Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis II
Abbildungsverzeichnis III
1 Einführung 1
2 Grundlagen interner Verrechnungspreise 3
2.1 Begriffliche Abgrenzung 3
2.2 Funktionen interner Verrechnungspreise 5
2.3 Zielkonflikte 9
2.4 Steuerrechtliche Rahmenbedingungen 10
3 Betriebswirtschaftliche Formen interner Verrechnungspreise 12
3.1 Überblick 12
3.2 Marktpreisorientierte Verrechnungspreise 12
3.3 Kostenorientierte Verrechnungspreise 15
3.3.1 Grundstruktur 15
3.3.2 Grenzkosten als Verrechnungspreis 15
3.3.3 Vollkosten als Verrechnungspreis 16
3.3.4 Vollkosten plus Gewinnaufschlag als Verrechnungspreis 18
3.4 Verrechnungspreise als Ergebnis von Verhandlungen 19
4 Steuerliche Methoden zur Ermittlung interner Verrechnungspreise 22
4.1 Überblick 22
4.2 Transaktionsbezogene Standardmethoden 23
4.2.1 Preisvergleichsmethode 23
4.2.2 Wiederverkaufspreismethode 25
4.2.3 Kostenaufschlagsmethode 28
4.2.3.1 Grundstruktur 28
4.2.3.2 Ist , Normal- und Vollkosten 28
4.2.3.3 Voll- und Teilkosten 30
4.2.3.4 Gewinnaufschlag 32
4.3 Gewinnbezogene Methoden 33
4.3.1 Gewinnaufteilungsmethode 33
4.3.2 Gewinnvergleichsmethode 37
4.3.3 Transaktionsbezogene Netto-Margen Methode 39
4.4 Anerkennung der Methoden 41
5 Schlussbetrachtung 43
Anhang 45
Literaturverzeichnis 55
I
Abkürzungsverzeichnis
AO Abgabenordnung AStG Außensteuergesetz BFH Bundesfinanzhof DStR Deutsches Steuerrecht GAufzV Gewinnabgrenzungsaufzeichnungsverordnung HGB Handelsgesetzbuch IFRS International Financial Reporting Standards OECD Organisation for Economic Co-operation and Development OECD-MA OECD-Musterabkommen UntStRefG Unternehmenssteuerreformgesetz US United States US-GAAP United States Generally Accepted Accounting Principles WISU Wirtschaftliches Studium
II
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 : Funktionen von Verrechnungspreisen 5
Abbildung 2 : Einigungsbereich bei Verhandlungen 21
Abbildung 3 : Wiederverkaufspreismethode 25
Abbildung 4 : Kostenaufschlagsmethode 28
III
1 Einführung
Die rasant wachsende Internationalisierung und Globalisierung der Wirtschaft haben verstärkt zu Veränderungen unternehmerischer Strukturen geführt. Um sich weiterhin erfolgreich am Markt behaupten zu können, müssen sich die Unternehmen den sich ändernden Marktgegebenheiten anpassen, über nationale Grenzen hinweg wachsen und sich dem internationalen Wettbewerb stellen. Vor diesem Hintergrund hat sich der Trend zu dezentralen Strukturen durchgesetzt und es haben sich zunehmend international agierende sog. multinationale
1 Konzerne entwickelt.
Rechtlich selbstständige Einheiten multinationaler Konzerne tauschen verstärkt Lieferungen und Leistungen untereinander aus. Diese können sowohl aus der Lieferung halbfertiger oder fertiger Produkte als auch aus der Bereitstellung von Dienstleistungen bestehen. In den 90er Jahren wurden bereits mehr als 60% des Welthandels innerhalb von Konzernen abgewickelt. 2 Die ausgetauschten Leistungen zwischen den verschiedenen Unternehmensbereichen müssen bewertet, Erfolge gemessen, den einzelnen Teilbereichen zugerechnet und versteuert werden. Dies erfolgt über die Verwendung von Verrechnungspreisen.
