Auswirkungen von Wechselkursschwankungen
i
auf den internationalen Handel
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis iv
Abk ürzungsverzeichnis iv
1. Einleitung. 1
2. Grundlagen des internationalen Handels 2
2.1 Stellenwert des internationalen Handels 2
2.2 Klassische Außenhandelstheorie. 3
2.2.1 Absolute Kostenvorteile 4
2.2.2 Ricardos Theorie der komparativen Kosten 4
2.3 Neoklassische Außenhandelstheorie. 5
2.3.1 Heckscher-Ohlin-Theorem 5
2.3.2 Leontief-Paradoxon 6
2.4 Neue Außenhandelstheorie 6
2.4.1 Steigende Skalenerträge 7
2.4.2 Monopolistischer Wettbewerb und Außenhandel 7
2.4.3 Intrasektoraler Handel. 8
3. Risiken im Außenhandel 9
3.1 Politisches Risiko. 9
3.2 Wirtschaftliches Risiko. 9
3.3 Wechselkursrisiko. 10
3.3.1 Umrechnungsrisiko 11
3.3.2 Ökonomisches Risiko 12
3.3.3 Transaktionsrisiko. 13
3.4 Klassifizierung nach Gehrmann, Scharrer, Wetter 13
3.4.1 Das Angebotsrisiko. 13
3.4.2 Das Kredit- oder Zahlungsrisiko. 14
3.4.3 Das Wettbewerbs- und Absatzrisiko 14
4. Unternehmensreaktionen auf Wechselkursrisiken 15
4.1 Mengenreaktionen. 15
4.2 Preisreaktionen. 16
4.3 Implementierung von Wettbewerbsbeschränkungen 17
Auswirkungen von Wechselkursschwankungen ii
auf den internationalen Handel
4.4 Allokationsprobleme 18
4.5 Arbeitslosigkeit 19
4.6 Finanzielle Kurssicherungsmaßnahmen 20
4.6.1 Risikovermeidung 21
4.6.2 Risikokompensierung. 23
4.6.2.1 Devisentermingeschäfte. 23
4.6.2.2 Finanzhedging 26
4.6.2.3 Leading und lagging. 26
4.6.2.4 Netting und Matching 27
4.6.2.5 Forderungsverkäufe 27
4.6.2.6 Wechselkursversicherungen 28
4.6.3 Risikoverringerung. 29
4.6.4 Risikovorbeugung 29
5. Wirkungen von Wechselkursvolatilität auf den Außenhandel 30
5.1 Diskussion - festes versus flexibles Wechselkurssystem 30
5.2 Übersicht über die theoretischen Modelle 31
5.2.1 Traditionelle Argumente. 31
5.2.2 Neuere mikroökonomische Grundmodelle 32
5.2.2.1 Das Modell von Clark 32
5.2.2.2 Das Modell von Baron. 34
5.2.2.3 Das Modell von Hooper und Kohlhagen 36
5.2.3 Erweiterungen der Grundmodelle 38
5.2.3.1 Modell von de Grauwe 39
5.2.3.2 Absicherung durch Terminmarktgeschäfte 42
5.2.3.3 Relativierung des Wechselkursrisikos 45
5.2.3.4 Gewinnchancen durch Wechselkursschwankungen. 48
5.2.4 Zusammenfassung der theoretischen Modelle. 50
5.3 Eine kritische Betrachtung empirischer Studien 51
5.3.1 Vorbemerkungen 51
5.3.2 Zeitreihenanalysen 52
5.3.3 Querschnittsanalysen 55
5.3.4 Unternehmensbefragungen 58
5.3.5 Zusammenfassung der empirischen Ergebnisse. 59
6. Schlussbetrachtung 60
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auf den internationalen Handel
A Literaturverzeichnis 62
Auswirkungen von Wechselkursschwankungen iv
auf den internationalen Handel
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 2-1 Entwicklung des Welthandels von 1950 bis 2004 ........................................................... 2
Abbildung 2-2 Vergleich Angebotsmonopol zur Situation vollkommener Konkurrenz ....................... 8
Abbildung 3-1 Schematischer Vergleich verschiedener Wechselkursrisikotypen............................. 11
Abbildung 4-1 Arbeitslosenquote von Deutschland, Frankreich und Großbritannien....................... 19
Abbildung 5-1 Wirkungen von Exporterlösschwankungen auf den erwarteten Nutzen..................... 40
Abbildung 5-2 Wirkungen von Wechselkursschwankungen auf den erwarteten Grenznutzen......... 41
Abbildung 5-3 Erlöse einer Unternehmung unter Preissicherheit und -unsicherheit ........................ 49
