Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung und thematische Eingrenzung 3
II. Vom Schlafsaal zur gartenstädtischen Werkssiedlung 5
II.1. Anfänge des Werkswohnungsbaus 6
II.1.1. England 6
II.1.2. Frankreich 7
II.1.3. Preußen 7
II.2. Typen des Werkswohnungsbaus 8
II.2.1. Menage 8
II.2.2. Kaserne 9
II.2.3. Vierfamilienhaus mit Kreuzgrundriss 9
II.2.4. Einzel- und Doppelhäuser 10
II.2.5. Kleinhaussiedlung 10
II.2.6. Parksiedlung 11
III. Das Beispiel Ruhrgebiet 12
III.1. Die Firma Krupp 12
III.1.1. Anfänge des Kruppschen Werks-
wohnungsbaus 12
III.1.1.A. Menagen 13
III.1.1.B. Meisterhäuser 14
III.1.2. Werkswohnungen für Arbeiterfamilien 14
III.1.2.A. Westend 14
III.1.2.B. Schederhof 15
III.1.2.C. Altenhof 16
III.1.3. Ziele und Auswirkungen des Kruppschen
Werkswohnungsbaus 17
III.1.4. Vor- und Nachteile des Kruppschen
Werkswohnungsbaus 19
III.2. Die Harpener Bergbau AG 19
III.3. Die Menage des Bochumer Vereins 20
IV. Schlussbetrachtung 21
Literaturverzeichnis 22
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I. Einleitung und thematische Eingrenzung
Werkswohnungsbau bezeichnet die unternehmerische Tätigkeit des Wohnungsbaus für die eigene Arbeiterschaft auf werkseigenem Gebiet zur Gewinnung und Bindung von Arbeitskräften. Er entsteht in ländlichen Gegenden, deren Wohnkapazitäten für einen effizienten Betrieb nicht ausreichen, eine hohe Rohstoffkonzentration jedoch einen Standortwechsel in dichter besiedeltes Gebiert nicht sinnvoll macht. Er stellt also in erster Linie eine produktive Investitionen zur Gewinnsteigerung 1 dar, kann daneben aber auch sozialpolitische oder ideologische Funktionen übernehmen. 2 Als wichtiger Teil der Arbeiterwohnungsfrage mit der Sozialen Frage des 19. Jahrhunderts eng verbunden kam der unternehmerischen
Wohnungsbauinitiative deshalb große Bedeutung zu, weil sie in einer Zeit des wachsenden Wohnbedarfs für Industriearbeiter die Unzulänglichkeit des privatwirtschaftlich initiierten Bauwesens auffing und damit nicht nur die Grundlagen für ihre Produktionssteigerung, sondern auch Vorbild für kommunalpolitische Wohnungsbauinitiativen war. 3 So konnte zu einer Zeit des wirtschaftlichen Liberalismus ein werkseigener, mit zunehmend
interventionistischen Tendenzen dagegen ein Übergang zum werksgebundenen Wohnungsbau beobachtet werden. 4
Was als ganz einfacher und wenig durchdachter Wohnungsbau für Wanderarbeiter begann, wurde immer facetten- und umfangreicher: aus reinen Schlafstätten, die, wie die Gruben, im Schichtbetrieb benutzt wurden, entwickelten sich kleinstädtische Ansiedlungen mit Schulen und Märkten, sogenannte Kolonien. Der Einfluss der Arbeitgeber auf ihre Arbeitnehmer machte nicht vor der Haustüre halt, sondern ging bis in die heimischen Stuben.
Diese Arbeit geht der Frage nach, wie der Werkswohnungsbau schwerpunktmäßig einzuordnen ist: Wohlfahrtseinrichtung, Erziehungsanstalt
1 Vgl. Kastorff-Viehmann: Wohnungsbau, S. 75.
2 Ebd.
3 Vgl. Wolbring, S. 80; Kley fordert sogar die ihn bei Krupp beeindruckende Kontrollinstanz als erstes Ziel nationaler Wohnungspolitik. Vgl. Kley: Bei Krupp, S. 70.
4 Vgl. Kastorff-Viehmann: Wohnungsbau, S. 75. Dagegen zeichnen Brüggemeier und Niethammer eine unterschiedliche Entwicklungstendenz mit zurückgehendem werkseigenem Wohnungsbau erst ab 1930. Vgl. Brüggemeier, Niethammer: Schwerindustrielle Kolonie, S. 167.
