Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis....................................................................................................................... 2
1. Einleitung 3
2. Die Gleichschaltung: Sicherung und Ausbau der Diktatur 3
3. Theaterideologische Ziele und Gruppierungen im Dritten Reich 4
3.1. Der Rosenberg-Kreis. 6
3.2. Das Thingspiel: Versuch eines Theaters der „Hunderttausend“ 8
3.3. Die KdF und die Entprivilegierung des Theaters (Das Theater als soziales
Integrationsmittel) 11
4. Zusammenfassung. 13
Literaturverzeichnis. 15
2
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen theaterideologischen Zielen der Regierung des Dritten Reiches und der Frage, inwieweit diese erreicht wurden. In ihrem Verlauf wird zunächst geklärt, wie die Machtergreifung der Nationalsozialisten sich auf die kulturelle Freiheit auswirkte und welche ideologischen Maximen das Regime vorgab. Danach beabsichtige ich die maßgebenden theaterpolitischen Organisationen des Dritten Reiches auf ihre Konzepte und deren Realisierung hin zu untersuchen. Bezugnehmend auf die Ergebnisse dieser Untersuchungen möchte ich im Anschluss daran versuchen die Frage zu beantworten, ob und inwiefern es den Nationalsozialisten gelungen ist, ihren theaterideologischen Ansprüchen gerecht zu werden.
Bei dieser Arbeit werde ich mich auf die Theorien von Konrad Dussel und Henning Rischbieter stützen.
2. Die Gleichschaltung: Sicherung und Ausbau der Diktatur
Der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 folgte schon bald der Ausbau einer Alleinherrschaft Hitlers. Nach dem Reichstagsbrand in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 (, es ist noch immer ungewiss, ob die Nationalsozialisten für diesen Brand verantwortlich waren oder der holländische Kommunist van der Lubbe) 1 , erließ Hitler noch am selben Tag die „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“ („Ermächtigungsgesetz“), wodurch die Grundrechte außer Kraft gesetzt und die Basis für die folgende Terrorherrschaft geschaffen wurden.
Zwischen dem 4. und 13. März 1933 fand die sogenannte Gleichschaltung der sich noch gegen die Nationalsozialisten widersetzenden Länder Sachsen, Baden, Württemberg, Bayern und den Hansestädten statt. Es wurden, meistens nach Gewaltakten, „Reichsstatthalter“ über die Landesregierungen gestellt, welche diese im nationalsozialistischen Sinne veränderten. Diese Entwicklung brachte eineVerfolgungswelle mit sich, der Nichtdeutsche und politisch Andersdenkende zum Opfer fielen.
Die Gleichschaltung machte auch vor dem Beamtentum und der Justiz nicht Halt. Das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 bevollmächtigte die Regierung auch die bisher unkündbaren Beamten zu entlassen. Von den Folgen dieses Erlasses waren wiederum Nichtdeutsche und potentielle politische Freidenker betroffen.
1 Vgl. Geschichtliche Weltkunde. Hrsg. von Wolfgang Hug. Band III: Von der Zeit des Imperialismus bis zur Gegenwart. Frankfurt am Main: Verlag Moritz Diesterweg 1979. S. 108.
3
Der Propagandaminister Joseph Goebbels war für den Prozess der Gleichschaltung in der Kultur und den Massenmedien zuständig. Die Reichskulturkammer des von ihm geleiteten „Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda“ (RMVP) war in die Reichspresse-, Reichsrundfunk-, Reichsschrifttums-, Reichsmusik- und die Reichskammer für bildende Künste untergliedert. Wer in einem dieser Berufsfelder arbeiten wollte, musste der entsprechenden Kammer angehören. Die Auswahl der Mitglieder beschränkte sich auf Deutsche mit nationalsozialistischer Gesinnung. Doch nicht nur im personellen Sektor wurde alles „undeutsche“ und der nationalsozialistischen Ideologie widerstrebende beseitigt. So begann man zum Beispiel im Mai 1933 damit, Tausende von Büchern mit der nationalsozialistischen Ideologie widerstrebenden Inhalten oder von nicht „reinrassigen“ Autoren zu verbrennen. Auch der Theaterbereich wurde gleichgeschaltet. Ab 1933/ 34 wurden die Spielpläne umgestaltet und bestimmte Stücke daraus entfernt. Am 1. Juni 1933 wurde der „Preußische Theaterausschuss“ gegründet, um die Intendanten der preußischen Theater hinsichtlich ihrer Herkunft und politischen Gesinnung zu überprüfen und gegebenenfalls zu ersetzen. Im Oktober 1933 hatte der Ausschuss 44 von den 65 untersuchten preußischen Theaterleitern entlassen. Im gesamten Reich, einschließlich Preußen, wurden 75 von 122 Intendanten ersetzt. 2
Das Ziel der Gleichschaltung war eine völlige Durchwirkung aller Bereiche mit nationalsozialistischem Gedankengut und die Vertreibung von aufgrund ihrer Herkunft oder politischen Gesinnung unerwünschten Personen. Zahlreiche Menschen mussten Deutschland verlassen. Unter den Flüchtlingen befanden sich auch so bekannte Personen wie Bertold Brecht, Albert Einstein und Thomas Mann. Durch die Beseitigung jeglichen potentiellen Widerstands gegen das Regime und die damit einhergehende Machtdemonstration wurde die darauf folgende Terrorherrschaft der Nationalsozialisten gesichert.