In der Betriebswirtschaftslehre haben Diskussionen über Verrechnungspreise eine sehr lange Tradition. Bereits 1903 diskutierte Eugen Schmalenbach in seiner Habilitationsschrift die Problematik der Verrechnung interner Lieferungen und Leistungen zwischen verschiedenen Bereichen innerhalb eines Unternehmens. 3 Auch heute stellen Verrechnungspreise eine aktuelle Thematik dar. Insbesondere unter steuerlichen Aspekten gerät das Thema Verrechnungspreis in den Mittelpunkt der Diskussionen. Der wesentliche Grund hierfür ist, dass die Unternehmen das teilweise beträchtliche Steuergefälle zwischen den verschiedenen Nationalstaaten dazu nutzen, um Gewinnverlagerungen in Niedrigsteuerländer vorzunehmen.
Allerdings haben Verrechnungspreise nicht nur eine steuerliche Funktion im Sinne der Einkunftsabgrenzung, sondern sind auch unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten ein Instrument der Koordination und Lenkung.
1 Vgl. Ernst & Young, Verrechnungspreise, 2003, S. 1.
2 Vgl. Horváth, P., Controlling, 2006, S. 568.
3 Vgl. Coenenberg, A., Kostenrechnung, 1999, S. 523.
1
Auf Grund der steigenden Komplexität der Unternehmensstrukturen stellt sich die Frage der Ausgestaltungsmöglichkeiten von Verrechnungspreisen, um den hohen Anforderungen an eine optimale Koordination und Steuerung dezentraler Bereiche gerecht zu werden.
Vor diesem Hintergrund beginnt die vorliegende Diplomarbeit mit der Definition theoretischer Grundlagen interner Verrechnungspreise. Dafür werden zunächst grundlegende Begriffsabgrenzungen vorgenommen. Zudem wird untersucht, welche allgemeinen Funktionen Verrechnungspreise erfüllen und wo mögliche Zielkonflikte bestehen können. Des Weiteren werden die steuerlichen Rahmenbedingungen kurz dargestellt, wobei auf die steuerliche Problematik im weiteren Verlauf dieser Diplomarbeit nicht detaillierter eingegangen wird. Darauf aufbauend werden in einem weiteren Schritt drei ausgewählte betriebswirtschaftliche Formen interner Verrechnungspreise herausgearbeitet. Diese werden auf ihre Durchführbarkeit sowie auf ihre Funktionserfüllung untersucht. Anschließend werden die steuerlichen Ermittlungsmethoden und die damit ver-bundenen Problematiken gesondert aufgegriffen, woraufhin eine kurze Beurteilung der Anerkennung der Methoden folgt.
2
2 Grundlagen interner Verrechnungspreise
2.1 Begriffliche Abgrenzung
Verrechnungspreise sind in der betriebswirtschaftlichen Literatur nicht einheitlich definiert. Schmalenbach bezeichnet den Verrechnungspreis als einen „eigenartigen Preis", der angesetzt wird, um gegenseitig erbrachte Leistungen zu bewerten, wenn einzelne Teile eines Unternehmens in einen „rechnerischen
4 Verkehr treten".
Nach Ewert/Wagenhofer sind Verrechnungspreise „Wertansätze für innerbetrieblich erstellte Leistungen (Produkte, Zwischenprodukte, Dienstleistungen), die von
5 anderen, rechnerisch abgegrenzten Unternehmensbereichen bezogen werden." Synonym für den Begriff des Verrechnungspreises werden in der Literatur ebenso die Bezeichnungen Lenk-, Transfer- sowie Bereichsabgabepreise verwendet.
Zu unterscheiden ist der Austausch unternehmensinterner Lieferungen zwischen einzelnen Kostenstellen, zwischen in sich abgeschlossenen Werken, Bereichen oder Geschäftseinheiten sowie zwischen rechtlich selbstständigen Konzernunternehmen. Die Nutzung von Verrechnungspreisen setzt eine dezentrale Organisationsstruktur des Unternehmens voraus, wobei die verschiedenen Unternehmensbereiche eigenständig Entscheidungen treffen, sich dabei an ihren Bereichserfolgen orientieren und zugleich zur Erreichung des Gesamtunternehmensziels beitragen. Derartige Bereiche können Sparten, Divisionen, Geschäftsbereiche und Profit Center innerhalb eines Unternehmens sein oder als rechtlich selbstständige Tochtergesellschaften fungieren. 6
Verrechnungspreise sind maßgeblich für die Ergebnisverteilung einzelner Unternehmensbereiche und haben demnach einen erheblichen Einfluss auf die Höhe der Bereichsgewinne. Die Bewertung interner Leistungen übt eine Anreiz-, Steuerungs- sowie Motivationswirkung aus und gewinnt somit zunehmend an zentraler Bedeutung. 7
In der Betriebswirtschaftslehre sind Verrechnungspreise von Marktpreisen abzugrenzen. Im Gegensatz zu Marktpreisen, die durch das Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage gesteuert werden, sind Verrechnungspreise stark zweckorientiert und ein Instrument zur Verrechnung interner Lieferungen und
