- 2 - 1. Venture Capital: Begriff und Funktionsweise
Venture Capital (VC) wurde im Deutschen häufig mit „Risikokapital“ übersetzt. Zunehmend setzt sich jedoch die Bezeichnung „Wagnis- oder Chancenkapital“ durch, um diese Finanzie-rungsform nicht mit Spekulationsgeschäften oder sonstigen „Risiko“-geschäften in Verbindung zu bringen. Der Begriff "Venture Capital" wird häufig auch - den internationalen Gepflogenheiten folgend - ganz allgemein für Beteiligungskapital verwendet. Der Grundgedanke des Venture Capital besteht darin, daß Unternehmen in bestimmten Situationen klassischerweise einen hohen Bedarf an Kapital haben, diesen jedoch mit den herkömmlichen Finanzierungsformen nicht decken können. Insbesondere fehlen häufig gerade jungen Unternehmen die für eine Finanzierung mit Fremdkapital erforderlichen Sicherheiten. Gleichzeitig sind die Unternehmensgründer in der Anfangsphase noch nicht in der Lage, ausreichendes Eigenkapital bereitzustellen. Diese Finanzierungsschwierigkeiten haben in der Vergangenheit nicht selten dazu geführt, daß aussichtsreiche Produkte oder Geschäftsideen nicht bis zur Marktreife und zum wirtschaftlichen Erfolg geführt werden konnten, da eine ausreichende Finanzierung nicht zustande kam. Hier setzt die Venture Capital-Finanzierung an: ein Investor/Anleger („Venture Capitalist“) beteiligt sich an einem derartigen Unternehmen in der Regel nur auf Zeit, er führt dem Unternehmen also Eigenkapital zu und stellt so die für den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens/ des Produktes erforderlichen Finanzmittel bereit. Klassisches Beispiel hierfür ist etwa ein kle ines Unternehmen auf dem Software- oder Biotechnologiebereich, das eine aussichtsreiche Geschäftsidee oder ein erfolgversprechendes Produkt (etwa ein Computerprogramm) entwickelt hat, das jedoch für die internationale Vermarktung des Produktes zunächst einmal Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe tätigen muß. Wird einem solchen Unternehmen im Wege des Venture Capital die erforderliche Investitionssumme zur Verfügung gestellt, so kann das betreffende Produkt in kurzer Zeit zur Marktreife gebracht und international zum Erfolg geführt werden. Damit verbunden ist im Erfolgsfall ein erhebliches Umsatzwachstum des Unternehmens und eine entsprechende Gewinnentwicklung, so daß sowohl die ursprünglichen Unternehmensgründer als auch der Venture Capitalist als Geldgeber vom Erfolg des gemeinsamen Produktes / Unternehmens profitieren.
2. Worin besteht der Unterschied zu einem Bankkredit?
Ein Bankkredit gilt als Fremdkapital, für das der Unternehmer Sicherheiten bieten muss. Auch muss der Jungunternehmer das aufgenommene Geld mit Zins und Tilgung zu fest vereinbarten Konditionen und Terminen zurückzahlen. Demgegenüber stellt Venture-Capital Eigenkapital dar, so dass keine Rückzahlungsverpflichtung besteht. Als Gegenwert für die Investition ist der Kapi-
- 3 - talgeberam Unternehmen beteiligt. Er partizipiert am laufenden Gewinn und an der Wertsteige-rung des Unternehmens, ist dafür aber auch am Risiko beteiligt. Dafür erhalten die Kapitalgeber ein gewisses Mitspracherecht bei wichtigen Entscheidungen, etwa bei großen Investitionen oder der Besetzung von Geschäftsführerposten.
