INHALT:
INHALT:........................................................................................................................................... 2
1. Einleitung: 3
2. Herrmann Paul: Usuelle und okkasionelle Bedeutung 3
2. 1. Unterschiede und Definitionen 3
2. 2. Die drei Hauptarten des Bedeutungswandels 8
2.2.2. Beschränkung auf einen Teil des Vorstellungsinhaltes 9
2.2.3. Übertragung auf das räumlich, zeitlich oder kausal mit dem Grundbegriff
Verknüpfte 10
2.2.4. Ausnahmen von den drei Hauptarten. 11
3. Wilhelm Schmidt: Lexikalische und aktuelle Bedeutung. 13
3.1. Definitionen 13
3.2. Komponenten und Typen der Wortbedeutung. 15
3.3. Kontextgebundenheit der aktuellen Bedeutung 18
3.4. Der verallgemeinernde Charakter des Wortes 23
4. Vergleiche 28
5. Umsetzung 29
6. Literatur: 34
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1. Einleitung:
In der vorliegenden Seminararbeit geht es primär um einen Vergleich verschiedener Ansätze bei der Beschreibung v on Wortbedeutungen. Dabei geht es ausschließlich um die beiden im Titel genannten Dichotomien der Autoren Herrmann Paul und Wilhelm Schmidt. Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Ausgangshaltung, Vorgehensweise und Ergebnis sollen herausgearbeitet werden, wobei zunächst jede Arbeit für sich beschrieben, und anschließend beide einander gegenübergestellt werden sollen. Im Anhang möchte ich versuchen, die vorgestellten Theorien am eigenen Beispiel in die Praxis umzusetzen.
2. Herrmann Paul: Usuelle und okkasionelle Bedeutung
2. 1. Unterschiede und Definitionen
Zunächst hebt Herrmann Paul hervor, dass seine Untersuchungen sich besonders dem Bedeu-tungswandel zuwenden, indem er diesen mit dem Lautwandel vergleicht und Parallelen zieht. Er bekennt sich damit zu einer mehr oder minder diachronen Sichtweise der zu beschreibenden B edeutungsvariationen. Nicht zuletzt trägt der Abschnitt, in dem die Begriffe okkasionell und usuell behandelt werden, den Titel Wandel der Wortbedeutung. Gleich auf der zweiten Seite dieses A bschnittes - Seite 75, § 51 - gibt der Autor eine Definition der beiden Begriffe an:
"Wir verstehen also unter usueller Bedeutung den gesamten Vorstellungsinhalt, der sich für den Angehörigen einer Sprachgenossenschaft mit einem Worte verbindet, unter okkasioneller Bedeutung denjenigen Vorstellungsinhalt, welchen der Redende, indem er das Wort ausspricht, damit verbindet, und von welchem er erwartet, dass ihn auch der Hörende damit verbinde."
In §§ 52 und 53 führt Paul aus, dass die okkasionelle Bedeutung stets einfach ist und etwas Konkretes bezeichnet, wohingegen die usuelle Bedeutung eines Wortes potentiell mehrfach
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ist und deshalb auch nur etwas Abstraktes bezeichnet. Dabei ist anzumerken, dass Herrmann Paul unter Abstraktum einen allgemeinen Vorstellungsinhalt versteht, und unter Konkretum einen real existierenden, räumlich oder zeitlich begrenzten Gegenstand bzw. Zustand. Bei Ferdinand de Saussure gibt es analog hierzu die Unterscheidung zwischen Langue und Parole ( Cours de linguistique générale, 1916), wobei Langue das der Sprache zugrunde liegende Regel- und Zeichensystem meint, und Parole die tatsächlich getätigte sprachliche Ä ußerung, also die R ealisierung der Langue. Vergleicht man die beiden Wortpaare, ergibt sich etwa folgende Entsprechung: Usuell = mehrfache Bedeutung = abstrakt => Langue Okkasionell = einfache Bedeutung = konkret => Parole
Übrigens finden sich auf dem Gebiet der Semantik noch viele weitere derartige Dichotomien, die im Grunde alle mehr oder minder stark auf ein und d enselben Sachverhalt zielen, z.B.: Genotyp vs. Phänotyp; Kompetenz vs. Performanz; Sprachgebilde vs. Sprechakt etc. Neben den Wörtern, die ihrer Natur nach entweder eher etwas Konkretes [z. B. Pronomina, Deiktika, Artikel, auch: gestern, heute, jetzt] oder eher etwas Abstraktes [z. B. je, jemand, irgend etc.] bezeichnen, existieren viele Wörter, bei denen eine eindeutige Zuordnung nicht möglich, und dadurch eine tatsächliche Mehrfachbedeutung nachweisbar ist. Hier gibt Herrmann Paul Beispiele an, bei denen "...nicht nur lautliche sondern auch etymologische Identität besteht." (Seite 77, § 53) Seiner diachronen Vorgehensweise gemäß schreibt er: "In den meisten der angeführten Fälle ist es ohne geschichtliche Studien überhaupt nicht möglich, den ursprünglichen Zusammenhang zwischen den einzelnen Bedeutungen zu erkennen,..." (ebd.)