Abbildung 5-4 Empirische Literatur von Zeitreihenanalysen ............................................................... 53
Abbildung 5-5 Empirische Literatur von Querschnittsanalysen .......................................................... 55
Abbildung 5-6 Empirische Literatur von Gravitationsmodellen ........................................................... 56
Abkürzungsverzeichnis
D Bundesrepublik Deutschland DM Deutsche Mark F Frankreich G7-Länder Gruppe der Sieben Länder HWWA Hamburgisches-Welt-Wirtschafts-Archiv IFO-Institut Informations- und Forschungsinstitut für Wirtschaftsforschung e.V. UK United Kingdom
Auswirkungen von Wechselkursschwankungen 1
auf den internationalen Handel
1. Einleitung
Der weltweite Handel spielt in einer Zeit, die von voranschreitender Globalisierung und einem Zusammenwachsen der Märkte geprägt ist, eine bedeutende Rolle für die beteiligten Volkswirtschaften. Trotz aller Vorteile, die Außenhandel mit sich bringt, müssen auch dessen Risiken in Betracht gezogen werden, um handelshemmende Auswirkungen aufzuzeigen und diese gegebenenfalls zu beseitigen bzw. zu reduzieren.
Mit dem Zusammenbruch des Festkurssystems von Bretton Woods und dem damit verbundenen Übergang von festen zu flexiblen Wechselkursen sehen sich die Wirtschaftssubjekte zusätzlich zu den bereits im Festkurssystem existierenden Außen-handelsrisiken schwankenden Wechselkursverhältnissen gegenüber. Ferner mussten Erwartungen, die mit der Einführung flexibler Wechselkursverhältnisse in Wissenschaft und Politik verbunden wurden, auf Grund des zu beobachtenden Ausmaßes der Veränderungen der nominalen und realen Wechselkurse - die anfänglich als vorübergehendes Phänomen angesehen wurden - weitgehend revidiert werden. Vielmehr scheint vor dem Hintergrund gestiegener Wechselkursvolatilitäten eine Bewertung der Auswirkungen von Wechselkursschwankungen auf den Welthandel notwendig. Ziel dieser Diplomarbeit ist es, einen theoretischen Überblick über die Wirkungszusammenhänge von Wechselkursschwankungen auf die Handelsaktivität zu geben und diese anhand von empirischen Untersuchungen auf ihre Stichhaltigkeit zu überprüfen.
Als Vorraussetzung werden in Kapitel 2 die erforderlichen Grundlagen geschaffen. Neben einer Einordnung des internationalen Handels in das wirtschaftliche Geschehen wird ein Überblick über die wichtigsten erklärenden Theorien des Außenhandels und ihre Weiterentwicklungen gegeben. Anschließend werden in Kapitel 3 die für ein Unternehmen im Auslandsgeschäft bestehenden Risiken dargestellt. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem Wechselkursrisiko mit seinen auf ein Unternehmen unterschiedlich wirkenden Komponenten. Hieran anknüpfend werden im folgenden Kapitel 4 auf betriebswirtschaftlicher Ebene mögliche kurzfristige Abwehrmaßnahmen von Unternehmen auf Wechselkursrisiken sowie langfristige Unternehmensstrategien und die damit verbundenen ökonomischen Folgen abgeleitet. Der Schwerpunkt dieser Arbeit bildet das Kapitel 5. Darin versuchen mikroökonomische Ansätze Erklärungen zu geben, warum Wechselkursschwankungen Auswirkungen auf das Außen-handelsvolumen haben. Die stark von der Realität abstrahierenden, modell-theoretischen Ansätze können aber nur Erklärungsansätze liefern und machen im Folgenden eine Überprüfung anhand von verschiedenen ökonometrischen Unter-
Auswirkungen von Wechselkursschwankungen 2
auf den internationalen Handel
suchungen notwendig. Im abschließenden Kapitel 6 werden die erlangten Ergebnisse zusammengefasst und ein abschließendes Fazit gegeben.
