Inhaltsverzeichnis
1 Vom Körper zum Geist: Ein Arzt wird Denker. 3
1.1 Einleitung 3
1.2 Der Lebensweg des Autoren. 3
1.3 Historischer Kontext 4
2 aīy Ibn Yaqzān - Ein philosophischer Roman 5
2.1 Philosophische und zeitgenössische Einflüsse auf Ibn Ţufail. 5
2.2 Inhaltliche Ebene: Der lange Weg zur Wahrheit. 6
2.2.1 Vorgeschichte 6
2.2.2 Erster Lebensabschnitt: Die Entdeckung des Ichs 6
2.2.3 Zweiter Lebensabschnitt: Die Entdeckung der natürlichen Umwelt. 7
2.2.4 Dritter Lebensabschnitt: Erkenntnis des irdischen Ordnungsprinzips 7
2.2.5 Vierter Lebensabschnitt: Erkenntnis des einzigen Gottes 7
2.2.6 Fünfter Lebensabschnitt: aīy erlangt die ultimative Erkenntnisstufe 8
2.2.7 Ende der Siebenjahreszyklen: Nächste Etappe: aīy, Absāl und
Sal āmān 8
3 Ibn Ţufails philosophische Weltanschauung: einige Aspekte 10
4 Literaturverzeichnis: 12
2 2
1 Vom Körper zum Geist: Ein Arzt wird Denker
1.1 Einleitung
„ O was für Schritte hat die Weltweisheit seit der Zeit des Verfassers getan! Seine Begriffe von der Welt, von der Seele, und seine ganze Moral sind höchst elend.“ Zu dieser Ansicht gelangte Mendelsohn nachdem er Ibn Ţufails philosophischen Roman aīy ibn Yaqzān gelesen hatte. Doch nicht alle Rezensenten schlugen den gleichen Tenor an. Andere besangen den Roman mit Lobliedern. Der Roman spaltete nicht nur die Zeitgenossen Mendelsohns, sondern er ist fast zeitlos in seiner Polarisierung zwischen totaler Ablehnung und Panegyrik. Wer aber vermochte es diese Wirkung zu evozieren?
Diese Arbeit widmet sich dem Autor Ibn Ţufail. Sie versucht zunächst seinen Lebensweg zu konstruieren, kontextualisiert diesen im historischen Rahmen und wendet sich dann den Inhalten seines Romans aīy Ibn Yaqzān zu. Anhand des Romans werden schließlich zentrale Elemente von Tufails philosophischer Weltanschauung herausgearbeitet und diskutiert.
1.2 Der Lebensweg des Autoren
Die Informationen über den Urheber des aīy ibn Yaqzān sind relativ spärlich. Mit vollem Namen hieß der Autor Abu Bakr Ibn Abd al-Malik Muhammad Ibn Ţufail al-Qaisi oder lateinisiert Abubacer. Er wurde um das Jahr 1110 bei Wādī Āsch, dem heutigen Guadix, 60 km nordöstlich von Granada, geboren. Ibn Ţufail entstammte einer wohlhabenden Familie und war der Sohn eines Gelehrten. Im Alter von etwa 20 Jahren zog er nach Granada und begann sein Studium der Medizin. Nach seinem Abschluss praktizierte er dort, bewegte sich in Gelehrtenkreisen und stieg alsbald zum Wesir des Stadthalters auf. Insgesamt verbrachte der Arzt 16 Jahre in Granada von1130 bis 1146. Nach diesem Lebensabschnitt, brach er seine Zelte in Spanien ab und verließ Al-Andalus 1 1147. Seine neue Heimat sollte Marrakesch werden, die Hauptstadt der Almohaden. Doch von Marrakesch aus, verschlug es Ţufail zunächst nach Ceuta. Dort trat er 1154 als Hofsekretär in den Dienst des Gouverneurs von Ceuta und Tanger, dem Sohn Abd al-Mu'mins dem Begründers der almohadischen Dynastie. Der Autor zeichnete sich am Hofe des Gouverneurs durch seinen scharfen Verstand aus und erregte so die Aufmerksamkeit des Almohadenkalifs Abū Yaqūb
1 Al-Andalus bezeichnet die Gebiete Spaniens unter islamischer Herrschaft. Zur Etymologie:
Siehe Halm, 1989. 3 3
Yūsuf (1163-1184). 1163 rief dieser Ţufail an seinen Hof in Fes und ernannte ihn zu seinem Sekretär und Leibarzt. In Fes verfasste der Autor zahlreiche Werke über Medizin, Philosophie und asketische Poesie. 1169 holte der schreibende Leibarzt den jungen Philosophen Ibn Rušd von Cordoba an den Hof in Fes. Nach fast 20 Jahren im Dienste des Kalifen in Fes zog sich Ibn Ţufail 1182 vom Hofleben zurück und verstarb schließlich 1185 in Marrakesch.
1.3 Historischer Kontext
Ibn Ţufail wurde in ein der Kultur und Wissenschaft feindliches Klima geboren, die Herrschaftszeit der nordafrikanischen Almoraviden 2 . Diese hatten 1086 Al-Andalus erobert und die Ţa’ifa-Splitterreiche vereint. Somit bildeten sie eine geeinte Front gegen die christliche Reconquista und konnten ihr Einhalt gebieten. Doch ein Kollateraleffekt dieser militärischen Erfolge war der kultureller Abstieg in Al-Andalus. Denn die Almoraviden vertraten einen strengen, orthodoxen Islam, der Philosophie und Astronomie als Häresie betrachtete. Es kam zu massiven Verfolgungswellen, Bücherverbrennungen, Hinrichtungen und Gefängnisstrafen für „Häretiker“, das heißt vor allem für Philosophen.
Nach etwa sechzig Jahren an der Macht wurden die Almoraviden 1147 gestürzt. Die neue Kraft waren die Almohaden 3 , deren Hauptstadt Fes im heutigen Marokko liegt. Unter der Almohadendynastie blühte das unterdrückte, kulturelle Leben in Al-Andalus wieder auf. Als Reaktion auf den Radikalismus der Almoraviden, stütze sich die Theologie der Almohaden auf Rationalität. Besonders das anthropomorphe Gottesbild der Almoraviden wurde dekonstruiert. Unter der Herrschaft der Almohaden kam es somit zu einer neuen Blütezeit der Philosophie. Der Einfluss der Fuqahā’, der Rechtsgelehrten, sank kontinuierlich. Die Fuqahā’ waren die traditionellen Gegner der Philosophie und aller griechischen Wissenschaften und waren daher die Günstlinge und Stützpfeiler der Almoraviden gewesen.
Eine herausragende Stellung für die Renaissance der Philosophie nimmt der Kalif Abū Ya'qūb Yūsuf ein. Vor allen anderen Almohadenkalifen, ging er als Sammler von Büchern und als Mäzen der Wissenschaft und Philosophie in die Annalen ein. Seinen Hof in Fes schmückte er mit Intellektuellen aus arabischsprechenden Ländern. Dazu zählte auch der andalusische Ibn Ţufail. Den Kalifen und den Philosophen soll sogar
2 Al-Moraviden: von arab. al-murābitūn= die Grenzkämpfer
3 Almohaden= al-Muwahhidūn: Diejenigen, welche die Einheit (tauīd) Gottes bekennen. 4 4
Arbeit zitieren:
M.A. Sandra Calkins, 2006, Ibn Ţufail: Leben und Werk des andalusischen Philosophen, München, GRIN Verlag GmbH
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