Inhalt
1. Einstieg 3
2. Die atomare Selbstzerstörung 4
3. Umweltzerstörung und kriegerische Gewalt in der Gegenwart 5
4. Kriegsursache Wasser 7
5. Der Kampf um die letzten Barrel Öl 10
6. Das Zeitalter der ökologischen Krise 12
7. Schlußbetrachtung 19
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1. Einstieg
In dieser Arbeit soll thematisiert werden, wie eine sozial-ökologische Destabilisierung von menschlichen Lebensräumen und Ressourcenknappheit Kriege bzw. bewaffnete Konflikte verschärfen aber auch auslösen können. Dafür ist es notwendig, sich die Beschaffenheit ökologischer Gefahren detaillierter anzusehen und Aspekte der Konflikt-forschung und ökologischer Grundlagenforschung enger aufeinander zu beziehen. In einem ersten Schritt soll aufgezeigt werden, wie die heutige Situation von Umweltzerstörung und konfliktauslösenden Faktoren sich gestaltet. Dies geschieht auch unter dem Gesichtspunkt, welche Schlußfolgerungen sich daraus für zukünftige Entwicklungen ergeben könnten, soweit das heute schon ersichtlich ist. Genauer betrachtet werden sollen danach die Konfliktsituationen um die Ressourcen Wasser und Erdöl, weil sich an diesen Bespielen prägnant Potentiale für mögliche zukünftige Ressourcenkriege zeigen lassen.
Im zweiten Schritt wird problematisiert, welche Konsequenzen das Zusammenwirken von zerstörerischen Klimaveränderungen, Bevölkerungswachstum, knapperen Ressourcen und anderen Faktoren hervorrufen könnte und welche Destruktivpotentiale daraus für kriegerische Handlungsoptionen erwachsen. Hier sind selbstverständlich nur Grundzüge aufzeigbar, die sich aus einer Zuspitzung der ökologischen Krise im globalen Maßstab ergeben würden. Eine weiterreichende Vorhersage wird kaum möglich sein, da die anthropologisch verursachten Zerstörungsprozesse, die eintreten können, zwar gut beschrieben werden können, aber mit großen Unwägbarkeiten behaftet sind, was den Zeitpunkt ihres Eintretens und die komplexen Folgewirkungen betrifft. Es könnte durchaus sein, daß ein bislang nicht beachteter „Nebenfaktor“, zum entscheidenden Problem bei der globalen Destabilisierung der Biosphäre wird. So manche nichtlineare Entwicklung kann überhaupt nicht abgeschätzt werden. Wenn wir von der Gefahr einer ökologischen Weltkrise sprechen, dann ist dabei nach wie vor die Gefahr eines Atomkrieges mit katastrophalen Folgen immer mitzubedenken. Die Möglichkeit einer vollständigen selbstverschuldeten Selbstzerstörung der Zivilisation durch einen Atomkrieg sei in einem kurzen einleitenden Exkurs noch mal vergegenwärtigt, hat doch diese Gefahr jahrzehntelang die internationale Ordnung mitgeprägt. Es geht hier darum alle Faktoren, die auf eine Auslöschung der Mensch-
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heit hinlaufen können mit im Blick zu haben. Dazu würde gewiß auch eine Kriegsführung oder international organisierte Terrorakte mit biologischen Arsenalen führen können, etwa bei Pocken, oder gentechnisch produzierten neuartiger Viren und Bakterien. In allen solchen Fällen wäre am Ende das globale ökologische Gleichgewicht völlig aus Fugen geraten.
Gravierende Umweltschäden können auch bei konventionell geführten Kriegen auftreten. In der Geschichte des Krieges war es keine Seltenheit, daß Trinkwasser verseucht wurde, landwirtschaftliche Nutzflächen als Versorgungsgrundlage der örtlichen Bevölkerung abgebrannt wurden oder der Boden durch Versalzung unfruchtbar gemacht wurde. Staudämme und Deiche wurden zum Kriegsziel. Die USA vernichten mit Herbiziden und Brandwaffen im Vietnamkrieg die Vegetationsdecke 1 , und der Irak setzte im zweiten Golfkrieg über 500 Erdölbohrstellen in Brand. Dies soll hier nicht eingehender betrachtet, aber der Vollständigkeit halber genannt sein.