2. Grundlagen des internationalen Handels
2.1 Stellenwert des internationalen Handels
Im wirtschaftlichen Geschehen nimmt der internationale Austausch von Gütern und Dienstleistungen eine immer bedeutendere Rolle ein. So hat sich der Welthandel vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg rasant entwickelt. Während im Jahre 1950 die Welt-exporte noch rund 60 Mrd. US-Dollar betrugen, wurden sie bis zum Jahre 1960 fast auf 120 Mrd. US-Dollar verdoppelt und bis zum Jahr 2000 sogar verzwanzigfacht. 1
2 Abbildung 2-1 Entwicklung des Welthandels von 1950 bis 2004
Diese Tendenz der Globalisierung ist im Zuge des Abbaus von Handelshemmnissen und der Öffnung der Volkswirtschaften vieler Entwicklungs- und Schwellenländer zu begründen. Allerdings partizipieren nicht alle Staaten im gleichen Maße an dieser Entwicklung. Zwei Drittel des internationalen Handels entfallen auf die Industriestaaten.
1 Vgl. Heller/ Zweifel (1997), S. 1.
2 Eigene Darstellung, in Anlehnung an World Trade Organisation (2005), S.29ff.
Auswirkungen von Wechselkursschwankungen 3
auf den internationalen Handel
In diesem Zusammenhang werden drei Gruppen von Ländern unterschieden:
• Industrieländer, die sich schon seit den 1970er Jahren dem Welthandel geöffnet haben.
• Entwicklungsländer, mit einer Öffnung zum internationalen Markt Anfang der 1980er Jahre.
• Entwicklungsländer, die sich bis heute vom Handel abschotten.
Die offenen Entwicklungsländer konnten während der 90er Jahre die höchsten Wirtschaftswachstumsraten im Vergleich zu den beiden anderen Gruppen verzeichnen. Die abgeschotteten Länder bilden das Schlusslicht in dieser Betrachtung. Einmal mehr zeigt sich die Relevanz des internationalen Handels für einzelne Volkswirtschaften. 3 Die Betrachtung des Verhältnisses von Ex- und Import zum Bruttoinlandprodukt stützt die Argumentation über die Handelsvolumina. Beispielhaft soll die USA genannt werden, wo sich das Verhältnis von Exporten und Importen zur Gesamtwirtschaft von 1959 bis 2000 verdreifacht hat. Dieses Ergebnis ist auch auf andere Industriestaaten übertragbar, da der Außenhandel dort eine noch größere Rolle einnimmt. 4
2.2 Klassische Außenhandelstheorie
Die Argumentation für freien, grenzüberschreitenden Handel geht auf die klassischen Nationalökonomen Adam Smith (1723-1790) und David Ricardo (1772-1823) zurück. Mit ihren Thesen soll bewiesen werden, dass internationaler Handel für die daran teilnehmenden Länder vorteilhaft ist. Eine weitere Fragestellung existiert in den Bestimmungsgründen, warum ein Land gerade ein bestimmtes Gut exportiert und ein anderes Gut importiert. Die hierbei auftretenden Anpassungseffekte in der Relation von Preis und Produktion sind auch Teil der Darstellung. Dies geschieht mit einem Außen-handelsmodell mit nur einem variablen Produktionsfaktor 5 (Arbeit), das die Vorteile anhand von Spezialisierung aufzeigt.
