Inhaltsübersicht:
I. Einleitung 3
II. Historische Hintergründe 4
III. Linguistik 7
III 1 Phonetik Phonologie 8
III 2 Morphosyntax 9
IV. Zusammenfassung 12
LITERATUR 13
Anhang: Karte Palenques siglo XVIII aus S. de Friedemann Patiño Rosselli (1983)
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I. Einleitung Sowohl aus ethnologischer als auch soziologischer und sprachwissenschaftlicher Perspektive betrachtet, 1 stellen vor allem diejenigen Bevölkerungsgruppen der Erde einen ebenso reizvollen wie akuten Forschungsgegenstand dar, die sich als ethnische Minoritäten im Zuge der allgemeinen Globalisierungsbestrebungen vonseiten der „Massenkulturen“ und der damit einhergehenden kulturellen Nivellierung einer ständigen Bedrohung ihres Fortbestehens ausgesetzt sehen, da v. a. in sprachhistorischer Hinsicht das darwinistische Prinzip mehrfach beobachtet worden ist, nach dem der Schwächere (Substrat) dem Stärkeren (Superstrat) kurz-oder mittelfristig unterliegen und aussterben wird. Besonders in Hinblick auf die weltweite Sprachlandschaft lässt sich diese Tendenz hin zu einer linguistischen Ökonomisierung und Uniformierung insbesondere seit dem 20. Jahrhundert ersehen. Als Beispiel soll hier kurz die Dominanz des englischen Idioms erwähnt sein, das sich rapide in Klassenzimmern auf der gesamten Welt etabliert hat, sei es als Erst- oder als Zweitsprache. Englisch ist ein in beinah allen Teilen der Erde gebräuchliches Kommunikationsmedium, und insbesondere bei Aufeinandertreffen von verschiedensprachigen Sprechern (unabhängig, welche ihre jeweilige Muttersprache ist) ist es meist die intuitive erste Wahl zur Lösung des Verständigungsproblems.
Die Opfer solcher Cluster, die sich um wenige Weltsprachen herum bilden und einen klaren Gegenpol zu der Mannigfaltigkeit der derzeit rund 6000 noch aktiven Idiomen 2 darstellen, 3 sind in erster Linie Sprachen mit (sehr) geringen Sprecherzahlen. Sprachtod ist heute mehr denn je ein alltägliches Phänomen, sei es durch das Versterben sämtlicher ihr angehörender Sprecher 4 oder aber aufgrund partieller bzw. totaler Marginalisierung der Substratkultur vonseiten der vorherrschenden Prestigekultur auf der Basis von Stigmatisierung und Diskriminierung.
1 Zur engen Verwandtschaft zwischen Soziologie und Linguistik v. a. in Bezug auf Pidgin- und Kreolsprachen siehe zum Beispiel S. de Friedemann/Patiño R.: „Tanto los pidgins como las lenguas criollas se distinguen por ser manifestaciones lingüísticas decisivamente condicionadas por factores sociales.“, 85.
2 http://www.un.org/spanish/News/fullstorynews.asp?newsID=8864&criteria1=educacion&criteria2 (12.04.08). Interessant ist darüber hinaus auch der anschließend erwähnte Umstand, dass 96% aller dieser Sprachen von nicht mehr als 4% der Weltpopulation gesprochen werden, woraus sich die höchst ungleichmäßige Verteilung der Sprachen gegenüber ihrer jeweiligen Sprecherzahlen entnehmen lässt.
3 Obwohl diese Entwicklung hin zu einer Dezimierung der Idiome dieser Erde auf einige wenige bzw. nur einer einzigen Weltsprache in Zukunft aus rein sprachokönomischer Sicht durchaus nachvollziehbar und gerechtfertigt erscheint, sollte jedoch nicht vergessen werden, in welch engem Zusammenhang Sprache auch immer mit kultureller Identität steht und welche Konsequenzen sich langfristig aus einer solchen Reduktion ergeben können.
4 Dies war z.B. der Fall bei der Mehrzahl der Eingeborenensprachen auf dem amerikanischen Kontinent zu Zeiten der Eroberungsfeldzüge durch die Spanier und, im Anschluss an diese, im Zuge der Versklavung der überlebenden indigenen Bevölkerung und der ihnen auferlegten Zwangsarbeit in den Minen und auf den Feldern.