2. Die atomare Selbstzerstörung
In der Endphase des West-Ost-Konfliktes konnten beide Seiten zusammen 1,6millionenmal die auf Hiroshima niedergegangene Atomexplosion an Zerstörungskapazität auslösen. Auf jeden Einwohner eines NATO-Staates kamen umgerechnet 60 Tonnen Sprengstoff. 2 Die Vorwarnzeit für atomare Einschläge der jeweils anderen Seite lag bei etwa vier Minuten. Mehrfach gerieten die damaligen Supermächte in die akute Gefahr, sich einen atomaren Schlagabtausch zu liefern, man denke nur an die Kubakrise, aber auch weitere analog gefährliche Ereignisse lassen sich aufzeigen. Ein atomarer Weltkrieg hätte verheerende Folgen für die menschliche Zivilisation ausgelöst und die Ökosphäre unseres Planeten in existentiellem Grade vernichtet. Je nach Intensität und Konfiguration des atomaren Weltkrieges wäre auch eine vollständige Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen auf unserem Planeten möglich gewesen, bei der fast alle Lebewesen in Folge vernichtet worden wären. Durch einen atomar ausgetragenen Krieg würde eine verheerende radioaktive Verseuchung eintreten. Große Teile der Erdatmosphäre verglühen, die Atmosphäre ist mit
1 Georg Weingartner; Der Schutz der Umwelt im Kriegsrecht, Österreichische Militärische Zeitschrift, 3/2001
2 Franz Alt; Frieden ist möglich. Die Politik der Bergpredigt, München, 1991, S.23
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Staub und Qualm längerfristig verdunkelt. Selbst ein begrenzter Atomkrieg würde einen atomaren Winter auslösen. Die Ozonschicht in der Stratosphäre wäre zerstört und könnte uns nicht mehr vor der kurzwelligen UV-B-Strahlung schützen, massenhaftes Auftreten von Hautkrebs, ein drastischer Rückgang von Pflanzenwuchs und anderes mehr wären die Folgen. 1
Ein globaler atomarer Schlagabtausch kann sich nach wie vor aus verschiedenen politischen Konstellationen heraus entwickeln, nicht zuletzt deshalb, weil immer mehr Staaten in der Welt im 21. Jahrhundert über Atomwaffen verfügen bzw. verfügen werden. Der beendete Ost-West-Konflikt nahm nur die Intensität der Aufmerksamkeit von diesen Gefahren. Die Kriegsgefahr zwischen den einstigen Blöcken wurde als gebannt wahrgenommen, doch solange nicht die letzten Atomsprengköpfe abgerüstet sind, wird diese Form einer globalen Selbstvernichtung des Menschen und der Biosphäre weiterhin potentiell möglich sein. Auch andere kriegerische Massenvernichtungsmittel können analoge Folgen zeitigen. Überlagert wird die atomare Selbstmordgefahr aber durch die langfristige, schleichende Vernichtung der natürlichen Lebensgrundlagen, die wir durch unseren Lebensstil und unsere Produktionsweisen verursachen, in besonders hohem Maße in den reichen Industrieländern.
3. Umweltzerstörung und kriegerische Gewalt in der Gegenwart
Schon zwischen 1994 und 1997 spielten bei einem Drittel der beobachteten Kriege und bewaffneten Konflikte Umweltzerstörung und damit verbundene Knappheiten von Existenzmitteln für die Menschen eine Rolle. Jedoch gibt es bisher keine kriegerischen Auseinandersetzungen, die allein um natürliche Ressourcen und Umweltzerstörung geführt würden. 2 Allerdings muß man beim zweiten Golfkrieg davon ausgehen, weder die Besetzung Kuwaits noch der folgende amerikanische Angriff wäre ohne die Ölinteressen der beteiligten Parteien zum Zuge gekommen. Der Irak ist in Kuwait einmarschiert, um sich die reichen Ölfelder des Landes einzuverleiben, und die USA sicherten sich durch den nachfolgenden Krieg den Zugang zu den Ölvorräten im Persischen
1 Enquetekommission „Schutz der Erdatmosphäre“ des Deutschen Bundestages (Hrsg.); Schutz der Erdatmosphäre. Eine internationale Herausforderung, Bonn, Karlsruhe, 1990, S.121; Franz Alt; Liebe ist möglich. Die Bergpredigt im Atomzeitalter, München, 1991, S.51
2 Alexander Carius, Eileen Petzold-Bradley, Stephanie Pfahl; Umweltpolitik und nachhaltige Friedenspolitik, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 12/2000, S.9
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Arbeit zitieren:
Marko Ferst, 2002, Das Phänomen Krieg im Zeitalter der ökologischen Krise, München, GRIN Verlag GmbH
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