Inhalt:
1. Quo vadis Russland? Seite 3
2. Partnerschaft ungleicher Akteure Seite 4
2.1 Wirtschaftliche und strukturelle Unterschiede Seite 4
2.2 Normative Unterschiede in der Zielbestimmung Seite 6
3. Das Partnerschafts- und Kooperationsabkommen Seite 8
4. Strategische Partnerschaft oder doch pragmatische Beziehung? Seite 9
4.1 Tschetschenien - Grenzen einer Partnerschaft Seite 9
4.2 Kaliningrad - Ein positiver Test der EU - Russland - Beziehungen Seite 11
5. Vom Idealismus zum Pragmatismus Seite 12
6. Anhang Seite 14
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1. Quo vadis Russland?
Die Auflösung des Ost-West-Konflikts, die deutsche Wiedervereinigung, der Zusammenbruch der Sowjetunion und die Osterweiterung der Europäischen Union haben gänzlich neue Rahmenbedingungen in Europa und den angrenzenden Regionen geschaffen. Die Beziehungen Russlands zum Westen standen auf beiden Seiten zunächst im Zeichen großer Visionen. Für den Westen war und ist Russland aufgrund seiner Größe, seiner geografischen Nähe und seiner Energieressourcen bedeutsam und es liegt im Interesse der EU, das Nutzenpotenzial des Landes freizusetzen und gleichzeitig sein Schadenspotenzial einzudämmen. Man ging in Europa zunächst davon aus, dass sich Russland wie andere post-sowjetische Staaten nach einer Phase der demokratischen Systemtransformation in den Rahmen der liberal-demokratischen Länder einordnen werde. Doch nach diesen anfänglichen Visionen ist man mittlerweile wieder auf dem harten Boden der Realität gelandet. Trotz pro-westlicher Rhetorik, sind die Zustände in Russland besorgniserregend: Neues Großmachtsbewusstsein und eine demokratische Entwicklung die gekennzeichnet ist von Rückschritt, machen Russland für Viele aus westlicher Sicht zu einer unbekannten, wenn nicht gar unberechenbarer Größe. Manchen scheint es hierzu Lande angebracht, Russland wie einen angeschlagenen Bären zu behandeln, der jederzeit zu unkontrollierbaren Aktionen ausholen könnte. 2 Dies spiegelt sich auch in den Beziehungen zwischen der EU und Russland. Der jüngste Streit zwischen Polen und Russland über europäische Fleischexporte sorgte sogar dafür, dass die Neuverhandlungen des im November 2007 auslaufenden Partnerschafts- und Kooperationsabkommen (PKA) zwischen der EU und Russland vorerst auf Eis gelegt werden mussten. Einzelstaatliche Interessen auf Seiten der EU und ein neues russisches Selbstbewusstsein auf der anderen Seite stellen beide Akteure vor eine große Herausforderung: eine Neubestimmung des europäischrussischen Koordinatensystems.
1 Timmermann, H. (1997). Osteuropa: Drang nach Westen. Möglichkeiten und Hemmnisse. Zitiert nach: Peter, M. (2001). Russlands Platz in Europa. Dokumente und Schriften der Europäischen Akademie Otzenhausen Bd.94. Berlin: Duncker & Humblot, S.56.
2 Timmermann, H. (2006). Alte Großmacht mit neuen Ambitionen - Russland. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Sicherheitspolitik im 21. Jahrhundert. Informationen zur politischen Bildung (Heft 291). Berlin, S.24.
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Die vorliegende Arbeit, soll die bisherigen Beziehungen zwischen der EU und Russland näher beleuchten und in einem ersten Teil, die gegenseitigen Ansprüche und Unterschiede beider Akteure herausarbeiten. In einem zweiten Teil wird dann an Hand zweier Fallbeispiele nach den Ergebnissen und der Qualität der Beziehungen gefragt und in den Kontext des PKA gestellt.
2. Partnerschaft ungleicher Akteuren
Die Ausgangslage in den Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Russland ist geprägt durch ein gemeinsames Ziel: Beide Akteure streben eine strategische Partnerschaft an, die von europäischer Seite in der Gemeinsamen Strategie der EU gegenüber Russland und von russischer Seite in der Mittelfristigen Strategie zur Entwicklung der Beziehungen zwischen Russland und der Europäischen Union mit diesen Worten konkretisiert wurde. 3 Doch ist eine strategische Partnerschaft, die ihrem Verständnis nach gleichberechtigt sein sollte, zwischen diesen beiden so unterschiedlichen Vertragspartnern überhaupt möglich oder werden die Beziehungen zu Lasten eines Akteurs verzerrt? Die Grundvoraussetzungen könnten dabei nicht unterschiedlicher sein.