3 Vgl. Rübel (2004), S. 1.
4 Vgl. Krugman/ Obstfeld (2004), S. 25ff.
5 „Produktionsfaktoren sind Güter materieller oder immaterieller Art, die im Produktionsprozess
kombiniert werden, um andere Güter hervorzubringen. Nach der klassischen
Volkswirtschaftslehre sind unter Produktionsfaktoren die originären Faktoren Arbeit und
Boden sowie der derivative Faktor Kapital zu fassen.“ (Woll (2000), S. 605).
Auswirkungen von Wechselkursschwankungen 4
auf den internationalen Handel
2.2.1 Absolute Kostenvorteile
Die Theorie geht davon aus, dass Nachfrager das Gut in dem Land kaufen, in dem es für sie am kostengünstigsten ist. Der Export einer Volkswirtschaft ist demnach davon abhängig, ob der Inlandspreis im Vergleich zum Auslandspreis geringer ist. Dies impliziert einen Vergleich der beiden Preise in der nationalen Währung. Da hierzu eine Umrechnung zum Wechselkurs notwendig ist, zeigt dies gleichzeitig die Abhängigkeit des Handels von der Wechselkursentwicklung. Diese These hat allerdings zur Folge, dass Handel für ein Land nicht vorteilhaft ist, wenn alle Waren im Inland kostengünstiger als im Ausland produziert werden. Ein Land, dessen Produktion vergleichsweise zu kostenintensiv ist, muss demnach alle seine Waren importieren. 6
2.2.2 Ricardos Theorie der komparativen Kosten
Ricardos These gründet darauf, dass der Produktionsaufwand allein auf den Faktor Arbeit zurückzuführen ist. Um dies zu gewährleisten, müssen einige Bedingungen eingeführt werden:
• Im 2-Länder-2-Güter-Modell wird die Arbeit als qualitativ gleichwertig angenommen. Sie kann national beliebig eingesetzt werden, aber international ist sie immobil.
• Die unterschiedlichen Produktionsfunktionen der einzelnen Länder sind gegeben.
• Der Einfluss von Transportkosten spielt keine Rolle für den Außenhandel.
• Die Güter sind homogen und es bestehen konstante Grenzproduktivitäten des Faktors Arbeit in beiden Ländern.
Wenn ein Land für ein Gut einen komparativen Vorteil 7 besitzt, wird es sich auf die Produktion dieses Gutes vollständig spezialisieren. Durch Austausch von Gütern und Ausnutzung der komparativen Kostenvorteile in der Produktion wird es beiden Ländern möglich, ein größeres Güterbündel im Vergleich zur Autarkiesituation zu realisieren. Somit steigt die Wohlfahrt in beiden Ländern durch Außenhandel.
6 Vgl. Siebert (1994), S. 17ff.
7 „Der komparative Kostenvorteil lässt sich anhand eines Vergleichs der so genannten
Opportunitätskosten bestimmen. Dazu drückt man den für die Produktion einer Ware
erforderlichen Aufwand durch den Verzicht an Gütern aus, der erforderlich ist, um eine
bestimmt Menge an Ware zu produzieren. Dies beruht auf der Überlegung, dass bei
Vollauslastung der Produktionsfaktoren die Produktionssteigerung bei einem Gut mit einer
Produktionsminderung bei einem anderen Gut bezahlt werden muss.“
(Maennig/ Wilfing (1998), S. 98).
Auswirkungen von Wechselkursschwankungen 5
auf den internationalen Handel
Da Ricardos Modell keine Nachfragefunktionen enthält, kann zwar eine Aussage über die Richtung der Güterströme getroffen werden, aber das Ausmaß des Außenhandels bleibt unklar. Wird das Modell um eine Grundausstattung an Arbeit erweitert und zusätzlich Nachfragefunktionen eingefügt, können die Produktionspotenziale der einzelnen Länder und die Güterströme quantifiziert werden. 8
2.3 Neoklassische Außenhandelstheorie
In der neoklassischen Theorie werden im Gegensatz zur traditionellen Theorie mehrere Produktionsfaktoren betrachtet. Zum einem findet die Knappheit von Ressourcen in der Produktion von Gütern Berücksichtigung in dem die Grenzerträge nicht mehr als konstant, sondern indem sie jetzt realitätsnäher als abnehmend definiert werden. Zum anderen werden die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital in die Betrachtung aufgenommen. 9 Die sonstigen Bedingungen aus Kapitel 2.2.2 werden aufrechterhalten.
