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Das neu eröffnete Schloss- und Schlüsselmuseum in Graz zählt zu seinen unzähligen
Schätzen eine reliefartige Eisenreplik des Parthenonfrieses mit den Ausmaßen 131,5 mal 34
cm. Der rechteckige Guss stammt von der Gießerei Ilsenburg, da er im Ilsenburger Tafelwerk
die Inventarnummer 794 trägt.
Der Parthenonfries befand sich am gleichnamigen Tempel in Athen. Heute sind die Platten,
die eine Gesamtlänge von 159,42 Meter haben und über 360 menschliche Gestalten, über 200
Pferde und mehr als ein Dutzend Rinder und Wägen beinhaltet, im British Museum und im
Akropolis Museum. Der Fries wurde von Pheidias im Jahre 480 errichtet und stellt
höchstwahrscheinlich den Panathenäischen Festzug, der in der Peplosübergabe seinen
Höhepunkt findet, dar.
Die Skulpturen des originalen Parthenonfrieses wurden von dem Eisengießer in sechs
horizontalen Streifen nachgeahmt, wobei jeweils zwei Streifen den Nord- bzw. Südfries
darstellen, und jeweils ein Streifen den West- und Ostfries.
Zwischen den Streifen findet sich immer wieder der Name Henning (Abbildung 2 +
Abbildung 3), der diese Replik gegossen hat. Es handelt sich dabei um den schottischen
Künstler John Henning, der 1771 bis 1851 lebte und 1811 von Paisley nach London kam. Er
war einer der ersten Künstler, der Zugang zu den ,,Elgin Marbles" (der Fries wurde im 19.
Jahrhundert von Lord Elgin nach London geschafft und die Monumente tragen seit damals
seinen Namen) hatte, die er zeichnete und versuchte, auch die fehlenden Stellen originalgetreu
wiederzugeben. 1812 erhielt Henning Aufträge von der Prinzessin Charlotte, die bei ihm eine
verkleinerte Elfenbeinnachbildung einer Gruppe des Parthenonfrieses bestellte. Es war
Hennings erste Arbeit in Elfenbein (insgesamt stellte er 19 Stücke aus diesem Material her
1
),
eine Arbeit, die ihn 6 Jahre beschäftigte.
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In weiterer Folge fertigte er eine Darstellung in
Schiefer, welche für 31,50 Pfund verkauft wurde, mehrere Gipsgüsse, einen Guss in Email
und 16 Kupferstiche. Insgesamt elf Jahre seines Lebens verbrachte Henning mit der
Restaurierung und Wiederherstellung der Elgin Marbles.
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Ein Gipsabguss Hennings ist heute im British Museum in London im Raum 1 - 3 zu sehen.
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(Abbildung 1) Dem Museum wurde dieser Guss 1886 von Gräfin Louisa von Seafiled
geschenkt. Kurze Zeit war er verschwunden, bis er im November 2003 durch Zufall wieder
zurück ins British Museum gelangte. Der Museumskurator meint dazu: ,,We have got the next
best thing to the original Elgin Marbles. In fact, in my opinion, we have better than the next
best thing. We have two drawings which no other museum in Britain has."
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Ein weiterer Gipsguss befindet sich im Paisley Museum in Schottland.
Cook erwähnt, dass John Henning ,,produced
[:::] slate moulds, from which sets of plaster casts
werd sold"
6
Und Tournikiotis sagt, dass " the Hennings family developed a minor industry in
reproductions of the frieze in miniature."
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Die
Grazer Eisenreplik wurde jedoch bis jetzt noch
nirgends erwähnt.
Gemeinsam mit seinem gleichnamigen Sohn goss Henning 1828 weitere Repliken des
Parthenonfrieses, die am Athenaeum im Waterloo Palace (London) und auch am Hyde Park
Corner Screen (London) angebracht waren. Beim Athenaeum handelt es sich um einen
Gentelmen´s Club im Stil eines Tempels, der von Decimus Burton erbaut wurde.