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oder Mittel zur Gewinnsteigerung? Dazu sollen zunächst Vorläufer und Traditionen dieser Art des Wohnungsbaus behandelt werden, sowie die unterschiedlichen Ausprägungen desselben, die Spiegel ihrer Bauherrn wie auch deren Zielsetzungen sind. 5 Darauf folgend werden die unterschiedlichen Typen des Werkswohnungsbaus allgemein dargestellt und anschließend an Beispielen aus dem Ruhrgebiet, vorrangig der Firma Krupp, auf ihre Funktion untersucht. Abschließend werden übergeordnete Ziele und Wirkungen dargestellt und zusammengefasst.
Die Arbeiterwohnverhältnisse des 19. Jahrhunderts sind, im Gegensatz zu Adel Bürgertum, vergleichsweise schlecht überliefert. 6 Vor allem Grundrisse, Entwürfe und - soweit vorhanden - werkseigene Veröffentlichungen geben Aufschluss über die Wohnsituation. 7 Eine umfassende, deutschlandweite Untersuchung des Themas Werkswohnungsbau als Teil der
Wohnungsgeschichte fehlt bislang, wiewohl regionalspezifische Arbeiten, vor allem das Ruhrgebiet betreffend 8 , vorliegen. Dieser industrielle Schwerpunkt Deutschlands bildet zugleich auch die mannigfachste, intensivste und bekannteste (d.h. am besten überlieferte) Ausprägung des Werkwohnungsbaus. Vor allem zwei Arbeiten sind für dieses Themengebiet als zentral anzusehen: Die Darstellung Kastorff-Viehmanns zum Wohnungsbau für Arbeiter 9 wie auch die Arbeit Stemmrichs 10 , die die programmatische Seite des Werkswohnungsbaus untersucht. Beide sind in erster Linie
architekturgeschichtliche Untersuchungen, die jedoch die sozialpolitischen Komponenten mit einbeziehen und in Beziehung zur Bauweise setzen. Dabei legen beide Arbeiten ihren Schwerpunkt auf den Kruppschen Werkswohnungsbau und weisen ihm eine wichtige Rolle für das Unternehmenswachstum zu. Lothar Gall hingegen, der in seiner Arbeit den Aufstieg der Firma Krupp thematisiert 11 , erwähnt die Werkswohnungen des
5 Vgl. Stemmrich: Siedlung, S. I, VI.
6 Vgl. Kraus: Wohnverhältnisse, S. 164.
7 Ebd., S. 165; Günter, Roland: Eisenheim, S. 127.
8 Das Fehlen einer deutschlandweiten Untersuchung des Themas mag in seiner quantitativen Unwichtigkeit begründet sein. Vgl. Brüggemeier, Niethammer: Schwerindustrielle Kolonie, S. 166.
9 Kastorff-Viehmann, Renate: Wohnungsbau für Arbeiter. Das Beispiel Ruhrgebiet bis 1914. Aachen 1981.
10 Stemmrich, Daniel: Die Siedlung als Programm. Untersuchungen zum Arbeiterwohnungsbau anhand Kruppscher Siedlungen zwischen 1861 und 1907. Hildesheim, New York 1981.
11 Gall, Lothar: Krupp. Der Aufstieg eines Industrieimperiums. Berlin 2000.
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Unternehmens nur am Rande bei der Betrachtung der Beziehung des Firmeneigners zu seinen Untergebenen. Die Bedeutung Krupps für das Thema unterstreichen auch Brüggemeier und Niethammer, indem sie Alfred Krupp nur halb scherzhaft den „Apostel des Werkswohnungsbaus“ nennen. 12
Die Literatur des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die sich dem Thema Werkswohnungsbau - insbesondere bei Krupp - annahm, zog stets ein positives Resümee, da sie nicht selten vom Werk gefördert wurde, und hebt die Kruppschen Wohlfahrtseinrichtungen als beispielhaft hervor. 13
Dass das Angebot von Familienwohnungen ein wichtiger Anziehungsfaktor für viele Arbeiter war, soll in dieser Arbeit herausgestrichen werden, die zudemdem Gros der Fachliteratur folgend - den Schwerpunkt auf das Ruhrgebiet legt.