3. Theaterideologische Ziele und Gruppierungen im Dritten Reich
Nach der Machtergreifung 1933 wurde von den Nationalsozialisten bezüglich der anzustrebenden theaterideologischen Richtung vom deutschen „Nationaltheater“ gesprochen. Allerdings gab es sowohl Schwierigkeiten bei dessen Definition als auch bei dessen
2 Vgl. Theater im „Dritten Reich“. Theaterpolitik, Spielplanstruktur, NS- Dramatik. Hrsg. von Henning Rischbieter. Leipzig: Kallmeyer 2000. S. 17.
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Realisierung. Es stand lediglich fest, dass diese Theaterform die „Volksgemeinschaft“ verkörpern und stärken sollte. 3
Hitler selbst hatte eine Abneigung gegen moderne Theaterformen, er bevorzugte die deutschen Klassiker des 19. Jahrhunderts. In einer Kulturrede am 26. Januar 1928 forderte er: „Wir brauchen keine neue Kunst zu produzieren, wenn wir nichts besseres fertigbringen, konzentrieren wir uns auf das, was schon da ist, was unsterblich ist.“ 4 In diesem Sinne wurden von allen nationalsozialistischen Theatergruppierungen jegliche Aspekte künstlerischer Moderne wie zum Beispiel das Sprechtheater und der Naturalismus als „tendenziöse Überwucherung des Spielplanes internationaler, pazifistischer und bolschewistischer Prägung [...] mit der Verniedlichung alles Heroischen und ihrer Umkehrung in das Psychoanalytische und Perverse“ 5 abgelehnt. Die Psychoanalyse hatte zu dieser Zeit das Interesse der Öffentlichkeit geweckt und man begann innere Widersprüche und ihre Folgen im Theater zu thematisieren. Diese Tendenz wurde von den Nationalsozialisten als besonders „verwerflich“ empfunden, da sie in ihren Augen das verhasste Weimarer Theater kennzeichnete. Das Thema der Darstellung sollte die Zugehörigkeit des Individuums zur „Volksgemeinschaft“ sein, nicht das Individuum selbst. Selbstreflexion und Problembehandlung waren gänzlich unerwünscht, behinderten sie doch das reibungslose Funktionieren der Masse.
Goebbels hatte 1933 in seiner „Rede zur Eröffnung der Reichskulturkammer“ prophezeit: „Die deutsche Kunst des nächsten Jahrzehnts wird heroisch, sie wird stählern-romantisch, sie wird sentimentalitätslos-sachlich, sie wird national mit großem Pathos und sie wird gemeinsam verpflichtend und bindend sein, oder sie wird nicht sein.“ 6 Inwieweit diese Ziele tatsächlich erreicht wurden, gilt es zu untersuchen. Es gab eine Vielzahl an Theatergruppierungen, die verschiedene Konzepte zur Realisierung dieser Idee erarbeiteten, doch nur wenige konnten sich durchsetzen. Einer näheren Betrachtung bedürfen der Rosenberg-Kreis, die Thingspiel-Organisation und der KdF, da sie mit ihren Konzepten theaterpolitische Bedeutung erlangten.
3 Vgl. Dussel, Konrad: Ein neues, ein heroisches Theater? Nationalsozialistische Theaterpolitik und ihre Auswirkungen in der Provinz. Bonn: Bouvier 1988. S. 107.
4 Zitiert nach: Biccari, Gaetano: „Zuflucht des Geistes“? Konservativ-revolutionäre, faschistische und nationalsozialistische Theaterdiskurse in Deutschland und Italien 1900-1944. Tübingen: Narr 2001. (Forum Modernes Theater: Schriftenreihe; Bd. 28). S. 110.
5 Zitiert nach: Dussel, K.: Ein neues, ein heroisches Theater? S. 113
6 Zitiert nach: Biccari, G.: „Zuflucht des Geistes“? S. 118.
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Arbeit zitieren:
Sara Anais Wrede, 2005, Theaterideologische Ziele und Tendenzen im Dritten Reich, München, GRIN Verlag GmbH
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