Seiner Meinung nach beruht also die Mehrfachbedeutung auf einer oder mehreren Ableitungen von einer vormaligen, historisch belegbaren Grundbedeutung, die entweder parallel zu den abgeleiteten Nebenbedeutungen weiterexistiert oder teilweise - bzw. auch ganz - untergegangen ist. Als Beispiele dienen hier Fuchs, Bock, Futter, geschickt und andere. Es stellt sich heraus, dass die okkasionelle Bedeutung stärker situations- und kontextgebunden ist als die usuelle Bedeutung, während diese alle möglichen [okkasionellen] Einzelbedeutungen in sich enthält. Umgekehrt enthält aber auch die konkret geäußerte okkasionelle Bedeu-
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tung alle Elemente der usuellen Bedeutung - quasi im Hinterkopf -, nur dass eben in der j eweiligen Situation lediglich auf eine davon Bezug genommen wird. Überwiegende gemeinsame Vorstellungen, E rfahrungen und Weltbilder auf Sprecher- wie auf Hörerseite sind also Voraussetzung für die richtige Einordnung der jeweils konkreten okkasionellen Bedeutung. Denn, so Paul, selbst in einem usuell gebrauchten, allgemeinen Wort sind unter Umständen nicht nur gemeinsame sondern auch - je nach Individuum und Kontext - verschiedene Einzel-vorstellungen enthalten.
"Das einfache Wort Nadel z . B. kann im einzelnen Falle als Stecknadel, Nähnadel, Stopfnadel, Stricknadel, Häkelnadel etc. verstanden werden." (Seite 78, § 53) Im folgenden (§ 55) wendet sich Herrmann Paul den Mechanismen zu, die das richtige E rkennen der jeweils konkret ´gemeinten´ okkasionellen Bedeutung erleichtern. Der erste ist die gemeinsame Anschauung; das heißt, wenn ein Sprecher und ein Hörer den genannten Gegens-tand beide vor Augen haben, dann ist kaum mit einem Missverständnis zu rechnen, speziell dann nicht, wenn ein weiteres Mittel, nämlich das Deuten und Gestikulieren, noch hinzu kommt. Als zweites ist der Kontext zu nennen. Ein einmal erwähnter Umstand oder Gegens-tand gilt auch im weiteren Verlauf einer Unterhaltung als stets derselbe, auch wenn man ihn nicht immer neu erklärt und seiner Bedeutung nach definiert. Mit Hilfe von Reflexiv- bzw. Demonstrativpronomina oder Adverbien lässt sich der gewünschte Bezug auf das Vorangegangene recht leicht herstellen, ohne dass man ständig die okkasionelle Bedeutung absichern müsste. Der dritte Mechanismus bezieht sich auf die Vorstellung eines Sachverhaltes, die bei Hörer und Sprecher dieselbe sein kann, auch ohne dass gemeinsame Anschauung oder vorherige Erwähnung der Fall sein müssen. Wörter enthalten für das einzelne Individuum immer mehr Informationen als sie lautlich ausdrücken.