3. Kriterien und Ablauf einer VC-Beteiligung
Die Entscheidung des Venture Capitalist, sich an einem Unternehmen zu beteiligen, hängt maßgeblich von der Qualität des Unternehmens, des Unternehmers und des Produktes ab. Allen Beteiligten muß klar sein, daß Venture Capital keine Form der Unternehmenssanierung ist. Eine Beteiligung im Wege des Venture Capital kommt im Gegenteil nur dann in Frage, wenn es sich um ein Unternehmen mit erstklassigen, wettbewerbsfähigen Produkten und einem qualifizierten Management handelt. Das Unternehmen, das Venture Capital aufnehmen möchte, muß sich hie rum regelrecht bewerben und dabei hohen Anforderungen genügen. Das Unternehmen, die Unternehmer und ihre Geschäftsidee / das Produkt werden in einem Geschäftsplan, sogenannten Bus iness Plan dem Venture-Kapitalgeber vorgestellt und erläutert. Von 100 Bewerbungen um eine Venture Capital-Beteiligung sind nur etwa 2 bis 5 erfolgreich, erhalten also das begehrte Kapital.
Dem Einstieg des Venture-Kapitalgebers geht eine umfangreiche Analyse und Bewertung des Unternehmens (due diligence) voraus. Hierbei wird das Unternehmen und seine Produkte, aber auch die Marktsituation und die Chancen des Unternehmens im Markt geprüft. In diesem Zusammenhang spielt daher aus Sicht des Unternehmers eine wichtige Rolle, ob der Venture Capitalist bereits Erfahrung in der betreffenden Branche besitzt. Nicht zuletzt wird aber auch das Management des Unternehmens vom Venture-Kapitalgeber einer Prüfung unterzogen. Gelegentlich kommt es vor, daß der Venture Capitalist zu einer Beteiligung nur bereit ist, wenn das Management ganz oder teilweise ausgetauscht oder ergänzt wird. Gerade bei jungen Unternehmen aus dem Hochtechnologiebereich findet sich häufig die Situation, daß die Firmengründer zwar über hervorragenden technischen Sachverstand verfügen, daß jedoch das betriebswirtschaftliche und Marketing-Knowhow nicht ausreichend ist. Hier wird der Venture Capitalist darauf dringen, die Kompetenzen des Management in diesem Bereich zu verstärken und eine Beteiligung im Zweifelsfall ablehnen, wenn das Unternehmen hierzu nicht bereit ist.
- 4 - 4. Interessenkonflikte und Exit-Strategien
An diesem Beispiel zeigte sich auch bereits ein möglicher Interessenskonflikt zwischen Unternehmen / Unternehmer und Venture Capitalist: Gerade in der deutschen Unternehmenskultur wird, insbesondere von amerikanischen VC-Firmen, die „Herr im Haus“-Mentalität vieler Unternehmer beklagt. Ziel der VC-Gesellschaft ist schlicht und einfach die Erzielung einer möglichst großen Rendite. Insbesondere US-amerikanische VC-Firmen erklären ohne Umschweife, daß sie ausschließlich am Geld interessiert sind. Während dies im US-amerikanischen Bereich weitgehend auf Akzeptanz stößt, ist eine solche Haltung deutschen Unternehmern häufig eher suspekt. Neben der Gewinnerzielungsabsicht spielen in der deutschen Unternehmenskultur häufig auch Aspekte wie Selbstverwirklichung und Selbstbestimmung eine große Rolle. Dies kollidiert mit dem Einfluß, den der Venture Capitalist auf das Beteiligungsunternehmen nehmen möchte und nehmen muß. Wichtiges Kriterium für den Unternehmer wird daher in vielen Fällen die Exit-Strategie des Venture-Kapitalgebers sein: Auf welche Weise soll die ja nur vorübergehende Venture Capital-Beteiligung beendet werden?
