Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Konsum und politisches Verbraucherhandeln 4
3. Die Effekte des Boykotts gegen Shell 5
3.1 Shell vs. Verbraucher 5
3.2 Greenpeace 8
3.3 Umweltpolitik 9
3.4 Medien 10
4. Fazit 12
5. Literaturverzeichnis 14
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1. Einleitung
Mit der Entscheidung des Ölkonzerns Shell die ausgediente Ölplattform ‚Brent Spar’ 1995 im Nordatlantik zu versenken, begann ein beispielloser Kampf zwischen der Umweltschutzorganisation Greenpeace und dem Ölkonzern. Diese Auseinandersetzung führte schließlich zu einem der größten Boykotts in Deutschland seit 1933. Große Teile der deutschen Bevölkerung erklärten sich mit den Zielen von Greenpeace solidarisch und mieden die Tankstellen von Shell. Mit medienwirksamen Aktionen opponierte Greenpeace gegen die umweltverschmutzende Versenkung der Offshore-Anlage und versuchte stattdessen den Rückbau des Ölspeichers an Land durchzusetzen (Klaus 1997: 101). Erst als der Shell-Konzern am 20. Juni 1995 (Schubert 2000: 225) den ursprünglichen Entsorgungsplan verwarf und die Demontage an Land bekannt gab, glätteten sich die Wogen und der Boykott wurde eingestellt.
Das Ziel dieser Hausarbeit ist es, das Phänomen ‚Boykott’ auf seine Effekte hin zu untersuchen, d.h. herauszufinden, welche Konsequenzen der Boykottaufruf gegen Shell hatte. Diese Analyse soll unter der Fragestellung: ‚Welche Effekte hat die politische Verbraucherartikulation durch Boykott? Eine beispielhafte Analyse anhand des Shell-Boykotts 1995’ erfolgen. Um das Thema in einen größeren wissenschaftlichen Zusammenhang zu stellen, wird der Analyse eine Einführung in die Konsumforschung vorangestellt. Hierbei soll neben einer Definition des Begriffs ‚Konsum’ auch eine Darstellung der verschiedenen Formen der Verbraucherartikulation erfolgen. Der Boykott als eine der drei Artikulationsformen wird dann einer eingehenden Betrachtung unterzogen. Im dritten Teil der Arbeit, dem Analyseteil, werde ich die von dem Boykott betroffenen Dimensionen einzeln analysieren. In 3.1 werden die Auswirkungen des Boykotts auf Shell untersucht und die Macht der Verbraucher dargestellt. Zudem wird auf das Image von Shell in Verbindung mit der vorherig lancierten Werbekampagne eingegangen. 3.2 befasst sich mit den Effekten des Boykotts für Greenpeace. Auch hier werden das Image und die Finanzen im Fokus der Analyse stehen. Die langfristigen Auswirkungen des Boykotts werden in 3.3
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analysiert. In diesem Abschnitt geht es um die umweltpolitischen Effekte des Shell-Boykotts, mit dem generellen Verbot der Ölplattformentsorgung im Meer. Unter 3.4 wird die Rolle der Medien anhand einer Analyse der Berichterstattungen beleuchtet.