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Auf den folgenden Seiten soll ein für die spanischsprachige Welt besonders prominentes Beispiel näher vorgestellt werden. Erst seit den unabhängig voneinander entstandenen Forschungsarbeiten der Linguisten Germán de Granda (1968) und Derek Bickerton/Aquiles Escalante (1970), die dem Palenquero 5 seinen Status als eigenständige Kreolsprache zuerkannten, besteht ein reges kultur- und sprachwissenschaftliches Interesse an der Siedlung San Basilio de Palenque und seinen Bewohnern. In dem nun folgenden Kapitel sollen einige der Eckpfeiler der vierhundertjährigen Geschichte der Siedlung von ihrer Gründung, über die Freiheitserlangung bis hin zur offiziellen Anerkennung der von ihren Einwohnern gesprochenen Sprache – der heutzutage einzigen bekannten eindeutig spanischbasierten Kreolsprache Amerikas 6 – und der mit ihr einhergehenden Initiierung staatlicher Programme zum Erhalt der afrokolumbianischen Kultur.
Die vorliegende Arbeit soll eine Übersicht über die Strukturen des Palenquero geben. Im Anschluss an eine konzise Chronik der Geschichte des Dorfes (II.), sollen einige repräsentative Merkmale dieses Kreols aus den Bereichen der Phonetik/Phonologie (III.1.) und der Morphosyntax (III.2.) vorgestellt werden, da dort die frappantesten Differenzen zu der Superstratsprache zutage treten. Lexikalische Eigenheiten werden aufgrund ihrer geringen Präsenz nicht genauer fokussiert werden.
II. Historische Hintergründe
Allgemein gesprochen ist der Prozess der Herausbildung von Kreolsprachen stets durch dieselben Faktoren bedingt und lässt sich wie folgt in drei grobe Phasen unterteilen. Zuerst entsteht eine Situation, in der die Sprecher einer Sprachgemeinschaft sich mit einer gesellschaftlich dominanten Sprache (Superstrat) konfrontiert sehen, die nicht ihre Muttersprache ist. In der zweiten Phase reagieren die Sprecher der Substratsprache (in der Regel sind dies kolonisierte Völker) auf diese Situation, indem sie die dominante Sprache zusätzlich zu ihrer eigenen Sprache erlernen. Es entsteht daraus eine polylinguale bzw.dialektale (meist diglossische) Gesellschaft, in der die Superstratsprache (d.h. die Hochvariante) vorzugsweise im öffentlichen Leben gesprochen wird (in Schule und
5 Mit „Palenquero“ beziehe ich mich einzig auf die Sprache der Gemeinde von San Basilio de Palenque, Bolívar, Kolumbien. Der Begriff palenque als solcher bezeichnet allgemein jedwede von flüchtigen afrikanischstämmigen Sklaven (cimarrones) gegründete Kommune im Amerika des 15.-18. Jahrhunderts. Neben palenque (Kolumbien, Kuba, Mexiko) existieren weitere, regional differierende Synonyme: maroon (Karibik, USA), quilombo, ladeira, mambises bzw. mocambo (Brasilien) und cumbe (Venezuela). Weitere, allerdings heute nicht mehr existente Palenquesiedlungen in Kolumbien sind u.a. in S. de Friedemann/Patiño R. verzeichnet (vgl. Karten I-III).
6 Trotz der Meinung Gerardo A. Lorenzinos, der in seiner Arbeit zu der Morphosyntax of Spanish-lexified Creoles (2000) das auf den Niederländischen Antillen gesprochene Papiamentu eindeutig als „Iberian (Spanish and Portuguese) lexified creole“ (11) kategorisiert, soll diese Sichtweise hier noch aufgrund mangelnder Beweislage unter Vorbehalt betrachtet werden.
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Arbeit zitieren:
Alexander Zuckschwerdt, 2008, Palenquero, München, GRIN Verlag GmbH
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Diskussion um die Herkunft ein...
Romanistik - Lateinamerikanische Sprachen, Literatur, Landeskunde
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