2.3.1 Heckscher-Ohlin-Theorem
Das Faktorproportionentheorem geht auf den schwedischen Wirtschaftshistoriker Eli Filip Heckscher (1879-1952) und den Ökonomen Bertil Ohlin (1899-1979) zurück. Demnach sind die betrachteten Länder mit den Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital relativ unterschiedlich ausgestattet. Handel wird gegenüber Ricardos Theorie nicht mit Produktionsunterschieden erklärt, sondern ist abhängig von einer unterschiedlichen Ausstattung der Länder mit den beiden Produktionsfaktoren. Besteht in einem Land ein großes Angebot an einem zur Produktion benötigten Faktor, so ist dieser verhältnismäßig günstig. Demnach wird es in einem relativ arbeitsreichen Land kostengünstig sein, das relativ arbeitsintensive Gut in größeren Mengen zu produzieren. In Autarkie stellt ein Land diejenige Relation von Gütern her, die die größte Nutzenindifferenzkurve aus der Nachfrage und damit die höchste Wohlfahrt ermöglicht. Wenn nun internatonaler Handel möglich ist, wird im Vergleich zur Autarkiesituation das relativ arbeitsreiche Land mehr von dem arbeitsintensiven Gut herstellen und das relativ kapitalreiche Land mehr von dem kapitalintensiven Gut. 10 Die positive (negative) Differenz zwischen im Inland nachgefragten und angebotenen Gütern wird importiert (exportiert). Beide Länder profitieren von dieser Situation, da
8 Vgl. Borchert (1999), S. 26ff.
9 Vgl. Rübel (2004), S. 36.
10 Vgl. Feenstra (2004), S. 32ff.
Auswirkungen von Wechselkursschwankungen 6
auf den internationalen Handel
Kostenvorteile auf Grund von unterschiedlicher Faktorausstattung ausgenutzt werden können. 11
2.3.2 Leontief-Paradoxon
Die Untersuchungsergebnisse aus dem Heckscher-Ohlin-Modell wurden durch das als Leontief-Paradoxon bekannt gewordene Ergebnis empirischer Untersuchungen Wassily Leontiefs verändert. Dieser wich von der klassischen Annahme, dass alle Produktionsfaktoren homogen sind, insofern ab, als dass er auch die unterschiedliche Qualifikation von Arbeitskräften, den jeweiligen Stand der Technologie sowie die divergierende Verfügbarkeit von Rohstoffen berücksichtigte. Der Begriff Paradoxon beruht auf dem Ergebnis einer Input-Output-Analyse des Marktes der Vereinigten Staaten im Jahre 1953. Danach exportierten die USA arbeitsintensive Güter und im-portierten kapitalintensive Waren, obwohl sie eine überproportionale Ausstattung an Kapital hatten und somit nach dem Heckscher-Ohlin-Theorem kapitalintensive Waren hätten exportieren müssen. 12
2.4 Neue Außenhandelstheorie
Die neue Sicht des Außenhandels begründet sich auf der Kritik der traditionellen Handelstheorien. Dort geht man von vollständigem Wettbewerb auf allen Märkten aus und lässt die Betrachtung der Kostensituation der Unternehmen untereinander unberücksichtigt, obwohl größere Firmen in der Regel einen Kostenvorteil auf Grund höheren Stückzahlen in der Produktion durch steigende Skalenerträge gegenüber kleineren Firmen haben. 13
In der traditionellen Theorie ist vor allem die unterschiedliche Faktorausstattung ein Grund für die Aufnahme von Außenhandel. In der Realität findet aber der größte Teil des Welthandels zwischen Ländern mit ähnlichen Faktorausstattungen statt. Ebenso werden ähnliche Güter zwischen Ländern gehandelt, die in beiden Ländern ähnliche Kosten verursachen. Hier setzt die neue Außenhandelstheorie mit ihren Erklärungskonzepten an. 14