2. Konsum und politisches Verbraucherhandeln
Verbraucherhandeln und Konsum hängen eng miteinander zusammen, da der Konsum den Verbraucher erst zu einem solchen macht. Daher ist die Definition von Konsum als die Befriedigung der „elementaren (Hunger, Durst, Schutz, Liebe) und komplexeren (Anerkennung, Prestige, kulturelle Teilhabe) Bedürfnisse“ (Klein 1993: 149) des Menschen grundlegend. Der Verbraucher konsumiert aber nicht immer gleich. Einige Verbraucher konsumieren unreflektiert zur reinen Bedürfnisbefriedigung. Andere, als politische Verbraucher bezeichnete Konsumenten, drücken mit der Auswahl ihrer Konsumgüter eine politische Meinung und Einstellung aus (Stolle/Micheletti 2005: 41). Ihr politisches Verbraucherhandeln wird definiert als die auf der „Basis politischer, ökologischer und/oder ethischer Kriterien für oder gegen bestimmte Hersteller und Produkte“
(Micheletti/Follesdal/Stolle 2003 zit.n. Stolle/Micheletti 2005: 41) getroffene Kaufentscheidung. Dahinter verbirgt sich der Wille, mit der Kaufentscheidung das „Verhalten von Institutionen oder der Wirtschaft“ (Stolle/Micheletti 2005: 41) verändern zu wollen. Diese Verbraucher konsumieren also sehr bewusst und überdenken ihre Produkt- oder Herstellerwahl sowie die Folgen dieser Wahl für andere vor dem Kauf/Nichtkauf gründlich (Stolle/Micheletti 2005: 48). Doch welche Formen kann die Verbraucherartikulation annehmen? Wie drückt sich der Wille der politischen Verbraucher konkret aus? In der Literatur finden sich drei Formen der Verbraucherartikulation: Das ‚diskursive Verbraucherhandeln’, eine Thematisierung von „politischen, ethischen und ökologischen Fragen“ (Stolle/Micheletti 2005: 41) auf dem von der Wirtschaft geschaffenen Marktplatz, den ‚Buycott’, eine Entscheidung für bestimmte Produkte sowie den ‚Boykott’. Letzterer wird
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definiert als die „politisch, ethisch und/oder ökologisch motivierte Entscheidung gegen bestimmte Produkte“ (Stolle/Micheletti 2005: 41). Von den beschriebenen drei Formen der politischen Verbraucherartikulation soll lediglich auf den Boykott näher eingegangen werden. Auch beim Boykott lassen sich verschiedene Formen unterscheiden: der Streik, der soziale Boykott, die Verweigerung sowie der Konsumboykott. Hier ist lediglich die letztgenannte Form maßgebend für die folgende Analyse des Fallbeispiels. Der Konsumboykott richtet sich entweder gegen bestimmte Produkte (sog. Produktboykott) oder generell gegen ein Unternehmen (sog. Kaufboykott) (Schwetz 2005). In vorliegendem Fallbeispiel läge ein Produktboykott bei einem Nichtkauf von Shell-Dieselkraftstoff vor. Da während des Boykotts 1995 aber nicht ein bestimmtes Produkt, sondern das gesamte Unternehmen Shell boykottiert wurde, kann im Fallbeispiel von einem Konsumboykott in der Ausprägung eines Kaufboykotts gesprochen werden. Diese Klassifizierung führt zu dem Ergebnis, dass politischen Verbrauchern eine große Spanne von Möglichkeiten offen steht, ihre Meinung zu äußern. Die Vielfalt zeigt auch, welche Macht der politische Verbraucher hat, wenn er nicht nur als Individuum seine Meinung kundtut, sondern in größeren Gruppen agiert. Ein Beispiel, das die große Macht der Verbraucher illustriert, ist der in den letzten Jahren stark angestiegene Konsum von Biolebensmitteln. Diese Verbraucherartikulation durch Buykott mündete unter anderem in der Einführung eines EU-Biosiegels (WDR 2001) und dem gesteigerten Verkauf von Bioprodukten (ZDF 2006; Fair Feels Good 2006). Welche Macht der Verbraucher bei dem Boykott einzelner Unternehmen oder Produkte hat, zeigte sich 1995 bei dem von mehreren Institutionen angestoßenen Boykott von Shell-Tankstellen.
3. Die Effekte des Boykotts gegen Shell
3.1 Shell vs. Verbraucher
Die erste Analysedimension dieser Hausarbeit ist, wie in der Einleitung beschrieben, der Konzern Shell. Um die Effekte des Boykotts in dieser
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Arbeit zitieren:
Florian Pretz, 2006, Welche Effekte hat die politische Verbraucherartikulation durch Boykott?, München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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