2.1 Wirtschaftliche und strukturelle Unterschiede
Die EU hat nach ihrer jüngsten Erweiterungsrunde eine Bevölkerungszahl von 488 Millionen 4 , während die Russische Föderation im Vergleich nur 142 Millionen Einwohner aufweisen kann. 5 Dies spiegelt sich in der Folge auch in der Wirtschaftskraft der beiden Akteure. So ist die Außenhandelsbilanz der EU um gut 15 mal größer, als die Russlands und die gegenseitige handelspolitische Relevanz ist von einer bedeutenden Asymmetrie gekennzeichnet. 6 Während für Russland die Europäische Union der mit Abstand wichtigste Handelspartner ist, rangiert für die EU Russland hinter den USA, der Schweiz, Japan, China und Norwegen. 7 50 Prozent des russischen Außenhandels gehen direkt in die EU, während umgekehrt der
3 Siehe Gemeinsame Strategie der EU gegenüber Russland vom 4. Juni 1999 unter
http://ec.europa.eu/external_relations/ceeca/com_strat/russia_99.pdf [Stand: 5.12.2007] und die mittelfristige Strategie zur Entwicklung zur Entwicklung der Beziehungen zwischen Russland und der Europäischen Union (2000 - 2010) unter http://ec.europa.eu/external_relations/russia/russian_medium_term_strategy/index.htm [Stand: 5.12.2007].
4 Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg. Online unter: http://www.europa-waechst-zusammen.de/laender.php?order=habitants. [Stand 23.11.2007].
5 Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland: Länderinformation Russland. Online unter: http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/01-Laender/RussischeFoederation.html
6 So beträgt das Volumen des Warenhandels für Westeuropa circa 4 Billionen Dollar, während Russland (zudem noch mit den osteuropäischen Staaten) lediglich 266 Milliarden aufweisen kann. Aus: Le Monde diplomatique (2006). Atlas der Globalisierung. Berlin: Le Monde diplomatique/ TAZ Verlags- und Vetriebs GmbH, S.90.
7 Siehe http://europa.eu.int/comm/external_relations/russia/intro/trade.htm [zuletzt am 3.12.2007].
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gesamte Außenhandel der EU nach Russland zusammengerechnet nicht die fünf Prozentmarke übersteigt. 8 Trotz der bestehenden Interdependenzen, kann an dieser Stelle mit Sicherheit nicht von einer gleichberechtigten Beziehung gesprochen werden, was sich auch in der unterschiedlichen Handelsstruktur verdeutlicht. Während Russland 2005 rund 64% seiner Gesamtimporte in die EU mit Gütern des Energiesektors bestritt, ist der europäische Export nach Russland wesentlich ausgeglichener. Einer russischen Exportstruktur, die eindeutig von Energieträgern und Rohstoffen dominiert wird, steht ihr mit der EU ein Partner gegenüber, der hauptsächlich gefertigte Produkte und Maschinen, also Endprodukte, liefert. 9 Soll von einer strategischen Partnerschaft gesprochen werden, kommen die Wirtschaftsbeziehungen im Energiesektor dem wohl am nächsten. Nach Saudi Arabien ist Russland der zweitgrößte Erdölexporteur und der größte Gasförderer der Welt. Die EU importiert dabei gegenwärtig etwa 50% seines Gas- und 30% seines Erdölbedarfs aus Russland. 10 Gerade durch das absehbare Ende der Ölförderung in Norwegen und die permanent angespannte Lage im nahen und mittleren Osten, wird sich diese Partnerschaft in Zukunft eher noch vertiefen und die gegenseitige Abhängigkeit verstärken.
Die Beziehungen zwischen der EU und Russland sind also geprägt von einem großen Antagonismus. Die eindeutige ökonomische und handelspolitische Asymmetrie zugunsten der EU, wird dabei konterkariert durch ein geostrategisches Übergewicht Russlands. Dabei sind es nicht nur die Energieressourcen und Pipelines auf russischem Boden, sondern auch der Einfluss und die Kontrolle russischer Energiekonzerne über Gas- und Erdölvorkommen im Südgürtel der GUS Staaten. 11 Zu dieser geostrategischen Bedeutung kann des Weiteren auch die politische und militärische Potenz gezählt werden. Im Gegensatz zur EU verfügt Russland über einen ständigen Sitz im UN Sicherheitsrat und ist mit den USA zusammen noch immer bedeutendste Atommacht. Dieses militärische Potential ist sicherlich kein politisches Instrument, dessen sich Russland in seinen Beziehungen zur EU bedienen kann, es hat aber immer noch auf beiden Seite einen psychologischen Effekt: Einflussreiche russische Eliten verbinden mit diesen Insignien des kalten
8 Fischer, S. (2006a). Schwierige Partnerschaft mit Russland. In: V. Perthes & S. Mair (Hrsg.), Europäische Außen- und Sicherheitspolitik - Aufgaben und Chancen der deutschen Ratspräsidentschaft. Berlin: Stiftung Wissenschaft und Politik, S.51.
9 Allen, T. (2002). Der Handel der EU mit China und Russland. Statistik kurz gefasst. Thema 6-4/2002.Online unter: http://epp.eurostat.ec.europa.eu/cache/ITY_OFFPUB/KS-NO-02-004/DE/KS-NO-02-004-DE.PDF [Stand 5.11.2007], S.5.
10 Cleutinx, C. (2004). Energie-Dialog EU-Russland. Online unter : http://ec.europa.eu/energy/russia/presentations/doc/2004_berlin_de.pdf [Stand 5.11.2007]
11 Wagensohn, T (2000). Krieg in Tschetschenien. In: Hans Seidel Stiftung (Hrsg.): Aktuelle Analysen 18. München: Hans Seidel Stiftung, S.57.
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Arbeit zitieren:
Karl Napf, 2008, Die Beziehungen zwischen der Europäischen Union , München, GRIN Verlag GmbH
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