11 Vgl. Borchert (1999), S. 69.
12 Vgl. Clark (2001), S. 921.
13 Vgl. Krugman/ Obstfeld (2004), S. 171.
14 Vgl. Breuss (2003), S. 109ff.
Auswirkungen von Wechselkursschwankungen 7
auf den internationalen Handel
2.4.1 Steigende Skalenerträge
Während in der neoklassischen Theorie abnehmende Skalenerträge unterstellt werden, finden auf Grund von Theorie und Empirie zunehmende Skalenerträge in der neuen Außenhandelstheorie Einlass. 15 Unternehmen mit einem großen Fixkostenblock können durch Export einen größeren Output generieren. Dadurch besteht die Möglichkeit ihre Grenzkosten und damit ihre totalen durchschnittlichen Kosten zu senken. Weitere Möglichkeiten bestehen in der Ausnutzung positiver externer Effekte in bestimmten Sektoren durch eine vergrößerte Ausbringungsmenge oder betriebsinterne Lerneffekte bei der Produktion, die sich Kosten senkend auswirken. Die Bedingung des vollkommenen Marktes muss in diesem Zusammenhang aufgegeben werden, da Unternehmen bestrebt sind möglichst viel abzusetzen und dementsprechend zu wachsen. Dies ist mit der vollkommenen Konkurrenz nicht in Einklang zu bringen ist. 16
In der üblichen 2-Länder-2-Güter-Betrachtung ergibt sich eine Tendenz zur vollständigen Spezialisierung. Das Land mit den stärker steigenden Skalenerträgen in Bezug auf ein Produkt wird sich auf dieses spezialisieren. Es findet eine Entwicklung zu monopolistischen Märkten statt, da neue Unternehmen mit geringen Absatzmengen starten und damit höhere Stückkosten tragen müssen. In die Betrachtung muss auch ein Vergleich der Größe von beiden Ländern einfließen. So wird sich das größere Land auf das Gut spezialisieren, das kleinere zunehmende Skalenerträge aufweist und das kleinere Land auf das Gut mit den stärker steigenden Skalenerträgen. 17
2.4.2 Monopolistischer Wettbewerb und Außenhandel
Obwohl die Betrachtung eines monopolistischen Marktes einige Merkmale der Realität ausblendet, soll es auf Grund der leichteren Handhabbarkeit gewählt werden. Es stellt die einfachste Marktstruktur mit unvollständigem Wettbewerb dar. 18 Im Ausgangszustand besteht eine Autarkie im Inland mit einem Angebotsmonopol, so dass der Monopolist seinen Gewinn maximiert, in dem er die Produktionsmenge M X
( ) ) gleich Grenzkosten ( ( ) ) setzt. Mit anbietet, die die Grenzerlöse ( ′ ′ R X C X
M
Aufnahme von Außenhandel sieht sich der Monopolist mit einer Konkurrenzsituation konfrontiert, da sein Angebot durch ausländische Güter substituiert werden kann. Es
15 In der Studie werden Skalenelastizitäten der Industriebranchen für das Beobachtungsjahr
1957 der USA untersucht. Hierbei konnte z.B. für die Nahrungsmittelindustrie steigende
Skalenerträge nachgewiesen werden. (Vgl. Hildebrand/ Liu (1965), S. 109).