4 Vgl. Schmalenbach, E., Über Verrechnungspreise, 1908/1909, S. 167.
5 Ewert, R./Wagenhofer, A., Unternehmensrechnung, 1997, S. 563.
6 Vgl. Ewert, R./Wagenhofer, A., Unternehmensrechnung, 1997, S. 564.
7 Vgl. Weber, J./Kleindienst, I./Stoffels, M., Internationale Verrechnungspreise, 2004, S. 7 f.
3
8 Indem die einzelnen Bereiche autonome Entscheidungen treffen Leistungen.
können und wie eigenständige Unternehmen agieren, wird versucht, den Marktmechanismus mit dessen Koordinationsfähigkeit auf das Unternehmen zu übertragen. Verrechnungspreise sind somit das Resultat aus der Fiktion eines ‚Marktes’ innerhalb eines Unternehmens. Die Integration mehrerer Bereiche muss allerdings Vorteile für ein Unternehmen gegenüber selbstständig am Markt agierenden Unternehmen haben, da zusätzlich Koordinationskosten u.a. durch die Verwendung von Verrechnungspreisen entstehen. Die Vorteile einer Integration sind bspw. in einer verbesserten Kapazitätsauslastung, in einer besseren Koordination von Produktentwicklungen sowie in der Nutzung und Geheimhaltung von
9 Know-how zu sehen.
Eine Besonderheit stellen Konzernverrechnungspreise dar. Als Konzerne werden wirtschaftliche Einheiten bezeichnet, die sich aus mehreren rechtlich selbstständigen Teileinheiten, sog. Tochtergesellschaften, zusammensetzen. Konzernverrechnungspreise, die in der Literatur vereinfacht als Verrechnungspreise bezeichnet werden, sind dadurch gekennzeichnet, dass sie zwischen verbundenen aber rechtlich selbstständigen Unternehmen, die innerhalb einer Beteiligungsbeziehung zueinander stehen, geleistet werden. Sie werden somit effektiv fakturiert, geschuldet und gezahlt. 10
Im Folgenden bezieht sich der Begriff ‚Verrechnungspreis’ auf den Leistungsaustausch zwischen rechtlich selbstständigen Konzernunternehmen.
Insbesondere bei multinationalen Konzernen gewinnt die Problematik der Verrechnungspreise zunehmend an Bedeutung. Die Festlegung der Verrechnungspreise nimmt erheblichen Einfluss auf die Gewinne der Tochtergesellschaften und somit auch auf die Konzernbesteuerung, da Verrechnungspreise die Höhe der nationalen steuerlichen Bemessungsgrundlage bestimmen. Aufgrund international unterschiedlicher Steuersysteme sind Konzerne demnach bestrebt, ihre
11 Gewinne in steuerbegünstigte Länder zu verlagern. Ebenso sind Gewinnverlagerungen in Hochsteuerländer denkbar. Dies wird bspw. dann der Fall sein, wenn eine Konzerngesellschaft dort hohe Verlustvorträge auszuweisen hat oder diese zu verfallen drohen. 12
8 Vgl. Kotschenreuther, H., Ziele und Funktionen, 1997, S. 446.
9 Vgl. Ewert, R./Wagenhofer, A., Unternehmensrechnung, 1997, S. 564 f.
10 Vgl. Mandler, U., Internationale Konzernverrechnungspreise, 2002, S. 929.
11 Vgl. Weber, J./Kleindienst, I./Stoffels, M., Internationale Verrechnungspreise, 2004, S. 8.
12 Vgl. Kotschenreuther, H., Nationales Recht, 1997, S. 36 f.
4
2.2 Funktionen interner Verrechnungspreise
Neben der Budgetierung und den Erfolgskennzahlen sind Verrechnungspreise
13 ein zentrales Instrument zur Steuerung einzelner Unternehmensbereiche. Die durch Verrechnungspreise ermittelten Wertansätze für konzern- oder unternehmensintern erstellte Lieferungen und Leistungen können mehrere Funktionen erfüllen, die der nachstehenden Abbildung überblicksartig zu entnehmen sind:
Abbildung 1: Funktionen von Verrechnungspreisen
Quelle: Eigene Darstellung.
