Freie Universität Berlin, Institut für Theaterwissenschaft
Fachbereich Philosophie und Geisteswissenschaften
PS Basismodul Theatergeschichte Architekturen des Scheins
WS 2007/08
3. Semester
Architektonische Rahmen des iberischen
Stierkampfes-
Die Entwicklung der plaza mayor zur plaza de toros
Viktor Witte
Abgabedatum: 14.07.2008
Inhaltsverzeichnis
1.
Einleitung 3
2.
Der historische Ursprung 4
3.
Das ländlich- dörfliche Stierfest
Die provisorische Stierkampfarena 5
4.
Die plaza mayor in Madrid
Ein Repräsentationsraum der spanischen Monarchie 7
5.
Von der plaza mayor zur plaza de toros
Bedeutungsverlust der plaza mayor unter der
Herrschaft der Bourbonen 9
6.
Fazit 13
7.
Literatur- und Quellenverzeichnis 14
2
1. Einleitung
Die vorliegende Arbeit widmet sich der Untersuchung dreier unterschiedlicher architektonischer Rahmen, die sich aus der Tradition des iberischen Stierkampfes herausgebildet haben. Der Funktionsbau der modernen Stierkampfarena, der plaza de toros, wie wir ihn heute aus vielen spanischen Städten kennen, setzte sich erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts durch und diente damals wie heute ausschließlich als Austragungsort für Stierkämpfe, den corridas de toros.
Als architektonischer Vorläufer der plaza de toros gilt die plaza mayor, die sich von der plaza de toros sowohl architektonisch als auch funktionell bedeutend unterscheidet. Aber auch bei der plaza mayor muss zwischen zwei unterschiedlichen Gebäudetypen unterschieden werden, obgleich die identische Bezeichnung vorerst keinen Hinweis darauf bietet.
Sowohl die plazas mayores in den ländlich-dörflichen Regionen Spaniens als auch die plaza mayor in Madrid zeichnen sich im Gegensatz zur plaza de toros durch eine Mehrfunktionalität aus. Nur sind die ländlich-dörflichen plazas mayores aus eben dieser Funktionsvielfalt entstanden und unterscheiden sich unter diesem Aspekt von Madrids plaza mayor, deren Form von herrschaftlichen und gesellschaftlichen Bedürfnissen bestimmt und vom König dirigistisch geformt wurde.
Die Unterschiede zwischen der dörflich-ländlichen plaza mayor und Madrids plaza mayor gilt es in den folgenden Kapiteln darzustellen und zu untersuchen, bevor abschließend auf die Entwicklung von der plaza mayor zur plaza de toros, der modernen Stierkampfarena, eingegangen werden soll.
3
2. Der historische Ursprung
Beschränkt man sich bei der wissenschaftlichen Untersuchung zur Historie des Stierkampfes auf die iberische Halbinsel, gilt eines als sicher, nämlich dass der tatsächliche Ursprung der fiesta de toros nicht zu rekonstruieren ist1.
Wir wissen nur soviel, dass es bereits im 9. Jahrhunderts [sic] n. Chr. eine Art artistisches Spiel auf Leben und Tod gab, wobei mit den Urstieren2 verschiedene rituelle Bewegungen gemacht wurden, die sich teilweise bis heute erhalten haben, wie zum Beispiel das Springen über den Stier, und dass dieses Umgehen mit den Stieren [...] als Schlachtung und im Anschluss daran als gemeinsames Opfermahl vorgenommen wurde.3
Selbst die römischen Gladiatorenkämpfe, gleichwohl sie wie die moderne corrida4 in Arenen stattfanden, womit zumindest eine architektonische Parallele besteht, stehen in keiner historischen Verbindung zum spanischen Stierkampf.
Interessant ist Bischofs Beobachtung, dass während des Mittelalters in Spanien zwei unterschiedliche Traditionen des Stierkampfes gepflegt wurden, die beide entscheidend zur Entwicklung der modernen corrida de toros beitrugen.
In den ländlichen Regionen, den Kleinstädten und Dörfern feierte das Volk mehrmals im Jahr und meist zu Ehren eines Heiligen mehrtägige Stierspiele, die so genannten fiestas de toros oder encierros5; eine Tradition, die erstmals um 1100 n. Chr. verzeichnet ist und stets einen Volksfestcharakter hatte, zumal die gesamte Gemeinde kollektiv an den Stierläufen teilnahm.
Aus den Stierfesten der bäuerlich-dörflichen Gesellschaft entwickelten sich im 13. Jahrhundert n. Chr. feudale, ritterliche Stierturniere, deren Träger und aktive Teilnehmer ausschließlich Adlige waren.6 Bei dem so genannten torear a caballo, traten Adlige dem Kampfstier zu Pferd und mit einer schweren Lanze bewaffnet entgegen. Das 17. Jahrhundert, zu Zeiten der spanisch-habsburgischen Monarchie
unter König Karl II., stellt die Blütezeit des adligen Stierfestes dar, das sich nunmehr zu einer ,,Repräsentationsform der Monarchie und zu einer
1 Vgl. im Folgenden Bischof (2006)
2 Der Begriff Urstier bezeichnet die Rinderrasse, aus der ein jeder Kampfstier stammt. Bei der Züchtung der Kampfstiere wird der Reinrassigkeit besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Vgl. hierzu auch Braun (1997)
3 Bischof (2006), S. 55
4 Corrida (von spanisch correr, zu deutsch laufen) ist eine gängige Bezeichnung für den spanischen Stierkampf. Vgl. hierzu auch Bischof (2006)
5 ,,Das Wort könnte mit Einbringen oder Eintritt in die Stadt, mit Ein- oder Wegschließen der Stiere übersetzt werden." Braun (1997), S. 40
6 Vgl. im Folgenden von Reichert (1979)
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Viktor Witte, 2008, Architektonische Rahmen des iberischen Stierkampfes, Munich, GRIN Publishing GmbH
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