16 Vgl. Dixit/ Norman (1998), S. 255.
17 Vgl. Rübel (2004), S. 127.
18 Vgl. Krugman/ Obstfeld (2004), S. 175.
Auswirkungen von Wechselkursschwankungen 8
auf den internationalen Handel
wird nun angenommen, dass die Öffnung der Grenzen bewirkt, dass viele Anbieter auf den Markt hinzukommen und so eine vollständige Konkurrenz geschaffen wird. Diese neue Wettbewerbssituation führt dazu, dass der Preis in Abbildung 2-2 von M p auf * p
X steigt, da das für das Gut sinkt und die gleichgewichtige Menge von X auf *
M
optimale Produktionsniveau durch Gleichsetzung von Grenzkosten ( ( ) ) und ′ C X
( ) p X ) erfolgt. Es ergibt sich eine Wohl-Grenzzahlungsbereitschaft der Nachfrager (
D
fahrtssteigerung durch die Aufnahme von Handel um die positive Differenz (Fläche EFB) aus Konsumenten- und Produzentenrente von der Fläche ACF in der Monopolsituation gegenüber der Fläche ACB in der Situation vollständiger Konkurrenz. 19
20 Abbildung 2-2 Vergleich Angebotsmonopol zur Situation vollkommener Konkurrenz
2.4.3 Intrasektoraler Handel
Intrasektoraler Handel besteht, wenn Güter zwischen Ländern getauscht werden, die dem gleichen Industriezweig zuzuordnen sind. Allerdings kann auch schon eine nicht ausreichende Differenzierung der Güter nach Sektoren zu dieser Form des Außen-handels führen.
Während der intersektorale Handel auf einen komparativen Vorteil zurückgeht, spiegelt der intrasektorale Handel keinen komparativen Vorteil wider. Beide in den Handel involvierten Länder weisen das gleiche bzw. ein ähnliches Kapital-Arbeits-Verhältnis auf, welches sich in der Regel bei hoch entwickelten Industrienationen wieder findet. 21
19 Vgl. Dieckheuer (1995), S. 90ff.
20 Eigene Darstellung, in Anlehnung an Varian (2007), S. 507.
21 Vgl. Krugman/ Obstfeld (2004), S. 193.
Auswirkungen von Wechselkursschwankungen 9
auf den internationalen Handel
In der heutigen Zeit macht der intrasektorale Handel ein Viertel des Welthandels aus. Eine fortschreitende Entwicklung der Verfügbarkeit von qualifizierter Arbeit und Kapital und ein Angleichen des technischen Fortschritts reduzieren die komparativen Vorteile zwischen den Handelsnationen. Eine Ursache für intrasektoralen Handel besteht in der Nicht-Homogenität von Gütern, da die Verbraucher unterschiedliche Präferenzen besitzen. So fragen Konsumenten mit einem relativen hohen Pro-Kopf-Einkommen nicht nur inländische Produkte nach, sondern auch ausländische Produktvarianten. In hoch entwickelten Industrienationen gehen die Konsumpräferenzen immer weiter auseinander. Da die Produzenten mit der Diversifikation ihres Güterangebots nicht nachkommen, entsteht der Handel mit sehr ähnlichen Produkten. 22
3. Risiken im Außenhandel
3.1 Politisches Risiko
„Allgemein versteht man unter Risiko die Gefahr, das erwartete Ergebnis in ungünstiger Weise zu verfehlen. Im Rahmen von Exportgeschäften geht es vor allem um die Unterschreitung des zu erwartenden Exporterlöses.“ 23
Im allgemeinen Sinne stellen politische Risiken, die auch als Länderrisiken bezeichnet werden, Verlustgefahren dar, die einer Unternehmung durch Beeinträchtigung ihrer Auslandsaktivitäten entstehen und aus der gesamtwirtschaftlichen, politischen und soziokulturellen Situation eines Landes resultieren. Dieses Risiko ist auf besondere staatliche Maßnahmen oder politische Ereignisse im Land des Geschäftspartners zurückzuführen. Beispielhaft ist das Kriegsrisiko zu nennen, d.h. die Gefahr, dass im betrachteten Land ein Krieg ausbricht. 24
3.2 Wirtschaftliches Risiko
„Unter wirtschaftlichen Risiken des Exporteurs sind bei Außenhandelsgeschäften jene Risiken zu verstehen, die im Subjekt des Importeurs begründet liegen.“ 25 Bereits in der Fabrikationsphase können risikoerhöhende Umstände dazu führen, dass die Fertigung der Ware abgebrochen oder der Versand unterlassen wird. Falls der Export der Ware schon erfolgt ist, besteht das Risiko, dass der Importeur den aus dem Kaufvertrag begründeten Zahlungsanspruch nicht nachkommt bzw. nicht fristgerecht erfüllt. Dies