Aus Controllingsicht steht u.a. die Koordinations- und Lenkungsfunktion der Verrechnungspreise im Mittelpunkt der Betrachtungen. Verrechnungspreise bilden die Entscheidungsgrundlage der Bereiche bspw. für Produktions- und Absatzprogramme. Aufgrund der dezentralen Organisationsstruktur sind die Bereichsmanager danach bestrebt, die Bereichsgewinne für ihren Bereich zu maximieren. Ein mögliches Problem ist jedoch darin zu sehen, dass die getroffenen Entscheidungen aus der Sicht der jeweiligen Bereiche zwar günstig erscheinen, sich aber negativ auf die Erreichung des Gesamtunterneh- 14 mensziels auswirken.
Aufgrund der unterschiedlichen Verflechtungen der Teilbereiche besteht das Bedürfnis nach einem Lenkungsmechanismus und einer Koordination der dezentralen Entscheidungen. Verrechnungspreise unterstützen die Koordination der organisatorischen Teilbereiche sowie die Abstimmung derer untereinander, um die dezentral getroffenen Entscheidungen auf die Zielsetzung des Gesamtunternehmens bzw. des Konzerns auszurichten. Die Höhe der Verrechnungspreise nimmt dabei erheblichen Einfluss auf die Bereichsgewinne und ermöglicht daher
13 Vgl. Horváth, P., Controlling, 2006, S. 569.
14 Vgl. Horváth, P., Controlling, 2006, S. 569.
5
eine Steuerung des dezentralen Entscheidungsverhaltens der Bereichsmana- 15 Verrechnungspreisestellen somit ein übergreifendes Koordinationsinstruger.
ment dar, mit dessen Hilfe die Handlungen des gesamten Unternehmens aufein-ander abgestimmt werden können und infolgedessen zu einer Erreichung des
16 Gesamtunternehmensziels beitragen.
Neben der Koordinations- und Lenkungsfunktion erfüllen Verrechnungspreise zudem eine Erfolgsermittlungsfunktion. Die Bewertung intern erbrachter Lieferungen und Leistungen mittels Verrechnungspreisen ermöglicht eine leistungsgerechte Zuordnung der Bereichserfolge. Den leistenden Bereichen können entsprechende Erträge zugewiesen werden, den beziehenden Teilbereichen
17 entsprechende Aufwendungen.
Somit lässt sich der Gesamtunternehmenserfolg in Teilerfolgsrechnungen unterteilen und den einzelnen Teilbereichen zuordnen. Die Erfolgsaufteilung fördert die Selbstständigkeit und Ergebnisverantwortung der Bereiche und unter Verwendung erfolgsabhängiger Bonus- bzw. Prämiensysteme wird zudem eine Steigerung der Motivation der Bereichsmanager hervorgerufen. 18 Der ermittelte Bereichserfolg bildet die Grundlage für Managemententscheidungen sowohl auf Bereichs- als auch auf Konzernebene hinsichtlich Budget-und Ressourcenverteilung und der Festlegung strategischer Maßnahmen. Um eine Ermittlung der Bereichserfolge durchführen zu können ist es erforderlich, den beteiligten Bereichen Erfolgskomponenten zuzuordnen, die maßgeblich zu dem Erfolg beigetragen haben. Eine exakte Abgrenzung erweist sich jedoch als zunehmend schwieriger, sobald mehrere Bereiche Verflechtungen miteinander aufweisen. Denkbar sind drei Fälle aus denen sich Verflechtungen ergeben
19 können:
• sequenzielle Verflechtung
Die Leistungen eines Bereichs werden von einem anderen Bereich in Anspruch genommen.
• Ressourceninterdependenzen
Die Bereiche konkurrieren um gemeinsame knappe Ressourcen.
• Marktinterdependenzen
Die Bereiche konkurrieren um gemeinsame Absatzmärkte.