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"Die Übereinstimmung in dieser Hinsicht wird erzeugt durch Gemeinsamkeit des Aufent-haltsortes, der Lebenszeit, der Stellung und Beschäftigung, überhaupt mannigfacher Erfahrungen." (Seite 79)
Das bedeutet, dass in der Regel einem Hörer klar ist, dass ein Sprecher mit am Sonntag den jeweils nächstkommenden Sonntag meint, oder dass sich in ländlichen Gebieten die Äußerung ich gehe in die Stadt auf die jeweils nächstgelegene größere Ansiedlung bezieht - ohne dass es weiterer Spezifikationen bedarf.
Ebenfalls hierher gehört das Phänomen, dass sich mehrere Wörter im Zusammenwirken g egenseitig konkretere Bedeutung verleihen können als sie einzeln besitzen. Dabei wird allerdings vorausgesetzt, dass etwa bei einer Kombination von zwei Wörtern das eine nicht mehr erklärungsbedürftig ist. Beispiel: das Schloss des Königs (Seite 80, § 55). In diesem Fall liegt in Schloss eine H omonymie vor, die sich erst durch den Genitiv des Königs auflöst, indem klar wird, dass es sich eben nicht um ein Türschloss, ein Vorhängeschloss oder sonstiges handelt, sondern um ein Bauwerk. S ofern nichts anderes vorausgeschickt wurde, kann man der Äußerung auch entnehmen, dass das Schloss dem einzigen König des Landes gehört, in dem die Aussage getätigt wird, und dass er überhaupt nur ein Schloss hat.
Von hier aus ist es nur ein kleiner Schritt zur in § 56 aufgestellten Theorie, dass die erwähnte Konkretisierung in Zusammenhang mit einer gewissen Spezialisierung der Bedeutung steht. Wichtig hier "... ist die Verbindung, in der ein Wort auftritt." (Seite 81) Auf der Grundlage seiner bereits zuvor vorgenommenen Unterscheidung zwischen Grundbedeutung und abgeleiteter Bedeutung entwickelt Paul sein eigenes Kontextmodell. Dieses besagt, dass bei bloßer, zusammenhangsloser Erwähnung eines Wortes im Hörer wahrscheinlich zunächst die historisch fundierte Grundbedeutung abgerufen wird. Dabei ist es egal, ob vielleicht eine andere Nebenbedeutung sogar die gebräuchlichere ist. Anders sieht es aus, "...sobald in der Seele des Hörenden gewisse Vorstellungsmassen schon vor dem Aussprechen des Wortes erregt sind oder gleichzeitig mit demselben erregt werden, die eine nähere Verwandschaft mit einer abgeleiteten oder selteneren Bedeutung haben." (ebd.) Hiermit ist in erster Linie die äußere, nichtsprachliche Situation gemeint, in der eine Aussage stattfindet. Das Wort Blatt zum Beispiel erhält einen jeweils anderen Bedeutungsschwerpunkt, wenn man es im Wald (´grüner bzw. roter, chlorophyllhaltiger Teil eines Baumes`) o-
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der in einer Kunsthandlung (´meist viereckiges Stück Papier, auf dem etwas aufgemalt odergedruckt ist`) hört. Aber auch die rein sprachliche Verbindung kann dazu beitragen, die verschiedenen möglichen Bedeutungen eines Wortes auf die wahrscheinlichste zu beschränken. Zum Beispiel: ein schwarzes Mal vs. ein zweites Mal; ein Fuchs und ein Schimmel; es kostet zwei Kronen; den Hahn aufdrehen; oder: Land und Leute vs. Wasser und Land vs. Stadt und Land.