II. Vom Schlafsaal zur gartenstädtischen Werkssiedlung
Ein wichtiges Merkmal einer industriellen Gesellschaft war eine große Anzahl unselbstständiger Arbeitnehmer, die sich nicht selbst mit allem Lebensnotwendigen versorgen konnten, sondern auf Lohnarbeit angewiesen waren. Da große Betriebe, vor allem im Bergbau, eine Vielzahl von Arbeitskräften benötigten, aber Rohstoffe in der Regel in ländlichen Gebieten förderten, mussten für die herangezogenen Arbeiter Unterkünfte gefunden oder nötigenfalls geschaffen werden. Die Einquartierung bei umliegenden Bauernfamilien konnte nur einen kleinen Teil des Wohnungsbedarfs decken und führte zudem den Nachteil mit sich, dass die Arbeiter in diesen Fällen zur Mithilfe auf den Feldern herangezogen wurden. 14 Es lag also im Interesse der Unternehmer, für angemessene Unterkünfte ihrer Arbeiter zu sorgen, die eine „Synthese aus dem Herkömmlichen und Bewährtem (Bautradition, funktionale Gliederung, Erschließung) und dem Notwendigen und Angemessenem
12 Brüggemeier, Niethammer: Schwerindustrielle Kolonie, S. 165.
13 Baedeker, Diedrich: Alfred Krupp und die Entwicklung der Gußstahlfabrik zu Essen. Essen 1912; Kley, Wilhelm: Bei Krupp. Eine socialpolitische Reiseskizze unter besonderer Berücksichtigung der Arbeiter-Wohnungsfürsorge. Leipzig 1899. Vgl. zu dieser Aussage auch Kastorff-Viehmann: Wohnungsbau, S. 153. Stemmrich dagegen konstatiert, dass von Seiten der Arbeiterbewegung der Wohlfahrtscharakter der unternehmerischen Einrichtungen gleichwohl in Zweifel gezogen wurde. Vgl. Stemmrich: Zechenwohnungsbau, S. 55.
14 Kastorff-Viehmann: Wohnungsbau, S. 76.
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(Lebens- und gegebenenfalls Arbeitsform sowie ‚Stand’ und Einkommen der Bewohner)“ 15 bildeten.
II.1. Anfänge des Werkswohnungsbaus
II.1.1. England
Nimmt man den Werkswohnungsbau als Bestandteil des
Industrialisierungsprozesses, so verwundert es kaum, wenn sich die ersten Beispiele dazu in England, dem Mutterland der industriellen Revolution, finden lassen. 16 Erste Siedlungen dieser Art lassen sich für die Spinnerei Cromford in Derbyshire 1769 nachweisen, ebenso wie für die sie umgebenden Spinnereien. 17 In Ratingen entstand ebenfalls Anfang des 19. Jahrhunderts eine Spinnerei mit Namen Cromford, die jedoch nichts mit der gleichnamigen englischen Spinnerei oder deren Gründer Richard Arkwright gemein hatte, vielmehr ist diese Benennung plakativ zu verstehen. 18 Direkt an die Fabrik baute ihr Inhaber in den 1820ern den ersten bedeutenden Werkswohnungsbaukomplex 19 im Ruhrgebiet.
In dieser ersten Bauphase dienten kleine ländliche („Cottages“) und städtische Häuser als Vorbild, die in größerer Zahl aneinandergereiht wurden und sich lediglich durch die jeweils regionalspezifische Bautradition 20 unterschieden.
Die Vorbildfunktion Englands als „Markenzeichen für den Fortschritt“ 21 zeigte sich auch auf der Londoner Weltausstellung 1851, auf der das sogenannte Prinz-Albert-Haus als modellhafte Lösung für vier Familien vorgestellt wurde.
II.1.2. Frankreich
Dass ein französisches Modell seinen Siegeszug in den deutschen Ländern antrat, war nicht allein der Pariser Weltausstellung von 1867 geschuldet, auf
15 Kastorff-Viehmann: Wohnungsbau, S. 86.
16 Vgl. Kastorff-Viehmann: England, Frankreich, Preußen, S. 122-123; Dies.: Wohnungsbau, S. 86; Haucke: Impulse, S. 284.
17 Vgl. Kastorff-Viehmann: Wohnungsbau, S. 94.
18 Vgl. Kastorff-Viehmann: England, Frankreich, Preußen, S. 127.
19 Vgl. Kastorff-Viehmann: Wohnungsbau, S. 95.
20 Ebd., Wohnungsbau, S. 86.
21 Kastorff-Viehmann: England, Frankreich, Preußen, S. 127.
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Boris Kretzinger, 2007, Werkwohnungsbau vor 1914, München, GRIN Verlag GmbH
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