15 Vgl. Ewert, R./Wagenhofer, A., Unternehmensrechnung, 1997, S. 567 f.
16 Vgl. Weber, J./Kleindienst, I./Stoffels, M., Internationale Verrechnungspreise, 2004, S. 14.
17 Vgl. Kotschenreuther, H., Ziele und Funktionen, 1997, S. 448.
18 Vgl. Coenenberg, A., Kostenrechnung, 1999, S. 525.
19 Vgl. Ewert, R./Wagenhofer, A., Unternehmensrechnung, 1997, S. 566.
6
Die sog. Synergieeffekte, die sich aus der gemeinsamen Nutzung von Leistungen ergeben, lassen sich nicht verursachungsgerecht den beteiligten Bereichen zuordnen, da sich der daraus resultierende Erfolg nur durch die gemeinsame Leistung ergibt. Eine Möglichkeit einer gerechten Zuordnung kann darin bestehen, Durchschnittswerte zur Erfolgsbeurteilung heranzuziehen oder aber
20 eine gleichmäßige Aufteilung vorzunehmen.
Nicht nur unter konzern- bzw. unternehmensinternen Gesichtspunkten, sondern auch aus externer Sicht haben Verrechnungspreise eine Erfolgsermittlungsfunktion. Sie dienen der Ergebnisbestimmung rechtlich selbstständiger Tochterunternehmen. Die für Transaktionen zwischen verschiedenen Bereichen angesetzten Verrechnungspreise werden von dem externen Rechnungswesen zur Erstellung des steuerlichen Einzeljahresabschlusses benötigt, welcher die Grundlage für die Erstellung des Konzernjahresabschlusses bildet. Die Höhe der Verrechnungspreise dürfte dabei allerdings keine Auswirkungen auf den Konzernjahresabschluss haben, da die konzerninternen Transaktionen und die daraus resultierenden Bereichsgewinne durch Konsolidierungsmaßnahmen rückgängig gemacht werden. 21
Des Weiteren dienen Verrechnungspreise der Erfüllung externer Publizitätsvorschriften nach HGB, IFRS und US-GAAP und werden zur Bilanzierung und Bewertung fertiger und halbfertiger Erzeugnisse eingesetzt. Insbesondere bei multinationalen Konzernen, die einen hohen Anteil grenzüberschreitender Lieferungen und Leistungen aufweisen, bestimmen die angesetzten Verrechnungspreise nicht nur die Höhe der Ergebnisse der Konzerngesellschaften, sondern
22 bilden zugleich die steuerliche Bemessungsgrundlage.
Zusammenhängend mit der Erfolgsermittlung der einzelnen Teilbereiche haben Verrechnungspreise eine Anreizfunktion. Indem Bereichsgewinne als Grundlage für die Beurteilung der Bereiche angesetzt werden, sollen Bereichsmanager zu einem erfolgsorientierten Entscheidungsverhalten motiviert werden. Im Rahmen einer erfolgsabhängigen Vergütung der Bereichsmanager wird deren Handeln durch einen monetären Anreiz auf die Maximierung des Bereichsgewinns und auf die Erreichung der Gesamtunternehmensziele gelenkt. 23
20 Vgl. Ewert, R./Wagenhofer, A., Unternehmensrechnung, 1997, S. 566.
21 Vgl. Horváth, P., Controlling, 2006, S. 570.
22 Vgl. Weber, J./Kleindienst, I./Stoffels, M., Internationale Verrechnungspreise, 2004, S. 15.
23 Vgl. Weber, J./Kleindienst, I./Stoffels, M., Internationale Verrechnungspreise, 2004, S. 15.
7
Eine weitere Funktion von Verrechnungspreisen ist die der Kontrolle. Mit Hilfe einer Gegenüberstellung der geplanten Verrechnungspreise mit den tatsächlich erwirtschafteten Verrechnungspreisen wird es den unter sich abrechnenden Bereichen ermöglicht, eine Kontrolle durchzuführen. Mögliche Planabweichungen, die sich aus dem Soll-Ist-Vergleich ergeben, müssen hierbei sowohl bei den erstellten als auch bei den in Anspruch genommenen Lieferungen und Leistungen berücksichtigt werden.