In manchen Fällen schließt die okkasionelle Bedeutung nicht alle Elemente der usuellen mit ein, d. h., ein Wort kann über die Schranken seiner Usuellen Bedeutung hinausgreifen; z. B. bei dem Vergleich Hans ist ein Schwein oder anderen bildhaften Ausdrücken. Gemeint ist nämlich nicht eine 1 : 1 Zuordnung im Sinne von A = B, sondern der Umstand, dass Hans gewisse gemeinsame Eigenschaften mit einem Schwein besitzt. Auch das Stilmittel pars pro toto gehört hierher, bei dem ein Begriff automatisch unter einem anderen "...mitverstanden oder auch allein darunter verstanden wird." (Seite 83, § 58) Nach Paul muss aber in jedem Fall, in dem ein Wort über die Schranken seiner usuellen Bedeutung hinausgreift, ein weiterer, bestimmender (kontextueller) Faktor hinzukommen, wenn der Hörer verstehen soll, was gemeint ist - zumindest solange die B edeutung noch okkasionell verwendet wird. Ist eine über sich hinausweisende Wendung ihrerseits erst einmal usuell geworden, so bedarf es keines weiteren Zusammenhangs bzw. Kontextes mehr, um etwa Wendungen wie Durst nach Rache, Feuer der Leidenschaft oder Eigenlob stinkt als bildhafte Ausdrücke zu erkennen. In § 61 ff wird noch deutlicher, welchen Wert Herrmann Paul auf den diachronen Blickwinkel legt, und wie stark demgemäß die Begriffe usuell und okkasionell hierdurch geprägt sind: "In allen besprochenen Abweichungen der okkasionellen Bedeutung von der usuellen liegen Ansätze zu wirklichem Bedeutungswandel. Sobald sie sich mit einer gewissen Regelmäßigkeit wiederholen, wird das Individuelle und Momentane allmählich generell und usuell." (Seite 84)
Das soll heißen, dass okkasionelle Bedeutungen entstehen, wenn einem Wort von wenigen Sprechern eine neue, von seiner Grundbedeutung abweichende Nebenbedeutung zugewiesen wird. Werden diese okkasionellen Bedeutungen von allen Mitgliedern einer Sprachgemeinschaft akzeptiert und als selbstverständlich benutzt, dann ist die okkasionelle Version usuell geworden. Der Bedeutungswandel gilt als vollzogen. Vollendet wird dieser Prozess in der
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Weitergabe der vormals okkasionellen Bedeutungsvariante als usuelle Bedeutung an die nachfolgende Generation. Dies wirkt, laut Paul, deshalb so gründlich, weil Kinder beim Spracherwerb rein konkret und imitatorisch vorgehen und erst allmählich, mit wachsendem Wortvorrat, ein Gefühl für Abstraktionen - und damit auch für usuelle Bedeutungen bekommen. Was für die Eltern der Kinder also noch okkasionell war, übernehmen diese automatisch als usuell. Es gibt daneben aber auch ein bewusstes Eingreifen in die usuelle Bedeutung, wobei versucht wird, mit bestimmten Wörtern einen neuen oder erweiterten Sinn zu verbinden. Hier sind zu nennen die Fachterminologien in Hobby, Gewerbe, Kunst und Wissenschaft; aber auch im Bereich Werbung, Politik und Propaganda ist ein solches Vorgehen zu beobachten.
2. 2. Die drei Hauptarten des Bedeutungswandels
2.2.1. Spezialisierung der Bedeutung durch Verengung des Umfanges und Bereicherung des Inhaltes
Dies meint die Ableitung und Selbständigmachung besonderer Einzelbedeutungen von einer übergeordneten allgemeinen. Hört man beispielsweise den Begriff Schirm, denkt man in der Regel zunächst an Regenschirm, nicht etwa an Lampenschirm. Regenschirm ist also deutlich losgelöster und unabhängiger vom Überbegriff Schirm als z. B. Lampenschirm. Man könnte sagen, Regenschirm ist deshalb usueller, weil bei bloßer Nennung des Wortes Schirm im Gehirn des Hörers die Vorstellung eines Regenschirmes mit weit größerer Wahrscheinlichkeit abgerufen wird als alle anderen denkbaren Modelle von Schirmen. Es hat also bei Schirm eine Spezialisierung der Bedeutung stattgefunden, bei Verengung des lautlichen Umfangs ( Regen- wirdnicht mehr unbedingt benötigt) und gleichzeitiger Bereicherung des semantischen G ehalts.