22 Vgl. Broll/ Gilroy (1994), S. 25ff.
23 Putnoki (2000), S. 21.
24 Vgl. Häberle (2004), S. 45ff.
25 Häberle (2004), S. 47.
Auswirkungen von Wechselkursschwankungen 10
auf den internationalen Handel
kann der Fall sein, wenn der ausländische Geschäftspartner nicht in der Lage ist seine Verbindlichkeiten zu begleichen oder nicht Willens ist, dies zu tun. Obwohl diese Risiken im Inlandsgeschäft ebenfalls bestehen, ist auf Grund der unterschiedlichen rechtlichen Regelungen von Land zu Land, die Gefahr des Forderungsausfalls im Auslandsgeschäft größer einzuschätzen. 26
3.3 Wechselkursrisiko
„Im Allgemeinen lässt sich Wechselkursrisiko als die aus Wechselkursänderungen resultierende Gefahr von Verlusten definieren, die auftreten können, wenn ein von einem Wirtschaftssubjekt (im Mittel) erwarteter Wechselkurs nicht realisiert wird.“ 27 Dies ist der Fall, wenn eine Unternehmung offene Positionen 28 in fremder Währung besitzt und der tatsächliche Verlauf des Wechselkurses von dem erwarteten abweicht. Bei einem eingegangenen Außenhandelsgeschäft liegt es an der Ausgestaltung der Zahlungsmodalitäten, wer dieses Risiko trägt und in welchem Umfang es getragen wird. Bei Vertragsabschluss wird diejenige Seite die Unsicherheit eingehen, für die die Fakturierung in Fremdwährung erfolgt. 29
Wechselkursschwankungen sind zwar eine notwendige, jedoch keine hinreichende Bedingung für Wechselkursunsicherheit. Die Unsicherheit gegenüber der Wechselkursentwicklung liegt in Wechselkurs- und Zinsprognosen, die mit erheblichen Unsicherheitsfaktoren behaftet sind. Zusätzlich stellt die Analyse von mindestens zwei Volkswirtschaften eine schwierige Aufgabe dar. Ferner wirken neben den Fundamentaldaten auch Erwartungen der Wirtschaftssubjekte auf die Wechselkursentwicklung. Eine zuverlässige Prognose scheint in Anbetracht einer Vielzahl von Ein-flussfaktoren als nicht realisierbar. 30 Versuche, eine Erklärung der Wechselkursentwicklung über Wechselkursmodelle 31 zu finden, wurden in der Vergangenheit durch empirische Untersuchungen nur unter Einschränkungen als haltbar eingestuft. Unternehmen sehen sich daher einer Wechselkursunsicherheit gegenüber, die in das wirtschaftliche Handeln mit einbezogen werden muss. 32
Um eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Problematik zu gewährleisten, erfolgt im Weiteren eine Analyse der einzelnen Komponenten. Eine gebräuchliche Unterteilung in der Literatur (siehe Abb. 3-1) ergibt sich in der Betrachtung der Begriffe des
26 Vgl. Häberle (2004), S. 47ff.
27 Schubert (1992), S. 2.
28 Für eine genaue Beschreibung siehe hierzu Stephan (1989), S. 16ff.
29 Vgl. Büschgen (1997), S. 307ff.
30 Vgl. Bailie/ Lippens/ McMahon (1983), S. 553ff.
31 Für eine detailliert Darstellung der Wechselkursmodelle siehe hierzu: Sperber/ Sprink (2007),
S. 160ff.
32 Vgl. Sperber/ Sprink (2007), S. 214.
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Dipl. Hdl. Christian Pabst, 2008, Auswirkungen von Wechselkursschwankungen auf den internationalen Handel, München, GRIN Verlag GmbH
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