Kilger ist der Auffassung, dass die Funktion des Kontrollzweckes darin liegt, Preisschwankungen nicht im Rahmen der Wirtschaftlichkeitskontrolle zu berücksichtigen, sondern dass die Kostenkontrolle lediglich auf den Mengenverbrauch
24 beschränkt werden sollte.
Zudem sind in der Literatur weiterhin einige spezielle Lenkungsziele grenzüberschreitender Verrechnungspreisgestaltung vorzufinden. Zu diesen zählen u.a. die Umgehung von Import- und Exportkontingenten, die Verminderung von Enteignungsrisiken und die Begrenzung des Wechselkursrisikos sowie die Begrenzung inflationärer Einflüsse. 25 Auf die speziellen Lenkungsziele wird jedoch im Folgenden nicht detaillierter eingegangen.
24 Vgl. Kotschenreuther, H., Ziele und Funktionen, 1997, S. 449.
25 Vgl. Kotschenreuther, H., Ziele und Funktionen, 1997, S. 449 ff.
8
2.3 Zielkonflikte
Die verschiedenen Funktionen, die Verrechnungspreisen zugerechnet werden können, stehen häufig in Konflikt zueinander. Zum einen kann ein Verrechnungspreisansatz eine Funktion voll und ganz erfüllen, zum anderen jedoch gleichzeitig für eine andere Funktionserfüllung unzweckmäßig sein. Solch ein Zielkonflikt ist insbesondere zwischen der Koordinations- und Lenkungsfunktion
26 und der Erfolgsermittlungsfunktion festzustellen.
Das Ziel der Koordinations- und Lenkungsfunktion besteht darin, ein Gesamtoptimum des Unternehmens zu erreichen, wohingegen die Erfolgsermittlungsfunktion darauf abzielt, den Gewinn innerhalb der beteiligten Bereiche gerecht zu verteilen und messbar zu machen. Dies kann bei vorhandenen Interdependenzen der Bereiche dazu führen, dass das Teiloptimum nicht gleich dem Gesamt- 27 optimum entspricht.
Es kann bspw. unter Koordinationsgesichtspunkten sinnvoll sein, dem beziehenden Bereich, der an außenstehende Dritte liefert, einen großen Preisspielraum einzuräumen. Dafür müssen die Grenzkosten des leistenden Bereichs als Verrechnungspreise angesetzt werden. Bei einem unterstellten linearen Kostenverlauf würde der leistende Bereich aufgrund ungedeckter Fixkosten Bereichsverluste erwirtschaften. Im Rahmen der Erfolgsermittlung sind solche Bereichsgewinne allerdings als wertlos zu betrachten.
Um Zielkonflikte dieser Art zu umgehen, können je nach Funktion unterschiedliche Verrechnungspreise angesetzt werden. Dies würde bedeuten, dass jeder Bereich zwei oder mehrere Bereichsgewinne ermittelt. So kann an dem einen Bereichsgewinn bspw. der Erfolg des Bereichsmanagements gemessen werden, während der andere den tatsächlichen Gewinn ausweist. Eine andere Möglichkeit der Konfliktlösung stellen Eingriffe in die Entscheidungsfindung der Bereichsmanager dar. Diese sind bspw. durch Liefer- und Abnahmebeschränkungen oder aber durch Liefer- und Abnahmeverpflichtungen gekennzeichnet. 28 Weiteres Konfliktpotential besteht zudem zwischen betriebswirtschaftlichen und steuerlichen Zielsetzungen der Verrechnungspreise, da eine aus betriebswirtschaftlicher Sicht optimale Gestaltung der Verrechnungspreise häufig nicht dem
29 steuerlichen Optimum entspricht.
26 Vgl. Ewert, R./Wagenhofer, A., Unternehmensrechnung, 1997, S. 570.
27 Vgl. Coenenberg, A., Kostenrechnung, 1999, S. 525 f.
28 Vgl. Ewert, R./Wagenhofer, A., Unternehmensrechnung, 1997, S. 570 f.
29 Vgl. Weber, J./Kleindienst, I./Stoffels, M., Internationale Verrechnungspreise, 2004, S. 19.
9
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Nadine Mind, 2007, Interne Verrechnungspreise im Konzern - Formen und Methoden der Verrechnungspreisermittlung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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