Als weitere Beispiele entwicklungsgeschichtlicher Verengung gibt Herrmann Paul an: Fass (urspr. Gefäß); Hochzeit (urspr. Fest allgemein); genesen (urspr. am Leben bleiben); List (urspr. Klugheit) etc.
Aus dem Bereich der Fach- und Klassensprachen finden sich: Druck (Buch-); Stich (Stahl/Kupfer-); gerben (urspr. fertig, bereit machen).
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Auch Übergänge zwischen Gattungsbezeichnungen in Orts- und Eigennamen gehören hierher, wie etwa Burg, Zell, Münster, Hof, Neustadt (Villeneuve) oder Newcastle etc. ebenso wie Stilverschiebungen und Wörter, die im Laufe der Zeit einen emotionalen Beigeschmack erhalten haben: Weib, Pfaffe, Mähre usw.
Oft sind Ableitungen aber auch von Anfang an ganz speziell gedacht: Schreiner (Hersteller von Schreinen), Schäfer, Bürger (Bewohner einer Burg oder Stadt), Falkner, bechern, hausen, tafeln, bzw. auch: Eisenbahn, Pferdebahn, Fensprecher, Zweirad...
2.2.2. Beschränkung auf einen Teil des Vorstellungsinhaltes
Das Beispiel fertig wurde bereits genannt, findet sich aber auch hier in § 64 wieder. Ursprünglich bedeutete das Wort: zu einer Fahrt gerüstet, bereit - also das Vorbereitetsein für/auf eine Fahrt (auch: Ritt, Gang etc). Heute meint es eher nur den Abschluss irgendeines beliebigen Vorbereitungsvorganges. Bei fertig hat eine Beschränkung auf einen bestimmten Teil des ursprünglichen Vorstellungsinhaltes stattgefunden, dadurch, dass zunächst das B edeutungselement Fahrt - als selbstverständlich angenommen - in den Hintergrund trat, und daraufhin die Bedeutung sich a utomatisch in Richtung ´Ende der Vorbereitung für eine Fahrt` hin verschob. Schließlich wurde auch das Element Fahrt als irrelevant betrachtet und man bezog fertig auch auf andere Arten von Vorbereitungen. [Ausnahme bis heute: ich mache mich nur noch schnell fertig, dann komme ich mit.]
Häufig bestimmt auch ein Subjekt die Bedeutung des ihm zugehörigen Verbes mit. Wichtig ist dabei ebenfalls der Vorstellungsinhalt, der je nach Umgebung variiert bzw. beschränkt werden kann. Bei gehen z. B. lässt sich der Vorstellungsinhalt auf ´sich fortbewegen` oder auch nur ´sich bewegen` reduzieren. So wurde gehen schon früh auch auf unbelebte Subjekte bezogen, etwa bei "...das Schiff, das Mühlrad, die Uhr geht..." [Paul, Seite 90], der Teig geht (auf), die Zeit (ver-)geht etc. Umgekehrt wird stehen oft in gleicher Weise reduziert g ebraucht, um bei nichtbelebten Subjekten einen Zustand des Verharrens anzuzeigen. (der Stern, das Wasser, die Luft, die Uhr usw.)
Bei mehrfachem Ausdruck desselben Gemeinten wird eines der Wörter um einen Teil seiner Bedeutung reduziert (§ 65). Beispiel: Ein arges Unwetter. Arg = schlimm, Unwetter = schlimm >> arg wird zur bloßen Verstärkung, und im Laufe der Zeit im Süddeutschen sogar für Positives verwendet, wie in arg schön oder es hat mich
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Arbeit zitieren:
Gerald Brandt, 1997, Usuelle vs. Okasionelle Bedeutung, München, GRIN Verlag GmbH
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