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Zum Datendandy:
"Vielleicht handelt es sich bei mir da einfach um einen
Sause1trieb ... / ... Das geschieht vielleicht auch manchmal
ganz unnötig, aus Lust an der Provokation oder Lust an Unsinn oder wie immer ... / ... Ich habe nicht die Vorstellung, daß es wissenschaftliche Erkenntnisse gibt, die auf die Praxis angewendet werden könnten ..."
Niklas Luhmann, Archimedes und wir. Interviews, Merve Verlag Berlin 1987, S. 150, 93, 135.
"Es ließe sich natürlich, pathetisch ausgedrückt, ein Eid
darauf schwören, daß die Leute, die den Korrekten mit dem
Elegant zu verwechseln blöde genug sind, keine Ahnung davon haben, was es heißt, das Impromptu nicht außer acht zu lassen,
und hierin gerade liegt das Wesen des Dandisme. ... Ich bin
ein Dandy, nicht weil ich korrekt bin, sondern weil ich bei aller Korrektheit niemals das Impromptu außer acht lasse. Der
Korrekte, der es außer acht läßt, ist der Gentleman. Der Dandy
ist sich seiner Korrektheit bewußt. Auch der Gentleman ist
nicht naiv. Aber der Dandy ironisiert sein Bewußtsein. Der
Gentleman ironisiert weder sein Bewußtsein noch irgend etwas
auf der Welt. Der Gentleman ist so korrekt, daß er der Ironie einfach unfähig ist, wie einer, der zum Beispiel - nicht schwimmen kann. Der Gentleman ′kann nicht schwimmen1: er würde
entweder untergehen - höchst korrekt untergehen - oder auf dem
Wasser obenauf bleiben, wenn er sehr substanzlos ist. Der
Dandy ist jederzeit bereit zu schwimmen. Aber er trifft
niemals Anstalten dazu. ′Anstaltentreffen′ heißt: der
Beobachtung zugängliche Anstalten treffen, und der Dandy ist überhaupt nicht zugänglich, am allerwenigsten der Beobachtung.
Der Dandy ist von allen Seiten gleich unverdächtig.
Verdächtig ist er nur im Innern, - dem nämlich, der selbst die
Seele eines Dandy hat. Den andern, Gentleman und Nichtgentlernen, ist er nicht verdächtig, sondern entweder
unangenehm oder angenehm. Das ist, wie alle Geschmacksachen,
etwas ganz Persönliches. Was dem brutalen Beobachter am Dandy
unangenehm auffällt, ist seine Vielfältigkeit, die Rundheit, die ihn reizt, weil er eben einseitig, einfältig, eckig ist. Der Dandy ist geschliffen. Er kann alle seine Facetten, indem
er sich langsam dreht, erglänzen lassen. Er kann sie funkeln
machen und - auslöschen. Aber sie bleiben immer geschliffen. Der Ungeschliffene haßt instinktiv den Dandy. Der Joviale möchte ihn hänseln, gutmütig ′aufziehen′. Von dem Dandy gleitet alles ab. Er ist glatt und immer höflich. Höflichkeit
ist glatter als polierter Stahl. Gegen Höflichkeit kann selbst Freundlichkeit nicht ankämpfen. Freundlichkeit haucht die
Facetten des Dandy an. Sie werden trüb. Aber nur für einen
Moment."
Richard von Schaukai, Leben und Meinungen des Herrn Andreas
von Balthesser - eines Dandy und Dilletanten, München 1907;
Kostprobe in: Gerd Stein (Hg.), Dandy - Snob - Flaneur.
Dekadenz und Exzentrik, Frankfurt a.M. 1985, S. 69-71.
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12)/26) "Diese Tüftler verschließen sich in einer selbstgebauten
Monade, ... die als Raum ohne Fenster oder Türen, die Existenz der Welt leugnen will. Dieser Akt ist eine Leugnung des Prinzips ′Ich bin angeschlossen, also existiere ich′." Geert Lovink, Hör zu - oder stirb! Fragmente einer Theorie der
souveränen Medien, Berlin - Amsterdam 1992, S. 81.
"Sein Zappe(l)n": "Es ist zum Veitstanzen" (Roger Willemsen,
Kopf oder Adler. Ermittlungen gegen Deutschland, Berlin 1994
(1990, S. 45) S. 50.
13)/14)/16)/17)/41) "Der Dandy verweigert die condition masculine,
die darin liegt, den Prozeß der Ähnlichkeit aller männlichen
Wesen zu inkarnieren. ... Er stellt sich in das Zeichen des
Scheins und anstelle des geforderten Seins. ... / ... Dieses neue Individuum steht im Zeichen des Scheins, des asozialen,
verschwenderischen Luxus, kurz des ewigen zersetzenden
Hauptfeindes dieses mystischen männlichen Körpers der modernen Republiken, des Weiblichen. Der neue look kündigt sich ... in den ′Zazous′ an, einem französischen Phänomen unter deutscher Besatzung. Auch in dieser Zeit hatten diese jungen Männer zur allgemeinen Empörung nichts Besseres zu tun, als sich mit
ihrem look zu beschäftigen: sich die Haare wachsen zu lassen
und sich in einer Zeit der härtesten Lederrationierung durch undurchsichtige Transaktionen auf dem Schwarzmarkt so viel
Leder wie möglich zu besorgen, um dem letzten Schrei, der eine Plateausohle aus Leder zum absoluten must machte, nachzukommen. Sie zogen den Haß aller damals politisch korrekt
Denkenden auf sich: den der résistance wegen fehlender politischer Seriosität, den der französischen Provinz wegen
ihres effeminierten Luxus."
Barbara Vinken, Mode nach der Mode. Kleid und Geist am Ende des 20. Jahrhunderts, Frankfurt a.M. 1993, S. 28-29 und S. 32.
15)/28) "Der vertrauensvolle Stand des Ökonomen auf dem festen
Boden der Knappheit wird erschüttert, wenn er erkennt, daß seine Füße tatsächlich im Treibsand der kulturellen Werte versinken. Wenn Menschen sich unzulänglich zu fühlen beginnen,
verhalten sie sich defensiv. Das ist eine verständliche, aber unglückselige Reaktion, denn der einzige intellektuelle Stil, der den Ökologen und den Ökonomen aus ihrer allgemeinen Misere
befreien kann, ist expansiver, leichtsinniger Optimismus ; etwas, das auf Sicherheit bedachten, theoriesammelnden Pessimisten nicht leicht fällt."
Michael Thompson, Die Theorie des Abfalls, über die Schaffung und Vernichtung von Werten, Stuttgart 1981 (Rubbish Theory.
The creation and destruction of value, Oxford University Press
1979), S. 304.
"Eine Luxusproduktion dieser Art gerinnt nicht zum festen,
unwandelbaren Produkt, zum Warending, sondern das, was den
Luxus ausmacht: sein irritierender, erektiver, sich
verströmender Charakter, lebt auch in der Produktion selbst, [...]
Arbeit zitieren:
Detlef Rüdiger, 1994, Der ornamentierte Datendandy, München, GRIN Verlag GmbH
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