1
Malden 1977, Brief von Henning an Miss Pigott, 6.12.1842
2
Malden 1977, Brief von Dr. Wyllie an William Mure, 3.1.1844
3
Malden 1977, Brief von Henning an Miss Pigott, 6. 12. 1842
4
http://www.thebritishmuseum.ac.uk/compass
5
http://www.pressandjournal.co.uk/displayNode.jsp?nodeId=84092&command=displayContent&sourceNode=8
3929&contentPK=10267211
6
B.F. Cook, The Elgin Marbles (2003), 83
7
Tournikiotis, Panayotis, The Parthenon and Its Impact in modern Times (1994), 238
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Vergleicht man die Henning Replik mit dem Original in der Wiedergabe des Nord- und
Südfrieses fallen einige Fehler auf. Der West- und der Ostfries sind dagegen nahezu korrekt
wiedergegeben.
Der Nordfries wird von Henning in zwei Streifen unterteilt. Er beginnt seine Darstellung
jedoch mit den Prozessionsteilnehmern und nicht wie am Original mit der
Reiterkavalkade. Hier fällt auf, dass der Künstler teilweise Pferde oder Figuren weglässt, was
vermutlich mit dem beschränkten Raum zusammenhängt. Die Abstände zwischen den Pferden
variieren sehr stark.
Auch der Südfries wird in zwei Streifen unterteilt. Die Abfolge der Personen stimmt mit dem
Original nicht ganz überein.. Den Apobaten widmet Henning auf diesen beiden Streifen mehr
Platz als im Norden.
Den Ostfries stellt der Künstler dagegen sehr detailgetreu wieder. So stellt Henning einige
Elemente, die mit freiem Auge kaum sichtbar sind, dar. Man kann etwa an Ares´ Ferse das
Ende seines Szepters erkennen, wie es auch am Original der Fall ist. (Abbildung 3 und
Abbildung 2)
Trotzdem nimmt er sich jedoch die eine oder andere Freiheit heraus. So lässt er Demeter
einen Stab anstelle einer Fackel tragen (Abbildung 3+Abbildung 2) oder er stellt Nike
ungeflügelt dar (Abbildung 3 und Abbildung 2).
Auf der Platte IV des Ostfrieses findet man unter Hermes´ Sitz einen Satz gegossen
(Abbildung 4 und Abbildung 2), der jedoch sehr schwer zu lesen ist. Nach zahlreichen
Überlegungen ging ich davon aus, dass die Inschrift ,,The Frieze of the East Portico" heißen
muss, denn immerhin stellt dieser Streifen den Ostfries dar. Eine ähnliche Beischrift finden
wir am Westfries, diese heißt ,,West Portico."
Trotz all seiner kleinen Ungenauigkeiten kann man davon ausgehen, dass Henning die
Problematik des Frieses verstanden hat, denn alles hängt von der Deutung des Ostfrieses, den
er ja sehr genau und sehr ausführlich dargestellt hat, ab.
Des weiteren findet man links und rechts der Streifen unter anderem Beischriften, die als
,,heroum consessus" und ,,supra parthenonis portam orientalem" zu lesen sind (Abbildung
5+6) und am Original nicht existieren. Die Übersetzung heißt, ,,Zug der (eponymen) Helden"
und ,,über dem Osttor des Parthenon." Es ist erstaunlich, dass Henning die Gruppe der
eponymen Heroen schon richtig benennen konnte und offenbar für seine Kunden beschriftet
hat.
Ungelöst bleibt weiterhin, warum neben dem gegossenem Namen Hennings oft der Buchstabe
P und F und das Wort London auftaucht. (Abbildung 4+2) Eine Erklärung wäre, dass es sich
bei dem Buchstaben P. um eine Abkürzung für Parthenon handeln könnte. Allerdings muss
man sich dann die Frage stellen, wieso auch unter einigen Personen der Buchstabe P. alleine
zu finden ist? Eine Bedeutung für dieses P ist deswegen kaum anzugeben.
Der Buchstabe F. könnte als eine Abkürzung für Frieze stehen. Diesen Buchstaben finden wir
immer nur in Kombination mit dem Namen Henning nie alleine.
Ein anderes nicht zu lösendes Problem sind die ,,Nummerierungen" am unteren Rand des
Friesstreifen. So finden wir am Westfries die Abkürzungen W 8, W9 etc, im Süden S 8 , S9,
im Norden N 8 und N9 und im Osten E8 und E9. Diese Nummerierungen stimmen jedoch
weder mit den Plattennummern überein, noch mit den Plattenfugen. (Abbildung 5+Abbildung
3)
Jan Ludwig
Wenig detailreicher Aufsatz bei dem nach der Leseprobe nur noch wenig kommt...
on Thursday, October 21, 2010-