Dies kann auf verschiedene Weise geschehen: Der Unternehmer kann die vom VC-Geber gehaltenen Anteile zurückerwerben (buy back), die Beteiligung des VC kann an einen Dritten (trade sale) oder an eine andere VC-Gesellschaft (secondary purchase) veräußert werden, oder das Unternehmen geht nach einer erfolgreichen VC-Beteiligung an die Börse. Bei den beiden letztgenannten Alternativen wird der Unternehmer in der Regel nicht in der Lage sein, eine Mehrheitsbeteiligung an „seinem“ Unternehmen zu behalten; er verliert also in aller Regel den beherrschenden Einfluß auf das Unternehmen. Andererseits wird gerade der Börsengang in der Regel die unter Renditegesichtspunkten attraktivste Exit-Variante sein. Der hier bestehende Interessenskonflikt zwischen Unternehmer und Venture Capitalist sollte bereits möglichst früh angesprochen und geklärt werden, da sonst das Geschäft für beide Seiten zur Enttäuschung werden kann.
5. Die Situation in Deutschland
Wie in vielen anderen Bereichen ist auch die Entwicklung im Bereich des Venture Capital im anglo-amerikanischen Bereich, insbesondere in den USA, sehr viel weiter fortgeschritten als in Europa und Deutschland. Die Venture Capital-Finanzierung ist in Deutschland noch eher selten, bereits in Großbritannien ist das Volumen aller Venture Capital-Finanzierungen viermal größer als in Deutschland, von den USA ganz zu schweigen. In den USA existieren derzeit circa 1000
Arbeit zitieren:
Diplomkaufmann (MBA) Patrick Press, 2002, Der Venture Capital Markt - Thesenpapier, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Wettbewerbsstrategien im Dienstleistungsmarketing am Fallbeispiel MySp...
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Seminararbeit, 26 Seiten
Data Warehouse - Komponente der Business Intelligence und Qualitätsfak...
BWL - Unternehmensforschung, Operations Research
Bachelorarbeit, 89 Seiten
Praxissemesterbericht (Steuerberater)
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Praktikumsbericht / -arbeit, 20 Seiten
Finanzierung junger Unternehmen
BWL - Unternehmensgründung, Start-ups, Businesspläne
Seminararbeit, 47 Seiten
Venture Capital als Finanzierungsalternative für mittelständische Unte...
BWL - Investition und Finanzierung
Seminararbeit, 15 Seiten
RFID - Chancen, Risiken und Umsetzungen einer Technologie
BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik
Hausarbeit, 31 Seiten
Integration neuer Mitarbeiter und die Vermeidung von Konflikten
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Studienarbeit, 35 Seiten
Service Level Agreements als methodischer Baustein des Controllings fü...
Diplomarbeit, 87 Seiten
Ein Leitfaden für Anlauf- und Projektmanagement
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Bachelorarbeit, 105 Seiten
Aufbau einer internetbasierten b2b Handelsplattform für Motorräder
Diplomarbeit, 118 Seiten
Unternehmensfinanzierung mit V...
BWL - Investition und Finanzierung
Hausarbeit (Hauptseminar), 24 Seiten
Online-Shopping - Die Entwicklung des elektronischen Handels
Diplomarbeit, 49 Seiten
VC-Antrag (Business Plan) als Grundlage für eine erfolgreiche VC-Finan...
BWL - Investition und Finanzierung
Hausarbeit, 19 Seiten
Patrick Press hat den Text Der Venture Capital Markt - Thesenpapier veröffentlicht
Patrick Press hat einen neuen Text hochgeladen
Finanzierung von Social Entrepreneurship durch Venture Philanthropy un...
Auswahlprozess und -kriterien ...
Peter Heister
Der Venture Capital-Beteiligungsvertrag (VCB)
Typisierung, Amerikanisierung ...
Nicholas Ziegert
Finanzieren mit Venture Capital und Private Equity
Grundlagen für Investoren, Fin...
Michael Schefczyk
Founder Turnover in Venture Capital Backed Start-Up Companies
Martin Heibel, Nikolaus Franke, Dietmar Harhoff, Joachim Henkel
Theorie der staatlichen Venture Capital-Politik
Begründungsansätze, Wirkungen ...
Ekkehardt Anton Bauer
Erfolgsstrategien deutscher Venture Capital-Gesellschaften
Analyse der Investitionsaktivi...
Michael Schefczyk
0 Kommentare