalmen bedeutet, in denen es überhaupt nicht vorkommt. Des Weiteren nimmt der Gebrauch des zuvor häufig gesetzten musikalischen Terminus Sela, dessen Bedeutung unklar ist (möglich sind Deutungen als Zäsur, Signal zum musikalischen Zwischenspiel oder Pausenzeichen 32 ), ab Psalm 90 rapide ab; er taucht nur noch in zwei Psalmen auf. Auf der Gattungsebene kann man festhalten, dass zahlenmäßig die Klagepsalmen in den letzten beiden Büchern nicht mehr so stark vertreten sind wie in den Büchern I-III und die hymnischen Psalmen einen starken Zuwachs erfahren. 33 Davon wird beim Vergleich der Gattungen in Abschnitt 5.3 noch die Rede sein.
2.7 Bemerkungen zu Zählung und Psalmen außerhalb des Psalters Die Zahl der 150 Psalmen wird zwar in allen Bibelübersetzungen beibehalten, jedoch gibt es Unterschiede in der Zählung der Psalmen. Die Septuaginta (die griechische Übersetzung des Alten Testaments) und die Vulgata (die lateinische Übersetzung des Alten Testaments) zählen anders als die hebräische Bibel; sie fassen Psalm 9 und 10 sowie 114 und 115 zu je einem Psalm zusammen. Im Ausgleich dazu werden jedoch Psalm 116 und 147 beide je in zwei Teile zerlegt, so dass der Umfang des Psalters der hebräischen Bibel wieder hergestellt ist. 34
Diese 150 Psalmen sind keineswegs die einzigen der Bibel, sondern nur eine Sammlung ihrer innerhalb eines Buches. Auch in anderen Büchern haben
31 Vgl. Zenger: Das Buch, 366.
32 Vgl. Hossfeld: Psalmen, 690.
33 Vgl. Zenger: Das Buch, 363f.
34 Vgl. Hossfeld: Psalmen, 690.
- 10 -
Arbeit zitieren:
Katrin Zulauf, 2008, Der Psalter und seine Gattungen - Eine Untersuchung zum Verhältnis von Lob und Klage in den Psalmen , München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Skizzen einer Theologie der Kirchenmusik
Auf der Suche nach katholische...
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Masterarbeit, 68 Seiten
Vom Latein zu den Volkssprachen - Der Umbruch in der Verbreitung der c...
Romanistik - Allgemeines u. Fächerübergreifendes
Examensarbeit, 90 Seiten
Die Logotherapie und Existenzanalyse Viktor Emil Frankls
Psychologie - Beratung, Therapie
Hausarbeit, 28 Seiten
"Der Gottesbegriff nach Auschwitz" - Hans Jonas´ Versuch, da...
Theologie - Systematische Theologie
Hausarbeit, 19 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Die Reformatoren und ihre Theologie - Das Eheverständnis Luthers
Theologie - Systematische Theologie
Seminararbeit, 34 Seiten
Eine philosophische Theodizee
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
Essay, 20 Seiten
Die Reformatoren Melanchthon, Zwingli und Calvin
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Seminararbeit, 15 Seiten
Auf dem Weg der postfamilialen Familie - Ausdruck neuer Freiheit oder ...
Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter
Vordiplomarbeit, 32 Seiten
Migrantenkinder - Soziokulturelle Hintergründe, das Integrationsproble...
Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Why Africa is unlikely to achieve the Millennium Development Goals?
Politik - Internationale Politik - Region: Afrika
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Grundformen der Angst nach F. Riemann
Die depressive und zwanghafte ...
Psychologie - Persönlichkeitspsychologie
Seminararbeit, 17 Seiten
Katrin Zulauf's Text Der Psalter und seine Gattungen - Eine Untersuchung zum Verhältnis von Lob und Klage in den Psalmen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Katrin Zulauf hat den Text Der Psalter und seine Gattungen - Eine Untersuchung zum Verhältnis von Lob und Klage in den Psalmen veröffentlicht
Katrin Zulauf hat einen neuen Text hochgeladen
Psalmen- Und Psalter-Rezeption Im Fr]hjudentum Psalmen- Und Psalter-Re...
Ulrich Dahmen, U. Dahmen
Untersuchung der klimatischen Verhältnisse in Kriechkellern unter gedä...
Stefan Winter, Peter Bauer, Norman Werther
0 Kommentare